Oldenswort, dänisch Oldensvort genannt, ist eine Gemeinde in der Landschaft Eiderstedt im schleswig-holsteinischen Landkreis Nordfriesland. Der Ort liegt in einem sehr ebenen und von der Landwirtschaft geprägten Marschgebiet. Schon aus der Ferne ist die typische Silhouette des Ortes mit dem Kirchturm von St. Pankratius zu erkennen.

In und um Oldenswort schützen Deiche und Warften die Bauten vor Sturmfluten. Und es stehen noch einige Haubarge in und um den Ort. Haubarge sind große Bauernhäuser auf fas quadratischen Grundriss mit einem sehr hohen Reetdach. Diese sind typische Bauernhöfe auf der Halbinsel Eiderstedt.

Sehenswertes

Mitten im Ortskern von Oldenswort steht an einem schönen Platz die beeindruckende Backsteinkirche St. Pankratius aus dem 13. Jahrhundert. Wegen ihrer Größe wird sie auch "Dom von Eiderstedt" oder "Bauerndom" genannt. Die Ausstattung mit einer Kassettendecke und einem Gemäldeflügelaltar stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Doch der historische Glanz trügt. An der Kirche ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Es gibt dringenden Sanierungsbedarf. Denn ihr Fundament trägt nicht mehr lange. Es werden dringend Spenden benötigt.

St. Pankratius (Bild: Harald Rossa)

Im Treffpunkt Oldenswort, ein 1610 im Stile niederländischer Renaissance erbautes Haus, sind Ausstellungen über den in Oldenswort geborenen Begründer der deutschen Soziologie und Kieler Hochschullehrer Ferdinand Tönnies (1855-1936), die Schriftstellerin und Dichterin Thusnelda Kühl (1872-1935) und den Maler, Bildhauer und Heimatforscher Carsten Wilhelm Kühl (1887-1964) zu sehen.

Bei Oldenswort steht Eiderstedts einziges Herrenhaus. Haus Hoyerswort ist ein zweiflügeliger Renaissancebau mit einem Treppenturm. Das ganze Anwesen mit dem Herrenhaus und einem Haubarg ist von einem doppelten Wassergraben umgeben. Es entstand im 16. Jahrhundert für den königlich dänischen Statthalter Caspar Hoyer. 1713 nahm hier der dänische König Friedrich IV. die Kapitulation der von schwedischen Truppen verteidigten Festung Tönning entgegen. Damit war der Große Nordische Krieg zu Gunsten der dänischen Herrscher entschieden. Heute ist Hoyerswort Museum, Café und Keramikwerkstatt. Außerdem werden hier Apfelweine gekeltert.

 

Herrenhaus Hoyerswort (Bild: Harald Rossa)

Im südlich an Hoyerswort angrenzenden Park gibt es einen Skulpturenpark. Den Eingang markiert die Skulptur des Seelöwen "Schwimmba".

Seelöwe °Schwimmba" (Bild: Harald Rossa)

Seit 1990 erinnert im Ort ein Bronzedenkmal an Ferdinand Tönnies. Der Begründer der deutschen Soziologie wuchs auf dem nicht mehr vorhandenen Haubarg "De Riep" in Oldenswort auf.

Etwas außerhalb des Dorfes steht die Windmühle Catharina. Sie wurde 1786 erbaut und ist eine Bergholländermühle. Sie steht unter Denkmalschutz und war bis in die 1970er Jahre in Betrieb. Dann wurde sie restauriert und als Ferienhaus genutzt. Im Oktober 2017 wurden durch das Sturmtief Herwart Dach und Flügel abgerissen. Und so stand bis Mitte Juni 2018 nur das Fragment einer Windmühle in der Landschaft. Inzwischen haben Zimmerleute einen neuen Mühlenkopf nach historischen Vorbild geschaffen und de im Juni 2018 wieder der Mühle aufgesetzt.

Mühle Catharina mit dem neuen Mühlenkopf (Bild: Harald Rossa)

Nicht weit von Hoyerswort entfernt erhebt sich die Tofting-Warft. Warften oder Wurten sind von Menschen zum Schutz vor Sturmfluten geschaffene Erdhügel in der Marsch. Die Warft Tofting entstand ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. an der damaligen Mündung der Eider bevor an der Nordsee Deiche angelegt wurden. Im Laufe der Zeit wurde der Siedlungshügel vergrößert und erhöht. Heute ist die markante, inzwischen nicht mehr besiedelte, Erhebung in der Marsch als archäologisches Kulturdenkmal geschützt.

Zur Geschichte von Oldenswort

Im Gemeindegebiet gab es archäologische Funde aus der Zeit um Christi Geburt. Umfangreichere Siedlungen entstanden erst etwa 1000 Jahre später. 1205 wurde der Ort erstmals erwähnt. 1252 wollte König Abel von Dänemark höhere Abgaben bei den Eiderstedtern eintreiben. Es kam am 29. Juni 1252 zur Schlacht von Oldenswort. In deren Verlauf fiel Abel. In der Zweiten Marcellusflut, vermutlich um den 15. Januar 1362, kam es in Oldenswort zu erheblichen Schäden. 1415 und 1416 verwüsteten Heere der Dithmarscher den Ort. Im Dreißigjährigen Krieg wüteten kaiserliche Truppen auch in Oldenswort. Im Verlauf der Nordischen Kriege wurde 1713 die Nachbarstadt Tönning belagert, was für Oldenswort nicht folgenlos blieb. In diesem Jahr nahm der dänische König Friedrich IV. in Hoyerswort die Kapitulation der von schwedischen Truppen verteidigten Festung Tönning entgegen. Damit war der Große Nordische Krieg zu Gunsten der dänischen Herrscher entschieden. 1815 verloren viele Einwohner ihr Vermögen durch den dänischen Staatsbankrott. In dessen Folge wurde das Gemeindegebiet um fast die Hälfte verkleinert.

Lage und Anfahrt

Oldenswort liegt etwa 6 Kilometer nördlich von Tönning und 17 Kilometer südlich von Husum. Am Ort führen die Bundesstraße 5 und die Bahnlinie von Bad St. Peter-Ording nach Husum vorbei. Der Haltepunkt Harblek (Oldenswort) der Regionalbahn RB64 hält hier bei Bedarf.

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