Beginnen wir mit einem netten Beispiel: der sogenannten Spechtschmiede oder auch Nussknacken à Picidae.

Ob Haselnuss oder Walnuss, unter der Schale verbirgt sich stets ein nahrhafter Kern. Aber wie kommt ein Specht da ran?

Spechte kennen eine vollkommene Technik, um an den schmackhaften Kern zu kommen: Sie schmieden. Zumindest nennen die Vogelkundler diese Tätigkeit so.

Spechtschmiede

Mit freundlicher Überlassung: Foto Grünspecht: NABU Grünspecht 2014
Foto: NABU/P. Kühn; Vogel des Jahres 2014

Spezialität der Spechte: die Spechtschmiede

Herr/Frau Specht pflückt sich eine Nuss und fliegt damit zu einem geeigneten Baum. Dort klemmt er die Nuss entweder in einen Rindenspalt, einen Holzspalt, eine passende Astgabel und klopft solange auf die Nuss, bis die Schale zerspringt. Zuweilen bauen Buntspechte sogar richtige Werkbänke: Sie hacken mit ihrem Schnabel in Stämme oder waagerechte Äste Höhlungen, also Mulden, in die sie die Nüsse hineinlegen können. Und dann geht's los.

Als Spechtschmiede wird dabei der Baum bezeichnet, wo ein Specht sich in einer passenden Astgabel quasi Amboss und Hammer bereitstellt, um seine Nüsse auch zu knacken.

Auch mit Zapfen verfahren die Spechte ähnlich. Die Zapfen werden bravourös eingeklemmt, die nahrhaften Samen herausgepickt und abschließend wird der leere Zapfen herausgeworfen. Bei besonders oft genützten Schmieden hat man schon bis zu 3.000 Kiefern- oder über 1.400 Fichtenzapfen am Boden gefunden.

 

Tannenhäher am Zwetschkenbaum

In unserem Garten gaben sich hintereinander Dreizehenspecht und Tannenhäher die Ehre. Haselnüsse und Walnüsse standen auf dem Menuplan.
Wie verdutzt waren wir wochenlang, als wir unter dem Zwetschkenbaum ganze Häufchen leerer Nuss-Schalen fanden. Bis wir eines Tages den, bzw. die Verursacher entdeckten.

Beide Vogelarten benützten den Zwetschkenbaum mit passender Astgabel gemeinsam als Schmiede.

Der Specht verleibte sich die schmackhaften Kerne in den Magen ein; der Tannenhäher befreite nur die Haselnüsse von den kleinen Becherhüllen und flog dann mit vollen Backentaschen in Richtung Wald, um sie als Vorrat zu verstecken.

Vom Specht die Zunge zeigen lassen.

Nicht nur kleine Kinder können einem die lange Zunge zeigen. Das geht auch bei Herrn und Frau Specht.

Die Spechtzunge ist weit ausfahrbar. Sie sitzt in einem muskulösen Schlauch, der - sage und schreibe - vom Oberschnabel bis über den Kopf zum Gaumengrund reicht. Wie eine Schleife. Zack, schnellt sie heraus und fischt sich mit der behakten Spitze die fettesten Maden aus der Rinde. 

Wie mahnte schon Heinz Erhard in seinem köstlichen Gedicht:

  • Hinter eines Baumes Rinde
    wohnt die Made mit dem Kinde ...
  • ...
    Geh nicht aus, denk an Papa!
    Also sprach sie und entwich.
    Made junior aber schlich
    hinterdrein - und
    das war schlecht!
    Denn schon kam ein bunter Specht
    und verschlang die kleine fade
    Made ohne Gnade. - Schade....

Mit Harz die Wohnung sicher machen

Dass sich Spechte ihre Wohnung, also die Spechthöhle selber zimmern, ist bekannt. Dass sie diese Wohnung aber sogar speziell versiegeln, weniger.

Der in den USA vorkommende Kokardenspecht Picoides borealis meißelt seine Höhle in eine noch lebende Kiefer. Das Harz, das der verletzte Baum am Höhleneingang fließen lässt, dient dem Specht als Schutzbarriere gegen Erdnattern.

Einige unserer heimischen Spechte wiederum hämmernt rund um den Stamm kleine Löcher, man nennt das Ringeln, damit ebenso Harz fließt. siehe Dreizehenspecht - Das Harz wird

a) als vitaminreiche Nahrung von den Spechten aufgeleckt und

b) lockt wiederum Harzliebende Insekten an, die dann ebenfalls freudigst im Schnabel verschwinden.

Spechthöhle

Spechthöhle

Wohnung oder letzte Ruhestätte?

Die Spechthöhle dient ja eigentlich dem Brutgeschehen. Aber Spechte sind bequeme Mieter. Sie ziehen es vor auch noch als Großeltern geruhsam in ihrer Höhle zu schlafen. Manches Mal auch ihren letzten Schlaf.
Alte Spechte, sie können bis zu 8 Jahre alt werden, sterben in ihrer Höhle einfach den Alterstod.

Wie potentielle Nachmieter mit ihnen verfahren? Das weiß ich nicht.

Allerdings ist man in der Natur oft nicht gerade zimperlich. Rausschmeißen, einfach das alte Gerümpel, die morschen Überreste, so wie altes Moos oder Heu, beim Spechteingang rauswerfen, ist sicher kein allzu großes Problem.

Grote bonte Specht (Great Spotted Woodpecker) 001305 (Bild: bzd1 / Flickr)

Specht am Haus - ein Graus

"Ich habe einen Specht am Haus! Wie werde ich ihn wieder los?" Was wie ein kurioser Scherz anmutet, liegt an den modernen Dämmungen an Hausfassaden.

Wer in Waldnähe wohnt und sein Haus schön dick mit Styropor als Hausfassade einpackt, kann ein Spechtwunder erleben.

Ist Rauputz darüber, hakt Herr Specht sich ein und klopft mal prüfend auf das Mauerwerk.
"Ah! Klingt wunderbar hohl. Ist wohl madiges Holz darunter!", denkt der Specht. . Für Spechte klingt dies wie sogenanntes Faulholz und hast du dich nicht versehen, macht er ein ordentliches Loch in die Fassade.

Ganze Beraterseiten widmen sich diesem Thema: "Wie werde ich den Specht wieder los." Spechtabwehrsysteme werden angeboten etc. Viel Vergnügen, kann man da nur wünschen.

Dennoch - Spechte brauchen unsere Hilfe. Entweder wir holzen weniger alte Bäume ab, dann belästigen sie nicht unsere Gärten oder gar Häuser, oder wir stellen ihnen fertige Kästen als Hilfe hin.

Hilfsprojekte - ein Beispiel.

Adele_Sansone, am 02.08.2015
1 Kommentar Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Zirbe und Tannenhäher - Wenn ein Baum einen Vogel hat)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Hast du eine Meise? Von Kohl-, Blau-, Hauben oder Tannenmeisen)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie sehen Tierfamilien aus?)

Laden ...
Fehler!