Aus dem Piemont in die Welt

Ursprünglich sollte der süße Brotaufstrich "Supercrema gianduja" (Nougat Superkrem) heißen. Weil aber das Wort "Super" in Italien in Verbindung mit einem Markennamen verboten ist, bildeten die findigen Italiener aus "nut = Nuss" und der italienischen Verkleinerungsform "-ella" einen neuen Markennamen, der die Vermarktung in aller Welt erleichterte.

Heute verkauft Ferrero pro Jahr 250.000 Tonnen Nutella in weltweit 75 Ländern und hatte einen Jahresfirmenumsatz von 10 Milliarden Euro mit einem Nutellaanteil daran von 2 Milliarden Euro. Ferreros Verwaltung sitzt nach wie vor in Alba in Italien, die Aktiengesellschaft ist aber in Luxemburg eingetragen.

Inzwischen ist Nutella im Sprachgebrauch ein Gattungsbegriff für alle Nuss-Nougat-Cremes geworden ähnlich wie Maggi als Begriff für Würzmittel.

Palmöl ist in seiner Vielseitigkeit mit dem Erdöl vergleichbar

Palmöl und Erdöl haben gemeinsam, das beide höchst vielseitig verwendbar sind.

Erdöl wird außer als Energiequelle zum Heizen und Autofahren, in der gesamten chemischen Industrie für die Fertigung benötigt. Es ist in PVC und Schaumstoffen enthalten, genauso wie in Synthetikfasern, pharmazeutischen Produkten und Kosmetika. Diese Aufzählung ist nur beispielhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

Am Palmöl kommt der Verbraucher bei seinen täglichen Einkäufen sowohl in konventionellen wie auch genau so häufig in Bio-Produkten kaum vorbei, denn es ist enthalten in Waschmitteln, Reinigungs- und Putzmitteln oder Kosmetika wie Cremes und Lippenstiften, ebenso in Kerzen und sogar im Kraftstoff, erst recht aber in vielen Lebensmitteln wie Margarine, Pizza, Keksen, Schokoriegeln, Suppen und Fertiggerichten. In Tütensuppen sorgt das Palmöl dafür, dass das Pulver nicht in der Tüte klebt.

Der Bedarf an Palmöl ist riesig: Allein in der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls als agrarielle Beimischung in den Biosprit.

Palmöl schadet der Umwelt

Viele Jahre sind Umweltschutzorganisationen wie Amnesty International gegen das Palmöl zu Felde gezogen, weil immer, wenn ein neues Ölpalmenfeld geschaffen wird, Regenwald weichen muss und damit Tierarten wie der Orang-Utan vom Aussterben bedroht werden. Auch auf sogenannten "nachhaltig bewirtschafteten" oder "Bio"-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit, so die Umweltschützer.

Ölpalmen gedeihen am besten im feucht-warmen tropischen Klima entlang des Äquators Südostasiens, Lateinamerikas und Afrikas. Dort werden täglich Regenwälder gerodet, damit Platz für die Plantagen der Ölpalmen entsteht. Heute nehmen die Plantagen der Ölpalmen auf der ganzen Welt mehr als 27 Millionen Hektar Land ein. Das ist eine Fläche von der Größe Neuseelands oder Großbritanniens.

Nur zum Vergleich: Luxemburg würde in Neuseeland 108 Mal und Österreich immerhin noch knapp 3,5 Mal hineinpassen.

Palmöl ist billig herzustellen und preislich interessant

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Auf einer ein Hektar großen Ölpalmenplantage können durchschnittlich 3,7 Tonnen Palmöl erzeugt werden. Auf der gleichen Fläche könnten nur 20 Prozent an Sojaöl oder 25 Prozent Sonnenblumenöl gewonnen werden.

Palmöl ist relativ günstig einzukaufen. Eine Tonne Palmöl kostet auf em Weltmarkt rund 800 Dollar. Für die gleiche Menge Sonnenblumenöl müsste die Industrie bereits 845 Dollar bezahlen und für Rapsöl sogar 920 Dollar.

Die Herstellung von Palmöl

Das Palmöl wird aus dem gelblich/orangefarbenen Fruchtfleisch als auch zum geringen Maße aus den Kernen der Ölpalmfrüchte (Palmkernöl) gewonnen.

Wenn die Ölpalme zirka drei Jahre als ist, bildet sie in großen und dichten Büscheln wachsende Früchte. Im vierten bis sechsten Jahr steigert sich das Heranbilden von Früchten immer mehr und behält die hohe Produktion von Früchten bis zirka zu ihrem 20. Lebensjahr bei. Im ausgewachsenen Zustand bringen Ölpalmen rund 15 Mal im Jahr Fruchtbüschel von ca. 20 Kilogramm und einen Ertrag von durchschnittlich 3,69 Tonnen pro Hektar hervor. Dann geht der Fruchtertrag wieder zurück und die alten Palmen werden schrittweise durch neue Palmen ersetzt.

Wenn sich die ersten Früchte aus dem Fruchtbüschel lösen, ist mit 45 bis 50 Prozent der höchste Ölgehalt und damit der Erntezeitpunkt erreicht.

In die ganze Welt liefern Indonesien und Malaysia zusammen etwa 50 Millionen Tonnen Palmöl. Das sind rund 85 Prozent der Weltmarktproduktion.

Die Vorteile des Palmöls

Anders als andere pflanzliche Fette ist das Palmöl bei Zimmertemperatur von fester Konsistenz und muß somit nicht gehärtet werden. Palmöl schmeckt neutral, ist sehr lange haltbar, macht alle Lebensmittelprodukte gut streichfähig und ist sehr hitzebeständig. Diese Eigenschaften und der Preis machen Palmöl für unzählige Produkte der Lebensmittelindustrie höchst interessant.

Nischenprodukt Palmkernöl

Der Umfang der Palmkernölproduktion beläuft sich weltweit auf "nur" acht Prozent der Palmölproduktion. Diese vier Millionen Tonnen der Palmkernölproduktion sind wegen der besonderen Eigenschaften von Palmkernöl aber wichtig für die gesamte Waschmittelfertigung, besonders für Shampoos, Duschgels und sonstige Wasch- und Reinigungsmittel, sowie die gesamte Kosmetikproduktion.

In Deutschland werden laut WWF ungefähr acht Prozent des weltweiten Bedarfs an Palmkernöl verarbeitet. Es wird hauptsächlich in der deutschen Süßwarenindustrie benötigt.

Palmöl schadet der Gesundheit des Menschen

Der Verzehr von Palmöl birgt für den Menschen gesundheitliche Gefahren wie die Verursachung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes oder die Schädigung von Erbgut.

Zuletzt im Mai und Dezember 2016 hat die EFSA eine Studie vorgelegt und auf die potentiellen Gesundheitsgefährdungen hingewiesen, wenn beim starken Erhitzen von Palmöl auf über 200 Grad Celsius, um Bitterstoffe auszuscheiden, sogenannte Fettsäureester (3-MCPD) entstehen können. Diese Warnung unterstützt auch das deutsche Bundesinstituts für Risikobewertung und hält Palmöl für krebserregend. Außerdem führe der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren im Palmöl zu schlechteren Blutwerten und steigere das Risiko für Gefäßverkalkung und Diabetes.

Die EFSA ist eine europäische Behörde, die von der Europäischen Union finanziert wird und unabhängig von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten arbeitet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung arbeitet im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Zurück zu Nutella und Ferrero

Nach dem wirksamen Presseauftritt der französischen Umweltministerin Ségolène Royal war Ferrero offensiv nach vorne gegangen und hatte erklärt, die Firma werde am Palmöl festhalten und verwende seit 2013 nur noch Palmöl aus rückverfolgbar nachhaltig bewirtschafteten Plantagen. Nach Angaben des Unternehmens würde Ferrero Temperaturen unter 200 Grad für die Raffination des Öls nutzen und beim Palmöl bleiben. "Wenn wir Nutella ohne Palmöl herstellen würden, würden wir einen minderwertigen Ersatz für das echte Produkt nutzen", sagt Ferrero-Einkaufsleiter Vincenzo Tapella. "Das wäre ein Schritt zurück." Dass das auch im Einkauf eine Kostenfrage ist, vergaß er zu erwähnen. Er weiß die Nutella-Fans in seinem Rücken, denn "es gibt viele Nuss-Nougat-Cremes, aber nur ein Nutella".

Was ist in Nutella drin?

 

 

Eine Darstellung der Verbraucherzentrale Hamburg

 

 

 

Die französische Umweltministerin Ségolène Royal nahm diese Erklärungen der Firma zum Anlass für eine Entschuldigung und lobte die Bemühungen von Ferrero. Andererseits dürfte sie gewiefte Politikerin genug sein, zu wissen, dass ein Feldzug gegen Nutella weitaus pressewirksamer ist als ein Feldzug gegen Palmöl.

Erste Wirkungen

Gobbetti

 

 

Die größte italienische Supermarktkette Coop will in den nächsten Wochen in allen ihren über 1350 Läden aufgrund der EFSA-Studie Nutella aus den Regalen herausnehmen. Auch der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla (Foto Homepage © Barilla), der weltweit größte Pastahersteller, verwendet ab sofort kein Palmöl mehr.

Ist eine Zertifizierung für nachhaltig erzeugtes Palmöl ein Ausweg?

Im Jahr 2004 wurde auf Initiatibe des WWF (World Wildlife Fund) der RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil = Runder Tisch für nachhaltiges Palmen Öl) gegründet. Ihm gehörten vor einigen Monaten bereits 1439 Mitglieder an, darunter 190 deutsche. Der RSPO beteiligt vor allem Umweltschutzverbände und Nichtregierungsorganisationen, aber auch Firmen wie Hersteller und Zulieferer im Umfeld der gesamten Wertschöpfungskette von Palmöl.

 Neben dem Ziel, nachhaltige Anbaumethoden zu fördern, geht es auch um die Vermeidung von damit im Zusammenhang stehenden Umweltschäden. Eine RSPO-Zertifizierung sorgt dafür, dass harte Kriterien bezüglich der ökonomischen und ökologischen Ausrichtung in der Palmölproduktion eingehalten werden.

Welche Kriterien gelten für eine Zertifizierung?

  • Um für die Produktion von Palmöl benötigte Flächen nutzbar zu machen, darf kein Regenwald gerodet werden.
  • Die Beschäftigung Minderjähriger nach den jeweiligen Regelungen des Anbaulandes ist untersagt (Verbot der Kinderarbeit).
  • Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften werden als Vorschriften des RSPO zwingend mit eingeschlossen.
  • Die Ausstellung eines RSPO-Zertifikats durch einen unabhängigen Zertifizierungsdienst, wie beispielsweise BM TRADA, ist nur dann möglich, wenn alle (nicht nur vorzeigbare Teile einer Plantage) verwandten Rohstoffe aus nachhaltigen und entsprechend zertifizierten Plantagen stammen.

Welche Schwächen stehen der Durchsetzung einer Zertifizierung entgegen?

Da viele Hemmnisse sehr plausibel sind, hier nur einige Gründe in Stichworten:

Die Produktion von Palmöl ist in den vergangenen 30 Jahren um das Zehnfache angestiegen. Die zunehmende Nachfrage erklärt sich aus den vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Rohstoffs

Der weltweit steigende Verbrauch führt zu einer kontinuierlichen Ausdehnung der Anbauflächen.

Zahlreiche Berichte und Studien belegen, dass für den Palmölanbau nach wie vor riesige Regenwaldflächen abgeholzt werden und die Bevölkerung gewaltsam vertrieben wird oder nur eine unzureichende Entschädigung erhält.

Die Arbeitsverhältnisse auf den Plantagen entsprechen überwiegend weder internationalen Standards noch der lokalen Gesetzgebung.

Selbst zertifizierte Unternehmen halten die Kriterien des RSPO nur unzureichend oder gar nicht ein. Gründe dafür sind mangelnde Überwachung und das Fehlen wirksamer Sanktionsmechanismen. 

Die Einführung freiwilliger Standards bringt gar nichts. Ein RSPO allein ist überfordert.

 

Auch kriminelle Machenschaften beim Vertrieb von Palmöl?

Ganz aktuell äußerte sich das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) am 27. Januar 2017 besorgt über das Quantum von Lebensmittelfälschungen in aller Welt. Die Gewinne, so BVL-Präsident Helmut Tschiersky, seien genau so groß wie beim Menschenhandel oder im Drogengeschäft.

Als Beispiel von prägnanten Lebensmittelfälschungen nannte Tschiersky speziell die Tatsache, dass Palmöl zu teurerem roten Palmöl eingefärbt werde.

Palmöl erkennen und eventuell meiden

Der Verbraucher wird wohl auf absehbare Zeit auf sich selbst angewiesen bleiben.

Auch die EFSA will nicht grundsätzlich Palmöl verbieten. Aber weil Palmöl in so vielen Lebensmitteln verarbeitet ist und mehrere kleine Dosen gemeinsam eine größere Dosis ergeben, sollte der Verbraucher gezielt beim Einkauf darauf achten, ob in den Lebensmitteln Palmöl enthalten, und wenn ja, in welcher Menge.

Dabei sollte die Liste der Inhaltsstoffe durchgelesen werden. Unter den Inhaltsstoffen ist Palmöl entweder wörtlich oder als "pflanzliches Fett (Ölpalme)" aufgeführt.

Da Palmöl kennzeichnungspflichtig, ist die Menge an Palmöl auch zu ermitteln. Die Inhaltsstoffe sind absteigend aufzuführen. Ist für Palmöl keine Prozentzahl angegeben, aber der Inhaltsstoff auf der Liste vor dem Palmöl zum Beispiel mit 21 Prozent und der Inhaltsstoff nach dem Palmöl mit 12 Prozent, dann muß der Anteil des Palmöls zwingend zwischen 12 und 21 Prozent liegen.

Im übrigen: Wer selbst kocht, kennt auch die tatsächlichen Inhaltsstoffe seiner Mahlzeiten, und Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl verfeinern jedes Essen und sind gesund.

Autor seit 4 Jahren
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