Aktenzeichen Fall 39 … ungelöst

Was ist bloß mit Lilith los?

Die überaus engagierte Sozialarbeiterin Emily (Renée Zellweger) wird wieder einmal mit einem Fall von Kindesmissbrauch konfrontiert. Offenbar sind Margaret (Kerry O'Malley), und Edward Sullivan (Callum Keith Rennie) mit der Erziehung ihrer zehnjährigen Tochter Lilith (Jodelle Ferland) heillos überfordert. Doch jegliche Hilfe seitens des Sozialamtes lehnen die Eltern kategorisch ab. Emily ist aber von der schüchtern wirkenden Lilith dermaßen eingenommen, dass sie am "Fall 39", so das nüchterne Aktenkennzeichen, hinter dem ein menschliches Schicksal steckt, hartnäckig dranbleibt.

 

Fall 39 - CoverGlücklicherweise, denn wenig später erhält sie zu Hause einen Anruf von Lilith, die zu Tode verängstigt ist. Rasch alarmiert sie den befreundeten Polizisten Mike (Ian McShane) und eilt mit ihm zum Heim der Sullivans. Die beiden können Lilith gerade noch davor retten, von ihren Eltern auf grausamste Weise ermordet zu werden.

 

Aber mit der Rettung in letzter Sekunde beginnen die Probleme erst so richtig. Lilith landet in einem Kinderheim und bettelt die kinderlose Emily an, sie zu adoptieren. Tatsächlich erfüllt ihr die herzensgute Sozialarbeiterin diesen Wunsch und aus "Fall 39" wird eine anfangs glückliche Kleinfamilie.

 

Jedenfalls bis Emily immer mehr daran zu zweifeln beginnt, dass Lilith lediglich ein ganz normales Mädchen ist, das Opfer elterlicher Gewalt wurde. Denn in ihrem Umfeld beginnen sich mysteriöse Todesfälle zu häufen, die allesamt mit dem Mädchen verbunden scheinen …

Dämonische Kinder: „Der Exorzist“ bis „Fall 39“

Renée Zellweger mit der Lizenz zur Kindesrettung!

Dämonische Kinder zählen spätestens seit "Das Dorf der Verdammten" (1960) zu den populärsten Subgenres des Horrors. Der Grund hierfür ist natürlich einfach: Ausgerechnet ein unschuldig wirkendes Kind soll Brutstätte des Bösen sein? Undenkbar! Oder etwa doch? Nicht immer wird diese Frage in den jeweiligen Filmen klar beantwortet. Mitunter, paradoxerweise gerade im Genreprimus "Der Exorzist", bleibt es der Phantasie des Zuschauers überlassen, ob er an paranormale Zusammenhänge glaubt oder das Geschehen eher irdischem Wirken zuschreibt.

 

Szene aus "Fall 39"

 

 

 

 

 

 

Eine völlig normale Reaktion auf das neue Album von "Pink!"

 

"Fall 39" gewinnt dem Ganzen einen anfangs cleveren Dreh ab: Lilith wird als Opfer vermeintlichen Kindesmissbrauchs präsentiert und erweckt auf diese Weise das Mitleid und die Sympathien des Zuschauers. Rasch jedoch wird klar, dass mit dem Mädchen irgendetwas nicht stimmen kann. Dies erkennt auch Renée Zellweger als mutige Sozialarbeiterin – gerade noch rechtzeitig oder viel zu spät? Um dies zu erfahren, muss man "Fall 39" anschauen.

 

 

Wenig subtiler Horrorthriller "Fall 39"

Das spannende und technisch einwandfrei umgesetzte Szenario von "Fall 39" weist nur eine grobe Schwäche auf: Der deutsche Regisseur Christian Alvart ("Antikörper") scheint dem Publikum jegliche Intelligenz abzusprechen und bietet überflüssige Erklärungen bis zum Abwinken an. Alleine die Namensgebung der jungen Protagonistin zeugt von der Holzhammermethode, mit der Alvert "Fall 39" inszenierte. Ebenso dick aufgetragen wirkt der im wahrsten Sinne des Wortes flüssige Showdown: Fast sämtliche Klischees sind in diesen wenigen Minuten wenig subtil verpackt worden.

 

Renee Zellweger in Fall 39

 

 

 

 

 

 

"Ich weiß jetzt, Mister Smith, warum Sie sich so beengt fühlen: SIe tragen Ihr Hemd verkehrt herum!"

 

Schade, dass wieder einmal ein Regisseur dem eigenen Werk nicht über den Weg traute. Denn von diesen Schwächen abgesehen entpuppt sich der Horrorthriller als interessante Variante eines heiklen Themas: Was, wenn der "Kindesmissbrauch" am Ende sogar gerechtfertigt war?

 

Großes Lob muss man den Schauspielern aussprechen. Selten zuvor spielte sich Renée Zellweger überzeugender in den Mittelpunkt eines Filmes. Wobei man – so uncharmant es klingt – einen rapiden Alterungsprozess bei der aus den "Bridget Jones"-Filmen bekannten Ex von Komik-Ass Jim Carrey feststellt. Die Entdeckung des Filmes ist aber zweifellos Jodelle Ferland als Lilith: Ihre Darstellung reicht fast an die grandiose Performance von Isabelle Fuhrman in "Orphan – Das Waisenkind" heran.

 

Fall 39: Renee Zellweger

 

 

 

 

 

 

"Hab Geduld, Liebes. Sobald ich es mir finanziell leisten kann, gehen wir zu einem Friseur!"

 

Auch wenn "Fall 39" der Aufstieg in den Olymp der ganz großen Horrorklassiker verwehrt bleiben wird: Zwei Stunden weitgehend gute Unterhaltung und vor allem die fabelhafte Jungschauspielerin Jodelle Ferland, von der man hoffentlich noch viel hören wird, garantieren immerhin einen vergnüglich schaurigen Filmeabend!

 

(c) der Screenshots: Paramount Home Entertainment

Originaltitel: "Case 39"

Regie: Christian Alvart

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 109 Minuten

FSK: Ab 16 Jahren

Verleih: Paramount Home Entertainment

Veröffentlichung auf DVD und blu-ray: 29.7.2010

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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