Armut in Südafrikas Slums im Luxusurlaub hautnah erleben

Stinkende Müllberge, verseuchtes Wasser, Ratten und Menschen auf einem Lumpen-Lager. In den Slums von Südafrika ist dies Realität. Die Shanty Town Bewohner leben in menschenunwürdigen Verhältnissen, was an sich schon schlimm genug ist. Nicht furchtbar genug jedoch für die Leute, die alles im Überfluss haben, ein Dach über den Kopf, Essen und Trinken zur Genüge, warmes Wasser aus der Leitung und Geld, um sich vernünftig zu kleiden, zu leben und zu wohnen.

Wie es ist, in völliger Armut zu leben, dahinzuvegetieren wie Tiere, können sich reiche Europäer kaum vorstellen. Würden sie freiwillig auf ihr luxuriöses Leben verzichten, um mit den Bewohnern einer informellen Siedlung in Südafrika zu tauschen? Viele Touristen konnten sich schon hautnah ein Bild vom Elend und von der Armut der Südafrikaner machen, die in Blechhütten hausen, ihr Lager mit Ungeziefer teilen. Doch welcher Südafrika-Tourist will selbst da leben? Wer die charmanten und schönen Seiten des faszinierenden Landes kennt, käme nicht auf den Gedanken, freiwillig Shanty Town Luft zu schnuppern.

Shanty Town Romantik in Bloemfontein

Das "Leben im Shanty Town" kann auch gemütlich sein. Jedenfalls dann, wenn die Blechhütten innen mit allem erdenklichen Dingen ausgestattet sind, die den Urlaub darin angenehm und komfortabel machen. Offene Feuerstellen, dudelnde - mit Batterien betriebene - Radios und Toiletten fernab von der Unterkunft, erinnern Europäer zunächst an Campingurlaub.

Für Leute, die an Luxus pur gewöhnt sind, kommt ein simpler Urlaub im Zelt oder Campingwagen selbstverständlich nicht infrage. Es sei denn, die eher bescheidenen Ferienbehausungen sind mit Fußbodenheizung, vergoldeten Wasserhähnen, Internetanschluss und allem erdenklichen Schnickschnack ausgestattet. Oder aber, es gibt so etwas wie Luxusurlaub im Slum-Hotel in Bloemfontein.

Shanty Town Romantik - für Luxusweibchen und deren Gatten mit dickem Geldbeutel - ist doch mal etwas ganz Besonderes. Ein absolutes "MUSS" für die, die schon alles haben und sich sonst keine Gedanken darüber machen müssen, wie es wäre, arm zu sein. Solche Leute erfüllen sich gern den abstrusen Traum vom luxuriösen Urlaub im südafrikanischen Elendsviertel, wenngleich dieses auch künstlich erschaffen wurde.

Urlaub im Luxus-Slum Südafrika

Im künstlichen Slum-Viertel in Bloemfontein muss kein Urlauber hausen wie ein echter Slum-Bewohner. Wenngleich es vor der Tür der Blechhütte nicht unbedingt gemütlich aussieht, so täuscht der Eindruck. Denn die Menschen, die Urlaub im südafrikanischen Luxus-Slum machen, müssen keineswegs im Dreck leben und sind auch nicht von Müllbergen umgeben. Selbst die Wellblechhütten unterscheiden sich von denen der Slum-Bewohner Südafrikas enorm. Drinnen herrscht urige Gemütlichkeit.

Auch wenn behauptet wird, dass der Hotel-Betreiber die Wellblechplatten in einem richtigen südafrikanischen Elendsviertel erstanden hat, um eine authentische Slum-Atmosphäre zu schaffen, so hinkt der Vergleich mit dem wirklichen Leben in einer informellen Siedlung ungemein. Immerhin sind im südafrikanischen Luxus-Slum-Hotel Fußbodenheizung und WLAN vorhanden.

Selbst die Etagenbetten sind äußerst bequem. Ratten und Ungeziefer fehlen ebenso wie der stechende Gestank, der von Unrat, Urin, Kot und abgestandenem Wasser verursacht wird. Die Tatsache, dass die Urlauber im makaberen Wellblechhütten-Hotel ein Plumpsklo aufsuchen müssen, um sich Erleichterung zu verschaffen, bringt das wahre "Slum-Feeling" – was alles andere als schön und angenehm ist - nicht auf den Punkt.

Das Tourismus-Geschäft mit dem Elend

Touristen-Touren durch die Elendsviertel dieser Welt sind schon lange an der Tagesordnung. Schließlich muss den zahlenden Urlaubern doch etwas geboten werden für das viele Geld, was sie bereit sind zu zahlen. Außerdem könnte es doch sein – dies nur nebensächlich stets als Rechtfertigung angemerkt – dass die Reichen Mitleid bekommen, wenn sie Not und Armut in den Entwicklungsländern hautnah erleben. Es wäre möglich, dass die gut betuchten Urlauber dann zu großzügigen Spenden bereit sind, mit denen sie die Ärmsten der Armen in den Slums unterstützen, damit jene irgendwann ein menschenwürdiges Leben führen können.

Argumente, die ebenso falsch und verlogen sind, wie jene Menschen, die aus dem Geschäft mit der Armut und Not noch Kapital schlagen. Urlauber, die diese fragwürdigen und geschmacklosen Luxus-Urlaubs-Angebote in Südafrika und anderen Elendsviertel dieser Welt nutzen, sind nicht viel besser, tragen sie doch dazu bei, dass der Slum-Tourismus boomt. Leider gibt es kein Gesetz, was das Tourismus-Geschäft mit dem Elend verbietet. Es gibt allerdings die Möglichkeit, Petitionen zu starten, die den Slum-Hotelbetreibern in Bloemfontein/Südafrika und anderen Leuten, die sich am Leid der Armen dieser Welt ergötzen, ein Geschäft daraus machen und Kapital daraus schlagen, ein Ende zu bereiten.

Was halten Sie vom Luxusurlaub im südafrikanischen Slum-Hotel?
KreativeSchreibfee, am 24.03.2014
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Bildquelle:
Zeichnung Kerstin Schuster (Luxus-Reisezubehör für Damen und Herren von Welt)
Bilddesign Kerstin Schuster (Mitten in Deutschland - Kinder in Not - sie brauchen unsere Hilfe)
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)
Eigenwerk (Kann man im Sommer auf die Zugspitze?)

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