Hofzwerge in Bild und Skulptur

In der Mythologie und auch in Märchen (hier vor allem in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm) wurde schon vor langer Zeit von Zwergen berichtet. Kleinwüchsige Personen wurden gerne von Herrschern als sogenannte Hofzwerge angestellt. Sie waren nicht nur für die Unterhaltung des Regenten zuständig, sondern wurden wegen ihrer Andersartigkeit oft als Glücksbringer angesehen oder hatten andere Aufgaben (z.B. wenn sie noch weitere Fähigkeiten besaßen und beispielsweise heilkundig waren). Karikaturen, vor allem von Jaques Callot, wurden europaweit bekannt und fanden viele Nachahmer. Auch in der Literatur wurden ab Ende des 18. Jahrhunderts Gartenzwerge als Motiv verwendet. Skulpturen wurden vermutlich schon früher geschaffen, die ältesten erhaltenen sind jedoch aus der Epoche des Barock. 28 Zwerge aus Marmor stehen im Zwergelgarten von Schloss Mirabelle in Salzburg. Sie wurden Ende des 17. Jahrhunderts von J.B. Fischer von Erlach entworfen. Zwerge wurden zu dieser Zeit individuell aus Marmor oder Sandstein gefertigt und standen in nahezu allen europäischen Schlossgärten Mittel- und Osteuropas. Ab dem 18. Jahrhundert setzte die Produktion von Zwergenskulpturen aus Porzellan ein, die wenige Jahrzehnte später dann auch als Serien und in Massenproduktion hergestellt wurden. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde allerdings das Aufstellen von Gartenzwergen in Vorgärten verboten, weil es einen unerwünschten Eingriff ins Städtebild darstellt. Später sah man Gartenzwerge wieder häufiger in den Vorgärten, aber zunächst nur diejenigen Modelle, die wir mit Spießbürgertum und Omas Vorgarten in Verbindung bringen.

Der moderne Gartenzwerg

Das Kennzeichen der damaligen Gartenzwerge war die rote Zipfelmütze, das Dauergrinsen und allerlei nützliches Gartengerät in der Hand. Jeder Zwerg mit einem anderen Gerät versehen, in vielen Gärten waren ganze Heerscharen der kleinen Gesellen zu sehen.

Ab den 1990er Jahren wandelte sich das Bild. Neue Gartenzwergfiguren entstanden. Die neuen Gartenzwerge sind provokanter und zeigen beispielsweise den Vogel, haben ein Messer im Rücken oder lassen die Hosen herunter. Übrigens kann ein Gartenzwerg der neueren Art auch weiblich sein oder es treten zwei Figuren als Paar auf. Der neue Kult der Gartenzwerge greift auch politisches, sportliches und anderes tagesaktuelle Geschehen auf, so gibt es beispielsweise pünktlich zu größeren Fussballevents den EM-Gartenzwerg.

Auch wenn der Erfolgszug der Gartenzwerge anhält (2013 war übrigens das Jahr des Gartenzwergs), sind die althergebrachten Modelle häufiger bei älteren Herrschaften beliebt. Andere Größen (für den Blumenkasten) oder die neuen provokanteren Motive erfreuen sich eher beim jüngeren Publikum an Beliebtheit. Allerdings können gerade die Letztgenannten zu Ärger in der Nachbarschaft führen. Wenn sich ein Nachbar durch einen Gartenzwerg in eindeutigen Posen (Stinkefinger, nackter Hintern) provoziert oder gestört fühlt, kann das unter Umständen dazu führen, dass der sog. Frustzwerg wieder entfernt werden muss.

Sonja, am 21.11.2016
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