Was ist Sportklettern?

Als Sportklettern wird das Bewältigen von Steilhängen auf festgelegten Routen bezeichnet. Die Fortbewegung erfolgt aus eigener Kraft, Seil, Haken und Karabiner dienen nur der Sicherung.

  • Sportklettern ist ein Bewegungssport, kein Kraftsport.
  • Für Wettkämpfe wird in Kletterhallen oder aber auch an im Freien errichteten künstlichen Wänden oder Türmen (Kletterspots) gefightet.

Wer darf bei den Wettkämpfen klettern?

An den Bewerben teilnehmen, ausgerichtet von den Landesverbänden oder dem IFSC, können Kletterer, die eine nationale Kletterlizenz besitzen. Die Disziplinen lauten

  • Vorstieg oder Schwierigkeitsklettern, kurz Lead genannt,
  • Bouldern und
  • Speedklettern.

Startberechtigt an der WM sind die jeweils amtierenden Welt- und Kontinentalmeister (etwa Europameister) sowie fünf Teilnehmer je Nation, die von den Nationalen Verbänden ( Deutscher Alpenverein, Schweizer Alpen-Club, ÖWK) nominiert werden.

 

Schwierigkeitsklettern, Vorstieg oder Lead, was ist das?

Drei Bezeichnungen für ein und dieselbe Kletterdisziplin. Lead-Klettern entspricht am ehesten dem, was sich der Laie unter Klettern vorstellt. Geklettert wird an einer mindestens 15 m langen Route, mit Klettergurt und Seil. Beim Vorstieg erfolgt die Sicherung des Kletterers von dem Punkt aus, an dem die Kletterroute begonnen wurde. Je nachdem, ob die Route nach oben oder seitlich verläuft, verläuft auch die Sicherung. Die Zwischensicherung soll zu große Sturztiefen verhindern.

Klettern, Kletterwand, Climbing (Bild: blu-news.org / Flickr)

Wie verläuft ein Lead—Wettkampf?

Jeder Kletterer muss auf einer ihm unbekannten Route "On Sight" möglichst bis zum Top klettern.

"On Sight" bedeutet nur vom Boden aus, vom reinen Betrachten (Checken), holt sich der Kletterer die nötigen Informationen zur Begehung der Route. Je nach Runde - Qualifikation, Halbfinale und Finale, wird die Route schwieriger. Vor dem Wettkampf dürfen alle Kletterer gemeinsam die Route vom Boden aus besichtigen. Während des Wettkampfes sind aber die anderen Kletterer in der Isolationszone. Für jede Route gibt es ein Zeitlimit, das aber bei der Bewertung nicht mit einfließt. Klettern mehrere Sportler die finale Route bis zum Ende oder scheitern an der gleichen Höhe und haben diese Kletterer auch in den vorherigen Runden die gleiche Leistung (Punkte) erbracht, so kommt es zu einer Superfinalrunde. 

Porträt: Einer der besten Lead-Kletterasse derzeit: Jakob Schubert

Was ist Speed-Klettern?

Der Name ist Programm! Hier geht es vorrangig um die Zeit, die der Sportler benötigt um die Route zu durchsteigen. Zwei Kletterer treten dabei im K.O. System gegeneinander an. Die Routen sind identisch gesetzt und liegen knapp nebeneinander, was dem Zuschauer ein packendes Schauspiel bietet. Geklettert wird an einer Seilsicherung, allerdings "Top Rope", also von oben gesichert. Die Seiten werden jeweils nach einer kurzen Pause gewechselt, die Zeiten addiert. Der Schnellere zieht in die nächste Runde ein.

Seit 2007 gibt es eine einheitliche Regelung beim Speed-Klettern, nach der immer eine exakt 15 Meter hohe Normwand verwendet wird. Die dadurch entstehende Vergleichbarkeit ermöglicht damit auch das Messen von Weltrekorden. Das Speed-Klettern muss man einmal gesehen haben! Wie die Athleten in atemberaubender Geschwindigkeit, wie ein Gecko die Wände hochsausen. Schier unglaublich. 

Sportklettern - Was ist Bouldern?

Bouldern (boulder, englisch= Felsblock) ist Klettern ohne Seil oder Gurt in einer definierten Absprunghöhe. Es ist der am meisten mit Akrobatik behaftete Kletterstil. Zum Zusehen ein spannungsgeladener Genuss. Zum verletzungsfreien Absprung dient die Bouldermatte, auch Crashpad genannt. Die Boulderprobleme, die einzeln gesetzten Griffe einer Route, gehen bis zur Höhe von drei oder vier Metern. Ein Boulder, der oberhalb dieser Absprunghöhe liegt, wird als Highball bezeichnet. Chalk oder Magnesium erhöht die Griffigkeit der Hände.

Aktuell Blocmaster Innsbruck Mai 2016

Boulder Weltcup & Blocmaster in Innsbruck vom 19. - 21. Mai 2016

Zwar in diesem Jahr nicht am legendären Marktplatz im öffentlichen Raum mit der Nordkette als dekorativem Hintergrund (es gibt dort zur Zeit Tiefbauarbeiten), aber das Publikum wird auch in der Olympiaworld das gleiche sein.

Mitfiebernd, im Geiste mitkletternd - mit Ahs und Ohs bei Scheitern oder Gelingen lautstark dabei.

Bouldern

Anna Stöhr (Bild: a.sansone)

Wie wird ein Boulder-Wettkampf ausgetragen?

Kletterwettkämpfe finden fast immer an künstlich errichteten Kletterwänden statt. Internationale Ausrichter für Weltmeisterschaften, Weltcups und Kontinentalmeisterschaften sind die IFSC (International Federation of Climbing). Daneben gibt es aber noch zahlreiche Wettkämpfe, die hohe Tradition besitzen, wie etwa das Rockmaster in Arco.

Da speziell das Bouldern so attraktiv für die Zuseher ist, werden gern eigens für Wettkämpfe mobile Kletterwände mitten in der Stadt aufgebaut, so etwa in Innsbruck, das Blocmaster, das mitten in der Stadt am Marktplatz stattfindet. Das Klettern wanderte also aus den Hallen zu den Zusehern direkt hin. Auf diese Art gewinnt man sowohl Publikum, als auch Kletter-Nachwuchs.

Am Beginn der Wettkämpfe steht die Qualifikation. Hier sind vier bis sechs Boulderprobleme für jeden Kletterer zu lösen. Die Anzahl der Versuche bestimmt die Wertung: je weniger Versuche, desto besser die Wertung. In der Qualifikation dürfen sich die Kletterer gegenseitig beobachten, was die Lösung der Boulderprobleme definitiv erleichtert. Anders im Halbfinale und Finale. Hier muss jeder Kletterer für sich den optimalen Weg "auschecken". Im Halbfinale und Finale gilt es vier Boulderprobleme zu lösen.

Die Kletterer oder Boulderer können in einem bestimmten Zeitrahmen beliebig viele Versuche starten. Ein Boulder ist dann gelöst, wenn er vom Startgriff bis zum Ausstieg (on top) durchstiegen und zwei Sekunden lang gehalten wird. In der Mitte des Boulders gibt es einen Bonusgriff oder Zonengriff, wird dieser erreicht, ist das Problem "halb gelöst" und bringt Punkte. Auch hier entscheidet die Anzahl der Versuche. Zwischen den einzelnen Bouldern gibt es sechs und mehr Minuten Pause.

Fontainebleau die Wiege des Boulderns

Fontainebleau die Wiege des Boulderns

Bouldern – Wer hat es erfunden?

In den Jahren 1920 bis 1930 bestiegen junge Kletterer die Sandsteinfelsen (Felsblöcke in moderater Höhe) von Fontainebleau um sich auf das Klettern in den Alpen vorzubereiten. Sie, die "Bleausards", gelten bereits als Vorgänger des Boulderns.

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte abseits vom klassischen Klettern, John Gill aus den USA, neue Techniken. Sein dynamischer, vom Geräteturnen (Ringe) beeinflusster Stil, bei dem er den Schwung der letzten Bewegung für den nächsten Zug nutzte, ergab einen schwungvollen, flüssigen Bewegungsablauf (flow). Sporthistorisch bedeutsam ist sein Artikel "The art of bouldering", der 1969 im American Alpine Journal erschien. Der Film "The silent climber" aus dem Jahr 1976 illustriert seine Art des Boulderns.

Der Deutsche Wolfgang "Flipper" Fietz war es, der in den 1970ern zusammen mit Norbert Bätz das Bouldern in das Frankenjura brachte. Ursprünglich nur als Training für Alpinisten gedacht, hat sich das seillose Klettern an niedrigen Blöcken (Boulder) dann zu einem eigenen Trendsport entwickelt.

Was ist Paraclimbing?

Manche Leute scheinen damit eine Kombination aus Klettern und Paragliden zu bezeichnen.

" Ich habe eben einen Bericht in 3Sat über Adrenalinkick gesehen. Da war dann die Rede von einer neuen Sportart "Paraclimbing" . Dazu gab es dann noch einen kurzen Filmausschnitt in dem Piloten sich von ihren Schirmen ziemlich steile Felsen hochziehen ließen. Einer davon war wohl Mike Küng, der anschließend auch ein Interview gab. Gibt's dafür schon die entsprechenden Schirme, Rettung, O u t f i t?" wie im Gleitschirmdrachenforum bereits nachgefragt wird.

Nein, zusätzlicher Adrenalinkick von Menschen, die das nicht nötig hätten, ist damit nicht gemeint. Mit Paragleiten hat das Wort "Paraclimbing" wirklich nichts zu tun.

Handelt es sich, wie bei "Olympics - Paralympics", um Klettern für Menschen mit körperlicher Einschränkung?

Richtig. Es gründet sich auf den Wortstamm "Para" (griech. neben), wie bei den Paralympics, also auf Sport, der von Behinderten ausgeführt wird. Der Begriff "Paralympics" wurde einst als Zusammensetzung der Wörter Paraplegic (engl. gelähmt) und Olympic geschaffen. Um auch die Zugehörigkeit von Menschen mit anderen Behinderungsarten zu repräsentieren, wurde der Begriff neu definiert und setzt sich jetzt aus dem griechischen Wort "Para" und "Olympics" zusammen. Seither wird diese Wortkombination auf für andere Bewerbe mit behinderten Athleten angewendet.

Paraclimbing oder Para-Klettern ist Klettern von Behinderten.

Paraclimbing Impression

Arco 2011 - 1. Paraclimbing WM

Wie lange gibt es schon Klettern für Behinderte?

Schon seit einiger Zeit, so etwa zehn Jahre, klettern behinderte Sportler auch leistungsmäßig. Oft handelt es sich dabei um ehemalige Kletterer (Alpinisten), die durch einen Unfall behindert blieben, die aber dennoch versuchten, weiter zu klettern. Aber darüber hinaus gibt es ebenso viele Athleten, die durch das Klettern wieder erstarken und ihrer Behinderung einen sportlichen Gegenpol setzen. Auch dient das Klettern der Integration mit nichtbehinderten Sportlern. Nationale Verbände, besonders von Italien, Russland, Japan und Spanien, haben eigene Wände für die behinderten Sportler kreiert. Seit 2005 gibt es auch bereits eigene Wettkämpfe dafür. 2011 wurde in Arco erstmals eine Paraclimbing-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Einige Worte zum Behindertensport allgemein

Sport für Menschen mit Behinderungen, sei es Breitensport oder Leistungssport, spielt vor allem für die Rehabilitation eine große Rolle. Aber gleichbedeutend ist die Funktion der Integration in den normalen Ablauf mit nichtbehinderten Menschen. Selbstwert und Selbstbestätigung spielen in der Genesung eine große Rolle, der Sport hilft dabei, wieder Lebensqualität zu gewinnen. Für fast jede Sportart gibt es bereits eigene Verbände, die sich auch um die Leistungssportler besonders bemühen. Die Leistung der Sportler mit Behinderung ist mindestens ebenso hoch einzuschätzen, wie bei nichtbehinderten Sportlern. Nur der Wert der Leistung mag noch höher einzuschätzen sein, als bei Menschen ohne physische oder geistige Behinderung. Nur Menschen mit engem geistigen Horizont belächeln Behindertensport als quasi minderwertige Leistung.

Kletterjargon- ein kleines Glossar

  • Checken, auschecken oder ausbouldern: in einer schwierigen Passage die Griffe ausprobieren.
  • Dynamo: ein Hinschnellen durch starkes Abstoßen zu einem weit entfernten Griff, werden beide Hände gleichzeitig losgelassen, heißt es Doubledyno.
  • Flashen: bedeutet, dass man eine Route klettert, ohne sie vorher probiert zu haben.
  • Foothook: den Fuß als Hangelhilfe einsetzen.
  • Toehook: die Zehen als Hangelhilfe einsetzen.
  • Top klettern: den Ausstiegsgriff einer Route erreichen und einige Sekunden halten.
  • Zonengrif: ein Boulder, für den man, auch ohne das Top zu erreichen, Punkte bekommt.
  • Zwergentod: nennt man salopp eine Kletterstelle, die kleingewachsene Kletterer eindeutig benachteiligt, weil die Reichweite nicht langt.
  • Clippen: das Kletterseil in eine Zwischensicherung einhängen.
  • Zwischensicherung: Das Anbringen eines Karabiners, Hakens oder Klemmkeils.
  • Crux: die Schlüsselstelle einer Kletterroute.
  • Dach: .ein horizontal aus der Wand ragender Wandabschnitt.
  • Diretissima: damit bezeichnet man den "möglichst" lotrechten Verlauf einer Kletterlinie vom Einstieg bis zum Gipfel oder Top.
  • Flash: bezeichnet die Rotpunkt-Begehung einer unbekannten Kletterroute im ersten Versuch. Dabei hat der Kletterer aber detaillierte Informationen über mögliche Rastpunkte
  • Nähmaschine oder Elvis: unkontrolliertes Zittern der Beine beim Klettern durch Kraftmangel, Aufregung oder Angst.
  • Top-Rope: dabei läuft das Seil nicht durch Zwischensicherungen, sondern durch einen Umlenker am Ende der Kletterroute. Der Kletterer ist also zu jedem Zeitpunkt von oben gesichert. Dadurch ist die Sturztiefe sehr eingeschränkt. Hat der Kletterer das Ende der Route erreicht, oder bricht er die Route ab, wird er vom Sicherungspartner abgelassen.
  • Überhang: ein aus der Senkrechten mit 20 bis 50 Prozent Neigung vorspringender Fels oder Hindernis. Geht es über 50 Prozent hinaus, nennt man es Dach.

Persönliche Bemerkung zum Klettern:
Ich habe in nicht gerade jugendlichem Alter mit Therapeutischem Klettern begonnen. Einfach um eine Bewegung wieder zu entdecken, die man schon vergessen hat.

Klettern ist eine der wenigen Therapiemöglichkeiten ist, die auch nach der eigentlichen Therapie - also auch ohne Therapeuten - von den Klienten als Freizeitsport weitergeführt wird. Klettern lässt sich problemlos an jede Alters- und Fitnessstufe anpassen.

 

(Bild: a.sansone)

Seither gehe ich einmal die Woche für etwa eine (anstrengende, aber entspannende) Stunde in die Kletterhalle zum Bouldern. Es macht Freude, man erlebt Fortschritte, die man anfangs noch angezweifelt hat. Man plumpst von der Wand, außer dem Ego verletzt man sich nichts; man steht wieder auf.

 

Durch meine Körpergröße erleide ich zwar regelmäßig den "Zwergentod". Der aber fordert einen wiederum heraus, diese Schwierigkeit beim nächsten Mal vielleicht doch zu schaffen. Mit anderen Griffen, anderen Moves, das Hirn verwenden, um die Schwierigkeit zu meistern. Klettern ist auch Kopfsache.

Man mag es nicht glauben, aber das macht viel Spaß.

Adele_Sansone, am 18.07.2015
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Innsbruck ist besonders - die Stadt mit Alpenfeeling stellt sich vor)

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