Manchmal ist es nicht einfach, in die Zukunft zu blicken. Zumindest für mich nicht. Ich bin -  bei aller Neugier auf das Kommende - eine hoffnungslose Nostalgikerin. In Museen halte ich mich stundenlang auf, und auf Floh- und Trödelmärkten stehe ich oft nachdenklich vor einem bestimmten Gegenstand, vielleicht einem abgeliebten, zerfetzten Teddybären, und frage mich, was der wohl schon alles hinter sich hat. Auch alte Fotografien um 1900 ziehen mich magisch an, ebenso die Musik der "Comedian Harmonists", Deutschlands erste Boygroup (und wie schön, dass es die auf CD gibt statt auf empfindlichen Schelllackplatten, die damals zur Aufnahme verwendet wurden).

Die Sendung "Kunst & Krempel" nahm bei mir eine Zeitlang einen hohen Stellenwert ein. Spannend, zu erfahren, was manche Leute an Familienschätzen horten, und was die dann wert sind... ich selbst habe leider keine mehr. Mein altes Spielzeug fiel im Zuge von Wohnwechseln den  Müll schluckenden Containern zum Opfer. Dabei habe ich sehr gerne gespielt, gelegentlich sogar bis zur Manie, habe darüber die Zeit vergessen und wollte gar nicht ins Bett gehen. Am liebsten waren mir dabei die Legofiguren mit Tierköpfen, auch als "Fabuland" bekannt. Die Produktion dieser niedlichen Gesellen wurde Mitte der Achtziger Jahre eingestellt, doch Internet sei Dank (nein, sie ist nicht schlecht, die Gegenwart) gibt es sie noch. Allerdings - ich will sie nicht wiederhaben. Das wäre dann doch recht sentimental. Außerdem muss man ja irgendwann erwachsen werden. Trotzdem ist es schade, dass man die Fähigkeit, völlig in ein Spiel einzutauchen und Geschichten zu erfinden, mit der Zeit im Normalfall verliert, es sei denn, man ist Schauspieler oder Schriftsteller von Beruf.

Dank meines Hobbys, dem Schreiben, kann ich wenigstens phantastische, zeitlich weit entfernte Welten erfinden. Ich denke, da hat mir meine verspielte Kindheit eine Menge Vorschub geleistet, in der ich ab und zu sogar zu Büchern gegriffen habe. Enid Blytons "Fünf Freunde" haben es mir dabei besonders angetan, nicht Harry Potter. Wahrscheinlich schreibe ich deshalb gerne über Freundschaften. Mit Zauberei, Parallelwelten und Vampiren kann man mich dagegen jagen wie Dracula mit Knobi, und ich glaube manchmal, dass man mich da falsch gepolt hat... (O; Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Summa summarum bin ich froh, ein Kind des letzten, ausgehenden Jahrtausends gewesen zu sein, denn trotz allem Komfort von heute glaube ich, dass die Welt ein wenig anders, vielleicht sogar für Kinder und Erwachsene gleichermaßen schwieriger zu bewältigen geworden ist. Jedenfalls ist sie (glücklicherweise) nicht stehen geblieben. Ein bisschen kälter kommt sie mir vor. Das liegt aber eventuell einfach daran, dass man erwachsen wird, Nachrichten und die Medien aufmerksamer verfolgt und seinem eigenen Glück selbst im Weg steht, weil man zu hohe Ansprüche an sich stellt, Dinge komplizierter macht, als sie sind. Nichts mehr mit Spielen, die die Phantasie beflügeln.

Ich würde mir dennoch wünschen, dass man Herausforderungen auch als "Großer" spielerischer und weniger verbissen angehen könnte. Dass man nicht alles so furchtbar ernst nimmt. Und sich manchmal mit den Kleinen in die Spielecke setzt und wieder klein sein darf.

 

P.S. Falls jemand doch noch die "Kitty-Katze" aus der Fabulandserie besitzt und sie nur unnötigen Platz wegnimmt - hier fände sich ein freiwilliger Abnehmer....*g*

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor seit 6 Jahren
77 Seiten
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