Comeback der Klöster mit „Ora-et-Labora-Wochen“

Heute gehen die Menschen nicht mehr ins Kloster, um Lesen und Schreiben zu lernen oder um abgesichert zu sein. Das ist dank Schulzwang und Sozialhilfegesetz nicht mehr nötig. Die Städte mit ihren Schulen und Universitäten, Kultur- und Handwerksbetrieben haben den Klöstern längst den Rang als Kulturbewahrer streitig gemacht. Nun flüchten die Menschen oder das, was von ihnen übrig ist, aus den Ballungszentren der Städte in die Klöster, weil sie vor "lauter" Kultur und Entwicklung längst einen Gehörsturz bekommen haben. In die Breite gegangene Kultur und einseitige weltliche Bildung haben eben ihren Preis.

 

Was ist noch natürlich am Menschen, an seinem Weg? Beim Überlebenskampf hat er sich von seiner Natur entfernt, zurück bleibt ein ausgebranntes, aufgeriebenes, bestenfalls noch funktionierendes Wesen, das sich fragt, ob es so etwas wie eine Seele oder einen Gott gibt und wenn ja, so folgert er, müssten diese doch eher an Orten der Kontemplation und des Gebets zu erspüren sein als beim Gerangel um Pöstchen und Scheinchen.

 

Da auch die Gemeinschaften in den Klöstern überleben müssen, haben sich viele bereits im Internet etabliert und antworten auf den Ruf der verzweifelten Sucher aus den Städten mit wortgewaltigen Angeboten, wie Stille Tage im Kloster, Touch me Gott, Gott liebt Tango (Kloster Arenberg), Kloster auf Zeit und Ora-et-labora-Wochen (St. Hildegard). Die Missionsbenediktinerinnen laden zu Internetexerzitien ein.

 

Inwieweit die klösterlichen Brüder und Schwestern mit ihrem Tagesablauf von "bete und arbeite", ihren sinnlichen Angeboten und ihrem breit gefächerten Gästeprogramm wirklich Sinn vermitteln und Orientierungshilfe sein können, muss jeder Suchende selbst ausprobieren. Er entscheidet, ob er sich eher zu den "leisen", bescheidenen Angeboten der Stille hingezogen fühlt oder die "lauten", TV-gepriesenen Klostertherapien bevorzugt. Mit dem Internetanschluss weht der Zeitgeist mittlerweile durch die dicksten Klostermauern und kann es ermöglichen, dass der nächste Urlaub ein Abenteuer für Seele und Geist wird, ein Ora-et-Labora-Crashkurs mit Jagdschein zum Einfangen der verirrten Seele.

 

7 Tage im Kloster - NDR
Kloster

Kloster (Bild: Antranias / Pixabay)

Urlaub im Kloster - Angebote von 6 Klöstern in Deutschland

 

Die Klöster:

- Kloster Arenberg in Koblenz (Rheinland-Pfalz)

- Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim (Hessen)

- Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede (Nordrhein-Westfalen)

- Zisterzienserabtei St. Marienthal in Ostritz (Sachsen)

- Kloster Loccum in Rehburg-Loccum (Niedersachsen)

- Kloster Knechtsteden der Spiritaner in Dormagen-Knechtsteden (Nordrhein-Westfalen)

 

Anhand der 6 Beispiele mit Ortsangaben und Links kann sich der Suchende vor der Buchung seiner Reise ausgiebig über die Lage des Klosters, seine Angebote und Preise informieren. Alle Klöster bieten Einzel- und Doppelzimmer von sehr einfacher bis guter Ausstattung an. Viele Männer- und Frauenklöster öffnen sich inzwischen für das andere Geschlecht und für Familienurlaub mit Kindern. Das Projekt "Kloster auf Zeit", das viele Klöster anbieten, umfasst einen Zeitraum von 4 – 8 Wochen, bei dem man am Tagesablauf der Mönche oder Nonnen teilnimmt, mit ihnen gemeinsam betet, isst und arbeitet. Für gewöhnlich gibt es vier Mahlzeiten am Tag, zubereitet mit Produkten aus der eigenen Wirtschaft, dem Garten, der Bäckerei, Käserei und Metzgerei, dem Weinberg und der eigenen Weinkellerei.

 

Ein besonderes Erlebnis sind die Feiertage im Kloster: Stille, Andacht und festliche Freude an Weihnachten oder in der ganzen Zeitspanne der Raunächte zwischen Wintersonnenwende und dem Dreikönigstag. Weihnachten pur – geweihte Nacht – ganz ohne Geschenke-, Einkaufs- und Essensaufwand. Nur Besinnung auf das Wesentliche. Keine Ablenkung. Keine TV-Berieselung. Vielleicht mit einer Wanderung im Schnee oder einem festlichen Orgelkonzert in der Klosterkirche. Spirituelle Bereicherung und ein Zuwachs an innerer Stärke machen einen Klosterurlaub an Weihnachten unvergesslich.

 

Kloster Arenberg

Endstation Sehnsucht bei den Dominikanerinnen im Dreiländereck: Erholung, Heilung und Begegnung mit ganzheitlichem Gesundheitskonzept und professionellem Marketing. Nichts fehlt. Für jedes Problem und jede Krankheit gibt es eine Therapie und einen Workshop, von Trauerarbeit und Familienstellen bis zum Schweigeseminar, vom meditativen Tanzen und Schreiben bis zu den Wanderexerzitien, dazu Kneippsche Güsse und Musik. Hier tanzt der Suchende Tango mit Gott und schreibt sich endlich die Seele aus dem Leib. Irgendwo gibt es auch einen Raum für organisierte Stille. Das Fernsehen ist Zeuge.

Abtei St. Hildegard

Hildegard von Bingen, die große Äbtissin und Heilige vom Rupertsberg, liegt trotzt ihrer 900 Jahre mit im Trend. Ihre Benediktinerinnen-Schwestern bewirtschaften ein Klosterweingut, einen Laden und drei Kunstwerkstätten. Alle Angebote kreisen um die Medizin und Heilkunst der Heiligen Hildegard: Heilfasten, Ernährung, Heilkräuter. Für die Ora-et-Labora-Wochen sind auch Männer zugelassen. Der Veranstaltungskalender für 2012 gibt weitere Auskunft.

Kloster

Kloster (Bild: Unsplash / Pixabay)

Abtei Königsmünster

In der Benediktinerabtei im Sauerland leben und arbeiten etwa 60 Ordensbrüder im dazugehörigen Gymnasium, in der Seelsorge und in den klostereigenen Betrieben (Bäckerei, Metzgerei und Landwirtschaft). Das Kloster ist eingerichtet für die Einkehrtage ganzer Schulklassen und größerer Gruppen, bietet aber auch Einzelzimmer für Klausuren an. Die Benediktinermönche laden junge Männer zwischen 18 und 45 Jahren zu dem Projekt "Kloster auf Zeit" ein, in dem die Suchenden das Leben der Mönche für etwa zwei Monate teilen können. Sie finden Zeit, sich auf das Wesentliche ihres Lebens zu konzentrieren, sich innerlich neu auszurichten und Klarheit über ihren Weg zu erhalten. Eine PDF-Datei informiert die Gäste über das Programm 2011-12.

St. Marienthal

Einen erholsamen und spirituell bereichernden Urlaub verspricht das älteste Frauenkloster der Zisterzienserinnen in der sächsischen Oberlausitz, im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien. Die Klosterfrauen lieben ihre Feste. Das Frühlings- und Kräuterfest und die traditionelle Saatreiterprozession am Ostersonntag locken viele Menschen ins Kloster. Beliebt sind die regelmäßigen Fasten- und Besinnungswochen und natürlich auch die Kräutermanufaktur mit den ökologischen Kräuterweinen. Doch erstmalig und einmalig in Deutschland ist, dass die ganze Stadt Ostrich mit ihren 3000 Einwohnern sich selbst vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt - siehe EMOS – Energie-ökologische Modellstadt Ostritz St. Marienthal. Vielleicht lassen sich deshalb die Störche so gerne in Marienthal nieder.

Kloster Loccum

Wer sich auf den Pilgerweg Loccum - Volkenroda machen möchte, kann im Zisterzienserkloster Loccum in Niedersachsen beginnen und erhält ein einfaches gutes Quartier für 15 €. Nach Loccum pilgern auch die suchenden Führungskräfte, um sich in Sachen Spiritualität coachen zu lassen.

Kloster Knechtsteden

Die hier wirkenden Spiritaner gehören der Missionsgemeinschaft vom Heiligen Geist an, die sich besonders dem Wohl der Armen und Außenseiter der Gesellschaft widmen. Das im Rheinland liegende Kloster Knechtsteden ist bekannt für seine regelmäßigen Kunstausstellungen und die "Festlichen Tage Alter Musik". In der "Pension Augenblick" können Alleinstehende und Familien mit ihren Kindern Urlaub machen und sich erholen.

Fasten im Kloster Gerode - Ganzheitlich und entspannt fasten im Kloster Gerode
Erlebnis Kloster
Stille und Erhabenheit

Kloster (Bild: Bluesnap / Pixabay)

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