Schloss Schönbrunn

Geschichte für Kinder!

Unser erstes Etappen-Ziel ist Wien. Wir wandeln auf den Spuren von "Little Amadeus", Kaiserin Sissi und Erzherzogin Sophie in Schloss Schönbrunn, mit anschließendem Kindermuseum. Hier durften die alten Kleiderstile der verschiedenen Jahrhunderte nach Herzenslust ausprobiert werden. Bald schwelgten alle in Unterröcken, weißen Perücken, Fächern, Handschuhe, Rüschen und Ur-Großmutters Unterhosen.  Ein Mega-Spaß für die ganze Familie. Auch der Schlossgarten mit königlichem Irrgarten wurde mit Begeisterung erkundet. Für den kommenden Tag war eine Fiaker-Sightseeing-Tour geplant. Für die beiden pferdebegeisterten Mädels war der Besuch der Spanischen Hofreitschule in Wien ein tolles Erlebnis. Am Nachmittag verlassen wir Wien und rollen Richtung Budapest. Die Straßen in Ungarn sind perfekt ausgebaut und so erreichen wir gegen 1 h nachts mit unserem Gespann Rumänien.

Störche

Auf nach Rumänien!

Der Treffpunkt für die Offroadtour "Über den Tataren-Pass"  ist ein Sonntag im August gegen 16.00 h kurz hinter der ungarisch-rumänischen Grenze an einer Tankstelle.  Den Wohnwagen haben wir auf einen Campingplatz abgestellt, da wir die nächsten Tage im Zelt übernachten werden. Wir sind etwas früh dran und beschließen im nahegelegenen Supermarkt die Lebensmittel-Vorräte für 6 Reisetage zu ergänzen und die warme Theke für ein verspätetes Mittagessen zu nutzen. Zeitig sind wir am Treffpunkt und stellen fest, dass nun kleine Reisegruppen mit jeweils 4 Fahrzeugen gebildet werden. Schnell noch Tanken und die Formalitäten erledigen und schon geht es los. Wir fahren durch kleine Dörfer mit endlos scheinenden Alleen, bewundern die vielen Störche auf Strommasten, Kirchtürmen oder Häusern und weichen gelegentlich ein paar Haustieren aus. Warum wir als kleine Gruppe losgefahren sind, verstehen wir spätestens als wir am Ufer des 100 m breiten Mures –Flusses stehen und die 4 Fahrzeuge auf die Gier-Fähre verladen werden. Die Gierfähre hängt an einem langen Drahtseil, das sich kurz vor der Fähre aufteilt. Ein Seilende ist am Bug und eins am Heck der Fähre befestigt. Durch eine Veränderung der Länge der Seile und durch den Druck des strömenden Wassers gelangt die Fähre an das entsprechende Ufer. Obwohl die Fähre einen betagten Eindruck macht, fahren alle Fahrer Ihre Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange auf die Fähre. Das letzte Fahrzeug hat noch eine Hand breit Holz hinter dem Hinterrad und wir bekommen eine erste Idee von Abenteuer…

Abendstimmung

Im weiteren Verlauf des Tages erleben wir die ersten Offroad-Strecken.  In einer tiefen Bodenwelle spießen wir uns an der Anhängerkupplung auf, denn die hatten wir in dem schnellen Aufbruch irgendwie vergessen abzumontieren und so endete unser erster Tag ein zweites Mal am Seil. Am Ende eines strahlenden Sonnentages verlässt uns Lady Sunshine  im Westen mit einem tollen fröhlichen roten Farbenspiel, während im Osten Mr. Moon als Vollmond sich deutlich vom blauen Hintergrund abhebt. Bei Lagerfeuer-Romantik  am Abend bekommen wir von  unseren Tourguides eindeutige, präsize und klare Anweisungen für die kommenden Tage. Es sind 11 Fahrzeuge am Start, sowie 3 Begleitfahrzeuge von TC-Offroad. Das Rettungskonzept und die Apotheke wird erklärt, das Ersthelfer-Team zusammengestellt, und auf den Defibrillator hingewiesen.  Die Gruppe und insbesondere die Bodenzelter werden beruhigt: Bären und Wölfe sind in Rumänien angeblich kein Problem….Hhmm.

Am Morgen finden sich alle zur Fahrerbesprechung ein und gegen 9,30 h heißt es dann wir "blasen an". Die Fahrzeuge werden je nach Ausstattung, z. B. Winde, Größe und Gewicht vom Organisations-Team aufgereiht.

 

Lagerfeuer

Im Blätterwald

Lagerfeuer Vorbereitung

Die Funkgeräte funktionieren alle und ein reger Funkkontakt entsteht. Am Horizont kann man bereits die Ausläufer der Karpaten sehen. Die Wege sind schmal und werden von kleinen Dörfern gesäumt. Die Straßen sind tief ausgewaschen und enge Kehren fordern schon bald die ganze Aufmerksamkeit der Fahrer, Mitfahrer oder Vordermänner. Die Wege sind teilweise kaum als solche zu erkennen und die Einstiege übersieht man schnell. Die Vordermänner weisen die Hintermänner ein. Teamgeist ist  gefordert. Bei so mancher Streckenführung durch dichten Blätterwald hatten wir Mühe unseren Vordermann nicht im Busch zu verlieren. Am Ende des Blätterwaldes liegt der Einstieg in ein seichtes Flussbett, den wir mehrere hundert Meter gegen die Strömung befahren. Die ersten Scheinwerfer-Streuscheiben reißen als das kalte Wassers draufspritzt. Wir erreichen frühzeitig einen sehr schönen Biwak –Platz, mit einem traumhaften 360 Grad Panorama. Bald schon fliegen ein Meter lange Baumstämme durch die Luft. Das allabendliche Lagerfeuer wird vom TC-Team vorbereitet. Großräumig wurden die Läger auf gebaut. Jedes Fahrzeug-Team hat sein individuelles Pack- und Schlafkonzept entwickelt. Es ist vom Dachzelt bis zum Bett im Defender alles dabei. Wir sind wieder mit unserem bewährten Quechua-Wurfzelten unterwegs. Zwei  Plopp´s und  6  Heringe später, hatte unsere 7jährige die Zelte aufgebaut. Für den Innenausbau ist unsere 5jährige zuständig. Die Ventile der Isomatten sind zu öffnen und die Schlafsäcke zu verteilen. Alle Kissen, Kuscheltiere und Packtaschen gehörten ins richtige Zelt. Nach dem Abendessen wird es gegen 20.30 h dunkel  und die Kinder trollen sich Richtung ins Zelt zum Schlafen. Wir lassen den Tag am Lagerfeuer Revue passieren und ausklingen.

 

auf der Strasse

Mehrer 100 PS

Bevor wir am nächsten Vormittag die Zivilisation endgültig hinter uns lassen, machen wir noch ein paar Einkehrschwünge in Tetzek. Hier werden die letzten Lebensmittel und reichlich Wasser aufgenommen. Nachdem alle Fahrzeuge aufgetankt sind, geht es weiter auf den  Mittagsplatz. Nach dem Mittagessen folgt eine schöne Passage und alle haben Fun. Der Tag ist schwül und in der Ferne ist ein leises grummeln zuhören. Innerhalb von 15 Minuten ist das Gewitter da und es schüttet wie aus Kübeln. Der Waldboden wird zu einer matschigen Rutschbahn und die Baumwurzeln zu glitschigen Hindernissen. Der Aufstieg ist ohne Winde nicht mehr zu schaffen und alle Fahrzeuge müssen gewinscht werden. Uns läuft die Zeit davon. Da es  langsam dunkel wird, schlagen wir bei der nächsten Gelegenheit ein Notcamp auf. Der Regen hat zwischenzeitlich aufgehört, das Lagerfeuer knistert und die Kinder kuscheln sich im Zelt in Ihre Schlafsäcke. Nach diesem aufregenden Tag verzichten wir in der Dunkelheit auf´s Spülen und gönnen uns lieber einen Gin-Tonic am Lagerfeuer.

 

Oh dieser Matsch...

Am kommenden Morgen krabbeln wir aus unserem Zelt. Wir befinden uns auf 1.600 Hm und auch ohne weitere Regenfälle sind die Zelte nass. Nachdem alles wieder verstaut ist, werden heute die Luftfilter zum Entstauben ausgeschüttelt. Der Morgen hielt eine weitere Überraschung für uns bereit. Der schwarze Disco 1 mit der blauen Dachbox springt nicht an. Nach einer Starthilfe kann es dann endlich losgehen. Nach weiteren 10 min. stellt der Tourguide fest, dass unser Stabilisator an einer Seite herunterhängt. Also wieder anhalten und fixieren. Heute führt die Tour durch die  Nationalparks, in dem uns  ein rumänischer Scout begleitet und die Streckenführung übernimmt. Nun geht es richtig auf die Piste. Die anderen Fahrer kämpfen ebenfalls mit ein paar technischen Problemen. Beim G zickt die Automatik und der rumänische Scout steckt in einem Schlammloch fest, aus dem er sich jedoch selber befreien kann. Der nachfolgende Defender steckt kurz drauf hoffnungslos im gleichen Schlammloch fest und eine spannende Winschaktion beginnt. Es gelingt nur mit einigen Tricks den Defender aus der Suhle herauszuziehen und es heißt nun für alle anderen Fahrzeuge ausweichen und zwischen den Bäumen durch. Die Bäume stehen so eng, dass uns die Spiegel einklappen. Aber Augen zu und durch….

Kurz hinter uns ist die Technik nicht aufgegangen und ein Disco 3 steckt zwischen den Bäumen fest. Wir kommen nur langsam voran und beim nächsten Schlammloch steckt der rumännische Scout wieder fest. Diesmal gibt es keine Ausweichmöglichkeit und um den Mittagsplatz zu erreichen, müssen  alle Fahrzeuge durch dieses Schlammloch gewinscht werden. Zum Glück haben wir ein paar Notfallrationen eingeplant und so können wir alle dem aufregenden Schauspiel zusehen. Wir beschließen als Gruppe ohne  Mittagspause weiterzufahren und dafür früh das Nachtlager aufzubauen. Somit haben wir viel Zeit für die Vorbereitung eines wahren Festessens. Beim Lagerfeuer wird die Gruppe für den nächsten Tag auf zwei Touren vorbereitet.

 

River of no Return

Im River of no Return!

The River of no Return ist eine Flussfahrt  von ca. 1 Stunde bis 2,5 Stunden je nach Jahreszeit, Wasserstand und natürlich auch fahrerisches Können der Gruppe. Der Fluss ist sehr schmal und es kann nirgends ausgestiegen werden, da die Ufer das nicht zulassen.  Es wird der Gruppe ziemlich deutlich klar gemacht, dass es Materialverschleiß geben kann. An manchen Stellen müssen größere Höhenunterschiede durch Steine und Geröll überwunden werden.

Die andere Route ist komfortabler und geht außen am Fluss vorbei. Die Guides können die Lage sehr gut einschätzen und können dem Fahrer Empfehlungen für die eine oder andere Tour aussprechen. Obwohl wir ein schweres Fahrzeug sind und die blaue Dachbox sich nicht unbedingt positiv auf den Kippwinkel auswirkt, entscheiden die Copilotinnen: Wir nehmen den River of no Return. Es ist sehr spannend, die Ufer sind sehr steil und die Brocken die wir herunterhopsen sorgen für deutlich sichtbare Verschränkungen. An einer Stelle neigt sich das schwere Fahrzeug bedenklich zur Seite und die Räder verlieren den Bodenkontakt.  Nur knapp wird das Umkippen verhindert, dafür war uns aber der Höhenrekord sicher. Soviel Spaß macht natürlich hungrig.Unser Büchsen-Öffnen –Konzept  hat sich bewährt. Sie gehen während der Fahrt nicht kaputt, verderben nicht und sind in nur einem Topf schnell warm. Da bleibt auch noch Zeit zum Spülen in der Schüssel oder bei Gelegenheit auch mal im Bach. Bevor es wieder losging, musste noch eine Reifenpanne behoben werden, ansonsten sind wir alle mit nur ein paar Schrammen und Beulen davon gekommen. Und wie sagt mein Mann immer so fröhlich grinsend zu mir: Das ist die Patina, Schätzchen!  Im Stillen überlegte ich, ob das wohl für alle Autos gilt oder nur….- na egal.

 

Das Kloster

Tolle Tour

Zwischen Tradition und Mythos!

Mittlerweile sind der Lagerabbau und das Verstauen eine Routine-Sache geworden. An unserem letzten Tag hat alles seinen Platz gefunden. Nichts klappert - nichts wird vermisst- nichts fällt mehr beim Öffnen der Türklappe aus dem Auto und leider geht die Tour heute zu ende. Die Sonne sticht vom Himmel und wir wollen noch ein Kloster besuchen. Nach einer reizvollen Anfahrt liegt ein sehr gepflegter kleiner Rundbau auf halber Berghöhe vor uns. Mitten in einem  traumhaften Garten mit einer unglaublich leuchtenden Blumenpracht, die so manchen Hobbygärtner vor Neid erblassen lässt,  befindet sich ein Herren Kloster. Innen fallen selbst dem ungeübten Auge die wunderschönen Malereien und Holzschnitzereien auf. Meister Eder hätte seine Freude daran. Die Mönche alle in schwarz gekleidet, mit dunklen Augen und sehr langen Bärten bewegen sich lautlos mitten unter uns. Wir verlassen den Ort der Ruhe und des Friedens um unsere Mittagspause einzulegen. Danach geht es über herrliche offene Wiesen mit allen Allrad-Fahrzeugen zum letzten Fotostopp. Wiese und Himmel soweit das Auge reicht und dazwischen mehrere hundert PS. Jetzt heißt es schon Abschied nehmen. Einige Fahrer wollen schon gen Heimat, andere werden noch ein Dracula-Schloss ansehen und wir müssen noch unseren Wohnwagen unterwegs wieder einsammeln. Das Dracula-Schloss schauen wir uns trotzdem gerne noch an, auch wenn es mehrere dieser Schlösser in Rumänien gibt. Ein bisschen Gruselschauer ist doch schön. Die Fantasie wird für die lange Heimreise nochmals angeregt und macht den Heimweg kurzweiliger.

 

Das Dracula-Schloss

Unser Fazit:

Es handelt sich bei dieser Tour ÜBER DEN TARTAREN-PASS  um eine anspruchsvolle Tour. Die Gewichtung mit 4 Sternen trifft zu. Sie kann von jedem Fahrer bewältigt werden, der über einen gewissen Mut oder Freude zur Patina an seinem Auto, sowie über eine Differentialsperre und MT-Bereifung verfügt.  Der Schwerpunkt liegt auf spannenden Tracks und  landschaftlich reizvolle Streckenführung. Alle Fahrer und  Mitfahrer  können am Lagerfeuer von 4 x 4 ABENTEUER nicht nur träumen. Wer sich dafür entscheidet, steckt mitten drin.

Es gibt während der Tour unglaublich schöne Campstellen im landschaftlichen Nichts. Versorgungsstellen wie z. B. eine Tankstelle, Campingplatz mit Duschen oder  Einkaufstempel sind nicht eingeplant. Es heißt alles mitnehmen und vielleicht eine Felddusche einplanen, sowie  ein gutes Packkonzept erarbeiten. Fahrtechnisch ist die Tour  an manchen Stellen eine Herausforderung. Wer sich an die Regeln hält, kommt mit ein paar Schrammen oder Beulen davon. Scheinwerfer sollten vor der Flussdurchquerung nicht erhitzt werden.

 

Auch wenn wir alle seelisch am Anfang darauf vorbereitet wurden, gab es keinen Totalausfall auf dieser Tour.  Bis zu 20% Totalausfall können auf solchen Touren möglich sein. Hierzu gehören aber nicht nur Fahrzeugschäden, sondern auch persönliche  Dinge, wie z. B. Heimweh, Ängste oder Unwohlsein in den verschiedensten Formen. Eine Tour-Beendigung ist jederzeit möglich.

Mit den zahlreiche Pausen für Besichtigungen, Fotos, Essen oder Ausblicke wurde für alle das Richtige geboten.  Die Fahrzeuganzahl ist nicht zu groß gewählt und mit 3-4 begleitenden Guide-Fahrzeugen ist diese Tour auch optimal bestückt. Die Packliste und die Fahrzeug-Checkliste des Veranstalters ist eine echte Unterstützung. Eine gute Vorbereitung gehört einfach zu dieser Tour. Es gab professionelle Hilfe bei den kleinen Autopannen der Tour - auch bei nicht vorhersehbaren Ereignissen gab es immer einen Plan B. Der Kommando-Kasernen-Ton der Guide-Mannschaft ist etwas gewöhnungsbedürftig, sollte man aber nicht persönlich nehmen, denn an manchen kniffeligen Stellen erweist er sich als sehr hilfreich.  

Bären und Wölfe haben wir leider nicht gesehen. Dafür wurden wir aber mit brütenden Störchen entschädigt. Die organisierten Touren werden mehrmals im Jahr von Sonntag bis Freitag durchgeführt, so dass eine entspannte  An- und Abreise möglich ist. Die verschiedenen Jahreszeiten haben Einfluss auf die Tour und verändern die "Straßenverhältnisse".

Für die "kleinen" Pannen unterwegs führen die Guide-Fahrzeuge entsprechende  Werkzeuge mit und auch die wichtigsten Ersatzteile für Defender, Disco und Co. Auf der grünen Wiese sind somit Reparaturen am Abend durchführbar.

Eine Woche ohne Zivilisation und Strom ist machbar. Für die Kinder war es ohnehin ein toller und  kurzweiliger Spaß. In einer Gruppe gibt es immer etwas zu beobachten, zu fragen oder auszuprobieren. Lagerfeuer, Flüsse, Stöcke und mitreisende Hunde sorgen ebenfalls für interessante Unterhaltung und Abwechslung.

Autor seit 5 Jahren
21 Seiten
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