Navigator of the Seas verlässt MiamiDer riesige Port Miami liegt übrigens auf einer Insel zwischen Downtown Miami und Miami Beach. Miami Beach ist eine lange schmale Insel von 14 km2 Fläche vor der Küste Floridas. Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte der Unternehmer Carl Fisher die Möglichkeiten der Insel, zu einem klassischen Feriengebiet zu werden. Er ließ das sumpfige Gelände trockenlegen, vergrößerte die Fläche um das Doppelte und verwandelte die Insel, die er Miami Beach nannte, in ein Tropenparadies mit Sandstränden und Palmen. Er war auch eine treibende Kraft hinter dem Dixie Highway, der in den frühen 1920er-Jahren vom kanadischen Ontario längs durch die Oststaaten der USA bis zur Südspitze der Halbinsel Florida führte. Er finanzierte den Bau der längsten Holzbrücke der Welt zwischen Miami Beach und dem Festland, baute Hotels und Spielkasinos, und um sein neues Ferienparadies bekannt zu machen, bediente er sich origineller Werbeideen. 1921 zum Beispiel ließ er sein Elefantenbaby Rosie vor der Kamera als Golfcaddy für Urlauber posieren, unter denen sich wie durch Zufall auch der amerikanische Präsidentschaftskandidat Warren Harding befand. Alle Zeitungen des Landes veröffentlichten das Foto. Auf Plakatwänden erschienen riesige Poster mit leicht bekleideten Badenixen, die sich am weißen Strand die Zeit vertrieben. Eine Lichtreklame auf dem Times Square verkündete um die Weihnachtszeit im frostigen New York "Juni ist's in Miami".

Es kamen gute und schlechte Zeiten, aber heute ist Miami Beach eines der beliebtesten Reiseziele. Dank seiner vielen lateinamerikanischen Einwohner - darunter viele Exilanten und Flüchtlinge aus Kuba - herrscht in der Großstadt Miami eine kosmopolitische Atmosphäre. Daneben profitiert die Stadt vom milden Klima, dem südländischen Lebensstil, dem tiefblauen Wasser der Biscayne Bay und natürlich von den breiten Sandstränden. 1970 sah es hier ganz anders aus. Ungezügelte Bautätigkeit und die Küstenerosion hatten dazu geführt, dass vom Strand kaum noch etwas übrig war: Man rief das Pionier-Korps der U. S. Army zu Hilfe, um bei der Wiederherstellung der Strande durch Aufschüttung von Millionen Tonnen Sand mitzuarbeiten. Die Stadtverwaltung war erst zufrieden, nachdem 50 Millionen Dollar buchstäblich in den Sand gesetzt worden waren und der Strand eine Breite von 90 Metern erreicht hatte. Er erstreckt sich auf 16 km Länge von Sunny Isles im Norden bis South Point Park im Süden und ist in mehrere Abschnitte unterteilt, von denen jeder seinen eigenen Charakter hat. Von bunten kleinen Holzbaracken auf Stelzen herab achten die Strandwächter darauf, dass keinem Badegast etwas zustößt. Vom South Point Park haben Sie übrigens einen tollen Blick auf die Kreuzfahrtschiffe, die hier am späten Nachmittag vorbeikommen.

Auch kulturell hat Miami Beach einiges zu bieten: Im Art Deco District befindet sich die umfangreichste Anhäufung von Art-Deco-Architektur der Welt. Auf nur zweieinhalb Quadratkilometer Fläche drängen sich an die 800 Gebäude. Die meisten davon stammen aus den 30er- und frühen 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts, der Hochblüte der modernen amerikanischen Architektur im Anschluss an den Jugendstil. Man feierte damit den futuristischen Ausblick auf die Moderne und das Maschinenzeitalter. Charakteristische Merkmale des Art-Deco-Stils sind geometrische Formen, Betonung der Horizontalen, klare Kurven und Linien. In Florida wurden viele Art-Deco-Bauten zudem mit dekorativen Elementen wie stilisierten Palmen und Flamingos versehen. Andere haben nautische Verzierungen, beispielsweise eine Reling als Balkongeländer oder Bullaugen als Fenster. Als Vorbilder dienten die großen Passagierschiffe dieser Zeit, die den Art-Deco-Stil in seiner reinsten Form repräsentierten.

Der Bauboom in Miami in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen hing eng mit dem Aufkommen des Massentourismus zusammen. Leider kamen aber nicht nur Urlauber, sondern auch Glücksspieler, Drogenhändler, Zuhälter und andere Ganoven, darunter so berüchtigte wie AI Capone, der 1947 hier starb. Die Stadt geriet in Verruf, und viele der Art-Deco-Gebäude verkamen oder wurden zu Sozialwohnungen für Rentner umgebaut. Glücklicherweise wendete sich das Blatt in den 1980er-Jahren, ausgelöst durch die Bekleidungsindustrie. Modellagenturen ließen sich in Miami nieder, das sich zu einer der begehrtesten Kulissen der Welt für Modeaufnahmen entwickelte. Ausgedehnte Sanierungsarbeiten hatten zur Folge, dass der Art Deco District schon bald wieder in seinem früheren Glanz erstrahlte. Im Zuge der Renovierung änderte man auch die Farbgebung der Gebäude, indem man die ursprünglichen gedämpften Nuancen durch eine Palette fröhlich leuchtender Pastelltöne ersetzte. Das mag aus Sicht des Kunsthistorikers als Stilbruch gelten, aber die Häuser erhalten dadurch so etwas wie Charisma und die ursprünglichen Dekorationen treten nun viel eindrucksvoller hervor. Die edelsten Beispiele für Miamis Art-Deco-Gebäude sind die Hotels am Ocean Drive, wo auch die meisten Restaurants und Nachtklubs liegen. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, fahren sündhaft teure Autos an den Straßencafés vorüber, und aus den offenen Fenstern dröhnt ohrenbetäubender Sound.

Man will sehen und gesehen werden. Das ist hier kein bloßes Motto, sondern praktizierte Lebensanschauung. Der Art Deco District gilt als tres chique, und kein anderes Viertel in Miami-Stadt und Beach kann ihm in dieser Beziehung das Wasser reichen. Dieser Streifen Land vor der Küste, der oft als amerikanische Riviera bezeichnet wird, ist heute lebendiger und aufregender als in den betriebsamen 1930er-Jahren. Es gibt viele Veranstaltungen wie ein Art Deco Weekend und Rundfahrten, aber man kann auch auf eigene Faust auf Erkundung gehen, in einem Straßencafé sitzen und die Welt vorbeiziehen lassen. Die amerikanische Riviera bleibt nach wie vor faszinierend. Reisen Sie einige Tage vor Beginn Ihrer Karibik Kreuzfahrt an und genießen Sie das Flair der Stadt. Es lohnt sich. Weitere Informationen über Karibik Kreuzfahrten ab Miami finden Sie bei kreuzfahrt-karibik.eu.

Autor seit 6 Jahren
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