Nerds Simon Pegg und Nick Frost auf der Flucht

Cover "Paul - Ein Alien auf der Flucht"Für die Vorzeige-Nerds Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Nachdem die beiden Briten die weltgrößte Comicmesse in San Diego besucht haben, mieten sie ein Wohnmobil, mit dem sie zur "Area 51" sowie nach Roswell fahren möchten. Dazu kommt es jedoch nicht, da ihnen plötzlich ein waschechter Alien (Seth Rogen) über den Weg läuft. Nach dem ersten Schock – Clive pisst sich die Hose voll und fällt in Ohnmacht – freunden sich die Nerds mit dem freundlichen Alien an und wollen ihm bei seiner Flucht vor Regierungsbeamten helfen.

Denn Paul befindet sich seit dem Absturz seines Raumschiffs in Roswell 1947 in Gefangenschaft der Regierung, ist aber an diesem Morgen aus jenem Militärstützpunkt, wo man ihm 60 Jahre lang sein gesamtes Wissen abgeluchst hat, ausgebüchst. Als wäre dem nicht genug, bürden sie sich auch noch die hübsche Ruth (Kristen Wiig) auf, die von ihrem erzkatholischen Vater wie eine Sklavin gehalten wurde und in Paul einen Abgesandten Satans vermutet.

Dabei erweist sich der Alien als äußerst freundliches und hilfsbereites Wesen – außer zu Vögeln, die es leidenschaftlich gern verschlingt …

Deutscher Trailer "Paul - Ein Alien auf der Flucht"

Meisterwerk wie "Shaun of the Dead" oder "Hot Fuzz"?

Unvollendete "Blood and Ice Cream Trilogy",

Die Idee, Nerds plötzlich entdecken zu lassen, dass all der angebliche "Unfug", an den sie glauben, tatsächlich existiert, ist nicht neu. Als Paradebeispiel hierfür kann die Science-Fiction-Komödie "Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall" gelten. Mit "Paul – Ein Alien auf der Flucht" schlagen die britischen Komiker Simon Pegg und Nick Frost in dieselbe Kerbe. Zwei englische Comics- und Science-Fiction-Nerds werden auf dem Weg nach Roswell von einem echten Alien um Fluchthilfe gebeten.

 

Da ist Ärger in Form von Regierungsbeamten natürlich vorprogrammiert. Dazu gesellen sich noch zwei feindlich gesinnte Rednecks, dümmliche Sheriffs und ein religiöser Spinner, dessen hübsche Tochter mit den Brit-Nerds durchbrennt. Kurzum: Jede Menge Stoff für Verwicklungen, Parodien und Anspielungen!

 

Meisterwerk "Hot Fuzz"Eine Warnung vorweg: Dieser Film zählt nicht zur so genannten "Blood and Ice Cream Trilogy", die mit "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" erst zu zwei Dritteln vollständig ist. In ironischer Anspielung auf Krzysztof Kieślowskis Drei-Farben-Trilogie soll eine Filmtrilogie entstehen, deren Leitmotiv neben massenhaftem Blut Cornetto-Eis darstellt. Dagegen spricht bereits die Besetzung des Regiestuhls mit Greg Mottola anstatt von Pegg-Frost-Kumpel Edgar Wright. Mottola wurde mit der Karachokomödie "Superbad" bekannt und lässt das Alien bequemerweise gleich von Seth Rogen, dem Hauptdarsteller seines bislang bekanntesten Filmes, synchronisieren.

 

"Star Wars"-Parodien zu Hauf …

An parodistischem Material und allerlei Anspielungen auf popkulturelle Institutionen mangelt es "Paul – Ein Alien auf der Flucht" von Beginn weg nicht. Wer auch nur marginales Interesse an Science Fiction und paranormalen Themen besitzt, wird von einem "Aha-Erlebnis zum nächsten geleitet. "Star Wars"-Kostüme, Lichtschwerter, "E.T.", "Unheimliche Begegnung der Dritten Art", "Men In Black" – hier wird alles serviert, was das Fan-Herz begehrt! In einer typischen Ami-Bar intoniert eine Band sogar jenes Instrumentalstück, das in "Star Wars" die Begegnung von Luke Skywalker und Han Solo in einer Bar auf Tatooine begleitet. Inklusive Schlägerei, wie es sich offenbar für den US-Süden gehört.

 

Die größte Stärke des Films aus Sicht von Nicht-Nerds dürfte der außerirdische Hauptdarsteller sein. Paul ist kein nervtötend kitschiges "E.T."-Alien, sondern ein im Grunde ganz normaler Typ, der gerne säuft und raucht – mitunter auch Pot -, dreckige Witze reißt, an seinem Gemächt herumspielt und einen Hang zur Selbstinszenierung zeigt. Irgendwelche tiefschürfenden Heilsbotschaften hat er nicht mitgebracht. Genauso wenig wie eine Erklärung dafür, was er vor über 60 Jahren auf der Erde gesucht hat.

 

… ebenso wie altbekannte Klischees

Cover "Shaun of the Dead"Trotzdem ist Paul der einzige halbwegs ausgefeilte Charakter des Films, was eines der größten Probleme des Streifens darstellt. Anders als in "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" verleihen Pegg und Frost ihren eigenen Charakteren viel zu wenig Tiefe. Vielleicht lag es sogar in der Absicht der beiden Comedy-Stars, klischeehafte Protagonisten sowie Handlungen ähnlicher Science-Fiction-Ergüsse aufs Korn zu nehmen. Angesichts ihrer genialen Vorgängerwerke sticht dieser Umstand aber unangenehm ins Auge.

 

Tatsächlich hangelt sich "Paul – Ein Alien auf der Flucht" sehr zäh durch eine viel zu lange und unnötig verschachtelte Handlung, die über weite Strecken hinweg vorhersehbar ist. Nach dem flotten und witzigen Einstieg verliert der Film ausgerechnet mit dem Auftauchen des Alien deutlich an Schwung. Die Präsenz des Außerirdischen wird rasch akzeptiert und führt kaum zu Komplikationen. Seltsamerweise hält sich die Freude der beiden britischen Touristen über ihren neuen Mitreisenden in Grenzen.

 

Richtiggehend übel erwischt es die anderen Filmfiguren, die schlichtweg wandelnde Klischees sind. Angefangen von den tumben Rednecks über den harten Regierungsagenten bis hin zur unterdrückten Tochter eines erzkonservativen Spinners, die dank Paul in Windeseile zur Realität findet, Pot raucht, Männern an die Wasche geht und einen Hang zum ständigen Fluchen entwickelt. In einer winzigen Nebenrolle tritt übrigens eine in Science-Fiction-Kreisen zu Recht höchst verehrte Schauspielerin auf, deren Performance leider viel zu kurz ausfällt und abrupt endet. Ganz abgesehen davon, dass die Chance verpasst wurde, ihre berühmteste Rolle ironisch einzuflechten.

"Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" bleiben unerreicht

Ist "Paul – Ein Alien auf der Flucht" auf der ganzen Linie eine Enttäuschung? Gemessen am enorm hohen Standard von Simon Pegg und Nick Frost durchaus. "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" haben die Latte für ihre Filme nahezu unerreichbar hoch gelegt. Weder der Plot selbst, noch die Witze (von denen viele darauf abzielen, dass die Protagonisten für ein schwules Pärchen auf Hochzeitsreise gehalten werden, was nach der x-ten Wiederholung nervt) spiegeln den Glanz der Vorgängerfilme wider.

 

Für Zuschauer, die "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" noch nie gesehen haben, bietet "Paul – Ein Alien auf der Flucht" annehmbare Unterhaltung für Zwischendurch. Kann man anschauen, tut nicht weh, hinterlässt andererseits aber auch keinen nachhaltigen Eindruck. Ganz im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen der "Blood and Ice Cream Trilogy", die man wieder und immer wieder mit anhaltendem Vergnügen angucken kann.

 

Fazit: Netter Versuch, das Science-Fiction-Genre liebevoll zu karikieren. Letzten Endes erweisen sich Plot und Gags als zu schwammig, um sich im Gedächtnis des Zuschauers festzukrallen.

Aufgerundete Eckdaten

Originaltitel: "Paul"

Regie: Greg Mottola

Produktionsland und -jahr: USA, GB, F, E, 2011

Filmlänge: ca. 104 Minuten

Verleih: Universal

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Deutscher Filmstart: 14.4.2011

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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