Leicht zu spielen: bekannte Melodien mit schönem Klang

Es ist der Traum mancher Menschen, die erst seit kurzem Klavier spielen oder vielleicht irgendwann frustriert aufgehört haben: Weltbekannte Melodien, die mit wenig Aufwand und Können spielbar sind. Die Mühe soll überschaubar sein, das Ergebnis beeindruckend. Nun, solche kleinen, sehr populären Werke gibt es tatsächlich. Dazu zählt beispielsweise die berühmte "Sarabande" in d-moll von Georg Friedrich Händel. Das langsame, traurig-dramatische und gravitätische Stück zählt gerade einmal 16 extrem einfach spielbare Takte. Wem das irgendwann zu wenig ist, der darf sich auch gern an zwei dazugehörigen Variationen versuchen. Nicht weniger populär ist ein Werk von Johann Sebastian Bach namens "Air". Diese aus dem Wort Arie entstandene Bezeichnung findet man zwar häufig bei verschiedenen Kompositionen des Barock. Doch in der Regel wissen Musikfreunde, wovon die Rede ist, wenn die Worte "Air" und "Bach" in einem Atemzug genannt werden. Das Musikstück, welches in den 1990er Jahren sogar in der Popmusik Verwendung fand, ist eigentlich für Streicher geschrieben, doch es gibt auch Klaviernoten dafür. Eine ebenfalls traurig-schöne Melodie für Anfänger ist das Stück "Erster Verlust" von Robert Schumann. Der Komponist selbst bezeichnete es in seinem "Album für die Jugend" als für Kinder spielbar. Die kleine, sehr einfache Melodie ist leicht erlernbar und verzaubert mit ganz eigenem Charme.

Etwas anspruchsvoller: Mit eingängigen Klassikern auftrumpfen

Ein wenig mehr Anstrengung erfordern da schon einige Evergreens der Klaviermusik. Das wahrscheinlich bekannteste Werk dieser Kategorie stammt von Ludwig van Beethoven und heißt "Für Elise". Hätte es damals schon ein Urheberrecht im heutigen Sinne gegeben, wäre Beethoven sicherlich nicht verarmt gestorben. Die eingängige Melodie ist auf unzähligen Samplern der Klaviermusik zu finden und dudelt in Spieluhren, als Klingelton oder als Timer-Alarm vor sich hin. "Für Elise" wird so oft verwendet, dass diese kleine, schlichte Melodie irgendwann einfach nur noch ausgeleiert klingt und entsprechend nervt. Dennoch sollte das Stück im Repertoire keines Freizeitpianisten fehlen.
Ähnlich eingängig und mit einem Schuss herzerweichender Traurigkeit versehen, kommt das Stück "Love Story" daher. Es entstammt dem gleichnamigen Film und ist auch unter der Bezeichnung "Schicksalsmelodie" bekannt. In der Interpretation von Richard Clayderman, die auch für Laien leicht erlernbar ist, gesellt sich zur traurigen Romantik noch eine verspielte Brillanz, die Bekannte und Verwandte gleichermaßen begeistern dürfte.
Einem Chanson entstammt hingegen die eigenartig berührende Melodie von "Autumn Leaves". Wer dieses Stück beherrscht, kann jederzeit die Herbststimmung perfekt aus dem Klavier hervorzaubern.
Ein noch relativ junger Klassiker wiederum ist Tiersens "Comptine d' une autre étè", besser bekannt als Musik aus dem Film "Die fabelhafte Welt der Amélie". Die verspielte Leichtigkeit des Stücks entwickelt einen Reiz, dem Interpreten und Zuhörer gleichermaßen erliegen dürften.

Bekannte Melodien, die Übung erfordern

Wer sich nicht mit allzu leichtem Geklimper aufhalten möchte und auch ein wenig die Herausforderung sucht, darf sich ebenfalls auf einige bekannte Melodien freuen. Sie sind nicht zu schwer, erfordern aber dennoch ein gewisses Maß an Durchhaltewillen. Eines der schönsten Stücke dieser Kategorie ist "Erinnerung an K". Es entstammt dem Mitte der 1980er Jahre in der DDR erschienenen Album "Der Klang aus dem die Träume sind" von Manfred Schmitz. Viele Stücke dieses Albums, darunter auch "Erinnerung an K", finden sich im Notenheft "Romantisches Intermezzo" wieder. "Erinnerung an K." ist das wahrscheinlich berührendste Stück der Sammlung, doch es gibt dort durchaus noch weitere Perlen zu entdecken, die ebenfalls eine Empfehlung in diesem Text verdient hätten.
Melancholisch und mit einem Schuss russischer Schwermütigkeit verzaubert das Stück "Barcarolle" von Peter Tschaikowsky. Es entstammt einem Zyklus, in dem der Komponist die zwölf Monate musikalisch darstellte. Es ist kaum zu glauben, dass dieses sehr einfühlsame Stück den Juni verkörpern soll. Abwechslung bringt der schräge, lebhafte Mittelteil. Ansonsten punktet "Barcarolle" dadurch, dass beinahe die gesamte Klaviatur in Anspruch genommen wird. Wer dieses Stück perfekt spielt, klingt schon ein bisschen wie die ganz großen Pianisten.
Eine sehr bekannte, aber oft auch missverstandene Klaviermusik ist der erste Satz der so genannten Mondscheinsonate von Beethoven. Der Titel stammt nicht vom Komponisten selbst und ist zudem irreführend, wie spätestens beim wild-dramatischen dritten Satz klar wird. Der erste Satz jedoch ist auch für weniger geübte Spieler beherrschbar. Die beruhigenden, gleichmäßig-fließenden Klänge lassen eine Gefühlsintensität erkennen, wie sie nur Beethoven, resultierend aus seiner beginnenden Taubheit, beherrschte. Wahrscheinlicher als der romantische Titel "Mondscheinsonate" ist, dass der erste Satz durch das Gedicht "Die Beterin" von Johann Gottfried Seume inspiriert wurde. Was auch immer der Auslöser für das gefühlvolle Thema des ersten Satzes war: Es klingt einfach wunderschön und stellt eine unbedingte Empfehlung für Freizeitpianisten dar.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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