Murmeltier gegen Erdmännchen: Who is who?

Warum Murmeltiere, trotz äußerlicher Ähnlichkeiten, keine Erdmännchen sind und umgekehrt.

 

 

Murmeltier

Das Murmeltier (Marmota marmota) stammt aus der

  • Ordnung der Nagetiere (Rodentia)
  • Familie Erd- und Baumhörnchen (Sciuridae)
  • Unterfamilie Erdhörnchen (Xerinae)
  • Gattung: Murmeltiere (Marmota)

Aussehen der Murmeltiere

Das Murmeltier hat ein braun bis grau gefärbtes Fell, wird etwa 60 cm lang und maximal 8 kg schwer. Ein pfiffiges Gesicht mit kleinen Ohren und eine schwarze Schwanzspitze sind ihm eigen. Seine ausgeprägten Nagezähne sind meist gelblich, und seine langen Krallen deuten schon auf seine Lebensweise hin.

 

Erdmännchen

Sie sind Raubtiere (Carnivora), wenn auch der putzigen Art.

  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
  • Familie: Mangusten (Herpestidae)
  • Gattung: Suricata

Das Erdmännchen (Suricata suricatta) verdankt seinen deutschen Namen dem "Männchen machen". Es wird 25–35 cm lang, mit einem bis zu 25 cm langen Schwanz, das Fll ist graubraun bis weißgraues. 8 bis 10 dunklere Querstreifen laufen über den Rücken.

Typisch sind der helle Kopf mit länglicher Schnauze und die dunkel umringten Augen, die wach herumblicken. Die kleinen Ohren und das Schwanzende sind schwarz.

Also um es noch einmal klarzumachen:

  • schwarzumringte Augen, Streifen auf den Rücken, klein, schmal, wuselig = deutet eindeutig auf Erdmännchen hin. Stellen Sie sich einfach Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow als Tierchen vor.
  • breiter Hintern, zwei eindeutige Nagezähne, gute Essmanieren heißen demnach = Murmeltier
Murmeltier aus "Auf Wiedersehen ...

Murmeltier aus "Auf Wiedersehen kleines Murmeltier" (Bild: adele sansone)

Lebensraum und Lebensweise der Murmeltiere

Die Murmeltiere leben in den Alpen, in der Höhe zwischen 800 bis 3000 m. Sie leben in Familien. Mehrere Familien zusammen bilden eine Murmeltierkolonie. Diese Kolonie kann bis zu 200 Tiere umfassen.

  • Baumeister sind die erwachsenen Männchen. Dabei graben sie mit ihren Vorderpfoten und schleudern zwischen ihren Hinterbeinen das ausgegrabene Material hinaus.
  • Die Bauten bestehen aus einer Vielfalt von Röhren zur Durchlüftung und zum Trockenlegen.
  • Einzelne kleinere Kessel sind sozusagen die Zimmer für die einzelnen Familien. Ein großer Gemeinschaftskessel steht für den Winterschlaf bereit.
  • Murmeltiere sind keine Nestbeschmutzer; deswegen gibt es blind endende Abzweigungen für die Kotstellen, also quasi ein eigenes Etagenklo. Nur ohne Wasserspülung.
  • Das erfordert eine Menge an Grabarbeit. Diese Bauten können in mehreren Stockwerken angelegt sein und bis zu einer Tiefe von 7 m gehen.
  • Die Nahrung besteht aus Wurzelstöcken, Gräsern, Zwiebeln, Löwenzahn und gegen Herbst zu aus Samen und Früchten. Als letzte Mahlzeit vor dem Winterschlaf suchen sie besondere Kräuter: Augengelber Augentrosttrost (Euphrasia) (Abb. Euphrasia minima) steht da zuoberst auf der Speiseliste. Erfahrene Berggeher wissen, dass besonders der weißblühende Augentrost (Euphrasia officinalis) bis in die späten Herbstwochen noch zahlreich auf den Almen steht. Nachdem er bei Schlaflosigkeit helfen kann, wer weiß, ob sie ihn deshalb so lieben?

Lebensweise der Erdmännchen

Die Erdmännchen sind in Südafrika und umliegenden Ländern heimisch. Sie leben in steinigen und sandigen Flachgebieten, in denen außer Gräsern kaum Bewuchs vorhanden ist.

Erdmännchen leben in Familien und Sippen, bis zu 30 Individuen in unterirdischen Bauten. In ihren Bauten liegen die Tiere zu mehreren eng bei- und übereinander. Bei Tage sieht man sie in Häufchen sich sonnend vor den Eingangsröhren liegen.

  • Erdmännchen müssen buddeln, um glücklich zu sein. Den Namen »Scharrtier« erhielten die Erdmännchen aufgrund ihrer Eigenschaft, während der Nahrungssuche, ständig am Boden nach Fressbarem zu scharren. Mit ihren scharfen Krallen an den Vorderbeinen können sie bis zu 3 m in die Tiefe graben und ausgeklügelte Gänge und Wohnhöhlen anlegen. Beim Graben können sie ihre Ohren verschließen, damit kein Sand in die Gehörgänge eindringt.
  • Erdmännchen ernähren sich von Insekten, Spinnen und Tausendfüßern, sie nehmen aber auch Kleinsäuger, Mäuse, Reptilien sowie Vögel und deren Eier und Früchte als Nahrung auf.

Genug Vergleich zwischen diesen beiden kleinen Gesellen. Zurück zu den echten Alpenbewohnern, den Murmeltieren.

Die Murmeltierfamilie

Die Paarungszeit ist kurz nach dem Erwachen vom Winterschlaf. Im zeitigen Frühjahr werden dann 2-6 Junge geboren. Sie sind nackt, blind, zahnlos und etwa 30 g schwer. Nach etwa 6 Wochen verlassen diese Jungen erstmals mit ihren Müttern den Bau. Ab dann folgt der Muttermilch die übliche pflanzliche Kost: Gräser, Löwenzahn und gegen Herbst zu Samen und Früchte.

Murmeltierwächter - Illustration (Bild: adele sansone)

Typisches im Verhalten der Murmeltiere

Viele Menschen, die im Hochgebirge unterwegs sind, kennen zwar nicht unbedingt ihren Anblick, aber ihr markantestes Merkmal: die Pfiffe.

Die Wächter, das sind erwachsene Murmeltiermännchen, stehen an strategisch günstigen Punkten im Bereich der Kolonie und halten Wache. Hier halten sie nach den natürliche Feinden, wie Steinadler, Uhu, Habicht, Fuchs und Marder Ausschau. Auch der Mensch zählt zu ihren natürlichen Feinden, denn das Murmeltier wird nach wie vor bejagt.

Wird eine Gefahr ausgemacht erfolgt eine Folge von Pfiffen, die genau aussagt, wo der Feind ist. In der Luft oder auf der Erde, und in welcher Entfernung. Blitzschnell sausen sämtliche Murmeltier in die nächstgelegene Einfahrt und begeben sich in Sicherheit.

Auch die Jungen, die vorher wie Kobolde beim vergnügten Spielen über Felsen und Grasbüschel turnen, flüchten. Die Jungen tragen nicht umsonst den Namen "Äffchen". Da wird gerauft, übereinander her gepurzelt, nachgelaufen. Sie spielen Verstecken, indem sie blitzschnell in einer Einfahrt abtauchen und bei einer anderen Öffnung aus dem weitverzweigten Bau wieder auftauchen.

Wer Murmeltiere beobachten will, muss sich leise nähern, genügend Abstand halten und um einen günstigen Wind beten. Dann ist es ein wahres Vergnügen ihnen zu zusehen.

Ein Lehrpfad über Murmeltiere existiert in Graubünden.

 

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Winterschlaf vom Murmeltier: Fakten, Vermutungen, Erstaunliches

Als Vorbereitung auf den Winterschlaf wird der Gemeinschaftskessel mit Gras und Heu ausgepolstert. Dazu tragen die Murmeltiere bis zu 15 kg Heu in ihren Mäulern in mühsamer Arbeit herbei. Alle Ausgänge werden mit einem sogenannten "Zapfen" aus Erde und Steinen wind- und wetterdicht verschlossen.

Wie auch bei den Igeln wird in den Tagen vorher kaum gegessen, sondern der Darm entleert. Erst dann beginnen sie ihren Kreislauf abzusenken, der Herzschlag sinkt und der lange Winterschlaf kann beginnen. Er kann je nach Witterung von Oktober bis April dauern.

 

Winterschläfer verwenden einen "Herzschlagregler", um Energie zu sparen

Bestimmte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren Linolsäuren) steuern die Herzfunktion und regulieren somit den Winterschlaf. Diese essentiellen Fettsäuren steuern das Erreichen tiefer Körpertemperaturen und die Bewahrung eines regelmäßigen Herzschlages. Das Überleben der Winterschläfer wird somit gesichert. Diese Linolsäuren aktivieren eine spezifische Kalziumpumpe im Herzen (SERCA) und regulieren dadurch den Herzschlag bei niedrigen Körpertemperaturen. 

Man weiß beispielsweise, dass in freier Wildbahn lebende Murmeltiere im Herbst aktiv nach jenen Pflanzen suchen, welche einen hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren beinhalten, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten.

Wunden verheilen im Winterschlaf

Während sich Bären im Winterschlaf befinden, zapft ihr Körper offenbar den molekularen Jungbrunnen an, hat eine Studie festgestellt. Verletzungen verheilen ohne Infektionen oder Narben. Wie die Tiere das bewerkstelligen, ist unbekannt. Man nimmt an, dass auch andere Winterschläfer über diese Fähigkeit verfügen.

 

Die Murmeltiere und der Klimawandel

Wie schon vermutet, verändert das Klima die Höhenverteilung von Pflanzen und damit verbunden auch die von Tieren.

Die Biologen Dr. Tobias Roth und PD Dr. Valentin Amrhein von der Universität Basel berichten, dass zwischen 2003 und 2010 auf Höhe des Schweizer Mittellandes die Pflanzenarten im Durchschnitt 8 Meter nach oben gewandert sind. Ihnen folgten Schmetterlinge 38 Meter und Vögel 42 Meter. Die Ergebnisse beruhen auf Daten des Schweizer Biodiversitäts-Monitoring, in dem auf landesweit verteilten Flächen Pflanzen und Tiere bis in eine Höhe von etwa 3000 Metern gezählt werden.
«Durchschnittlich acht Meter Höhenunterschied in acht Jahren und über alle Pflanzenarten, das ist für die meist nicht besonders mobilen Pflanzengesellschaften recht viel».

Inwieweit dies eine Bedeutung für die schon in beträchtlicher Höhe lebenden Murmeltiere hat - Verbesserung des Nahrungsangebots?- ist man noch am untersuchen.

Wo kann man - außer in den Bergen - Murmeltiere beobachten?

Wer Murmeltiere etwas bequemer beobachten möchte, findet sie in vielen Zoos.

Im Heimatzoo Alpenzoo fühlt es sich besonders wohl. Es lebt in einer besonders schön großen Voliere gemeinsam mit Schneehase und Bartgeier. Keine Angst, nicht als Futtertier für selbigen. Bartgeier bevorzugen Knochen und jagen keine lebenden Tiere.

Aber auch in Berlin und anderen deutschen Städten findet man es. Allerdings herrscht dort wiederum die Gefahr, dass besonders leseunkundige Erwachsene sie als Erdmännchen oder als Präriehunde bezeichnen.
Pfeifen und bellen sollte man zwar auseinanderkennen, aber bitte. Die beiden (Murmeltier und Präriehund) sind wenigstens wirklich verwandt.

Hey, mit diesen Kerlen bin ich wirklich verwandt

Ein Nagetier, das Präriehund heißt und bellt

Niedlich anzuschauen und kaum gefährlich, doch die bellenden, kläffenden Warnlaute verhalfen ihm zum Namen "Hund".

  • Gattung Präriehunde (Cynomys) aus der Familie Hörnchen (Sciuridae)

Der Europäische Ziesel, der gleich mehrere Pseudonyme hat

Schlichtziesel (Citellus citellus)/(Spermophilus citellus) ist ebenfalls ein Erdhörnchen, die Gattung Ziesel ist in Eurasien und Nordamerika in zahlreichen Arten verbreitet. In manchen Gegenden wird er auch als Steppen-Eichhörnchen bezeichnet.

Weitere Hörnchen, dieses Mal jedoch die Hörnchenartigen:

Fuchshörnchen Sciurus niger, Pinselohrhörnchen Sciurus aberti oder Streifenbakenhörnchen Tamias striatus gehören ebenfalls zu den hörnchenartigen Nagetieren. Auch das süße Chipmunk und das Eichhörnchen zählen dazu.

Präriehund (Bild: violetta / Pixabay)

Quellen

  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Säugetiere, International Knowlwdge; Contmedia, 2008 Burg
  • Tiere, Dorling Kindersley, 2006 Starnberg
  • Der große Mosaik Naturführer, Steinbach; Mosaik, 2000 München
  • Das A und O im Zoo, Sheridan; Schüling Verlag, 2011 Münster
  • Warum Pandas Handstand machen, Brown; Ullstein, 2009 Berlin
Adele_Sansone, am 17.12.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/was-ist-so-besonder (Was ist so besonders am Alpenzoo Innsbruck? Ein lohnendes Ausflugsziel)
https://pagewizz.com/wann-spricht-man-vo (Wann spricht man von Rudel, Herde und Kolonie? Tierisch große Familien)

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