La Terreur: Die jakobinische Schreckensherrschaft

Von 1792 bis 1795 wurde Frankreich vom Republikanischen Konvent regiert, einer parlamentsähnlichen Herrschaftsform. Maßgeblich geprägt war der Republikanische Konvent durch die Partei der Jakobiner, einen radikalen Club, benannt nach seinem Pariser Versammlungsort, dem ehemaligen Dominikanerkloster Sankt Jakob.

In Bezug auf ihren Politikstil hatte das Wort "Terror" für die Jakobiner keine negative Bedeutung. Vielmehr hegten sie die grundlegende Überzeugung aller Radikalen: Der Zweck heiligt die Mittel. Das Volk sollte also durch Zwangsmaßnahmen zu seinem "Glück" genötigt werden. "La Terreur" wurde somit zum Herrschaftsprinzip deklariert.

Die Politik der Jakobiner

Oberste Entscheidungshoheit hatte der sogenannte Wohlfahrtsausschuss, welcher seinem Namen allerdings nur selten gerecht wurde. Im Prinzip versuchte er, durch linksextreme Ideen eine neue Gesellschaftsordnung herbeizuführen. So sollte die schwer angeschlagene Wirtschaft Frankreichs mittels einer Lohn- und Preisbindung saniert werden, eine Maßnahme, welche selbst von modernen Diktaturen bisweilen noch angewandt wird. Festgesetzte Löhne und Preise führen allerdings stets zu einem Ausweichen auf Schwarzmarkt und Tauschhandel. Einen sozialwirtschaftlich echten Fortschritt erzielten die Jakobiner hingegen durch die Abschaffung der Leibeigenschaft.

Der durchaus realen Bedrohung durch einige Nachbarstaaten begegnete der Wohlfahrtsausschuss mittels Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht. Aber auch gegen angebliche Republikfeinde innerhalb Frankreichs waren die Jakobiner gerüstet und legten dabei das paranoide Verhalten aller Gewaltherrscher an den Tag: Man gründete ein Revolutionstribunal, dessen blutige Arbeit der Bezeichnung "La Terreur" mehr als gerecht wurde.

Juristisch legitimiert: Der große Terror

Juristisches Arbeitsinstrument des Revolutionstribunals war ein Gesetz vom September 1793, welches die Umkehrform der heutigen Unschuldsvermutung darstellte: Bereits bei Verdacht auf volksfeindliches Gedankengut durfte eine Verhaftung vorgenommen werden. Der Betreffende hatte dann die lebensgefährliche Aufgabe, seine Unschuld zu beweisen, denn vorgesehen waren nur zwei mögliche Urteile: Freispruch oder unverzügliche Hinrichtung.

Insgesamt gab es elf verschiedene Verdachtsmomente, deren allgemeiner Charakter jedoch faktisch auf jeden zutraf. Außerdem begünstigte diese Rechtslage natürlich auch persönliche Racheaktionen. Ein falscher Verdacht konnte schließlich ganz gefahrlos ausgesprochen werden. Somit war niemand vor der Guillotine sicher, was noch entscheidende Bedeutung erlangen sollte.

Das Ende: Der Große Terror vernichtet seine Urheber

Landesweit fielen so innerhalb weniger Monate schätzungsweise 40.000 Menschen dem Terror zum Opfer. Wohlwollendere Quellen beziffern die Zahl der Toten immerhin noch auf ungefähr 14 000. Während in Paris vorrangig die Guillotine ihr grausiges Werk verrichtete, praktizierte man in den Provinzen verschiedene Hinrichtungsarten, oftmals sogar ohne den obligatorischen Scheinprozess. In Nantes beispielsweise sollen zwei- bis dreitausend Menschen in der Loire ertränkt worden sein. Ein derartiger Massenmord war nur möglich, weil das Volk die Hinrichtungen anfänglich durchaus befürwortete. Aufgrund außenpolitischer Bedrohungen glaubte man, dass die Beschuldigten tatsächlich Volksfeinde und Verräter seien.

Das Verhalten der Jakobiner selbst leitete schließlich ein Finale im großen Töten ein. Machtkämpfe und politische Meinungsverschiedenheiten in der selbsternannten "Revolutionsführung" bewirkten, dass sich die einstigen Gesinnungsgenossen gegenseitig denunzierten und folgerichtig auf dem Schafott endeten. Am längsten konnte sich dabei noch der Rechtsanwalt und Jakobinerführer Maximilien de Robespierre behaupten. Seine zum Schluss quasi diktatorische Amtsführung endete am 27. Juli 1794, als Mitglieder des Konvents ihn stürzten und einen Tag später ohne Prozess guillotinierten. Damit endete "La Terreur", die Schreckensherrschaft der Jakobiner, welche fortan nur noch eine Randerscheinung der französischen Politik darstellten. Der Republikanische Konvent selbst wurde 1795 zugunsten einer großbürgerlichen Regierung aufgelöst.

La Terreur: Abschreckung und historisches Vorbild zugleich

Trotz ihrer blutigen Schreckensherrschaft propagierten die Jakobiner paradoxerweise Vernunft und Tugend als weltanschauliche Ideale. Deutsche Befürworter der Thesen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, zum Beispiel Beethoven, Schiller oder Klopstock, distanzierten sich jedoch recht bald von den Revolutionären, als die Auswirkungen von "La Terreur" bekannt wurden.

Ein Staatsmann des 20. Jahrhunderts hingegen erging sich in aufrichtiger Bewunderung dieser kurzen Schreckensherrschaft: Josef Stalin übernahm die von den Jakobinern geprägte Bezeichnung "Volksfeinde", um sein eigenes Regime mit ganz ähnlichen Mitteln zu festigen. Der sowjetische Diktator ließ Parteifreunde, Gegner und Unbeteiligte gleichermaßen exekutieren, sobald sie seinen Plänen im Weg standen. Folgerichtig fanden die stalinistischen Säuberungswellen daher ebenfalls als "Großer Terror" ihren Platz in den Geschichtsbüchern.

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