Als Erstes der notwendige Hinweis:

Dieser Text soll Ihnen eine Hilfe sein, den Gesundheitszustand Ihres Tieres ein wenig leichter einschätzen zu können, ersetzt allerdings in keinem Fall eine tierärztliche Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann nicht garantiert werden!

Die hier vorgestellten Notfälle sollten in jedem Fall einen Besuch beim Tierarzt mit sich ziehen!

Hitzschlag

Die Auslöser für einen tierärztlichen Notfall können vielfältig sein, weshalb ich nur auf den ein oder anderen genauer eingehen kann. 

Die Zeit des Sommers ist gerade vorbei - viele Hundebesitzer werden Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Notfall "Hitzschlag" gemacht haben!

Der Hitzschlag wird ausgelöst durch die Überhitzung des Tieres durch Stress, zu wildes Toben oder den Aufenthalt in einem zu heißen Auto (die Möglichkeit besteht nicht nur durch Parken in der Sonne!!) und hat schlimmstenfalls ein Hirnödem mit Schwellungen, Flüssigkeitseinlagerungen und letztendlich den Tod zur Folge. Symptome sind bei einem Hitzeschlag recht eindeutig:

 

  • hecheln
  • erhöhte Temperatur
  • erhöhter Puls
  • blasse Schleimhäute (SCHOCK! lebensbedrohliche Störung des Kreislaufs)
  • kapillare Rückfüllungszeit verzögert
  • evtl. Bewusstlosigkeit

 

Natürlich ist die Fahrt zum Tierarzt in JEDEM Fall angezeigt - auch im Zweifel - allerdings sollten vorher oder parallel einige Maßnahmen zur Stabilisierung getroffen werden, denn ein Tier kann durch weiteren Stress dem Schock nicht mehr standhalten. Die erste Maßnahme ist also, das Tier zu sichern und zu beruhigen, wobei man auf die eigene Ruhe achten sollte - Ihre Panik überträgt sich! Gleichzeitig sollten Sie bei einem Tierarzt in der Nähe anrufen und ihn auf Ihr Eintreffen vorbereiten - im Schock zählt jede Minute. Bei aggressiven Hunden könnte über eine Maulschlinge als Selbstschutz nachgedacht werden - allerdings nur wenn es als absolut notwenig erscheint, denn durch die Schlinge wird der Hund im Hecheln weiter eingeschränkt werden. Als nächstes bringen Sie Ihr Tier in die stabile Rechts-Seitenlage und halten die Atemwege frei. Wasser darf dem Tier angeboten werden, ein selbstständiges Einflössen oder gar ein Übergiessen mit Wasser darf aufgrund des Schocks nicht stattfinden. Der Tierarzt wird versuchen, Ihrem Tier mit einer intravenösen Infusion das Leben zu retten. 

Magendrehung

Der Schrecken eines jeden Großhundebesitzers ist die Magendrehung. Über die Auslöser dieser plötzlich auftretenden Längsdrehung des Magens wird noch fleißig disskutiert: von zuviel Bewegung nach dem Fressen, über Genetik, bis hin zu "zu niedrige Fressposition" wird viel spekuliert. 

Die Magendrehung ist ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall, bei dem es absolut um Minuten geht!! Durch die Längsdrehung des Magens um seine eigene Achse werden nicht nur der Magenein- und ausgang abgeschnürt, sondern auch die zugehörigen Blutgefäße, was einen Kreislaufzusammenbruch mit sich führt!

Symptome einer Magendrehung können mehr oder weniger ausgeprägt sein: 

 

  • aufgeblähter Bauch
  • Unruhe
  • Versuch zu erbrechen - durch die Abschnürung kann aber kein Erbrochenes den Magen verlassen
  • Speichelfluss
  • Kotabsatzversuch, ohne Erfolg
  • Fressunlust
  • in fortgeschrittenem Zustand Apathie und Schockzustand

 

Nicht jede Tierarztpraxis ist in der Lage eine Magendrehung zu behandeln - eine Operation ist unausweichlich und eine Überweisung in eine Klinik zeitlich nahezu unmöglich. Fahren Sie (mit der nötigen Ruhe) in eine dafür ausgelegte Tierklinik und melden Sie sich von unterwegs aus an. Weitere Maßnahmen Ihrem Tier zu helfen sind nur durch einen Tierarzt möglich.

Mehr zur Magendrehung bei Wikipedia:

Die Magendrehung ist eine gefürchtete Krankheit bei großen Hunderassen, die ohne rasche chirurgische Versorgung zum Tod des Tieres führt.

starke Blutungen...

...bedeuten natürlich einen erstzunehmenden Notfall, der sofortiges, eigenständiges Handeln notwendig macht. Aus Sicherheitsgründen sollte das Tier fixiert und beruhigt werden, eine Maulschlinge könnte sinnvoll sein, denn im Schreck reagiert jedes Tier anders und Abwehrreaktionen sind selbst bei dem liebsten Tier völlig normal. Bringen Sie das Tier in die stabile Seitenlage und halten Sie die Atemwege frei. Der nächste Schritt dreht sich dann um die blutende Wunde, in dem Sie mit Druck der Hand oder des Fingers die Blutung erstmal stoppen. Aus dem Verbandskasten Ihres Autos können Sie das Material für einen Druckverband kommen lassen. Versuchen Sie die Wunde mit einem sterilen Vlies abzudecken, eine Mullrolle auf das Vlies zu positionieren und mit einer weiteren Mullrolle einen Druckverband anzulegen, der die Blutung stoppt. 

Das Abbinden von Gliedmaßen ist nur im ABSOLUTEN NOTFALL ratsam, beispielsweise wenn sich die Blutung selbst durch einen starken Druckverband nicht stoppen lässt. In jedem Fall ist es notwendig, die Abbindung spätestens alle 10 Minuten kurz zu lockern, weil sonst ein Absterben der Gliedmaße oder eine Embolie die Folge ist. 

Anschließend, am besten sogar parallel sollte die Fahrt zum Tierarzt erfolgen. Melden Sie sich wenn möglich IMMER vorher an, man weiß ja auch nie, ob die ausgesuchte Praxis nicht vielleicht gerade geschlossen ist, oder der OP besetzt.. 

Fazit

Wichtig ist, sich vor einem eventuellen Notfall über Tierärzte in der Nähe, deren Öffnungszeiten und Telefonnummern zu informieren, sowie sich eine Notfallapotheke speziell für Tiere zuzulegen. Ihrem oder fremden Tieren käme ausserdem ein spezieller Erste-Hilfe-Kurs für Tiere zugute, den Sie schon im Voraus belegen könnten, um im Notfall nicht kopflos sein zu müssen. 

 

Demnächst folgt Teil 2 der tierärztlichen Notfälle - in der Hoffnung Ihnen mit ein wenig Informationen ein paar Hilfen bieten zu können!

Autor seit 7 Jahren
30 Seiten
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