Esskastanien als Nahrungs- und Heilmittel

Während in der griechischen und römischen Antike Esskastanien ausschließlich zur Herstellung von Mehl, Brot und Suppe verwendet wurden, entdeckte das Mittelalter die köstlichen Nüsse neu. Bekannte Vertreterin ist hier die Klosterfrau Hildegard von Bingen, welche die Natur nicht nur beobachtete, sondern auch alles notierte und viel ausprobierte. So erkannte sie in Esskastanien bald Kandidaten für Küche und Arzneischrank.

Vom Getreideersatz hin zum beliebten Gemüse - Hildegard von Bingen schätzte die Früchte der Esskastanie sehr. Sie verwendete diese in ihren Rezepten nicht nur als Beilage, sondern manchmal auch pur. Esskastanien wurden von ihr auch zu Creme oder Suppe weiterverarbeitet.

Ihr Urteil: "Die Kastanie ist ihrer Natur nach sehr warm, hat eine große Kraft in sich, die der Wärme beigemischt ist und bezeichnet die Weisheit. Was in ihr ist und auch ihre Frucht ist sehr nützlich gegen jede Schwäche des Menschen." (Hildegard von Bingen: Gesunde Ernährung. Naumann Verlag, Köln)

Gicht, Kopfschmerzen und Beschwerden im Herz-, Milz- und Magenbereich sollen lt. Hildegard von Bingen durch den Verzehr von Esskastanien gelindert werden. Außerdem sollen sie einen positiven Einfluss auf die Psyche haben und auch Depressionen entgegenwirken können.

Esskastanien enthalten viele Vitamine (A, C, E und auch die meisten B-Vitamine) und sind ein wichtiger Lieferant von vielen Spurenelementen und Mineralstoffen, die wir benötigen: Eisen, Zink, Magnesium, Kalzium und Kalium sollen unser Wohlbefinden stärken.

Maronenmehl enthält übrigens kein Gluten und ist auch für Allergiker bei Zöliakie und Sprue bestens geeignet.

Rezepte mit Esskastanien

Nach Hildegard von Bingen ist der Verzehr von Esskastanien vor allem für alle physisch und psychisch geschwächten Menschen zu empfehlen. Aber die kleinen Delikatessen, die im Oktober an den Bäumen reifen, sind auch für alle anderen ein tolles Nahrungsmittel, das viel Spielraum für eigene Ideen lässt.

 

Heiße Maronen

Heiße Maronen wie frisch vom Weihnachtsmarkt!

Mit Esskastanien, Wasser und etwas Salz ist das leicht zu bewerkstelligen. Für 1,5 Kilogramm Esskastanien benötigt man 2 Liter Wasser und 2 Esslöffel Salz. Die Maronen werden auf der gewölbten Seite kreuzförmig eingekerbt und dann für etwa 30 Minuten in Salzwasserr gelegt. Die nassen Maronen legt man auf ein Backblech und röstet sie bei 220 Grad Celsium im Backofen. Die Esskastanien sind fertig, wenn die Schalen aufplatzen. Anschließend gibt man die Nüsse in ein Küchentuch oder in ein Handtuch und lässt sie einige Minuten darin ruhen. Aber nicht zu lange, denn die Schalen lösen sich umso leichter, je heißer die Esskastanien noch sind.

Suppe aus Esskastanien

Für die leckere Suppe aus Esskastanien werden 500 Gramm Maronen geschält und zusammen mit einer klein gehackten Zwiebel in etwas Butter angedünstet. Mit 3/4 Liter Gemüsebrühe und 1/4 Liter Weißwein werden Maronen und Zwiebeln abgelöscht und so lange darin gekocht, bis sie weich sind. Dann werden die Kastanien herausgenommen, püriert und das Pürree anschließend wieder zurück in den Topf gegeben. Abermals gibt man 3/4 Liter Gemüsebrühe hinzu und kocht das Ganze damit noch einmal auf. Mit Salz und Nelkenpulver wird das Gericht zum Schluss abgeschmeckt.

Konfitüre aus Kastanien

Für dieses Rezept wird ein Kilogramm Esskastanien kreuzweise eingekerbt und in einem Topf mit Wasser bedeckt. Zusammen mit einer Vanilleschote (ohen Mark) und einer Zimtstange werden sie für 30 Minuten gekocht. Sobald die Schalen aufgeplatzt sind, werden die Maronen kalt abgeschreckt und von ihrer Schale und dem dünnen Häutchen befreit. Mit einem Viertelliter Wasser werden sie nun püriert und mit 400 Gramm feinem Rohrzucker und dem Saft einer Orangen sowie der geriebenen Orangenschale in einem Topf aufgekocht. 4-6 Teelöffel Apfelpektin sollen fürs Festwerden sorgen (Gelierprobe machen!). Zu guter Letzt wird alles mit dem Vanillemark und etwa 50 Millilitern braunem Rum verrührt und in fest verschließbare und sterile (heiß ausgewaschene) Gläser gefüllt.

Esskastanien für die Gesundheit - Hildegards Rezepte fürs Wohlbefinden

Kreislaufschwäche bekommt man nach Hildegard in den Griff, wenn man jeweils vor und nach einer jeden Mahlzeit 5 weich gekochte Maronen isst. Sind gerade keine Esskastanien zur Hand, tut es auch der Geruch des Holzes von einem Kastanienbaum, den man möglichst tief einatmen soll.

Rheuma begegnet Hidegard von Bingen mit einem Saunaaufguss der besonderen Art. Dafür werden zu gleichen Anteilen Blätter, Schale und Früchte der Esskastanie verwendet. Die Zutaten werden gekocht, durch ein Sieb abgeseiht und der daraus gewonnene Extrakt als Aufguss bei einem Schwitzbad eingesetzt.

Ein Allheilmittel gegen Traurigkeit und Kummer gibt es noch nicht. Aber die Vitamine und Mineralstoffe der Esskastanien wirken ausgleichend und beruhigend auf das Nervensystem. Auch Hildegard von Bingen war das bekannt und sie empfahl, über den Tag verteilt mehrere rohe Kastanien zu essen und das über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen durchzuführen.

Sophie1975, am 18.09.2012
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Wie macht man gefüllte Champignons?)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie macht man Tiramisu? Original und leckere Variationen dazu)

Autor seit 5 Jahren
220 Seiten
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