Kritik am ökonomischen Prinzip

Problematisch erscheint zunächst, dass für die Anwendung des ökonomischen Prinzips entweder die Mittel oder der Ertrag vorgegeben werden müssen. Je nach Zielsetzung kann ökonomisches Handeln somit auf unterschiedlichste Weise erfolgen. Ein Arbeiter, der seine ganze Arbeitskraft auf die Herstellung eines Werkstückes (zum Beispiel eines Tisches) verwendet, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen handelt demnach ebenso nach dem ökonomischen Prinzip, wie ein Arbeiter, der nur die notwendige Zeit investiert, um einen Tischer herzustellen. In der Praxis würden vermutlich beide Arbeiter scheitern. Ersterer wäre vermutlich nach kürzester Zeit ausgebrannt, während die Ergebnisse des Letzteren wahrscheinlich nicht den Qualitätsanforderungen der Kunden entsprechen werden. Unternehmen werden daher eher versuchen, ein optimales Verhältnis zwischen eingesetzter Arbeitszeit und bestmöglicher Qualität zu erreichen (Extremumprinzip). Dennoch sagt das ökonomische Prinzip nichts über die Ziele einzelner Unternehmen aus, sondern beschreibt lediglich die Art, wie diese erreicht werden sollen.

Ökonomisches Prinzip und Vergleichbarkeit von Produktionsfaktoren

Ein weiteres Problem des ökonomischen Prinzips stellt die Vergleichbarkeit der eingesetzten Produktionsfaktoren dar. Um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, können diese auf viele verschiedene Arten miteinander kombiniert werden. Da eine möglichst kostengünstige Faktorkombination angestrebt wird, müssen sowohl die einzelnen Produktionsfaktoren als auch die hergestellten Güter zunächst in Preisen bewertet werden. Erst dann ist es möglich, ein optimales Einsatzverhältnis zu erkennen.

Praktische Beispiele von Minimalprinzip und Maximalprinzip

Das ökonomische Prinzip kann uns in allen Lebensbereichen begegnen. Dies sei anhand einiger Beispiele verdeutlicht:

  • Beruf – Ein Stapel Rechnungen kann innerhalb der dafür notwendigen Zeit abgearbeitet werden (zum Beispiel eine Woche). Es kann aber auch festgelegt werden, wie viele Rechnungen pro Woche bearbeitet werden sollen. Die dafür eingesetzte Zeit können die Angestellten sich dann selbst einteilen
  • Studium – Studierende können den ganzen Tag lernen, um einen bestmöglichen Abschluss zu bekomme. Sie können aber auch versuchen, das Studium mit einer knappen vier zu bestehen und lediglich die dafür notwendige Zeit einsetzen
  • Liebe – Ein Mann kann versuchen, seine Traumfrau unter Einsatz all seines Charmes und all seiner Kreativität für sich zu gewinnen. Er kann aber auch nur das nötigste tun, um irgendeine Frau abzukriegen, die für ihn den Haushalt macht.

In der Praxis wird keines der genannten Beispiele in seinen Extremen zu finden sein. Dies liegt zum einen daran, dass Menschen neben arbeiten und lernen auch essen, trinken und schlafen müssen. Zum anderen an daran, dass zum Beispiel der Student nicht wissen kann, mit welchem Arbeitsaufwand er mit einer knappen vier bestehen wird. Dazu müsste er die Klausurfragen kennen und sich ausrechnen, wie viele Punkte er für das angestrebte Ergebnis benötigt. Anschließend müsste er genau so viel Zeit investieren, um die dazu erforderlichen Fragen beantworten zu können. Da Studenten die Klausurfragen, in der Regel, nicht kennen, können sie nicht wissen, ob sie nun zum Bestehen noch eine Stunde lernen müssen oder ob sie bereits so viel gelernt haben, dass sie eine 3,9 erreichen werden.

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