Wieviel Energie verbraucht Bitcoin derzeit?

Es sind nur Schätzungen im Umlauf, aber Bitcoin benötigt etwa die Energie, die alle Haushalte einer kleinen Großstadt mit etwa 100.000 Einwohnern (ohne Industrie) verbrauchen.

Im April 2013 berichtete der BBC, dass das weltweite Bitcoin-Netzwerk damals knapp unter 1000 Megawattstunden (MWh) pro Tag (genau: 986 MWh in 24 Stunden) verbrauchte. Das ist etwa der Strom, der von der Hälfte eines kleinen 100-MW-Gaskraftwerks maximal an einem Tag erzeugt wird. Seit diesem Zeitpunkt ist der Energieverbrauch etwa konstant geblieben.

Allerdings hat Bitcoin bisher auch nur einige Hunderttausend Nutzer. Würde die Nutzerschar auf mehrere Millionen ansteigen, so benötigte man bereits ein größeres Kohle- oder Atomkraftwerk. Sollte die ganze Welt Bitcoin benutzen, so hat ein Wissenschaftler errechnet, könnte der Verbrauch dem eines ganzen kleineren Landes wie etwa Finnland entsprechen.

Man sieht also: Der Energieverbrauch ist durchaus erheblich. Man kann also verstehen, dass Kritiker bei Bitcoin von einer Energieverschwendung sprechen.

Warum verbraucht Bitcoin so viel Energie?

Der hohe Energieverbrauch von Bitcoin resultiert aus seinem Sicherheitskonzept.

Am Bitcoin-System kann jeder Interessierte teilnehmen, der einen entsprechend leistungsfähigen Computer sein Eigen nennt. Die Sicherheit dieses Netzwerks ist dabei eine Herausforderung, da verschiedene Angriffe von bösartigen Teilnehmern denkbar sind. Diesen Angriffen setzt Bitcoin eine Reihe von Mechanismen entgegen, die solche Betrugsfälle verhindern sollen. Im Artikel "Bitcoin einfach erklärt" wird die genaue Funktionsweise von Bitcoin im Detail beschrieben.

Der wichtigste der Sicherheits-Mechanismen und die Basis des Bitcoin-Systems ist der so genannte Proof-of-Work-Mechanismus. "Proof of Work" bedeutet dass die Computer, die am Netzwerk teilnehmen, eine gewisse "Arbeit" nachweisen müssen. Hierbei handelt es sich um das Lösen von schwierigen Rechenaufgaben.

Wer diese Arbeit leistet und dem Netzwerk Computer-Power zur Verfügung stellt, wird belohnt und bekommt Bitcoins zugeteilt. Dieses sogenannte "Mining" wird derzeit vor allem von Computer-Freaks mit leistungsfähiger Hardware durchgeführt, die sich damit ein durchaus respektables Taschengeld verdienen können. Die Teilnehmer sorgen so dafür, dass alle Transaktionen mit Bitcoin sicher gespeichert werden.

Warum nun dieser energie-intensive Mechanismus? Er stellt sicher, dass nur sehr leistungsfähige Rechner das System beeinflussen können. Nur wer mindestens die Hälfte (51 Prozent) der Rechenpower besitzt, kann realistischerweise bösartige Angriffe durchführen und beispielsweise "Überweisungen" zwischen verschiedenen Bitcoin-Konten fälschen.

Dies macht einen Angriff zu einer äußerst teuren Angelegenheit. Ein Cyber-Krimineller müsste derzweit zahlreiche parallel geschaltete Supercomputer oder ein Netz aus Hunderttausenden Einzel-Computern verwenden, um eine Chance auf einen erfolgreichen Angriff zu haben.

Durch die Konstruktion des Bitcoin-Algorithmus wird außerdem die Schwierigkeit der Rechenaufgaben erhöht, wenn mehr Power im Netzwerk verfügbar ist. Das heißt: Je mehr Teilnehmer ihre Rechner zur Verfügung stellen, um so mehr Power benötigt es, das Netzwerk zu beeinflussen.

Da Computerpower Strom verbraucht, ist es daher nur logisch, dass der Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerkes ansteigt, je populärer die Internet-Währung wird. Genauer gesagt: Je höher der Preis einer Bitcoin-Einheit, um so attraktiver ist die Teilnahme am Netzwerk und am "Mining" - und um so höher daher auch der Stromverbrauch des Netzwerkes.

Ist Bitcoin tatsächlich ein Öko-Alptraum?

Bitcoin-Befürworter entgegnen der Kritik jedoch, dass Bitcoin das traditionelle Geldsystem beim Energieverbrauch wahrscheinlich deutlich unterbietet.

Zwar sieht der Endverbraucher normalerweise vom Finanzsystem nur die Scheine und Münzen im Geldbeutel und die Bewegungen auf seinem Konto über den Geldautomat oder über Home-Banking - Dinge, die man nicht unbedingt mit einem hohen Stromverbrauch assoziiert. Das Bankensystem, das unsere Geldwirtschaft stützt, verbraucht jedoch selbst eine Menge Energie.

Man denke nur an die zahlreichen Wolkenkratzer, die von Banken überall auf der Welt erbaut wurden und deren Bau gigantische Energiemengen verschlingt. Dazu kommt der Stromverbrauch von Hunderttausenden Bankfilialen und nicht zuletzt der Benzin- und Dieselverbrauch nicht nur der Geldtransporter, sondern auch der Autos (und Privatjets) von Millionen bei Banken beschäftigten Angestellten aller Gehaltsklassen...

Wenn man all diese Faktoren bedenkt, so leuchtet es ein, dass Bitcoin am Ende doch günstiger im Energieverbrauch als das traditionelle Geldsystem sein könnte.

Dennoch gibt es auch Stimmen, die über eine umweltfreundlichere Alternative für Bitcoin nachdenken. Diese Alternative existiert vielleicht schon heute.

Peer-to-Peer-Coin: Der mögliche Nachfolger von Bitcoin?

Peer-to-Peer-Coin, kurz PPCoin, ist eine noch ziemlich experimentelle auf Bitcoin basierende Internet-Währung, die das Problem des Energieverbrauchs von Bitcoin lösen soll. Sie wurde 2012 von einem unter dem Pseudonym "Sunny King" aktiven Programmierer gestartet.

Die Entwickler von PPCoin ersonnen eine Strategie, wie das Netzwerk sicher gehalten werden kann, ohne dass die Teilnehmer die bei Bitcoin notwendigen aufwändigen Rechenaufgaben lösen müssen. Wir erinnern uns: Um das "Kapern" des Netzwerks zu verhindern, müssen Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks mittels des "Proof-of-Work"-Systems beweisen, dass ihre Rechner Arbeit verrichtet haben. Das alles, um es einem Angreifer so schwer wie möglich zu machen, auf 50 Prozent oder mehr der Computer-Power und damit des Netzwerks zugreifen zu können.

PPCoin nimmt nun nicht die Computer-Power als Maßstab, sondern die Menge der gehaltenen "Coins". Ein Angreifer soll bei PPCoin nur dann erfolgreich sein können, wenn er über 50 Prozent aller Geldeinheiten besitzt. Auch dies hat den selben Effekt wie bei Bitcoin: Je höher der PPCoin-Preis, um so schwieriger und teurer wird es, den Angriff durchzuziehen.

Der PPCoin-Mechanismus ist recht kompliziert und ähnelt einer Lotterie. Im Prinzip kann jeder, der seine "Coins" mindestens einen Monat auf seinem PC gespeichert hat, am Netzwerk teilnehmen und damit kostenlose PPCoins gewinnen.

Man könnte nun denken, dass PPCoin Reiche bevorzugt, da diese größere Geldmengel besitzen und somit auch mehr freie PPCoins generieren können. Doch der mögliche Gewinn ist gering, er beträgt weniger als 1 % im Jahr und ist damit mit den Zinsen auf einem Sparbuch vergleichbar. Außerdem haben auch weniger reiche PPCoin-Besitzer gleich gute Chancen wie Reiche auf diese "Zinsen", besonders wenn sie sich mit anderen zu einem "Pool" zusammenschließen.

Noch ist PPCoin nicht viel mehr als ein Experiment. Es gibt kaum Händler, die die Währung annehmen, und der Preis liegt trotz einer Steigerung noch deutlich unter einem Euro pro Einheit. Zum Vergleich: Ein Bitcoin wurde zeitweise für über 200 Euro gehandelt. Außerdem gibt es noch einige Unklarheiten, ob auf PPCoin andere Angriffe möglich sind - schließlich ist die Währung noch sehr jung.

Doch sollte der Bitcoin-Energieverbrauch zu einem Problem werden und PPCoin beweisen, dass es genauso sicher oder gar sicherer als Bitcoin ist, so könnte dies die Chance des neuen Alternativgeldes sein. Ebenfalls ist es möglich, dass am Ende ein völlig neues Projekt den Siegeszug antreten wird, das aus den Erfahrungen mit Bitcoin, PPCoin und anderen Währungen erwächst - deshalb sollte man heute auf keinen Fall alle seine Ersparnisse in PPCoin anlegen. Auch wenn hohe Gewinne bei einem Erfolg winken.

Wer das PPCoin-Projekt unterstützen will, kann sich an der Entwicklung des Programms und der Infrastruktur beteiligen - PPCoin ist wie Bitcoin Open Source. Auf PPcointalk.org gibt es ein Forum, und bei BTC-E, BTER und Vircurex kann man die Währung kaufen.

Vielleicht stellt sich jedoch am Ende auch heraus, das die Angst um den hohen Energieverbrauch von Bitcoin unbegründet ist. Wie auch immer - die Entwicklung der "Kryptowährungen" bleibt spannend und wird sicherlich noch für einige Schlagzeilen sorgen.

Autor seit 4 Jahren
15 Seiten
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