Frankreichs Erste Republik: Die Zeit der Revolutionsjahre

Eine (zumindest dem Namen nach) republikanische Staatsform wurde in Frankreich erstmalig durch die Großen Französischen Revolution errichtet. Doch dem heutigen Verständnis des Begriffs entsprach die Erste Republik deswegen keineswegs. Die republikanischen Revolutionsjahre (1792 bis 1804) waren geprägt vom jakobinischen Terror sowie mehreren Wechseln der Regierungsform. Dem nur andeutungsweise parlamentarischen Nationalkonvent folgten ein Direktorium sowie eine Konsulatsverwaltung. Aus jener ging schließlich Napoleon Bonaparte schrittweise als Alleinherrscher hervor. Seine Kaiserkrönung 1804 beendete den ersten Versuch einer Republik auf französischem Boden.

Die Zweite Republik: Kurze Episode zwischen zwei Monarchien

Napoleons endgültiger Sturz 1815 bewirkte eine Restauration des Königtums. Das einst vertriebene Adelshaus Bourbon übte zunächst blutige Rache, musste in Folge der Revolution von 1830 jedoch seinen Herrschaftsanspruch dauerhaft aufgeben. Der sogenannte "Bürgerkönig" Louis Philipp von Orleans wurde nun zur Symbolfigur einer bürgerlich-liberalen Monarchie, welche sich bald als eindeutige Klassenherrschaft des Großbürgertums entpuppte. 1848 kam es daher erneut zu einem revolutionären Umsturz, der eine provisorische Regierung mit deutlich sozialistischem Gedankengut hervorbrachte. Das beunruhigte Bürgertum wählte deshalb im Dezember des gleichen Jahres den Prinzen Louis Napoleon Bonaparte für vier Jahre zum Präsidenten der neuen Republik. Der Prinz eiferte jedoch bald seinem Onkel, dem legendären Kaiser Napoleon I., nach: 1851 sicherte er sich durch einen Staatsstreich weitere zehn Jahre der Präsidentschaft und ließ im Jahr darauf per Verfassung das Erbkaisertum wiederherstellen: Am 02. 12. 1852 proklamierten die Franzosen den adligen Präsidenten zum Kaiser Napoleon III. und begruben damit nach nur vier Jahren die Zweite Republik ihrer Geschichte.

Die Dritte Republik: Kriege, Krisen, Kolonien

Die militärische Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg sowie die Gefangennahme Napoleons mit anschließendem Exil beendeten das französische Erbkaisertum dauerhaft und ließen aus dessen Trümmern die Dritte Republik erstehen. Während der 69 Jahre ihres Bestehens wurde diese mehrfach von gewaltigen inneren Krisen erschüttert: Die beschämende Affäre Dreyfus, instabile Verhältnisse in Wirtschaft und Politik sowie der jahrzehntelange Konflikt mit dem Katholizismus, welcher schließlich zur endgültigen Trennung von Kirche und Staat führte. Außenpolitisch hingegen wurde die Dritte Republik zwar zunächst durch Bismarck-Deutschland geschickt isoliert, konnte jedoch langfristig die Verhältnisse sogar umkehren. Dazu trug unter anderem eine kluge Kolonialpolitik bei, welche auf Verständigung mit anderen Großmächten wie Russland oder Großbritannien basierte.

Aus dem Ersten Weltkrieg ging Frankreichs Dritte Republik trotz militärischer Niederlagen gestärkt hervor. Es gelang den französischen Staatsmännern dieser Zeit allerdings nicht, die deutschen Nachbarn wirtschaftlich und außenpolitisch dauerhaft klein zu halten. Dieser Umstand sollte sich fatal auswirken, denn mit der deutschen Invasion in Frankreich 1940 endete die bis dahin längste republikanische Phase der französischen Geschichte.

Die Vierte Republik: Chaos und historische Weichenstellung

Frankreich durchlebte nun zunächst das unrühmliche Kapitel der Vichy-Regierung, einem autoritären Regime unter Marschall Petain. 1944 wurde dieses durch eine mehr als zweijährige Übergangsregierung mit Charles de Gaulle an der Spitze abgelöst, ehe im Oktober 1946 erneut eine republikanische Verfassung in Kraft trat. Die kurze Geschichte dieser Vierten Republik war verwirrend chaotisch, stellte aber auch die Weichen für die französische Politik von heute:

Das einstige Kolonialreich wandelte sich mit der neuen Verfassung zur Französischen Union. Gewaltsame Konflikte und der Verlust ehemaliger Kolonien ließen sich dadurch allerdings nicht verhindern. Gegenüber Deutschland nahm die Vierte Republik zunächst eine harte Haltung ein, ehe beide Staaten schließlich durch die Montanunion zur Keimzelle der künftigen EU wurden. Innenpolitisch hingegen erschütterten mehrere Krisen das Land. Es kam zum Erstarken radikaler Parteien, während die bürgerliche Mitte dahinschmolz. In den reichlich zwölf Jahren ihres Bestehens erlebte die Vierte Republik 25 Wechsel des Ministerpräsidenten, wobei einige Politiker gleich mehrfach die Regierungsgewalt erlangten und wieder verloren. Doch gerade diese krisenbehaftete Republik sollte im Gegensatz zu ihren Vorgängern vergleichsweise friedlich enden: Lediglich eine neue Verfassung mit stärkeren Befugnissen für den Staatspräsidenten bewirkte den Wechsel zur Fünften Republikform der französischen Geschichte.

Die Fünfte Republik: Frankreich zwischen Patriotismus und Europa

Die seit dem 04. 10. 1958 bestehende Fünfte Republik unterschied sich außenpolitisch zunächst nur wenig von ihrer Vorgängerin. Die "Französische Union" hieß fortan "Französische Gemeinschaft", was jedoch die erfolgreichen Unabhängigkeitsbestrebungen ehemaliger Kolonien nicht aufhalten konnte. Europapolitisch und militärisch wurde der Kurs der Vierten Republik fortgesetzt, wobei allerdings unter dem Schlagwort "Europa der Vaterländer" die französische Souveränität vehement verteidigt wurde. Zudem stieg Frankreich zur Atomstreitmacht auf.

Eine Sechste Republik?

Die Fünfte Republik scheint innenpolitische Krisen und weiterhin allzeit streikbereite Bürger besser zu verkraften, als ihre vier Vorgängerinnen. Wird es dennoch eine Sechste Republik geben? Dafür macht sich beispielsweise die Vereinigung "C6R" (Convention pour la sixieme Republique) stark, welche mehr Parlamentarismus und eine Beschneidung der autoritären Befugnisse des Staatspräsidenten fordert. Wir dürfen gespannt sein...

 

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