Ein Inselbesuch im Frühjahr

In diesem Jahr besuchten wir Zingst bereits im März und stellten uns kleidungstechnisch gut auf Kälte sowie Regen ein. Doch selbst bei schlechter Witterung konnten wir fast täglich Ausflüge zu Fuß oder mit dem Rad unternehmen. Wir stellten fest, dass die Insel im Frühjahr wesentlich mehr Ruhe ausstrahlt, da die Touristenströme erst 2 Monate später einsetzen. An vielen beliebten, sonst überlaufenen Aussichtspunkten waren wir alleine und konnten die Landschaft und Ruhe in vollen Zügen genießen.
Schade ist nur, dass auf vielen Fotos die ansonsten schöne Flora nicht richtig zur Geltung kommt. Denn durch das raue Ostseeklima blühte hier noch immer nichts. Die Wiesen, Felder und Wälder warteten noch auf die Wärme des Frühling, aber auch auf unsere weiteren Entdeckungen ...

Ein kleiner Überblick - die Ostseeregion um Zingst Pramort
Blick über die unbewohnten ...

Blick über die unbewohnten Werder-Bock-Inseln zwischen Pramort und Hiddensee (Bild: Sabine Heppert)

Die Insellage von Fischland-Darß-Zingst ist einzigartig. 
Einen herrlichen Blick auf die Region rund um Zingst-Pramort hat man vom Barhöfter Aussichtsturm auf dem Festland. Barhöft und die vorgelagerte Inselgruppe Werder-Bock sind nur durch das Barther Fahrwasser voneinander getrennt. Westlich, in ca. 6,5 km Entfernung, liegt Pramort. Nordöstlich befindet sich die Insel Hiddensee (Luftlinie ca. 4 km).

A - Osterwald Zingst
B - Informationshaus und Ausstellung Sundische Wiese (Bild unten)
C - Hochstand/Aussichtspunkt Hohe Düne Pramort
D - Aussichtspunkte + Beobachtungsstationen Pramort
E - Werder Inseln und Bock
F - Hiddensee

Wo unsere Pramort-Tour beginnt

Von der Sundischen Wiese mit dem Rad nach Pramort in 8 km
(mit Zwischenstopp an der Hohen Düne: 10 km)

Ehemaliges Armee-Wachgebäude aus ...

Ehemaliges Armee-Wachgebäude aus DDR-Zeiten, heute Infohaus mit kleiner Ausstellung (Bild: Sabine Heppert)

Ausstellung "Lebensräume" im Informationshaus Sundische Wiese
Wer sich auf den Weg nach Pramort macht, kommt an einem ehemaligen Armee-Wachgebäude (damals NVA = Nationale Volksarmee) aus der DDR-Zeit vorbei, heute Rangerstation. Es beherbergt eine kleine Ausstellung über historisches + gegenwärtiges der Sundischen Wiese und man erhält einen Einblick über die Entstehung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Hier erhalten Sie auch Lektüre, Kartenmaterial und Ansichtskarten von der Region.
Ein Stück hinter dem Gebäude kommt eine Wegkreuzung, von hier aus geht es weiter in Richtung Nord-Ost, vorbei an Wiesen, weiten Feldern, kleinen Wäldern und entlang der Ostsee bis zum Abzweig "Hohe Düne".

Fischland-Darß-Zingst und seine Kraniche
Ein Kranichpäärchen auf Futtersuche

Ein Kranichpäärchen auf Futtersuche (Bild: Olaf Heppert)

Ein Vogel als Sympol des Glücks

Wissenswertes über Kraniche
Wussten Sie, dass Kraniche aufgrund ihrer guten Ausdauer eine Flugstrecke von bis zu 2.000 km am Stück zurücklegen können? Um Kraft einzusparen, gleiten sie dabei im Segelflug über die Kontinente. Wie man auf dem Foto erkennen kann, besitzt der Vogel rechts eine rote "Kappe". Irrtümlich hielten wir ihn für das Männchen. Sie zeigt jedoch kein geschlechtstypisches Merkmal an, sondern färbt sich nur bei Erregung rot. 

Der Kranich steht in Europa und Asien für das Symbol des Glücks.

Fischland-Darß-Zingst ist für die Kranichzüge ein wichtiger Punkt, um auf den langen Weg nach Süden Kraft zu tanken und genug Futter aufzunehmen. Dabei spielt Pramort mit seiner unberührten Natur, dem nahrungsreichen Windwatt und den unbewohnten, vorgelagerten Inseln eine wesentliche Rolle. Die sehr scheuen Tiere finden hier ab Herbst, wo sie in großen Schaaren kommen, ideale Voraussetzungen für ihren Zwischenstopp.

Die Geschichte Pramorts

Pramorts Besiedlung geht auf die Herrschaft der Schweden zurück, die das Land am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 eroberten. Wie schwer es war, das letzte Stückchen der Halbinsel ertragreich zu bewirtschaften, spürten die Schweden jedoch sehr bald. Karge Böden und das raue Klima brachten nur kümmerliche Ernten hervor. Für das Vieh aber war und ist Pramort ein wunderbares Weideland.
Die Schweden beschrieben die östliche Inselregion wegen ihrer Salzwiesen und Moorweiden als unwirtlich. Aus Chroniken geht hervor, dass sie über "Felder voll mit Wasserlöchern" klagten. 1815 zogen die Schweden ab, das Gebiet wurde wieder deutsch und unterstand einstweilen der preußischen Krone. 

Woher kommt der ungewöhnliche Ortsname?
Pramorts Namensgebung beruht auf das Fährschiff "Prahm", einem Bootstyp in Form einer flachen Fähre mit schnittigem Rumpf, der den schmalen Schiffen der Wikinger sehr ähnelt. Mit den Prahmen wurde vor vielen Jahren Vieh auf die vorgelagerten Werder Inseln transportiert.

Von den Schweden gut beschrieben; ...

Von den Schweden gut beschrieben; die unwirtliche Landschaft um Pramort (Bild: Sabine Heppert)

Ein kleiner und lohnenswerter Abstecher zur Hohen Düne

Die renaturierte Küstenregion Pramort

Die renaturierte Küstenregion Pramort (Bild: Sabine Heppert)

Zu Fuß zur Hohen Düne

Nach 8 km Wegstrecke führt ein kleiner Abzweig zum Fahrradparkplatz Hohe Düne. Von hier aus führt ein kurzer, beschaulicher Fußweg ca. 1,5 km bis zur Aussichtsplattform, von der aus Sie eine ca. 13 m hohe Düne, die Ostsee, viele Vögel und mit etwas Glück auch Rot- und Schwarzwild beobachten können. Die Landschaft und Vegetation ist hier sehr abwechslungsreich, Feuchtwiesen, sandige Böden und kleine, lichte Wäldchen wechseln sich nahezu ab. 

Wissenswert:
Pramort ist das größte unbewaldete Dünenfeld der deutschen Ostseeküste.

Renaturiertes Land
Vor der Hohen Düne Pramort, an ...

Vor der Hohen Düne Pramort, an deren Ende ein Windwatt grenzt (Bild: Sabine Heppert)

Kaum zu glauben ...
Das Gebiet um die Sundische Wiese und Pramort war nicht nur zur nationalsozialistischen Zeit militärisches Sperrgebiet. Das besiedelte Land mit über 30 Höfen wurde 1937 zwangsgeräumt und diente als Bombenabwurfgelände. Auch die DDR mit ihrer "Nationalen Volksarmee" nutzte Pramort einschließlich der Hohen Düne von 1956 bis 1989 als Flak-Schießübungsplatz. Im Anschluss wurde das Gelände bis zur Errichtung des Nationalparks von der Bundeswehr verwaltet. Bereits zur DDR-Zeit, im Jahr 1955, entstand bei einheimischen Naturfreunden die Idee, hier einen Nationalpark zu gründen. Erst 1993 wurde diese Idee verwirklicht und das Gebiet zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft erklärt.

Der Weg zur Hohen Düne hält immer ...

Der Weg zur Hohen Düne hält immer Überraschungen bereit (Bild: Sabine Heppert)

Die Renaturierung dieser schönen Region am Meer hat sich bewährt! Denn nicht nur der äußerst scheue Kranich kehrte zurück, auch Wildgans, Fuchs, Wildschwein und Rotwild sind hier wieder heimisch geworden.

Wild lebende Tiere so nahe beobachten zu können ist immer ein spannendes Erlebnis. Wir hatten sogar Glück, denn 2 Kröten (sonst gut in feuchten Sümpfen versteckt) und die ziemlich scheue, für Menschen aber völlig harmlose Ringelnatter, kreuzten unseren Weg zur Hohen Düne. Beim letzten Besuch war es an dieser Stelle ein Fuchs. 

Ideale Lebensbedingungen finden ...

Ideale Lebensbedingungen finden hier auch die Ringelnattern (Bild: Olaf Heppert)

1 km vor der Pramorter Küste - im ...

1 km vor der Pramorter Küste - im Hintergund: Windwatt und Insel Hiddensee (Bild: Sabine Heppert)

Der schöne, ebene Gehweg zwischen Feuchtwiesen und Wäldchen wird kurz vor der Küste hügeliger und sandiger. Über Holzbolen erreichen wir schlussendlich die Aussichtsplattform vor der Ostsee, die auf der Hohen Düne steht.

Hinter dem Hügel erstreckt sich die ...

Hinter dem Hügel erstreckt sich die Hohe Düne von Pramort (Bild: Sabine Heppert)

Von der Aussichtsplattform Hohe ...

Von der Aussichtsplattform Hohe Düne haben Sie einen freien Blick auf Ostsee und Inseln (Bild: Sabine Heppert)

Blick in Richtung Zingst. Die ...

Blick in Richtung Zingst. Die schützenwerte weiße Küste mit der ca. 13 m Hohen Düne Pramort (Bild: Sabine Heppert)

Hohe Düne Pramort, Blick in Richtung Ost

Hohe Düne Pramort, Blick in Richtung Ost (Bild: Sabine Heppert)

Das Windwatt

Wie neues Land zwischen Zingst-Pramort und Hiddensee entsteht
Windwatten, wie wir sie in den flachen, ruhigeren Gewässern der Ostsee vorfinden, sind versandete Flächen zwischen Inseln und Festland. Sie entstehen, wenn sich Sandmassen und Meeresablagerungen durch die Unterströmung in Bewegung setzen; wie z. B. vom Darßer Ort aus in Richtung Hiddensee. Die Ablagerungen schieben sich dabei an der Nordküste Darß-Zingst vorbei und setzen sich rund um Pramort wieder ab. Dieser Küstenabschnitt ähnelt einer Bucht und wird durch die vorgelagerte, nordöstliche Insel Hiddensee vor extremen Gegenwinden geschützt. Es herrschen somit ideale Voraussetzungen, um ein Windwatt entstehen zu lassen. 

Lebendiges Windwatt
Liegt ein Windwatt Jahrzehnte lang trocken, bildet sich auf ihm Vegetation in Form von Salzgräsern. Diese kleinen Salzgrasinseln nennen sich Bülten, wie wir sie nicht nur hier, sondern auch in den Boddengewässern zwischen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und dem Festland vorfinden (siehe auch Fischland - Teil 1). Sie bieten vielen Tieren Schutz und reichlich Nahrung.

Von diesen Aussichtspunkten kann man die Windwatten gut erkennen:

- Nordstrand Darßer Ort
- Beobachtungsstation Pramort
- Turm Barhöft (Festland)

Das große Windwatt zwischen ...

Das große Windwatt zwischen Zingst-Pramort und Hiddensee (Bild: Olaf Heppert)

Der letzte begehbare Ort von Zingst

Schöne Aussichten - nicht nur auf das Windwatt

Die letzte Etappe mit 2 km Entfernung von der Hohen Düne aus, ist Pramort. Dort finden Sie weitere Aussichtspunkte. Von hier aus haben Sie einen herrlichen Blick über das große Windwatt, Vogelbeobachtung inklusive. Bei guter, klarer Sicht erkennen Sie die Insel Hiddensee in 10 km Entfernung.

Aussichtspunkte Pramort in Richtung ...

Aussichtspunkte Pramort in Richtung Hohe Düne und Hiddensee (Bild: Sabine Heppert)

In Pramort endet unser Weg. Eine Wanderung oder Radtour hierher ist immer ein Erlebnis und ich hoffe, Ihnen mit meinem Bericht einen kleinen Einblick über besondere Orte und Naturschönheiten der Halbinsel gegeben zu haben.

Eine sehr schöne Fotoreihe über diese einzigartige Region finden Sie hier:
www.traumziel-mv.de/tierbeobachtungen/tiere-in-der-region/fischland-darss-zingst-stralsund/tourendetails/pramort.html

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Für die Genehmigungen zur Verlinkung danke ich herzlich der grasgrün media touristische Dienstleistungen GbR.

Sabine Heppert

Zum Teil Zingst
https://pagewizz.com/teil-2-fischland-dar-zingst-ist-mehr-als-meer-35791/

Alle Reiseberichte von mir finden Sie unter:
https://pagewizz.com/users/SchreibAss/

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