Penny klärte mit einer radikalen Aktion den Verbraucher auf

Ohne Vorwarnung – und damit wurde die Wichtigkeit von Bienen dem Verbraucher besonders deutlich – räumte Penny in seiner Filiale in Langenhagen bei Hannover am 14. Mai für einige Stunden 60 Prozent seiner Regale leer und stellte ein Schild auf: "Biene weg. Regal leer". So standen die Kunden vor leeren Regalen, denn 60 Prozent der Produkte des Discounters hängen direkt oder indirekt von Bienen ab. Das "Aha-Erlebnis" der Verbraucher war deutlich und radikal, als 1600 von 2500 Produkten beim Obst, Shampoo oder bei den Tiefkühlpizzen im Angebot fehlten..

Penny verdeutlichte schriftlich, daß nicht nur Obst, Shampoos, und Pizzen betroffen sind, sondern auch Kakao, Kaffee, Fertiggerichte, Kosmetikartikel, Baumwollkleidung und Süßigkeiten würde es ohne die fliegenden Helfer kaum oder gar nicht mehr geben. Auch mariniertes Fleisch, Gewürze oder Toilettenpapier mit Kamillenblütenduft wären für immer aus den Regalen.

Zu kaufen waren indessen bei Penny noch alkoholische Getränke, weil sich Hopfen und Wein selbst bestäuben. Außerdem fanden die Kunden Milchprodukte, Fleisch und von Bienen unabhängige Gemüsesorten wie Brokkoli, Blumenkohl oder Tomaten vor.

Positive Reaktionen der Verbraucher

Die Botschaft war sehr deutlich angekommen. Maßnahmen gegen das Bienensterben wurden von einer großen Mehrheit der Verbraucher spontan unterstützt, denn die Wichtigkeit von Bienen und Insekten war ihnen noch niemals so deutlich vor Augen geführt worden wie an diesem Montag bei Penny.

"Das ist die einzige Sprache, die die Menschen verstehen. Und es geht auch nur ohne Vorwarnung. Sehr gute Aktion", schrieb ein Nutzer. Ein anderer betonte: "Eine sehr gute Aktion, die mal konkret erfahrbar macht, welche Auswirkungen die intensive Landwirtschaft auf unsere Lebensmittelversorgung hat.". Und weiter: "Dass die Insekten fast weg sind, merkt übrigens jeder Autofahrer: Das ganze Jahr über keine zerschellten Insekten an der Windschutzscheibe."

Pestizide gefährden besonders die Wildbienen

Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier der Menschen. Über 75 Prozent der Kulturpflanzen benötigen Bienenbestäubung, bei den Wildpflanzen sind es sogar über 90 Prozent.

Beim Thema Bienensterben warnt Bienenforscher Otten vom Bienenforscher beim rheinland-pfälzischen Dienstleistungszentrum in Mayen, vor Missverständnissen. Der Experte sieht bei den Honigbienen nur ein geringes Problem, weil die Zahl der Tiere genauso zunimmt wie die Zahl der Imker.

Schwierig sei die Situation bei den meist in Erdlöchern lebenden Wildbienen, die sich oft auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert haben, auf die die Tiere angewiesen sind. "Wenn diese Blütenpflanzen plötzlich verschwinden, wird es problematisch." Es gibt nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF rund 550 Wildbienenarten in Deutschland.

Auch Schmetterlinge sind durch die Pestizide bedroht.

Drei Pestizide verboten

Die drei schlimmsten Pestizide hatten die EU am 21.4.2018 mit einer dreimonatigen Übergangsfrist verboten. Es handelt sich um die bienenschädlichen Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Schon nach kleinsten Dosen dieser giftigen Wirkstoffe verlieren Bienen ihre Orientierung und ihr Gedächtnis.

Diese weitläufig genutzten Pestizide haben Auswirkungen auf die Nervensysteme von Insekten sowie auf ihr Gewicht und ihre Fortpflanzungsorgane. Normalerweise werden sie vor der Aussaat auf Samen aufgetragen. Tatsächlich absorbieren die späteren Pflanzen jedoch weniger als 20 Prozent der Chemikalien; der Rest sickert in die Umgebung ein.

Experten zufolge können Neonicotinoide verschiedene Insekten bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen oder sogar töten. Zudem beeinträchtigen sie das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit der Tiere. Die tödliche Dosis liege für die betroffenen Wirkstoffe bei etwa vier Milliardstel Gramm pro Biene.

Umweltschützer erhoffen sich von dem Verbot Hilfe im Kampf gegen das Bienensterben. Sie fordern aber ein vollständiges Verbot der Pestizide. Agrarverbände befürchten als Folge des Verbots dagegen Qualitäts- und Ertragsverluste

Weltbienentag

Mit dem durch die UN Mitte Dezember 2017 beschlossenen Weltbienentag am 20. Mai 2018 und jährlich wiederkehrend am 20. Mai soll "durch Bildung und Aktivitäten das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Bienen und anderen Bestäubern, die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind sowie ihr Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung erhöht werden," hieß es in der Entschließung. Bienen und andere Bestäuber seien essenziell wichtig für die globale Lebensmittelproduktion und tragen zur Lebensmittelsicherheit bei. Sie schaffen sie mit ihrer "Arbeit" einen wirtschaftlichen Wert von jährlich bis zu 577 Milliarden US-Dollar.

Außerdem sind die Insekten ein wichtiger Bestandteil vieler Ökosysteme und werden als guter Indikator für ein gesundes Ökosystem angesehen.

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