Zeitweise oder von Beruf Narr sein

Anhand von Dias erläuterte er den Begriff närrisch und zeigte anschließend viele verschiedene Häser (Fasnetgewänder) aus seinem Museum.
Ein Narr werde als selbstsüchtiger, der Kirche ferner Esel, der weder lesen noch schreiben könne charakterisiert. Da er mit diesen Fähigkeiten kaum der menschlichen Rasse zuzuordnen sei, habe er eben Narrenfreiheit. Diese sei in früheren Zeiten so weit gegangen, dass der Narr in der Fasnet, dem Karneval oder dem Fastelovend, ungestraft frevelte, das hieß er durfte die Sakramente entweihen und dem Bischof die Mitra vom Kopf schlagen.
Mit langen, an einer Kappe befestigten Eselsohren und einem zweigeteilten Kleid aus verschiedenen Farben, wie es in der heutigen Mode bei Männershorts zu sehen sei, spazierte der Narr einher. Er übte auch seine Funktion des "Spiegel vorhalten" bei Königen aus. Vielfach waren es Körperbehinderte, die nach dem damaligen Glauben mit einem körperlichen Manko für die Sünden ihrer Vorväter büßen mussten, und am Hof ein meist gutes Leben hatten. Sie konnten dem jeweiligen Herrscher ungestraft Wahrheiten vermitteln, deren Verkündung den übrigen Hofstaat den Kopf gekostet hätte.

Fürst Karl-Friedrich von Hohenzollern, links, und Zunftmeister Eichelmann
Fürst Karl Friedrich von Hohenzoller ...

Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern, links, und Zunftmeister Eichelmann (Bild: Monika Hermeling)

Ursprung der Rollenspiele in der Fasnet

Sehr früh gesellte sich zur Figur des Narren der Teufel mit dem Fuchsschwanz und der Ofengabel, Symbol für eine ungezügelte Sexualität und dem Fegefeuer, erklärte Hohl. In der frühen Fasnet tauchte, die Zusammenhänge sind nicht mehr nachvollziehbar, das Narrenschiff auf. In diesem wurde zum Beispiel ein stadtbekannter Pfarrer dargestellt, der in der ganzen Stadt "Windeln zu hängen hatte". Die Rollenspiele in der Fasnet sind auf das Theaterspiel der Jesuiten zurückzuführen, erklärte Hohl dem fasziniert lauschenden Publikum. Anschließend zeigte er im Dia, wie die ersten zusätzlichen Figuren wilder Mann und die vielen Tierdarstellungen entstanden. Immer wieder, wenn der Betrachter meinte, dass sei gewiss das schönste Häs, zeigte er ein noch viel originelleres. Besonders auf die Herstellung und Gestaltung der Masken wurde viel Wert gelegt. Sogar kunstvoll erstellte Elefanten und Kamele gehörten in die Fasnet.

Fasnetumzug in Laiz,Sigmaringen
Fasnetumzug in Laiz,Sigmaringen

Fasnetumzug in Laiz,Sigmaringen (Bild: Monika Hermeling)

Die Verhöhnung der höfischen Unsitten in der schwäbischen Fasnet

Jede Modetorheit fand Einlass und viele Gesetze und Anordnungen des jeweiligen Herrschers spiegelten sich wieder. So auch die Sitte des französischen Hofes für unsinnige Ämter, rechter und linker Sockenhalter und Nachttopfhalter (Pinkelpagen) zum Beispiel, um den Adel an den Hof zu binden. Zeitweise fand auch der italienische Brauch des Karnevalsprinzen, wie es im Rheinland noch üblich sei, auch in der schwäbisch-alemannischen Fasnet seinen Widerhall, zeigte Jürgen Hohl.

Bodenständig derbe Faxen unter Hexenmasken

Die Frauenfiguren fanden in der Hexe zuerst ihren Part. Kostümierten sich die adeligen Damen eher in Harlekin, trieben die bodenständigen Frauen unter der Hexenmaske ungestört ihren Schabernack. Dabei konnte es durchaus sehr derbe zugehen. Nicht zu verwechseln sei die Hexe aber mit der Brauchfigur, die am Barbaratag ihr Unwesen triebe. Hohl räumte mit dem Vorurteil der bösen Hexe auf, diese seien meist heilkundige Kräuterfrauen gewesen, die zu Unrecht verfolgt worden seien. Hohl erklärte den Ursprung von mundartlichen Ausdrücken, erklärte die Symbolsprache der Formen und Farben und den Bezug der Fasnet zu den Metzger und Bäckerberufen. Mit einem Sigmaringer "Narri narro" und "nauf aufd Stang", beendete er sein Referat.

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