Modell Kleinfamilie inmitten einer großen Schar

Familienleben bei den Tieren ist oft nicht viel anders als beim Menschen. Wer nicht im eigenen Häuschen weit weg von den anderen leben will oder kann, der zieht eben ins Dorf oder in die Stadt.

Viele Tierpaare, die sich als Elterneinheit eifrig um ihre Kinder kümmern, haben sich deshalb zu größeren Gemeinschaften zusammengeschlossen. Dabei handelt es sich um Eltern mit ihrem diesjährigen Nachwuchs. Um die Jungtiere besser zu schützen, lebt man freiwillig in großen bis riesigen Gruppen zusammen.

 

Welche Tiere haben dieses System gewählt?

Viele Vögel leben nach diesem Modell. Dann meistens sogar bis zu riesigen Kolonien. Siehe weiter unten.

Waldrapp beim Betteln (Bild: a.sansone)

Kolonie

Dieser Begriff wird für einen Verband gesellig lebender Tiere verwendet. Meist eine Gruppe von Tieren der gleichen Art, die örtlich zusammenleben. Kolonien können überschaubar, aber auch von riesigen Ausmaßen sein. Kolonien verlangen keine komplizierten Anführer, nur halbwegs nachbarschaftliche Toleranz. Dafür aber bieten sie Schutz vor Feinden. Eine win-win-Situation also.

Wer lebt gerne in Kolonien?

  • Vor allem Meeresvögel und Pinguine sind weltbekannte Beispiele.
  • Ein Großteil der uns bekannten Zugvögel lebt so.
  • Auch Waldrappe fühlen sich in Kolonien wohl.
  • Übertrumpfen an Anzahl von Einzeltieren dürften alle anderen die Fledertiere/Fledermäuse. So beherbergt die Bracken-Höhle bei Austin in Texas etwa 20 Millionen Tiere der Guano-Fledermaus Tadarida brasiliensis. Also da möchte ich beim Ausschwärmen nicht gerade im Weg stehen.
Zoolieblinge Erdmännchen

(Bild: Thomas Maaßen)

Modell Großfamilie - Zusammenleben von mehreren Generationen

Ausgehend von einem Paar mit Jungen, wird der Lebensraum nach kurzer Zeit von mehreren Generationen bevölkert. Die älteren Jungtiere verbleiben relativ lange im Familienverband und übernehmen Aufzucht-Aufgaben für die jüngsten Familienmitglieder.

Ein erfolgreiches Familienmodell bei

  • Nagetieren: Murmeltier, Biber oder Ziesel, aber natürlich auch
  • bei den Primaten, wie Neuweltaffen, Gibbons und Orang-Utans an der Tagesordnung. Besonders nett zu beobachten sind auch 
  • Erdmännchen, die Mini-Raubtiere. Sie leben in Familien und Sippen, bis zu 30 Individuen in unterirdischen Bauten. Kein Wunder, dass sie zu den beliebtesten Zootieren gehören. Sie sind aber auch zu herrlich zu beobachten.

Wer mehr zu den folgenden Tieren wissen möchte, hier finden Sie Porträts von ihnen:

Modell Rudel

Rudel: Als Rudel bezeichnet man eine größere Anzahl (Gruppe) von Wildtieren, etwa von Raubtieren wie Wölfen, die gemeinsam leben und jagen. Auch der Begriff Rotte wird dafür gebraucht. (Stammt bereits aus dem 13. Jh.)

Ein Alphamännchen und ein Alphaweibchen, nur diese dürfen sich fortpflanzen, leben mit mehreren unterschiedlich alten Jungtieren zusammen. Ein strenges Hierarchiesystem gewährleistet den Zusammenhalt.

  • Ausgehend von dem Stammpaar bilden Löwe und Löwin so ein Rudel.
  • Ebenfalls die Wölfe und andere Hundeartige.

Familie? Nein, Harem ist die Devise.

Harem Ein Männchen, das aber immer um seine Vorrangstellung kämpfen muss, führt einen Harem mit bis zu 40 Weibchen an.

Dieses Modell ist vor allem bei Huftieren weit verbreitet. Einer schafft an, der Rudelchef und hat dafür die Oberhoheit der alleinigen Fortpflanzung. Dieses Zusammensein hat sich als guter Nährboden zum Schutz der Jungtiere erwiesen.

Ein dominantes Männchen mit mehreren Weibchen bildet eine kleine oder größere Gruppe. Die Weibchen werden beschützt, gleichzeitig muss das Männchen dafür sorgen, dass sich keine anderen Männchen mit seinen Weibchen paaren. Aufgabe ist es auch, das Revier zu verteidigen und geeignete Futterplätze zu finden. Stress pur; fragen Sie mal so einen Platzhirschen. Mehrere dieser Rudel können sich auch zu einer Herde zusammentun. Dann umfasst so eine Herde - etwa bei den Karibu- und Rentierwanderungen locker tausende Tiere.

  • Kegelrobben
  • Kamele
  • Zebras
  • Pferde
  • Hirsche
  • Rehe
  • Karibus
  • Rentiere

Herde, Schule, Schwarm? Was ist das?

  • Herde: Das ist eine einheitliche Menge umherziehenden Wildes. Große Gras fressende Säugetiere bilden Herden, weil sie so besser vor Fressfeinden geschützt sind. Abgeleitete Begriffe davon sind Herdenmensch und Herdentrieb. Herden können aus mehreren einzeln geführten Rudeln bestehen.
Ganz die Mama! Ganz der Papa!

Alpensteinbock (Bild: a.sansone)

Welche Tiere leben noch in Herden?

  • Elefanten bestehend aus einer bis mehreren von einer Leitkuh geführten Großfamilien. Bullen sind Einzelgänger und leben etwas abseits der Herde..
  • Zebra, Pferde, Kamele, Lamas - die einzelnen Gruppen sind Harems.
  • Giraffen bestehen aus Großfamilienverbänden.
  • Rinder, Büffel, Bisons - bestehend aus kleinen Familienverbänden schließen sie sich zu Herden von mehreren tausend Tieren zusammen.
  • Berühmt ist der Verteidigungskreis der Moschusochsen rund um die Kälber bei einem Angriff von Wölfen. Die männlichen Tiere kümmern sich aktiv nur um den Schutz, aber nicht um die Aufzucht der Jungtiere.
  • Eine Steinbockherde setzt sich aus zehn bis zwanzig Weibchen und Jungtieren zusammen. Daneben gibt es die weniger stabilen Junggesellenherden.
  • Giraffen, Antilopen, Rentiere, aber auch Walrosse bilden von kleinen Familienverbänden bis zu einigen Tausend Tieren diesen Zusammenhalt.

Modell Schule oder Schwarm

Spricht man bei den Huftieren von Herde oder Rudel, ist das bei den Meeressäugern die Schule. Delfine, Orcas oder Schweinswale bilden solche Schulen. Weibchengruppen mit Jungtieren bilden einen lockeren Verband. Etwas abseits davon sind die Männchen. Die kinderlosen Tanten besorgen gemeinsam die Aufsicht der Jungtiere. So bilden Delfinweibchen etwa einen Ring mit ihren Körpern, in dessen Mitte die Delfinbabys unbesorgt spielen können.

Schwarmverhalten: Die riesige Menge an Einzelwesen bedeutet für den Einzelnen eine größere Sicherheit. Bei Fischen erschwert das den Raubfischen sich innerhalb der schnell beweglichen und dauernd die Richtung ändernden Gruppe sich ein einzelnes Tier zu fassen. Schwarmbildung erfordert allerdings ein hohes Maß an koordinierter Bewegung, die gut aufeinander abgestimmt ist. Ein gutes Sehvermögen und eigene Sensorsysteme, die auf die geringste Bewegungsänderung reagieren, sind dazu nötig. Die Seitenlinie im Schwarm reagiert auf Druck und so ist koordinierte Bewegung im Schwarm möglich.

Bei Insekten, Fischen oder Vögeln nennt man diesen Zusammenhalt Schwarm.

Der Begriff "Schwarm" wurde ursprünglich für Bienenvölker verwendet. Ein lautmalerisches Wort.

Bekannt als Scchwarm sind auch die sogar in biblischen Zeiten gefürchteten "Heuschreckenschwärme".

 

Ein vom Schwarmverhalten abgeleitetes Wort ist die Schwarmintelligenz; mehr dazu im betreffenden Artikel. 

Als kleinere Einteilung gibt es noch Horde oder Gruppe. Dies sind nicht unbedingt familiär gebundene Individuen, als vielmehr eine bunt zusammengewürfelte Schar. Eine Horde oder Gruppe umfasst Mitglieder von bis zu mehreren Dutzend.

Wer lebt gerne in Horden oder Gruppen?

  •  Kattas (Halbaffen) etwa bilden von Weibchen dominierte Horden, helfen sich gegenseitig bei der Aufzucht. Kleinere Männchengruppen wechseln zwischen den einzelnen Horden.
  • Gorillas, bestehend aus 1 bis 2 Männchen mit Weibchen und deren Jungen.

 

  • Flusspferde, Ziege, Schafen, Gämsen bilden Kleingruppen von 4 Tieren bis zu größeren Gruppen, je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot.
  • Otter, Kaninchen deren Gruppen variieren ebenfalls von nur wenigen Tieren bis zu einigen Tausend Stück (Seeotter). Geselligkeit ist hier oberstes Prinzip.

 

Staatenbildende Tiere

Sie gehen einen ganz eigenen Weg. Keine treusorgende Mutter, kein Vater keine Geborgenheit im Kleinen. Eine Königin legt alleine die Eier, Arbeiterinnen, also das Kollektiv, kümmert sich um die Aufzucht.

  • Ameisen, Bienen, Termiten folgen diesem Aufzucht-Modell.
  • Als einzige Säugetierart verhalten sich auch die Nacktmulle (Heterocephalus glaber) vergleichbar. Jede Kolonie wird von einer einzigen Königin dominiert, die als einziges Weibchen fruchtbar ist und ca. alle 70-80 Tage wirft. Nacktmulle leben in Kolonien von 20 bis 300 Tieren. Die Organisation dieser Kolonien weist einige Besonderheiten auf, die sonst insbesondere bei Insekten beobachtet und in ihrer Gesamtheit als Eusozialität bezeichnet werden. Charakteristisch ist eine strenge, hochspezialisierte Arbeitsteilung, die an das Lebensalter des einzelnen Individuums gebunden ist.

Auf den Menschen bezogen werden diese Begriffe anders verstanden:

  • Harem ... arab. "verboten", Frauengemach in der traditionellen Kultur islam. Länder
  • Kolonie ... von einer fremden Macht abhängiges Gebiet, das meist in Übersee liegt.
  • Kollektiv ... eine Gruppe, Arbeitsgemeinschaft
  • Staat ... dauernde organisierte Vereinigung von Menschen auf einem bestimmten Gebiet und unter einer höchsten Gewalt

Einen näheren Blick auf all diese Familienmodelle gibt es in den folgenden Artikeln:

Quellen

  • Polarwelt, Wade; Oetinger, 2009 Hamburg
  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Katzen, Frith-Macdonald; Parragon Books,
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Der Eisbär, Uspenski; Die Neue Brehm Bücherei, 2004 Rostock
  • Säugetiere, International Knowlwdge; Contmedia, 2008 Burg
  • Tiere, Dorling Kindersley, 2006 Starnberg
  • Wissen Wattenmeer, Wilhelmsen/Stock; Wachholtz, 2011 Neumünster
  • Der große Mosaik Naturführer, Steinbach; Mosaik, 2000 München
  • Vögel, Bechtermünz Verlag, 1999 Augsburg

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Adele_Sansone, am 22.10.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Murmeltiere sind keine Erdmännchen, oder doch?)

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