Groß war die Aufregung, als Ende November Universal den ersten Trailer zum lange erwarteten vierten Teil der "Jurassic Park"-Serie veröffentlichte. Auch wenn noch nicht allzu viele Details verraten werden: Der Trailer zeichnet bereits ein grobes Bild dessen, womit Dino-Fans rechnen dürfen bzw. müssen.

Wahrscheinlich hätte der viel zu früh verstorbene Michael Crichton nicht zu träumen gewagt, welchen gewaltigen Einfluss auf die Popkultur sein 1990 veröffentlichter Roman "Jurassic Park" (auf Deutsch damals noch "DinoPark") nehmen würde. Steven Spielbergs Verfilmung brach 1993 alle Kassenrekorde, und Genetiker und Paläoontologen mussten unablässig nervigen Medienvertretern erklären, warum das Szenario geklonter Dinosaurier reine Science Fiction darstellt.

Nach dem lahmen, wenig erfolgreichen dritten Aufguss 2001 schien das Kapitel "Jurassic Park" erledigt. Allerdings erweisen sich die Riesenechsen als unverwüstliche Kinostars und erhalten nach schmachvollen Cameos in Filmen wie dem "King Kong"-Remake Peter Jacksons oder der sau(rier)dämlichen Komödie "Die fast vergessene Welt" (ein Film, den Will Ferrell wohl selbst am liebsten vergessen würde) endlich wieder die gebührende Bühne.

Steven Spielberg räumt den Regiestuhl

Damit, den Hype der ersten beiden "Jurassic Park"-Filme wiederholen zu können, rechnet indes niemand. Konsequenterweise hat Steven Spielberg wie schon im völlig missratenen dritten Teil den Regiestuhl geräumt und tritt als ausführender Produzent zumindest in den Credits in Erscheinung. Mit Colin Trevorrow wird ein Newcomer in Sachen Blockbuster seinen Platz einräumen. Ob er dieser Aufgabe gewachsen ist, darf bezweifelt werden, auch wenn "Jurassic World" erst am 12. Juni 2015 in den US-Kinos anlaufen und entweder positiv überraschen oder bitter enttäuschen wird.

Kleiner Snack für Zwischendurch: Der weiße Hai

Wohin die Reise erzählerisch und visuell geht, zeigt der erste "Jurassic World"-Trailer unverblümt. Wie kaum anders zu erwarten war, lautet das Motto: Bigger and louder! Joe Johnston war mit dieser Sequel-Devise 2001 gnadenlos beim Publikum durchgefallen, als er den T-Rex-Killer Spinosaurus aus dem Hut zauberte, um ein noch größeres Monster auf die Leinwand klatschen zu können.

Colin Trevorrow setzt noch eins oben drauf: Da wird etwa in einer "Sea World"-ähnlichen Wasserarena ein Weißer Hai am Stück von einem Meeressaurier verschlungen. Angesichts dessen, dass es sich bei dem Ungetüm um einen Mosasaurus handeln dürfte, der mit einer Länge von bis zu rund 18 Metern zwar gewaltige Ausmaße besaß, allerdings bestimmt nicht so riesig wie ein Blauwal war, eine biologische Unmöglichkeit. Egal: Es müssen neue Rekorde her! Immerhin bietet die Szene mit einem Weißen Hai als Snack für ein gigantisches Meeresmonster einen augenzwinkernden Wink in Richtung Steven Spielberg, der mit eben jenem Hai nicht nur seinen ersten Filmhit einfuhr, sondern zudem das moderne Sommer-Blockbuster-Kino begründete.

Cindy aus Haizahn (Bild: http://pixabay.com/)

Nilfies - der Meeressauger! (Bild: http://pixabay.com/)

Kurios: Konkurrenz für "Jurassic World" durch Spielberg-Remake!

Apropos: Konkurrenz muss "Jurassic World" von potenziellen Blockbustern wie der – Überraschung! – Superheldenverfilmung "Ant-Man" und dem – Überraschung! – Remake des Horrorklassikers "Poltergeist" erwarten. Cineastischer Treppenwitz: "Poltergeist" entstand 1982 unter der Ägide eines gewissen Steven Spielberg …

Formell sollte zwar das – Überraschung! – Reboot der Science-Fiction-Serie "Terminator" die Aufmerksamkeit vieler Science-Fiction-Fans auf sich ziehen. Ob jedoch "Terminator: Genisys", so der zwanghaft auf originell getrimmte Filmtitel, die alptraumhafte Reihe der Arnold-Schwarzenegger-Flops stoppen kann, darf bezweifelt werden. "Jurassic World" sollte keine Probleme haben, alleine Dank des Namens und Millionen Fans ein sicherer Blockbuster zu werden und das Mega-Budget in der Höhe von rund 150 Mio. Dollar locker wieder einzuspielen.

Dino-Hybrid: Wenig klimafreundlich

Über die Story war natürlich schon im Vorfeld lange spekuliert worden. Größte Aufregung verursachte der auch im Trailer erwähnte Dino-Hybrid. Anfangs musste noch von einer Kreuzung aus Dinosaurier und Mensch (!) ausgegangen werden. Inzwischen scheint klar, dass es sich um einen besonders gefährlichen Raubsaurier handeln dürfte. Allzu viel Vertrauen in die faszinierende Idee des Originalstoffes dürfte Universal ohnehin nicht mehr gehabt haben. Ein T-Rex alleine scheint zu wenig des Furchteinflößenden, ebenso wie die heimlichen Stars der Filmreihe, die Raptoren, welche keine bedeutende Rolle mehr einnehmen dürften, obwohl ihnen mit jeder Fortsetzung jeweils noch größere Intelligenz angedichtet worden war.

Leseempfehlung: Michael Crichtons "Jurassic Park"-Romane

Wie nicht anders zu erwarten war, machen die Dinos wieder Jagd auf arglose Touristen, darunter das obligatorische "ich darf nicht sterben"-Kind. Dramaturgisch dürfte der Streifen altbekannte Bahnen durchpflügen: Größenwahnsinnige Forscher, unkaputtbare Hauptdarsteller, dazwischen viel Dinofutter. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass der Trailer Vergleiche mit dem "Godzilla"-Remake nach sich zieht. Vom spielerisch leichten ersten Teil ist nichts mehr übrig geblieben. Die wundersame Rückkehr der Dinos, die 1993 erstmals realistisch über die Leinwand stampften, weicht einem CGI-Gewitter.

Keine Rückkehr der Alt-Stars

Der Trailer lässt befürchten, dass nicht nur die Dinos aus dem Rechner stammen und "Jurassic World" mit Crichtons Vorlage so viel zu tun haben wird wie künstlicher Nadelduft mit einem Nadelwald..

Auch in Punkto Schauspielerriege setzt der Film auf Durchschnittlichkeit. Lediglich Bradley Darryl Wong, der im ersten "Jurassic Park" den wissenschaftlichen Leiter Dr. Wu verkörperte, wird aus dem Original-Cast dabei sein.

Weder Jeff Goldblum (hat sich aus dem Blockbuster-Kino zurückgezogen), noch Richard Attenborough (hat sich aus dem Leben zurückgezogen) oder Sam Neill (dürfte aus dem katastrophalen dritten Teil gelernt haben) werden ein wohliges Nostalgiegefühl auf die Leinwand versprühen. Mit Chris Pratt ("Guardians Of The Galaxy") und Bryce Dallas Howard (spielte gleich in zwei M.-Night-Shyamalan-Filmen mit – einmal war wohl nicht lehrreich genug) gehen die Hauptrollen an zwei noch nicht zur A-Riege gehörende Darsteller.

"I ate the attorneeey! But I did ...

"I ate the attorneeey! But I did not eat the deputyyy." (Bild: http://pixabay.com/)

Völlig natürliche Reaktion auf den Anblick einer Grün-Politikerin ... (Bild: http://pixabay.com)

Prognose: Blockbuster-Bank, aber ...

Finanziell wird "Jurassic World" einer der Blockbuster 2015 – daran kann kein Zweifel bestehen. In die Popkultur wird er gewiss nicht eingehen. Die berühmte Szene mit dem Wasserglas, das den bevorstehenden Angriff des T-Rex vorwegnimmt, Jeff Goldblums launige Kommentare als kauziger "Chaos"-Wissenschafter, oder die packenden Verfolgungsjagden durch den T-Rex sind untrennbar mit dem ersten Teil verbunden. "Jurassic World" dürfte sich in der Preisklasse des "Godzilla"-Remakes bewegen: Erfolgreich und keine Verspottung der Zuschauerintelligenz, aber wieder vergessen, sobald man den Kinosaal verlassen hat. Vielleicht sollte man statt Dinos Michael Crichton klonen, damit er wieder großartige Filmvorlagen liefern kann.

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