Gründung des Bistums Havelberg

Kaiser Otto I. hat 946 das Bistum Havelberg begründet. Im Zuge der ersten Deutschen Kolonisierung des Ostens hatte dieses Bistum die Aufgabe, die östlich der Elbe siedelnden slawischen Stämme zum Christlichen Glauben zu bekehren. Havelberg ist neben Brandenburg an der Havel der älteste Bischofssitz östlich der Elbe.

Im Jahr 983 kam es zum großen Aufstand der Slawen. Während des Liutitzenaufstandes 983 wurde der Bischofssitz zerstört und Havelberg war dann bis 1128 eine Residenz slawischer Fürsten.

Wiederbegründung des Bistums im 12. Jahrhundert

1129 wurde Anselm, ein Schüler des Erzbischofs Norbert von Magdeburg, zum Bischof von Havelberg ernannt. Unter seiner Regie wurde 1150 mit dem Neubau des Domes "St. Marien" in Havelberg begonnen. Das Baumaterial stammte aus Steinbrüchen bei Plötzky und kam auf der Elbe nach Havelberg. Es entstand eine romanische Basilika zwischen zwei turmartigen Querriegeln im Osten und Westen. Dazwischen entstand ein dreischiffiges Langhaus mit flacher Holzdecke. Ein Triumphbogen trennte den Chor vom Langhaus ab. Der Chor war querrechteckig und von einer halbrunden Apsis abgeschlossen. Der Westbau hatte zu den Kirchenschiffen fünf Rundbogenportale. Im Obergeschoß öffneten sich drei weitere große Bögen zum Mittelschiff.

Die Weihe des neuen Doms fand 1170 unter Teilnahme von Albrecht dem Bären, dem askanischen Begründer der Mark Brandenburg, statt. Diesem Dom wurde ein Prämonstratenser-Chorherrenstift angeschlossen.

Ab 1271 bis 1548 nutzten die Bischöfe von Havelberg vor allen die Burg Wittstock als Wohnsitz.

Die zweite Zerstörung und der gotische Umbau

Ein Brand zerstörte 1279 wesentliche Teile des Domes. Die Basilika wurde gotisch mit Backsteinen wieder aufgebaut. Die Fenster im nördlichen und südlichen Seitenschiff wurden vergrößert. Das Mittelschiff wurde aufgestockt und gotische Obergadenfenster eingesetzt. Die romanischen Arkaden wurden gotisch verblendet. Der Chorraum wurde polygonal geschlossen. Der gesamte Umbau war um 1330 abgeschlossen. Denn in diesem Jahr weihte Bischof Dietrich I. den Hochaltar. Der Anbau der Marienkapelle im südlichen Seitenschiff erfolgte im 14. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert entstand daneben die Annenkapelle.

Machtkampf und Reformation

1506 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Havelberger Domkapitel und den brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus Hohenzollern. Der Streit endete mit der Aufhebung des Prämonstratenser-Klosters und der Einsetzung eines weltlichen Domstifts. Erst 1561 setzte sich in Havelberg die Reformation durch und das Domkapitel wurde lutherisch und nur noch Söhne des Kurfürsten wurden zu Bischöfen gewählt. 1571 kamen die Besitzungen des Bistums an das Kurfürstentum Brandenburg. 1598 wurde das Bistum Havelberg aufgehoben. 1819 erfolgte die Aufhebung des Domstifts.

Chor (Bild: haros)

Veränderungen in der Neuzeit

Mit den Restaurierungen des 19. Jahrhunderts gab es weitere bauliche Veränderungen. Das betraf einige Portale und Fenster. Der Fußboden wurde erneuert und die Farbgebung des Innenraums mehrmals verändert. 1907 bis 1909 wurde in den Turm schließlich ein neoromanisches Portal eingebaut und ein weiteres Geschoß mit Dachreiter aufgesetzt.

Nach 1990 wurde der große Dom renoviert. Für die evangelische Gemeinde in Havelberg wurde der Dom neben der ebenfalls recht großen Stadtkirche St. Laurentius eine nicht mehr zu tragende Belastung. Daher wurde der Havelberger Dom 1996 der Domstiftung des Landes Sachsen-Anhalt übergeben.

In den klosterbauten am Dom hat das Prignitz-Museum seine Heimstatt. 2015 ist in die Umgebung des Domes das Havelberger Freigelände der Bundesgartenschau 2015.

Ausstattung des Doms zu Havelberg

Um 1300 wurde das eichene Chorgestühl geschaffen. Die Triumphkreuzgruppe und drei Sandsteinleuchter stammen aus der Zeit um 1330. Aus dem Jahr 1885 ist die derzeitige Bemalung der Triumphkreuzgruppe. Einige Glasmalereien sind um 1350 angefertigt worden. Weitere um 1400 mit Bildern aus dem Leben Christi. Um 1370 wurden die große Madonna und die Chorschranke mit Maßwerk und Figurenschmuck aus Sandstein gearbeitet. Um 1410 entstand die Laurentiusskulptur. 1430 folgten zwei Verkündigungsreliefs und eine Grabtumba mit Alabasterfigur. Von 1450 stammt ein Pietà-Relief. 1470 entstanden eine weitere Madonna aus Sandstein und die Glasmalerei des Marienfensters. Die Sandsteintaufe stammt von 1588. Die Kanzel wurde 1693 geschaffen. 1700 folgte der Hochaltar mit dem Abendmahlgemälde. Eine Orgel wurde 1777 eingebaut.

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