Damit der Zug nicht an Geschwindigkeit verliert, geben die Narrenzünfte der Stadt mit ihrer Musik den Lauftakt an.

Seine Durchlaucht Fürst Karl-Friedrich von Hohenzollern, links im Bild, am "Auseliga"...
Seine Durchlaucht Fürst Karl-Friedri ...

Seine Durchlaucht Fürst Karl-Friedrich von Hohenzollern, links,und Zunftmeister eichelmann (Bild: Monika Hermeling)

Der Ursprung des Hemmedglonckerumzugs

Offiziell beginnt die schwäbisch-alemannischen Fasnet am Dreikönigstag. Am frühen Morgen des "Auseliga", wenn die Straßenfasnet beginnt, werden in Sigmaringen Schüler, Beamte und Arbeitnehmer, von ausgewählten Mitgliedern der Narrenzünfte Vetter Guser, Schbiallumbaschlecker (Spüllumpenschlecker), Schlossnarro, braune und traditionelle Fledermäuse, Hanfertaler Eulen und wie sie alle heißen, an ihrem Arbeitsort von der Arbeit befreit und zum lustigen feiern am Marktplatz mitgenommen. Erwachsene ermuntern sich auf dem Weg dorthin gegenseitig mit auffordernden Gesten und dem Ruf: "Nauf auf''d Stang (rauf auf die Stange)", der an den Brauch des bräutelns erinnert.

Im Artikel: Sigmaringen, eine traditionell, charmante Stadt, im frischen Grün, wird die Stadt Sigmaringen vorgestellt.

Wenn es dunkel geworden ist, fällt der Startschuss zum Hemedglonkerumzug

Der ehemalige Zunftmeister Simon erinnert sich, dass es den Hemedglonkerumzug und den anschließenden Ball in Sigmaringen seit der Gesangverein Frohsinn, etwa in den 60er Jahren, keinen Ball mehr gestaltete, gibt. Viele Sigmaringer fanden damals, dass es "etwas für die normalen, unorganisierten Narren" geben müsse. Die Idee der Gleichheit von arm und reich ließ sie dann zu Nachthemd, Bademantel und Kerzen im Nachtleuchter greifen. Mit Lockenwicklern in den Haaren, Schnuller um den Hals, Kuscheltier im Arm, mit Nachtcreme geschminkt und mit Nachtgeschirren und anderen Nachtutensilien, sind dann alle, ob arm oder reich, fast gleich. Wecker schrillen, Trommeln, Kindertröten und andere, eher der Guggenmusik angehörende "Instrumente", wie Waschbretter, Topfdeckel und Trillerpfeifen, tönen und schrillen. Wenn das Wetter nicht so gnädig ist und Schneegestöber oder Regen die Narren vom Weg zurück ins Bett oder Wirtshaus zwingen will, halten die schrillen Lockrufe diese auf dem "rechten" Pfad.

Alle Sigmaringer Narren amüsieren sich fürstlich

Die Spielmannszüge der Zünfte tragen dazu bei, dass niemand in seinem spärlichen Nachtgewand frieren muss. Die Trompeten gellen, die großen Trommel geben den Rhythmus an und das Narrenvolk reagierte … eben närrisch. Je nach Lust und Laune springen sie auf und ab, schneiden den Obrigkeiten Grimassen, fordern eventuelle Zuschauer (die gibt es aber nicht, da sie schnell zu Akteuren werden) zum mitmachen auf und lassen ihren Gefühlen, im Rahmen der Gesetze, mit Schweinsblasen und Ratschen unterstützt, freien Lauf. Alle Teilnehmer setzen "mit Kind und Kegel" zum Zug um die Häuser an. Mit Fackeln versehen starten sie, um mindestens zwei Mal vom Marktplatz aus in die Fidelisstraße einzubiegen, von da aus die Fußgängerzone zu bevölkert und anschließend den Schlossberg zu erklimmen. Zweimal schwenkt der Zug der Narren noch einmal in Richtung Stadt. Beim dritten Mal geht es mit Gesang und Getöse geradewegs zur Stadthalle. Dort heizt der Spielmanns- und Fanfarenzug der Narrenzunft Vetter Guser den Narren tüchtig ein. Sie springen im Takt der Musik närrisch, allein oder in Gruppen, über Tisch und Bänke, schunkeln und singen die ihnen bekannten Lieder wie "Freut Euch des Lebens", lauthals mit. Die Musik bringt manchem Zuhörer mit bekannten Liedern aus den 60ern wie "Marmor, Stein und Eisen bricht", eine längst vergessene Liebe ins Gedächtnis zurück oder gibt den ausgelassen feiernden die Gelegenheit zum normalen Tanz. Mit Schnullern, Kuscheldecken und Schmusetieren versehen, wandern, ungefähr gegen zehn, die ersten, meist Mütter und Kinder, wieder heim, um der ausgiebig feiernden jüngeren Generation Platz zu machen. Einige Unentwegte lassen es sich nicht nehmen ihren Nachwuchs über die Nacht bei Oma und Opa zu deponieren, um dann zum Fest zurückzukehren.

"Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel", mit Rheinliedern wie diesem liegen sich viele, ehemals erbitterte Feinde in vorgerückter Stunde im Arm und das Fest hat sein Ziel, die Möglichkeit zum Kennenlernen oder einer Versöhnung, erreicht.

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