Was ist die Realität?

Sozusagen der Urheber dieses neuen Denkens in der Physik ist der Schweizer Physiker Nassim Haramein. Ausgangspunkt seiner theoretischen Konzeption ist die Frage, wie die Realität um uns herum eigentlich beschaffen ist, was ihr Ursprung ist, warum sie sich so organisiert hat, dass ich sie beobachten kann, warum es also überhaupt eine Beziehung zwischen Realität und Beobachter gibt, und zwar eine Beziehung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Genau genommen ist also zu fragen nach der offensichtlichen Rückkopplung zwischen mir, dem Betrachter, und der materiellen Welt, aber auch nach dem Medium, das diese Verbindung zwischen allen Dingen möglich macht, so dass eine Einheit entsteht.

Der Raum als Ordnungsprinzip der Natur

Für Haramein spricht Vieles dafür, dass das grundlegende Medium, das alles durchdringt, das allgegenwärtig und allwissend ist und das ordnende Prinzip der Natur darstellt, der Raum ist, der Raum, der sowohl das unendlich Große als auch das unendlich Kleine umgibt. Das heißt: Nach Ansicht von Haramein ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser Raum durchdrungen ist von allen Informationen über alle Dinge in diesem Raum und dass er selbst das große Bindeglied zwischen all diesen Dingen ist. Wenn aber der Raum selbst das große Medium ist, das alle Dinge verbindet, das von überall Informationen sammelt, um sich selbst zu organisieren und die Komplexität zu erzeugen, die wir in unserer natürlichen Welt beobachten, dann müsste dieser Raum seiner Meinung nach unendlich dicht sein - unendlich angefüllt mit Informationen oder Energie.

In der Tat hat die Quantenphysik – so Haramein – gezeigt, dass es sogar im Vakuum eine unendliche Menge von möglichen Energieschwankungen gibt, dass also ein Vakuumfeld existiert, das aus reiner Energie besteht. Folglich könnte es sich dabei um die Energie handeln, die alles verbindet, die Energie, aus der alles entsteht und zu der alles zurückkehrt. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass der Raum ein strukturiertes, hochenergetisches Feld ist, ein Einheitsfeld, das die Grundlage aller materiellen Strukturen darstellt.

Das Schwarze Ganze

Wenn aber die Vakuum-Energie im Wesentlichen unendlich dicht sei, dann müsste – so Haramein – das Vakuumfeld aus Schwarzen Löchern bestehen, da diese bekanntlich Objekte von unendlicher Dichte seien. Selbst Atome oder Atomkerne müssten demnach genug Masse-Energie enthalten, um als Schwarze Löcher betrachtet werden zu können. Man könnte sich also all die Atome, aus denen unser Körper und die ganze materielle Welt um uns herum bestehen, als winzige Schwarze Löcher vorstellen. Das Universum müsste mit anderen Worten aus Schwarzen Löchern aufgebaut sein, von ganz oben bis nach ganz unten. Das Universum selbst, das Universum als Ganzes, müsste – so Haramein - die Bedingungen erfüllen, die ein Schwarzes Loch beschreiben (Black-Hole-Universe). Man könnte deshalb auch von einem Schwarzen Ganzen (Black Whole) sprechen.

Das Geheimnis der Starken Kraft

Um die Frage beantworten zu können, ob ein Atom oder der Kern eines Atoms, also ein Proton, tatsächlich als Schwarzes Loch betrachtet werden könnte, hat Haramein durch Berechnungen ermittelt, wie viel von der Vakuum-Energie für ein Proton notwendig wäre, um im Zustand eines Schwarzen Lochs zu sein. Und zwar hat sich dabei herausgestellt, dass die Energie, die dafür notwendig war, um ein Proton als ein Schwarzes Loch betrachten zu können, exakt der Energie entsprach, die notwendig war, um jene Kraft zu erzeugen, die in der Regel als die "starke Kernkraft", oder "starke Kraft" (strong force) beschrieben wird, d.h., als die Kraft, die die Atomkerne zusammenhält. Haramein konnte also nachweisen, dass die sogenannte starke Kraft oder Kernkraft das Ergebnis der Anziehungskraft von winzigen Schwarzen Löchern ist.

Die Struktur des Vakuumfeldes

Nach Ansicht von Haramein verfügt das Vakuumfeld aber nicht nur über eine ungeheuer große Energiedichte, sondern auch über eine sehr hohe Ordnung, eine grundlegende geometrische Struktur, deren besondere Merkmale er ermittelt hat. Dabei war für ihn die Sphäre, die im zweidimensionalen Raum als ein Kreis repräsentiert wird, der Ausgangspunkt seiner Forschungen. Und zwar ist die Sphäre ganz offenbar das Äußere, Geschaffene und damit diejenige geometrische Figur mit der größten Instabilität und Oberfläche. Also vermutete Haramein, dass im Inneren des Raumes das genaue Gegenteil zu finden sein müsste.

Die stabilste dreidimensionale Form aber ist der Tetraeder, ein Vieleck aus gleichseitigen Dreiecken. Haramein begann also den Tetraeder zu erforschen und hatte schließlich eine Matrix aus 64 Tetraedern, die – und das war von besonderer Bedeutung – ein dreidimensionales Fraktal darstellte, d.h., ein dreidimensionales Objekt aus mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst. Man könnte hier auch vom Prinzip der Selbstähnlichkeit sprechen. - Die Matrix war folglich eine Art dreidimensionales Fraktal aus Tetraedern, und Haramein war sich sicher, damit die grundlegende Struktur des Vakuums gefunden zu haben, damit aber auch die grundlegende Struktur der Schöpfung.

Parallelen zur Heiligen Geometrie – die Blume des Lebens

Haramein wurde in seinen Überlegungen bestärkt, als er feststellte, dass er durch das Hinzufügen von Sphären um die Knotenpunkte seiner Matrix die Blume des Lebens erhielt, jenes Symbol, das laut Heiliger Geometrie - der Lehre von geometrischen Strukturen, die aus sich selbst heraus, ohne menschliches Zutun, existieren - der gesamten Schöpfung zu Grunde liegen soll. Die Blume des Lebens ist folglich das höchste Symbol der Heiligen Geometrie, und man findet dieses Symbol des Lebens und der Einheit in allen Hochkulturen auf der ganzen Welt: in den Pyramiden in Mexiko und Peru, in Tempeln in Ägypten, Indien, China und Japan, und in Kirchen in ganz Europa.

Parallelen zur menschlichen DNA und zum I-Ging

Haramein stellte auch fest, dass die Zahl 64 (Anzahl der Tetraeder in der Matrix) eine enge Verbindung zur menschlichen DNA aufweist, da diese aus 64 Codebausteinen besteht. Von dort gelangte Haramein schließlich zum I-Ging, d.h., einer Sammlung von Strichzeichnungen mit den dazugehörigen Sprüchen und Kommentaren - die die ältesten der klassischen chinesischen Texte, der kanonischen Bücher des Konfuzianismus, darstellen - und bemerkte zu seinem Erstaunen, dass alle Symbole des I-Ging mit ihren seltsamen unterbrochenen Linien sich wie eine Art kosmisches Lego lückenlos zu seiner Matrix verbinden lassen.

Alles dreht sich

Für Haramein ist die Vakuum-Energie nicht nur in der beschriebenen Weise strukturiert, sondern sie ist seiner Meinung nach auch polarisiert, was in der beschleunigten Expansion des Universums zum Ausdruck komme, aber auch in einer bestimmten Erscheinungsform der Raum-Zeit. So sei infolge der Polarisierung der Vakuum-Energie die Raum-Zeit nicht nur gekrümmt, um Gravitation zu erzeugen, sondern auch verdreht, und dieses Drehmoment habe die Rotation aller organisierten Materie von Galaxien, Sternen bis hin zu subatomaren Teilchen zur Folge.

Das holografische und fraktale Universum

Inzwischen konnte Haramein nachweisen, dass die Struktur weiter Teile des Universums tatsächlich seiner Matrix folgt und dass das Universum infolgedessen ein holografisches Fraktal darstellt, also ein Hologramm bzw. holographisches Bild, bei dem jedes Teilstück das ganze komplette Bild zeigt, weil die Information des gesamten Bildes in jedem einzelnen Teilstück vollständig gespeichert ist.

Und zwar konnte Haramein an Hand der weiteren Erforschung des Protons zeigen, dass die exakte Berechnung und das tiefe Verständnis von nur einer einzigen Struktur im Universum tatsächlich dazu führen, dass sich auch alle anderen Strukturen mit der gleichen Formel exakt berechnen lassen können, dass also das Universum nach einem einzigen einfachen Prinzip arbeitet, das sich bei allen Größenordnungen gleichermaßen wiederfinden lässt, so dass alle Dinge im Universum miteinander verbunden sind und eine Einheit bilden - ein fraktales Schwarzes-Loch-Universum.

Man könnte auch sagen, dass Harameins physikalischer Ansatz das Universum als ein Informationsfraktal kommunizierender Felder begreift, in dem jeder Quadratzentimeter Vakuum unendlich viel Energie zur Verfügung stellt, was wiederum bedeutet, dass sich im Zentrum des Universums, jeder Galaxie, jeder Sonne und jedes Atoms ein schwarzes Loch befindet. Daraus aber könnte man wiederum folgern, dass alles immer mit der Unendlichkeit verbunden ist und dass alles eins ist.

Sind Schwarze Löcher wirklich schwarz?

Die Vorstellung, dass die Strukturen des Raums, der uns umgibt, jeweils in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch "beherbergen" und dass diese Strukturierung des Raums das Grundprinzip der Schöpfung darstellt, könnte vielen Zeitgenossen erhebliches Unbehagen bereiten, da Schwarze Löcher gemeinhin als Materie und sogar Licht verschlingende Monster gelten und somit eher als etwas Destruktives.

Um es physikalisch korrekt auszudrücken, spricht man im Zusammenhang mit Schwarzen Löchern von einem Raumgebiet - "Ereignishorizont" genannt - in das Materie nur hineinfallen, aber nicht wieder hinausgelangen kann ("Loch") und das insbesondere auch eine elektromagnetische Welle, wie etwa sichtbares Licht, niemals wieder verlassen kann (daher "schwarz"). Deshalb wurde auch lange Zeit angenommen, dass in Schwarzen Löchern keine Informationen erhalten blieben. Inzwischen ist jedoch gezeigt worden – u.a. von Stephen Hawking -, dass Schwarze Löcher Strahlung aussenden und dass mit dieser Strahlung Informationen "entkommen können". Man könnte deshalb sagen, dass Schwarze Löcher gar nicht vollkommen schwarz sind.

Schwarze Löcher als Quellen ewigen Lichts

Nach Ansicht einer anderen naturwissenschaftlichen Querdenkerin, nämlich der "gelernten Medizinerin" Manjir Samanta-Laughton, die die Theorie des "Black-Hole-Universe" unterstützt, sind Schwarze Löcher gar kreative Quellen eines ewigen, unendlichen Lichts. Aber ein Großteil dieses Lichts sei vor uns verborgen, weil es sich in einer Welt jenseits der Lichtgeschwindigkeit befinde und damit in einer Welt, die nicht unsere Welt aus Elementarteilchen sei.

Ihrer Meinung nach entsteht dieses Licht aus dem Zentrum des Schwarzen Lochs, der Singularität, ergießt sich spiralförmig durch die Dimensionen herab und erreicht schließlich den Rand unserer Wirklichkeit und damit das, was wir als die Lichtgeschwindigkeit bezeichnen. An diesem Punkt aber würde sich das Lichtteilchen eines Photons aufspalten in ein Elektron und ein Positron, und dies seien die Partikel, die wir beobachten könnten, wenn sie von den Schwarzen Löchern mit annähernder Lichtgeschwindigkeit ausgespuckt würden. Anschließend würden sich in einer Art von Atmung die Partikel wieder zu Licht in Form von Gammastrahlen verbinden. Schwarze Löcher seien deshalb die Quelle der sogenannten Gamma-Ray-Bursts, der Gammablitze, die wir überall im Kosmos beobachten könnten.

Schwarze Löcher und das menschliche Bewusstsein

Für Manjir Samanta-Laughton könnte man mit Hilfe der Vorstellung vom "Black-Hole-Universe" und dem damit verbundenen Bild von Schwarzen Löchern zwei große Rätsel der Kosmologie lösen, nämlich die Beobachtung, dass das Universum überall gleich aussieht, dass also alte und junge Sterne miteinander koexistieren, und das Nichtwissen, woraus 98 Prozent des Universums überhaupt bestehen – man spreche hier von "dunkler Materie oder Energie". Das erste Rätsel könnte man ihrer Meinung nach durch die Vorstellung lösen, dass die Schöpfung nicht in einem Moment geschehen sei, sondern überall, auf jeder Ebene, in jedem Augenblick passiere.

Dass 98 Prozent des Universums für uns unsichtbar seien, sei weniger rätselhaft, wenn man davon ausgehe, dass dieser Bereich jenseits der Lichtgeschwindigkeit liege und folglich nicht physischer Natur sei. Doch das Licht selbst und auch das Bewusstsein könnten sich über diese Barriere hinweg bewegen, und wir könnten damit erleben, dass wir nicht auf die physische Wirklichkeit beschränkt sind. Das sei, was wir die mystische Erfahrung nennen, und Menschen hätten in diesem Zusammenhang oft ein Licht beschrieben, das heller sei als alles, was sie je zuvor gesehen hätten. Das ewige Licht der schwarzen Löcher sei also auch das Licht des Bewusstseins. Bewusstsein sei das eigentlich Fundamentale unserer Wirklichkeit. – Meiner Meinung nach gibt es hier eine Parallele zu Berichten, denen zufolge nach dem physischen Tod des Menschen seine unsterbliche Seele durch einen dunklen Tunnel fliegt – auf ein unendlich helles Licht zu.

Fazit

Mit Hilfe der Theorie des "Black-Hole-Universe" scheinen nicht nur etliche noch offene Fragen der Astrophysik endlich beantwortet werden zu können, sondern diese Theorie scheint auch die Wahrheit uralter Schöpfungsmythen zu bestätigen und uns nicht zuletzt tiefgreifende Erkenntnisse über unser Bewusstsein zu ermöglichen.

Autor seit 3 Jahren
105 Seiten
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