Das ewige Leben - eine Glaubensfrage?

 Es gibt sie auch heute noch, jene Menschen, die in ihrem Glauben verankert sind und fest an ein Leben nach dem Tod glauben. Häufig herrscht allerdings die Vorstellung, dass es nur dieses eine Leben gibt und nach dem Tod alles aus ist. Hiernach kommt ein Mensch aus dem Nichts und geht wieder ins Nichts – dazwischen liegt eine individuelle Zeitspanne Leben, warum auch immer. Für eine weitere Gruppe ist diese Frage ungeklärt. Sie können sich beide Möglichkeiten vorstellen, hoffen oft, dass es "danach" weitergeht, fürchten allerdings die andere Variante. Sich cool gebende Zeitgenossen, die in Diskussionen dazu einwenden, dass es doch niemand mitbekommen würde, wenn nach dem eigenen Tod nur noch das Nichts warte, sind kein echter Trost. Es gibt nur wenige Menschen, die sich nicht vor dem Tod fürchten. Manche unterscheiden dabei noch zwischen der Angst vor dem Tod als Endpunkt des Lebens und einem eventuell qualvollen Sterbeprozess. Religiöse Menschen haben es in dieser Frage leichter, leben sie doch in der Gewissheit eines erwartbaren ewigen Lebens, dennoch ist auch für sie der Tod etwas Unbekanntes und löst entsprechende Ängste aus. Als Gesprächsstoff ist der Tod mit einem Tabu behaftet.

Nahtoderlebnisse und der klinische Umgang damit

Geschichten über klinisch tot gewesene Menschen, die nach erfolgreicher Reanimation von außerkörperlichen Wahrnehmungen und einem Aufenthalt in einer Art Vorraum zum Jenseits berichten einschließlich dem Antreffen bereits verstorbener Verwandter und Freunde sind inzwischen allgemein bekannt. Stets erwähnen sie ein sehr helles Licht, das sie leitete und extrem viel Liebe ausstrahlte. Sie selbst befanden sich in einem Glückszustand voller Frieden, den sie sprachlich nur unzulänglich beschreiben können. Es kommt sogar vor, dass sich einige dieser Personen über eine gelungene Reanimation nicht so recht freuen mögen und viel lieber ganz auf die andere Seite gewechselt wären. Nach solchen Erlebnissen zeigte sich regelmäßig, dass die Betroffenen ihre Angst vor dem Tod verloren hatten.

Die meisten Ärzte standen und stehen weiterhin diesem Phänomen sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie verweisen als Erklärung gern auf Halluzinationen, erwähnen vom Gehirn in lebensbedrohlichen Situationen gebildete Opiate oder irrlichternde Nervenreize. Für sie ist spätestens mit dem Hirntod das Bewusstsein eines Menschen für immer ausgelöscht ähnlich wie die zerstörte Festplatte eines Computers.

Ein Karriererisiko

Gerade in der westlichen Medizin wird Leben an chemischen und physikalischen Prozessen des Körpers festgemacht. Tatsächlich spielen diese eine tragende Rolle im Leben, und die Kenntnis darüber konnte schon ungezählte Heilungen von schweren Leiden bewirken. So lässt es sich nicht verdenken, wenn während eines Medizinstudiums ein vielleicht einst noch an ein mögliches Weiterleben über den Tod hinaus glaubender angehender Arzt schließlich doch zu dem Schluss gelangt, dass ein Organismus aus fleischlicher Biomasse mit mehr oder weniger Temperament und Intelligenz ein Kuriosum ist, das irgendwann wieder vergangen ist. Ärzte, die das hinterfragen und nach Beweisen suchen, dass ein Weiterexistieren in anderer Form sein könnte, werden nicht nur belächelt, sondern setzen ihre Karrierechancen aufs Spiel. Forschung in dieser Richtung nimmt daher nur wenig Raum ein im Vergleich zu anderen Projekten.

Was ist das Gehirn wirklich?

Zweifellos handelt es sich beim menschlichen Gehirn um ein hochkomplexes Organ. Berechnungen haben jedoch ergeben, dass die Vielzahl an Nervenzellen und ihren Verknüpfungen bei Weitem nicht ausreicht, um ein Bewusstsein und sämtliche Gedächtnisleistungen inklusive Erinnerungen auf einer Stufe hervorzubringen, wie sie beim Menschen bekannt sind. Es gilt als unbewiesene Hypothese, dass das Gehirn Produktionsstätte und Speicherort eines Bewusstseins, seiner Gedanken und seiner Erinnerungen ist. Hier klafft eine Erklärungslücke, die wissenschaftlich unbequem ist. 

In seinem Buch gibt Pim van Lommel eine schlüssige Antwort

Als Kardiologe in einer niederländischen Klinik erlebte Pim van Lommel vielfältige Nahtodsituationen bei Patienten. Im Gegensatz zu so vielen seiner Kollegen nahm er hinterher erzählte Jenseitserlebnisse ernst und suchte nach Erklärungen. Zusätzlich zog er weitere bekannt gewordene Ereignisse und diverse Statistiken heran, tauschte sich mit anderen interessierten Ärzten aus und vertiefte sich in physikalische und philosophische Disziplinen.

Auf die Frage nach der Aufgabe und Funktion des Gehirns hat er eine zunächst verblüffende, dann aber plausibel wirkende Erklärung: Das Gehirn ist lediglich ein Rezeptor, grob vergleichbar mit beispielsweise einem Radioapparat. Das eigentliche Bewusstsein ist außerhalb des Körpers. Es ist sozusagen in einem Jenseits, seit immer und für alle Zeit. Für das Dasein auf der Erde gelangt das Bewusstsein bei der Entstehung dieses neuen irdischen Lebens in den menschlichen Körper, in dem aufgrund der vorhandenen Ausstattung mit Sinnesorganen einschließlich des Gehirns nur eine begrenzte Nutzung des Bewusstseins in diesem Leben möglich ist. So erklären sich auch gelegentlich zu beobachtende Wesensveränderungen eines Individuums nach schwerwiegenden Hirnverletzungen oder gefährlichen Erkrankungen wie Hirntumoren. Der Rezeptor ist beschädigt und verändert die Übertragung des Bewusstseins.

Personen mit Nahtoderlebnissen erzählten mehrfach, dass sie dabei von einer unfassbaren geistigen Klarheit waren und für sie plötzlich alle existenziellen Fragen geklärt waren, mit denen sich einfache Menschen bis zu Philosophen befassen. Nach dem Eintritt ihres Bewusstseins zurück in ihren Körper besaßen sie nur noch die Erinnerung an diese Phase, ohne allerdings weiter Zugriff auf dieses Allwissen zu haben. Ebenso zu denken geben Erfahrungen, bei denen einige hochgradig demente Personen während ihrer Sterbephase in ihren letzten Minuten plötzlich überraschend verständig wurden und zuvor längst nicht mehr erkannte Angehörige wieder kannten. Ähnliches ließ sich bei geistig Behinderten beobachten. Dokumentiert ist ferner, dass von Geburt an Blinde, die während einer lebensbedrohlichen Krisensituation bei einer Operation ihren Körper verließen, in diesem Zustand sehen konnten und hinterher Details wiedergaben, die sie als Blinde nicht hätten wissen können. Weitere äußerst bemerkenswerte Vorkommnisse, die nicht länger als Fantasieprodukte oder Glückstreffer bei Betrugsversuchen oder ähnlich bagatellisiert oder ignoriert werden dürfen, finden sich in dem Buch "Endloses Bewusstsein".

Anspruchsvollere Lesekost in ansprechender Schreibe

Vorweg sei gesagt: Dieses Buch verursacht ein erhebliches Umdenken in bisherigen Sichtweisen. Gleichzeitig vermittelt es je nach Persönlichkeit des Lesenden Gelassenheit, Trost, Hoffnung, auf keinen Fall Ernüchterung oder gar Grusel. Wer hier ein populärwissenschaftlich aufbereitetes  Buch erwartet, sollte wissen: Nein, es gibt keine auflockernd eingestreuten humoristischen Anekdoten zur Zerstreuung zu lesen. – Doch ja: Es sind zahlreiche hochspannende Fallbeispiele aufgeführt und faszinierende Erklärungen und Betrachtungen. Ein Ausflug in die Phänomene der Quantenphysik lässt Unerschrockenen den Mund offen stehen und bereichert ihren Wissenshorizont um unvergessliche Fakten, kann aber von Menschen mit einer Physikallergie notfalls übersprungen werden – der Rest des Buches wird deswegen keineswegs unverständlich. Insgesamt ist das Buch als eine zwar wissenschaftliche Abhandlung zu sehen, die dabei auch für medizinische Laien gut verständlich und lesbar ist. Die etwas über 400 Seiten lassen sich nicht wie bei einem Pageturner schnell mal an einem Wochenende weglesen, sondern sollten in Dosierungen von höchstens 30 oder 50 Seiten am Stück konsumiert werden. Das übersichtliche Inhaltsverzeichnis mit jeweils angegebenen Schwerpunkten der einzelnen Kapitel lässt beim späteren Immer-mal-wieder-Hineinsehen mühelos alle gewünschten Stellen finden.

Kein Widerspruch zu den Weltreligionen

Für ein Weiterleben nach dem Tod im Sinne der miteinander verwandten Religionen Judentum, Christentum und Islam lassen die in "Endloses Bewusstsein" aufgeführten Fakten und Erklärungen Hoffnung, wobei ein mögliches Strafgericht und eine Hölle offen bleiben und vermutlich allzu irdisch gedacht sind. Auch für Gott ist Platz als Bestandteil des großen Ganzen dieses für den menschlichen Verstand nicht wirklich fassbaren Bewusstseins irgendwo im Jenseits außerhalb des menschlichen Körpers.

Ebenfalls sind Reinkarnationen oder ein Nirwana – wie im Hinduismus oder Buddhismus angenommen – gut vorstellbar. Weitere Religionsformen wie Schamanismus oder Animismus sind mit van Lommels Theorien vereinbar, denn das Bewusstsein beschränkt sich höchstwahrscheinlich nicht nur auf den Menschen, letztendlich ja eine Primatenform.

Niemand kann bislang den Gegenbeweis antreten, dass nicht auch Steine so etwas wie ein Bewusstsein haben können. Außerirdische Lebensformen behalten übrigens gleichfalls ihren Platz als weitere Lebensoptionen. Etwas Bauchschmerzen kann die Vorstellung verursachen, dass in diesem Weiterleben als Bestandteil eines allumfassenden Bewusstseins – eventuell nach mehreren Wiedergeburtskreisläufen und späterem* "Nirwana" – die künftige Existenz nicht mehr als individuelles Bewusstsein – der "eigentlichen Persönlichkeit" – erfolgt.

 

  *  "später" ist hier nur als unzulänglicher irdischer Begriff anzusehen, denn in der Ewigkeit des Jenseits gibt es keine Zeit beziehungsweise Dauer mehr. Alles findet überall und gleichzeitig statt – mit hiesigen Maßstäben nicht wirklich vorstellbar.

Wie stehen Sie zu einem Weiterleben nach dem Tod?

Weitere Erkenntnisse und ein Fazit

Das Buch setzt sich dazu mit der Tatsache des schwer bestimmbaren Zeitpunktes des Hirntods auseinander. Dieser kann mit den zur Verfügung stehenden Messmethoden nicht eindeutig bestimmt, sondern nur bestmöglich eingegrenzt werden. Daraus und aus weiteren Betrachtungen ergeben sich in diesem Buch angesprochene Aspekte zum Thema Organspende, die sowohl potenzielle Spender als auch Empfänger unbedingt wissen sollten – rechtzeitig und in ausreichend Ruhe zum Überdenken, bevor sie ihre Entscheidung in dieser Frage treffen – oder unterlassen – und solange die Situation für sie nicht akut ist.

Das Buch mit wissenschaftlichem Schwerpunkt zeigt trotzdem deutlich auf, dass sich das Rätsel um ein Weiterleben nach dem Tod  nicht allein entweder durch die Naturwissenschaften oder die Esoterik beantworten lässt. Offenbar führt der Weg einen Bereich zwischen beiden Disziplinen entlang. Mehrere naturwissenschaftliche Theorien sind weiterhin theoretische Konstrukte, lückenhaft oder sogar widersprüchlich. Statt nur stur weiter in bisher gewohnten Bahnen nach Beweisen für eine gern geglaubte Theorie zu suchen, sollten sich mehr Wissenschaftler endlich auf zunächst noch ungewöhnlich oder gar abenteuerlich erscheinende Denkmodelle einlassen.

Gern wird wissenschaftlich suggeriert, im 21. Jahrhundert seien die wesentlichen Dinge des Daseins geklärt oder stünden kurz davor. Das Mittelalter erscheint als Epoche voller Aberglaube, Unwissenheit und Düsternis. In Wahrheit existieren noch heute Denkverbote und Irrlehren. Es ist anzunehmen, dass das 21. Jahrhundert in späteren Jahrhunderten mit vergleichbarer Unwissenheit verknüpft werden wird wie heutzutage das Mittelalter.

Das Buch "Endloses Bewusstsein" von Pim van Lommel richtet sich wie ein Scheinwerfer auf ein wenig erleuchtetes Forschungsgebiet.

Textdompteuse, am 07.11.2011
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Autor seit 5 Jahren
48 Seiten
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