Gesundheit beginnt im Darm

Dass die Gesundheit im Darm beginnt, wird von den Medizinern längst anerkannt. Rund acht Meter lang ist der menschliche Darm lang, ingesamt umfasst er eine Fläche von 500 Quadratmetern. Das hat seinen Grund: Um der Nahrung alle wichtigen Stoffe zu entziehen, benötigt der Darm eine große Oberfläche. Diese ist überdies von Mikroorganismen besiedelt. Sie bilden die sogenannte Darmflora, die die Verdauung ebenfalls unterstützt.

Ist in diesem System etwas nicht in Ordnung, fühlt sich der Mensch unwohl und abgeschlagen. Blähungen oder Verstopfungen sind oftmals deutliche Anzeichen einer gestörten Darmflora. Doch nicht nur das: Inzwischen sieht die Forschung ein Ungleichgewicht im Darm sogar als mögliche Ursache für Allergien, Hauterkrankungen, Rheuma, Herzprobleme und sogar Depressionen an.

Darmsanierungen sind bislang aufwendig und häufig nicht oder nicht nachhaltig wirksam. Forschungsergebnisse zeigen beispielsweise, dass die Wirkung von speziellen Joghurts sofort verpufft, wenn keine weitern mehr gegessen werden.

Als Lösung scheint nun die Stuhltransplantation geeignet, um Patienten schnell und effektiv zu helfen.

Was ist eine Fäkaltherapie?

Wer zum ersten Mal den Begriff Stuhltransplantation hört, schüttelt meist den Kopf. Bisher war nämlich das Absurdeste, was mit dem Begriff Transplantation verbunden wurde, die Haare von Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. Ansonsten ging es immer um etwas Ernsthaftes: Transplantiert wurden Herzen, Lungen oder auch Haut.

Und jetzt also – naja: Kacke.

Denn eigentlich nennen die Mediziner die Prozedur ja nicht Stuhltransplantation, sondern Fäkaltherapie. Oder, um keinen zu erschrecken: Bakterientransfer.

Logischerweise wird die Stuhlspende aufbereitet: Sie wird gründlich untersucht, damit sich keine unerwünschten Keime darin befinden. Danach wird die Spende in einer Kochsalzlösung für die Übergabe aufbereitet.

Wie funktioniert die Stuhltransplantation?

Das ist jetzt wirklich nichts für zarte Gemüter. Stuhltransplantation klingt nicht nur eklig - sie kann es irgendwie auch sein. Dabei gibt es aktuell zwei Methoden, wie die Spende in den Darm des Empfängers gelangt. Die eine erscheint die etwas deftigere, die andere die etwas harmlosere zu sein.

In beiden Fällen wird der Stuhl des gesunden Spenders stark verdünnt. Diese Lösung - das ist der medizinische Begriff für eine solche Brühe – wird dem Empfänger dann über eine Sonde gespendet.

Etwas unschön die Vorstellung, dass diese Sonde delikaterweise durch die Nase führt.

Ebenfalls möglich ist es, den Stuhl rektal zu implantieren. Wie bei einer Darmspiegelung wird die Lösung über ein Koloskop in den Darm eingebracht.

Das klingt besser und erscheint zumindest dem medizinischen Laien auch deutlich sinnvoller. Schließlich gelangen auf diese Weise die erwünschten Darmkeime direkt dahin, wo die Darmflora wieder aufgebaut und mit den "richtigen" Keimen besiedelt werden soll..

Für wen kommt eine Stuhltransplantation in Frage?

Eigentlich können alle Menschen, deren Darmflora geschädigt ist, von einer Stuhltransplantation profitieren. Meist entsteht das Problem durch eine chronische Erkrankung oder durch eine Antibiotika-Gabe: Das Medikament killt nicht nur die "bösen" Keime, sondern zerstört auch die Bakterien, die den Darm sinnvollerweise besiedeln.

Haben sich unerwünschte Bakterien breit gemacht, schlägt ein Antibiotikum zu ihrer bekämpfung oft nciht mehr an: Es haben sich Resistenzen gebildet. Häufig ist das beispielsweise beim Darmbakterium Clostridium difficile der Fall, das kaum in den Griff zu bekommenden Durchfälle auslöst und im schlimmsten Fall tödlich ist. Bekämpfen kann man es zwar durch Antibiotika, aber erfahrungsgemäß gesundet durch diese Therapie nur ein Drittel der Patienten.

Wie schlägt eine Stuhltherapie an?

Anders sieht das mit einer Stuhlstransplantation aus. Die Erfolgsquote liegt deutlich höher als bei der Behandlung mit Antibiotika. Das haben niederländische Forscher in einer Studie herausgefunden: Ein Teil der Patienten wurde mit herkömmlichen Antibiotika behandelt, der andere erhielt eine Stuhltransplantation.

Der Unterschied war gravierend. Nur bei drei von 14 Patienten half die Antibiotika-Therapie. Die Behandlung mit der Fäkaltherapie schlug lediglich in einem Fall nicht an. Diese außerordentlichen Erfolge belegen auch weitere Studien: Forscher können belegen, dass eine Stuhltransplantation für 90 Prozent der Patienten Heilung bringt.

Immerhin lohnt sich der Aufwand also: Wer sich mittels einer Stuhltransplantation behandeln lässt, fährt damit meisten sehr gut.

Würden Sie eine Stuhltransplantation

Wie geht es weiter?

Da nicht nur den Leser hier ein leichtes Ekelgefühl beschleicht und ihn zu einem leichten Kopfschütteln veranlasst, sind die Wissenschaftler gefordert: Sie möchten die Fäkaltherapie so modifizieren, dass sie ohne Hemmschwelle angenommen wird.

Derzeit gibt es die Idee, die eine Spendenbank aufzubauen. Dort sollen anonyme Spenden gesammelt werden. Durch diesen emotionalen Abstand soll es für die Empfänger leichter werden, eine Stuhltransplantation als Therapie in Erwägung zu ziehen.

Noch "sauberer" wäre natürlich die Lösung, die entsprechenden Darmbakterien als Pille anzubieten. Auch daran arbeitet die Forschung. Ob die Bakterienstämme dann als orale Gabe an Ort und Stelle gebracht werden, steht noch nicht fest. Möglicherweise genügt es aber nicht, sie wie ein Zäpfchen in den Enddarm einzuführen. Auch hier könnte es vonnöten sein, sie ähnlich wie bei einem Einlauf zu platzieren.

Woher stammt die Idee zur Stuhltransplantation?

Man darf die Stuhltransplantation getrost zu den Rosskuren rechnen. In der Zeit, als es noch keine großen Medikamentenkoffer für die Tierärzte gab, mussten sich die Menschen mit cleveren Ideen behelfen. Eine davon war die Behandlung von Darmkoliken mit Brühe. Für die sogenannte Transfaunierung mischten die Rossdoktoren eine Brühe aus Pferdeäpfeln gesunder Tiere an und flößten diese dem Patienten ein.

Warum fressen Tiere Kot?

Es gibt etliche Tiere, die Kot sogar fressen. Das kann wahlweise der eigene oder auch fremder sein. Geschnuppert wird am Haufen häufig auch: Kot enthält jede Menge Duftstoffe und somit Infos für die Artgenossen.

Kaninchen müssen ihre eigenen Kot fressen – aber nur den Blinddarmkot. Er ist kleiner und glänzender als der normale Kot.

Er braucht einen zweiten Durchgang durch den Körper, weil er wichtige Vitamine, Eiweiße und Fette enthält. Diese wurden durch Bakterien im Blinddarm des Kaninchens herausgefiltert. Allerdings kann nur der Dünndarm diese Nährstoffe ins Blut schleusen - und der liegt vor dem Blinddarm. Der Kot braucht also eine zweite Passage, damit das Kaninchen die lebenswichtigen Stoffe aufnehmen kann.

Bei Hunden, die Kot fressen, kann diese Unart auf eine Mangelernährung hindeuten. Selbst teure Futtermittel decken den Bedarf nicht immer richtig. Als Lösung wird vielfach das Barfen (Fütterung mit rohem Fleisch) vorgeschlagen.

Myrtis, am 04.11.2013
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