"Liebe" von Michael Haneke im Kino - Jean-Louis Tritignant und Emmanuelle Riva

"Liebe" von Michael Haneke Cannes 2012 - Wer ist Michael Haneke?

Für mich ist Michael Haneke einer der herausragendsten Filmregisseure, weil er nicht das Genre des "Kommerzkinos" bedient, sondern sich mit Themen auseinandersetzt, die zum Nachdenken anregen. Hanekes Film "Liebe" setzt keinen Schluss in der Handlung, sondern bewegt zum weiteren Reflektieren über eigene Sichtweisen zu Themen wie Alter, Pflege und schließlich den Tod. Wir haben verlernt uns emotional mit diesem Thema auseinanderzusetzen und verdrängen es aus unserem Leben. Die demographische Entwicklung und der medizinische Fortschritt sollte aber gerade diese Themen, wie Alter und Pflege mehr in unseren Mittelpunkt rücken. Die Menschen werden immer älter und jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie er alt werden möchte. Es sind Unwägbarkeiten im Leben, auf die wir keinen Einfluss nehmen können: der Tod des Partners oder der Partnerin stellt alternde Menschen vor eine neue Lebensplanung. Das Thema "Demenz" und nicht mehr "selbstbestimmt" zu altern ist ein weiteres Problem, mit der sich unsere Gesellschaft auseinandersetzen muss. Michael Haneke, geb. 1942, ist der Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin, die am Burgtheater in Wien Schauspielerin war. Er wuchs in Wien auf und studierte nach dem Abitur Psychologie, Philosophie und Theaterwissenschaften. Mit renommierten Preisen hat er sich als herausragender Filmregisseur einen Namen gemacht: zwei "Goldene Palmen" bei den Filmfestspielen in Cannes, dem "Golden Globe Award" sowie dem "Europäischen Filmpreis." Bekannt wurde er durch seine Filme "die Klavierspielerin", "Caché" und das "Weiße Band." Mit dem Film die "Klavierspielerin" nach Elfriede Jelinek fand er internationale Beachtung. Die Hauptdarstellerin Isabelle Huppert spielt auch in seinem neuen Film "Liebe" als Tochter von Anne und Geoges eine Nebenrolle. Der Film wurde in Frankreich gedreht und Haneke wollte unbedingt mit Jean-Louis Trintignant arbeiten, weil er zu seinen Lieblingsschauspielern zählt. Die beiden Hauptdarsteller Trintignant und E. Riva spielen feinfühlig und mit viel Authentizität ihre Rollen. Beide befinden sich selbst in einem Alter, das nachdenklich macht, wie eigenständig sie selbst ihr weiteres Leben gestalten möchten: Trintignant ist 81 und Riva 85 Jahre. Beide Darsteller hätten einen "Darstellerpreis" verdient, weil sie mit schauspielerischer Leistung eine Glanzleistung vollbracht haben.

Jean-Louis Trintignant in "Liebe"

Jean-Louis Trintignant, geb. 1930, einer der ganz Großen im französischen Filmgeschäft wurde bekannt mit Filmen wie "Ein Mann und eine Frau", "meine Nacht bei Maud" sowie "Drei Farben Rot." Er drehte mit herausragenden Filmregisseuren wie Claude Lelouch, Costa-Gavras und Bertolucci. Verheiratet war er in erster Ehe mit der bekannten Schauspielerin Stéphane Audran. Aus der zweiten Ehe mit Nadine Trintignant, einer französischen Regisseurin, sind seine drei Kinder. Der Verlust von zwei Kindern hat ihn sicherlich auch in eine tiefe Krise gestürzt: eine Tochter starb beim plötzlichen Kindstod und Marie Trintignant, eine französische Schauspielerin, wurde von ihrem damaligen Lebenspartner bei Dreharbeiten in Litauen ermordet.

Emmanuelle Riva - Hiroshima mon amour

Emmanuelle Riva wurde 1927 in Lothringen geboren und wurde bekannt durch die Verfilmung "Hiroshima mon amour." Entdeckt wurde sie von Paul Resnais, der sie für die Hauptrolle in diesem Film ausgewählt hat. An diesen Erfolg konnte Riva danach nicht mehr anknüpfen! Sie erhielt 1969 den Preis "Etoile de Cristal" als beste französische Schauspielerin. Danach spielte sie am Theater und bekam jetzt als betagte Schauspielerin die Hauptrolle in Hanekes Film "Liebe." Sie spielt die Rolle der Anne mit Leidenschaft und verbrachte die Dreharbeiten jeden Tag am Set. Eine aussergewöhnliche Leistung nicht nur in dieser Rolle, sondern in einem Alter, in dem sich schon viele auf ihr "Altenteil" zurückgezogen haben.

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"Liebe" ein Drama über Krankheit und Tod

Der Film "Liebe" von Michael Haneke beginnt mit dem Schluss. Die Feuerwehr dringt in die Wohnung von Anne und Georges ein. Die Feuerwehrleute tragen Schutzmasken durch den beißenden Geruch in der Wohnung. Als sie die Tür, die von Georges mit einem Klebeband abgesichert wurde, aufbrechen sehen sie die Leiche von Anne. Sie liegt auf dem Bett mit einem eleganten Kleid. Das Bett ist mit Blumen geschmückt, wahrscheinlich liegt sie da schon länger. Der Film spielt hauptsächlich in der Wohnung von Anne und Georges mit Ausnahme eines Konzertbesuchs: der ehemalige Schüler von Anne tritt in einem Theater in Paris auf. Diese "Nebenrolle" spielt Alexandre Tharaud, ein begnadeter französischer Pianist. Als sie in ihre bourgeoise Wohnung in Paris zurückkehren bemerkt Georges, dass das Wohnungsschloss beschädigt ist. Kündigt dieser äußerliche Vorfall eine Veränderung im Lebensumfeld der Beiden an? Am nächsten Morgen erleidet Anne beim Frühstück einen Schlaganfall. Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus und einer mißlungenen Operation ist sie an den Rollstuhl gefesselt. Georges hat Ann das Versprechen gegeben, dass er sie nie mehr in ein Krankenhaus bringen würde. Er pflegt sie zu Hause und nach einem zweiten Schlaganfall ist sie auf ständige Hilfe angewiesen: sie muss gefüttert und gewickelt werden. Ihr Sprachzentrum ist fast ausgeschaltet, sie schreit und heult. Eine marginale Szene stellt George vor eine emotionale Belastung: Anne möchte nicht mehr so weiter leben und als sie sich weigert zu trinken und die Flüssigkeit George ins Gesicht spuckt, gibt er ihr eine Ohrfeige. Georges wird unterstützt von einer Pflegerin, die wöchentlich kommt. Seine physische und psychische Belastbarkeit wird auf eine harte Probe gestellt, weil er auf Hilfe von Anderen angewiesen ist. Die Liebe der Beiden zeigt sich in zarten und einfühlsamen Dialogen, bei denen Haneke eine tiefe Verbundenheit dieser beiden Darsteller zeigt. Der Tod wird angesprochen als Georges zu einer Beerdigung eines Bekannten geht. Nach der Rückkehr fragt ihn Anne über den Ablauf der Beerdigung: er schildert ihr wie die Enkel des Verstorbenen bei der Trauerfeier kicherten und wie die Trauerreden an der Oberflächlichkeit hängen blieben. Seltene Besuche erfreuen Georges und Anne: es sind hauptsächlich die Hausverwalterin und der Hausverwalter, die sich ab und an um die Einkäufe der Beiden kümmern. Mehr Leben und Freude beschert der Besuch des früheren Schülers von Anne. Er beobachtet zwar die Krankheit seiner früheren Lehrerin, kann sich aber mit diesem Thema aufgrund seines Alters nicht so recht auseinandersetzen. Der Dialog mit dem jungen Pianisten ist ein "Lichtblick" in der Abgeschiedenheit von Anne und Georges. Die Tochter, die im Ausland lebt, besucht sporadisch ihre Eltern und kann die Sichtweise ihres Vaters nicht verstehen. Als sich der Zustand der Mutter immer mehr verschlimmert, möchte sie, dass sie entweder im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim untergebracht wird. Georges antwortet: "Ich habe keine Zeit, mich um Dich zu kümmern, ich bin voll ausgelastet mit Deiner Mutter." Er macht seiner Tochter klar, dass er seine und die Selbstbestimmtheit seiner Mutter niemals aufgeben wird. Er möchte bei ihr sein, bis der Tod sie scheidet. Georges hält sich an sein Eheversprechen: "Ich bin für Dich da, nicht nur in guten, sondern vor allem auch in schlechten Zeiten", eine Bedingungslose Liebe bis zum Tod. Haneke zeigt in diesem Film keine Details, wie Arztbesuche oder den Krankenhausbesuch von Anne. Es ist die Schlichtheit und Einfachheit der Szenen, die mich sehr bewegt haben. Der körperliche Verfall von Anne und die physische Hilflosigkeit auf Gedeih und Verderb von einem anderen Menschen abhängig zu sein. Vor allem nichts tun können, um dieser Situation ein Ende zu bereiten. Einen Kontrast setzt die Abgeschiedenheit, die Bemitleidung von Freunden und das Festsitzen in der Wohnung, weil Georges durch seine bettlägerige Frau an seine vier Wände gebunden ist. Haneke zeigt in "Liebe" wie sich von einem Tag auf den anderen unsere gesamte Lebenskonstellation verändern kann. Ein vorher intaktes Leben mit sozialer Integration kann von heute auf morgen sich radikal ändern. George gelangt in einer Szene an das Ende seiner physischen und vor allem psychischen Belastbarkeit: Anne heult und schreit, er versucht sie durch eine eigene erlebte Geschichte abzulenken, danach drückt er ihr das Kopfkissen auf das Gesicht und erstickt sie. Er schreibt noch einen Brief und beobachtet eine Taube, die sich durch einen Lichtschacht in die Wohnung eingeschlichen hat. Für mich war es sein Abschiedsbrief.

Liebe (Amour) Frankreich/ Deutschland u.a. 2012. Buch & Regie: Michael Haneke, Kamera: Darius Khondji, Darsteller: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert u. a.; 127 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

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"Totgeliebt" von Adreas Kläne - Nachwort von Rolf Bossi

Produkt-Information

Ein lesenswerter Roman von Andreas Kläne "Totgeliebt." Er stimmt nachdenklich, weil die Geschichte wirklich passiert ist. Eine Frau in den 50ern gesteht den Mord an ihrem Ehemann. Der Schluss wird am Anfang des Tatsachenromans beschrieben. Eine Jugendliebe endet im Desaster, in einer Ausweglosigkeit für die Frau und einem verzweifelten Hilferuf. Der Autor hat feinsinnig und voller Spannung die Lebensgeschichte von Karin beschrieben. Ihre Jugendliebe zu Konstantin, den sie liebevoll Tino nennt. Sie ging mit ihm durch "dick und dünn", hat ihm mit ihrer aufopferungsvollen Liebe den Karriereweg geebnet. Dabei hat sie vollkommen vergessen, dass ihr Leben auf der Strecke blieb: sie hat nicht nur ihrem Mann dabei geholfen, sich vollständig auf seine beruflichen Ziele zu konzentrieren, sondern sie hat ihn auch aller Pflichten entbunden. Durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung musste ihr Tino kürzer treten und lernte während einer Kur eine Physiotherapeutin kennen. Sie war so ganz anders als seine Karin: mit ihr konnte er zwanglos und locker über alles diskutieren. Durch diese Bekanntschaft lernt er eine andere Art von Beziehung kennen: eine Frau, die sich in ihrem Beruf entfaltet hat und eine Frau, die nicht alles so "verbissen" sieht wie Karin. Karin hat eine trostlose Kindheit und setzt sich sehr enge Grenzen an ihr Leben: das merkt man ganz deutlich, wie steril sie ihre Wohnung pflegt, alles muss seinen festen Platz haben und sie gibt ihrem Leben keinen Raum für Spontaneität. Das Nachwort des Strafverteidigers Rolf Bossi beschreibt die ungerechten Verurteilungen von Frauen bei Totschlag. Die Gerichte sind meistens von Männern besetzt und es fehlt an einer paritätischen Gewichtung bei der Beurteilung von Straffällen, speziell bei Frauen. Das Buch verdient eine Würdigung und die Lektüre lohnt sich. Sie können es bei Amazon bestellen, vielleicht auch als Geschenk zum bevorstehenden Weihnachtsfest.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Autor:

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Die schönsten Liebesgedichte - Herznah Ernst Ferstl

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sissilu, am 23.09.2012
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Autor seit 4 Jahren
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