Indizien für die Existenz Gottes

Schöpfungsakt/Pixabay Die Tatsache, dass die Entwicklung des Universums nie in Gang gekommen wäre, wenn die physikalischen Konstanten nur geringfügig andere Werte gehabt hätten und die Naturgesetze nur ein klein wenig anders beschaffen gewesen wären, deutet darauf hin, dass bei der Entwicklung des Universums und der Evolution des Lebens - bis hin zu intelligenten Wesen mit Bewusstsein und Geist -  unzählige  glückliche Fügungen eine Rolle gespielt haben. Das heißt: Es mussten seit dem Urknall unzählige Zufälle in der richtigen Art und zur rechten Zeit geschehen sein, damit die Evolution in Gang gesetzt wurde. Die Deisten unter den Naturwissenschaftlern schreiben diese glücklichen Zufälle einem göttlichen Plan zu, betrachten sie also als Spuren Gottes. Für die Deisten gibt es mit anderen Worten keine Beweise, aber unzählige Indizien dafür, dass ein Schöpfer, der außerhalb von Raum und Zeit agiert, das Universum mit seinen Naturgesetzen zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Nichts erschaffen und gestaltet hat, und zwar möglicherweise nicht nur das eine Universum, sondern eine Vielzahl.  

Warum lässt Gott so viel Böses zu?

Katastrophen/PixabayAngesichts der Vorstellung von einem omnipotenten Schöpfergott, der die "Glanzleistungen" der Evolution ermöglicht hat, drängt sich die Frage auf, warum Gott nicht verhindert, dass auf der Welt so viel Unheil geschieht, warum er nicht eingreift, um Naturkatastrophen und von Menschen gemachte Katastrophen zu verhindern, die letztlich sogar "seine Schöpfung" in Gefahr bringen könnten. In diesem Zusammenhang könnte man argumentieren, dass Gott hinsichtlich der Entwicklung und Ausgestaltung seiner Schöpfung seine Allmacht  selbst beschränkt hat und das Meiste den physikalischen Gesetzen und Zufällen  überlässt. Und das ist deshalb der Fall, weil Gott, wenn er alle Fehlentwicklungen verhindern wollte, dauernd in die grundlegenden Gesetze der Natur eingreifen müsste und dadurch seinerseits negative Folgewirkungen auslösen könnte. Speziell Naturkatastrophen sind ferner der Evolution immanent. Außerdem hat Gott den Menschen als autonomes Wesen "konzipiert" und erwartet von ihm eigenständige Entscheidungen. Und dann hat der Mensch auch die – unter Umständen negativen  - Konsequenzen zu tragen, die sich aus seinem Handeln ergeben.

Das Wirken Gottes in der Quantenwelt

Katzenaugennebel/PixabayDass Gott,  nachdem er – bildlich gesprochen - dem Menschen die Entscheidungsgewalt über "seine Schöpfung" übertragen hat, sich dennoch nicht auf die Rolle eines "passiven Beobachters" zurückgezogen hat, sondern nach wie vor "präsent" ist, zeigen  die Erkenntnisse der Quantenphysik über die Prozesse im Kosmos. So scheinen Quanteneffekte in vielen Bereichen für die "dynamische Komplexität" im Universum verantwortlich zu sein. Offenbar  setzen diese dabei sogar physikalische Gesetze außer Kraft, etwa das Limit der Lichtgeschwindigkeit. Dies wird deutlich beim  Phänomen der Verschränkung, bei  der nämlich  Teilchen in der Quantenwelt unabhängig von Raum und Zeit miteinander kommunizieren. Das heißt: Die Quantenmechanik lässt Raum für einen Gott, der auch in der heutigen Zeit und Welt handelt. Bleibt die Frage, wie man sich diesen Gott vorzustellen hat.

Gott als rein geistige Kraft

Geistige Kraft/PixabayDie Vorstellung von Gott, die die Quantenmechanik nahelegt, hat scheinbar nichts gemein mit dem – traditionellen – anthropomorphen Gottesbild, also mit dem Bild von Gott als einem "Wesen", das übermenschliche Kräfte, aber gleichwohl menschliche Gefühle und ein "offenes Ohr" für die Nöte der Menschen hat. Die Deisten unter den Quantenphysikern plädieren vielmehr – im Einklang mit der Auffassung vom Primat des Geistes vor der Materie zum Zeitpunkt des Urknalls – für die Vorstellung von Gott als einer rein geistigen Größe, als einem schöpferischen Geist,der in der Evolution zunehmend komplexere geistig-materielle Strukturen hervorbringt, letztlich auch das Leben und den menschlichen Geist. Das heißt: Die Evolution ging vom Geist aus und dieser wirkt kontinuierlich fort in Form von Quantenphänomenen, die die Materie produzieren. Am Anfang war also – um den Ausspruch des Evangelisten Johannes zu "aktualisieren" – "der Geist". Man könnte auch sagen: "die Information", da geistige Prozesse eine Verarbeitung von Informationen darstellen.

Die Versöhnung von Naturwissenschaft und Religion

Unser Sonnensystem/PixabayDie Deisten unter den modernen Naturwissenschaftlern haben sich also Gott  zu eigen gemacht und mit ihrem "modernen Gottesbild"  eine Versöhnung mit dem religiösen Glauben ermöglicht, nachdem sich beide "Lager", die Naturwissenschaft auf der einen Seite, die Gemeinschaft der Gläubigen auf der anderen Seite, über Jahrhunderte erbittert bekämpft hatten. In diesem Zusammenhang wird deshalb auch argumentiert, dass Wissenschaft und Religion eigentlich keine Gegensätze seien, sondern nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit aufzeigen würden. Naturwissenschaft und Religion müssten - so die Forderung  -  komplementär zueinander sein, also sich sinnvoll ergänzen.

Die Folgen der "Entpersonalisierung" Gottes

Verzweiflung/PixabayBei aller Freude über das Ende der Feindschaft zwischen Naturwissenschaft und Religion sollte meines Erachtens nicht übersehen werden, dass die Wissenschaft Indizien dafür, dass Gott wirklich existiert, nur dadurch liefern und sich damit der Religion annähern kann, dass sie Gott gleichsam "entpersonalisiert"  und zu einer abstrakten Größe macht. Der Gott, der abstrahierend mit einem schöpferischen Geist gleichgesetzt wird, kann  jedoch nicht die Funktionen erfüllen, die dem  "traditionellen vermenschlichten Gott" zukamen, nämlich als "Tröster in der Not" zu dienen.

Die "Beweisnot" der Naturwissenschaft

Gott und Mensch/PixabayEs stellt sich meiner Meinung nach auch das Problem, dass die Wissenschaft nicht beweisen kann, dass ein "personalisierter Gott" nicht existiert. Auch wenn die Wissenschaft es für plausibel hält, dass man sich Gott als rein geistige Größe vorstellen sollte, kann sie es mit anderen Worten nicht ausschließen, dass Gott auch in anderer Form existiert. Folglich kann der Vorwurf, dass die Religion nicht beweisen kann, dass es einen Gott "mit menschlichen Zügen" gibt, in umgekehrter Form auch der Naturwissenschaft gemacht werden. Wer kategorisch ausschließt, dass ein personalisierter Gott existiert, argumentiert  zudem nicht wissenschaftlich, sondern dogmatisch.

 

Die mögliche Vereinbarkeit beider Gottesbilder

Integration/PixabayGerade die Quantenwelt hat die Forscher mit Phänomenen konfrontiert, die sie bis dahin für unvorstellbar hielten und die sie an ein "Wirken Gottes" denken ließen. Von besonderer Bedeutung erscheint in diesem Zusammenhang der Dualismus von Welle und Teilchen, also der Umstand, dass in der Quantenwelt ein und dasselbe Objekt als Teilchen erscheinen und an einem definierten Ort lokalisierbar sein kann, aber auch als Welle in Erscheinung treten kann, die sich in Raum und Zeit ausbreitet. In diesem Zusammenhang wird inzwischen die Auffassung vertreten, dass der Dualismus kleinster Teilchen nicht auf die subatomare Welt beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig ist. Hier liegt die Vorstellung nahe, dass sich das Wirken Gottes sowohl in bestimmten, konkret erfahrbaren Ereignissen als auch in der Ausbreitung eines rein geistigen Kraftfeldes manifestieren kann. Das anthropomorphe Gottesbild erscheint so vereinbar mit dem Gottesbild der Quantenmechanik.

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Alle Bilder: Pixabay.com

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