Auf einen Blick: Was braucht ein Monitor für Spieltauglichkeit?

Prinzipiell ist jeder Monitor fähig, Spiele wiederzugeben. Doch ein Blick auf viele gewöhnliche Flachbildschirme fördert Schreckliches zutage. Bewegte Grafiken wirken verwaschen, Texte sind schwer lesbar, miese Kontraste oder eine zu hohe Signalverzögerung verhageln einem den Spielabend. Dies sind alles Dinge, die ein echter Gamer nicht auf sich beruhen lassen möchte. Zum besseren Verständnis gibt es vorab noch ein paar Erläuterungen zum Werdegang aktueller Kronjuwelen der Gaming-Monitorschöpfung. In den frühen Geburtsstunden der Flüssigkristallbildschirme im PC-Bereich stand es nicht gut um die Spielewelt bestellt. Zu träge reagierten die einzelnen Bildpunkte auf angeforderte Veränderung. Die Folge waren lange Schlieren selbst bei relativ milden Bewegungen der dargestellten Inhalte. Für eine rasante Darstellung in 3D-Shootern oder Strategiespielen, wo Ausschnitte des Sichtfeldes im Sekundentakt verschoben werden, ist dies absolut untragbar. Inzwischen haben viele Geräte annehmbare Reaktionszeiten von ungefähr 10 ms im Grau-zu-Grau-Bereich (GtG) erreicht. Doch echte Top-Produkte werben mit 1 oder 2 Millisekunden Reaktionszeit. Schlierenbildung wird dadurch auf ein Minimum reduziert, sich bewegende Objekte und Schriften lassen sich endlich klarer erkennen. Typischerweise liegen hier bei solchen Anforderungen an Geschwindigkeit die schnellen TN-Panels auf der Pole-Position, da die deutlich farbechteren und blickwinkelstabilen IPS-Displays meist etwas langsamer reagieren. Eine sichtbare Verbesserung bringt auch eine erhöhte Bildwiederholungsfrequenz. Standard ist heutzutage noch 60 Hz, die 60 Bilder Pro Sekunde darstellen. Für mehr Frames und eine auffällig flüssigere Wiedergabe werfen ambitionierte Hersteller auch Geräte mit weit über 100 Hz auf den Markt. Um die Bildqualität solch hoher Hz-werte in vollen Zügen zu genießen, bleibt aber ein extrem leistungsstarker Rechner unverzichtbar. Der Input-Lag bezeichnet die Verarbeitungszeit zwischen Eingabe eines Kommandos und der tatsächlichen Anzeige auf dem Display. Hohe Latenzen resultieren in störenden Verzögerungen bei der Bildausgabe, die anspruchsvollen Betrachtern böse aufstoßen. Selbst für technische Unerfahrene stellen dagegen native Auflösung sowie das Bildformat offensichtliche Qualitätsmerkmale dar. Ultra-HD-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) oder WQHD (2560 x 1440p) schlagen das alteingesessene Full HD (1920 x 1080 Pixel) klar, zeigen mehr Details und neigen weniger zu Aliasing-Effekten (Kanten- und Flimmereffekte) bei 3D-Spielen. Spezielle Breitbildformate wie UWQHD mit 21: 9 gewähren besonders bei Racern, Egoperspektive oder RTS-Spielen die Extraportion Übersicht und damit ein authentischeres Spielgefühl, werden aber nicht von allen modernen Titeln - betroffen sind besonders ältere Spieltitel - unterstützt.

3D-Wiedergabe, Synchronisation, Unschärfereduktion - wie war das noch mal?

Neben dem schnellen Reaktionsverhalten und der Auflösung als primärer Faktor gesellen sich noch zahlreiche andere Extras, die vor allem die Optik nachhaltig verbessern sollen. 3D-Unterstützung erlaubt eine dreidimensionale Darstellung kompatibler Spiele. Zertifizierung und nötiges Zubehör sind auf die bekannten Grafikkartenhersteller AMD (HD3D) oder NVIDIA (3D Vision) zugeschnitten. Manche Geräte ermöglichen sogar, für noch mehr Bilder pro Sekunde die Hz-Frequenzen eines Bildschirmes nach Bedarf anzupassen oder zu übertakten. Neue Mittel zur adaptiven Synchronisation mit der Bildrate der Grafikkarte wie NVIDIAs proprietäres G-SYNC oder das offene AMD FreeSync rücken dem gefürchteten Tearing, zerrissene Bilder bei Bewegung, zu Leibe, ohne dabei eine fixe Bildrate einhalten zu müssen. Diese Technik ist der lange herbeigesehnte Tod des unbeliebten V-Sync-Stotterns, dass ansonsten immer bei einbrechender Bildberechnung auftritt. Stroboskope Hintergrundbeleuchtungen filtern inzwischen effektiv selbst den letzten Rest an Bewegungsunschärfe heraus und erzeugen gestochen scharfe Bilder und gut lesbare Texte selbst bei hoher, gleichmäßiger Bewegung. Solche Maßnahmen zur Unschärfereduktion tauft jeder Hersteller nach Gutdünken auf seine eigene Bezeichnung. Darunter fallen Begriffe wie 240 Turbo (Eizo), Motion Blur Reduction (BenQ), Clear Motion 240 (LG) oder NVIDIAs ULMB und dessen Vorgänger Lightboost, welche von diversen Herstellern wie ASUS oder Acer genutzt werden. Zusätzlich würzen Hersteller ihre Angebote mit Softwarepaketen, die mit individuellen Profilen locken oder beispielsweise den Bildschirminhalt zugunsten einer besseren Sicht manipulieren. Nicht zu vergessen: Eine gute Ergonomie mit Höhenverstellbarkeit und anpassbarem Neigungswinkel wertet ein Gerät zusätzlich auf. Schließlich verharren Gamer lange in einer Position und wollen dadurch bedingte Rückenschmerzen und steife Halswirbel tunlichst vermeiden. Die Bandbreite neuer Möglichkeiten bestimmt auch den Preis: extrem günstige Vertreter, die nur Full HD mit 60 Hz auf 24 Zoll in Kombination mit einer zumindest akzeptablen Reaktionszeit anbieten, sind bereits für unter 200 Euro erhältlich. Mit steigender Anzahl der erwähnten Features, klettert auch der Preis in luftige Höhen.

Eizo FS2434-BK
Eizo FS2434-BK

Eizo FS2434-BK (Bild: Amazon)

Eizo Foris FS2434-BK - Spieleathlet in IPS-Qualität

Eizo setzt bei seinem Spielespezialisten Foris FS2434-BK offenbar weniger auf brachiale Geschwindigkeiten als auf hohen Komfort. Ausgezeichnete Gaming-Boliden müssen nicht zwangsläufig ein tiefes, schwarzes Loch in die Geldbörse brennen, wenn man wie beim Eizo Foris FS2434-BK Prioritäten absteckt. Zur Anwendung kommt laut Hersteller ein leicht entspiegeltes Full-HD-Pannel in 24 Zoll und 60 Hz Bildfrequenz (1920 x 1080 Pixel, 16: 9) - auf den ersten Blick ein Standardgerät, für das nicht notwendigerweise ein High-End-Rechner Grundvoraussetzung sein muss. Mit einem halbwegs aktuellen Gamer-PC der Mittelklasse steht einem angenehmen Zeitvertreib nichts im Wege. Dank IPS-Display, dessen Rahmen übrigens nur hauchdünne 2 mm misst, verfälschen sich Farben sowie Helligkeit kaum bei Veränderung des Blickwinkels - ein Plus gegenüber den etwas reaktionsfreudigeren TN-Bildschirmen. Sehr Vorteilhaft auf die Farben wirkt sich auch die 10-bit-LUT (Look-up-Table) aus, mit der die optimalen Farben für die Wiedergabe des 8-bit-Bildschirmes ermittelt werden. Hohe Farbtreue und saubere Verläufe sind somit garantiert. Pro Anwendung dürfen Nutzer außerdem ein individuelles Farbprofil erstellen, automatisch abrufen und nach persönlichem Geschmack einrichten. Ein seitlich gelegenes USB-3.0-Hub mit zwei Eingängen vereinfacht den Anschluss von Gamepads oder andere Peripherie. Für Kopfhörer und Lautsprecher gibt es gleich zwei leicht zugängliche 3,5 mm-Klinkenbuchsen. Weitere Anschlüsse sind 1x DVI-D sowie 2x HDMI. Als interessant für Spieler erweist sich auch das Softwarepaket: Smart Detection sucht nach Spielen und Videos auf dem Bildschirm und wendet die Software-Verbesserungen gezielt nur auf den gewünschten Bereich an - praktisch für alle, die im verkleinerten Fenstermodus spielen und wegen zu dunkler Schatten den Gammawert nicht generell erhöhen wollen. Hier setzt auch Smart Insight 2 an. Dunkle, schlecht einsehbare Ecken, wo sich Gegenspieler sicher wähnen, werden ohne Verluste bei der Detailzeichnung im Weißbereich selektiv aufgehellt. Zusätzlich schärft Smart-Resolution gezielt Kanten, ein Feature, das sich wie Smart Insight 2 in bis zu 5 Stufen regulieren lässt. Der integrierte Overdrive werkelt in drei Modi und steigert so Reaktionswerte der LCD-Kristallen auf bis zu 5 ms (GtG) bei gleichzeitig niedrigem Input-Lag. Der Hersteller stattet den Monitor mit einem Tragegriff sowie Kabelhalter aus, was mit den komfortablen Anpassungsmöglichkeiten (6 cm höhenverstellbar, 177° in beide Richtungen schwenkbar und 25° neigbar) Hand in Hand geht. Als Beigabe legt Eizo noch eine Miniaturfernbedingung, CD-Treiber sowie Kabel für Audio, USB-Hub und DVI-D bei. Obendrein spendiert der Produzent Käufern noch einen fünf Jahre andauernden Vor-Ort-Service im Garantiefall - alles für eine UVP von 349 Euro. Damit ist der Monitor vom Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber gleichwertigen Konkurrenten angemessen positioniert.

Asus ROG PG278Q
Asus ROG PG278Q

Asus ROG PG278Q (Bild: Amazon)

Alles in einem: Asus ROG SWIFT PG278Q

Der Asus ROG SWIFT PG278Q richtet sich an absolute Enthusiasten, die neben gestochen scharfer Pixelbeschleunigung (1 ms, GtG) auch eine gegenüber Full HD erhöhte Auflösung in WQHD (2560 x 1440 Pixel, 16: 9) zu schätzen wissen. Mit der TN-Panel-Technik setzt der Hersteller sprichwörtlich auf ein schnelles Pferd, ebenso rasant sollen die niedrigen Latenzzeiten (Input-Lag) ausfallen. Überraschender und erfreulicherweise beherrscht das 27 Zoll große TN-Panel eine native 8-bit-Farbdarstellung und liegt in dieser Hinsicht trotz des etwas eingeschränkten Blickwinkels mit vielen IPS-Kollegen gleichauf. Wirklich aufregend wird es jedoch für Liebhaber ultraflüssiger Bewegungsabläufe: Satte 144 Hz Bildwiederholungsrate wirft der Hersteller in die Waagschale und rüstet den Monitor mit 3D-Support und einem NVIDIA G-SYNC-Modul aus, inklusive ULMB. So dürfen sich Spieler zwischen drei waschechten Luxusmerkmalen, G-SYNC, ULMB und NVIDIA 3D Vision, entscheiden, die leider aus technischen Gründen nicht gleichzeitig arbeiten. G-SYNC passt die Refresh-Rate des Monitors an die tatsächliche Ausgaberate der Grafikkarte an und beseitigt so das unbeliebte Tearing, ohne dabei trotz variabler Frameraten störende Ruckler zu produzieren. Ein perfekter, butterweicher Bewegungsfluss ist die Folge und hebt dieses Produkt klar von herkömmlichen Desktop-Bildschirmen mit 60 Hz ab. ULMB (Ultra Low Motion Blur) fügt mit Hilfe einer stroboskopen Hintergrundbeleuchtung schwarze Bilder ein. Das Resultat: knackig scharfe Schriftzüge und Grafiken trotz rascher Kamerafahrten. NVIDIA 3D Vision (3D Brille separat erhältlich) taucht unterstützte Titel in ein ungewohnt plastisches Gewand und erlaubt außerdem die Wiedergabe von Filmen auf Blu-Ray Disc oder Youtube in der dritten Dimension. Ohne eine kompatible sowie leistungsstarke NVIDIA GeForce Grafikkarte funktioniert G-SYNC, ULMB und NVIDIA 3D Vision schlicht nicht. Der Asus ROG SWIFT PG278Q dient sich daher unverkennbar als High-End-Bildschirm für NVIDIA-Enthusiasten an. Praktischerweise lässt sich der Bildschirm um 25°neigen, 60° drehen, 12 cm in der Höhe verstellen und sogar hochkant ausrichten (Pivot-Modus). Ein USB-Hub (USB 3.0) stellt zwei Anschlüsse zur Verfügung. Für den Signaleingang steht lediglich ein einzelner DisplayPort bereit. Als optischer Hingucker entpuppt sich eine großer LED-Ring am Standfuß, der während des Betriebs aufleuchtet. Im Lieferumfang enthalten sind neben Treiber-CD noch ein DisplayPort-Kabel, USB-Kabel, Garantiekarte sowie ein externes Netzteil. Derzeit werden ungefähr 699 Euro für das Gaming-Multitalent aus dem Hause Asus fällig.
Ein recht stattlicher Preis, der jedoch in seiner umfassenden Ausstattung seine Berechtigung findet. Ähnliche Geräte sind unter Verzicht einiger Merkmale wie G-SYNC oder 3D Vision deutlich günstiger erhältlich.

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