Warum ist das Leben so ungerecht?

Passivität kann krankhaft senDas ist die Frage, um die sich bei diesen Menschen alles dreht. Sie fühlen sich vom Leben benachteiligt und ungerecht behandelt. Nicht selten ziehen sie sich in eine Art Schneckenhaus zurück und merken es in vielen Fällen selbst nicht. Sie kapseln sich ab, vernachlässigen Freunde und Familie und sind in der Öffentlichkeit einfach nicht mehr präsent. Oftmals ist es auch so, dass für dieses Zurückziehen fadenscheinige Gründe vorgeschoben werden, die näher betrachtet eigentlich nicht der Rede wert sind. Beliebte Begründungen sind beispielsweise:

  • Nach der Arbeit habe ich keine Zeit mehr für andere Dinge und bin froh, wenn ich mal die Füße hochlegen kann.
  • Es ist doch sowieso nichts los, warum sollte ich dann rausgehen?
  • Ich fühle mich wohl, wenn ich alleine zu Hause bin und brauche keine anderen Menschen um mich herum.

Natürlich gibt es bei jedem Menschen Zeiten, in denen er nur für sich sein möchte, nach der Arbeit total kaputt ist und demzufolge auch wenig Lust auf Unternehmungen hat. Wenn dies jedoch zum Dauerzustand wird, ist dies definitiv nicht gesund und für die umgebenden Menschen sehr belastend.

Schwarz-weiß-Denken

Oftmals ist bei der passiven Art Mensch auch ein fürchterliches Schwarz-weiß-Denken zu finden, das überhaupt keine Schattierungen zulässt: So gibt es im Denken der betreffenden Person nur gute oder schlechte Situationen – wobei die guten nach Ansicht der Betroffenen eher nicht vorhanden sind und nur die schlechten übrig bleiben.

Zwischentöne werden rigoros in eine der beiden Kategorien gepresst – unabhängig davon, ob sie wirklich so gut oder so schlecht waren, wie subjektiv empfunden. Auch diese krassen Bewertungsmaßstäbe machen es Freunden und Familie nicht unbedingt leicht, mit der Person umzugehen.

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Warum sind Menschen passiv?

Diesen Abschnitt möchte ich mit der Bemerkung einleiten, dass ich keine medizinische oder psychologische Fachkraft bin. Sämtliche von mir aufgestellten Thesen entspringen rein aus meinen Erfahrungen mit passiven Menschen aus meinem näheren Umfeld und meinen persönlichen Gedanken, die ich mir darüber gemacht habe. Meines Erachtens nach gibt es vielfältige Gründe, die zu einem passiven Leben führen können, der Knackpunkt scheint jedoch immer eine große Unzufriedenheit mit sich selbst zu sein.

  • Sehr oft scheint mir der Grund für ein wenig aktives Leben das Scheitern einer Beziehung zu sein. Betroffene kommen aus der Situation der Enttäuschung nicht mehr heraus und verpassen einfach den Zeitpunkt, ihr Leben wieder komplett selbst in die Hand zu nehmen.
  • Auch die übergroße Bewunderung für andere Menschen verleidet schnell dazu, dass eigene Sein aus den Augen zu verlieren. Wenn man nur die total erfolgreiche Freundin oder die hoch angesehenen Eltern vor Augen hat, fällt es schwerer, selbst aktiv zu werden. Schließlich hat man eine große Konkurrenz vor Augen, die es "zu übertrumpfen" gilt. Dann ist es doch viel besser, man macht gar nichts – denn kann man wenigstens nicht scheitern.
  • Nicht zu verachten ist auch der Punkt, dass oftmals auch die Erziehung eine große und wichtige Rolle spielt. Wer als Kind zu oft hören musste. "Lass das, Du kannst das nicht!", wird auch als Erwachsener kaum an eigene Fähigkeiten glauben und viele Dinge"lieber einfach nicht tun!".

All diesen Punkten gemeinsam ist es meiner Meinung nach, dass sie schnell in eine Depression übergehen können und daher unbedingt im Keim erstickt werden sollten – wenn nötig, unbedingt mit ärztlicher Hilfe.

So gehen Sie mit Passivität um!

Für Angehörige und Freunde ist es oft sehr schwierig, mit passiven Menschen zu agieren und es können hier auch nur wenige Ideen zum Umgang mit ihnen an die Hand gegeben werden.

1. Wichtig ist es meiner Meinung nach, die betreffende Person immer und immer wieder herauszufordern. Ganz nach dem Motto: "Ich helfe Dir auf die Sprünge!" Fordern Sie zu Reaktionen auf! Das klingt leichter, als es ist, da gewöhnlich die schon oben beschriebenen Ausreden folgen werden.

2. Versuchen Sie herauszufinden, wo die Gründe für die Passivität herrühren und geben Sie Hilfestellung, um diese Gründe aus dem Weg zu räumen. Auch dies ist eine schwierige und oft unmögliche Sache, da die betreffende Person oft gar nicht weiß wo seine Passivität herkommt.

3. So richtig fies ist es, wenn der passive Mensch sich dieses Zustands selbst gar nicht bewusst ist und ihn als normal empfindet. Jemanden da herauszureißen ist schwierig bis unmöglich. Auch hier ist wieder psychologische Hilfe anzuraten.

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Schützen Sie sich selbst!

Haben Sie eine derart passive Person in Ihrem Umfeld und bleibt der Zustand auf lange Zeit so bestehen, kann dies auch zu einer enormen Belastungsprobe für Sie selbst werden. Vermeiden Sie es daher, sich selbst der Person anzupassen. Ein offenes Ohr haben, die Person herauszufordern und zu aktivieren ist die eine Sache – eine andere ist es, sich selbst aufzuopfern. Sie können ein guter Freund sein, aber Sie können nicht das Leben eines anderen Menschen in die richtigen Bahnen lenken. Sie können ein offenes Ohr haben und Hilfestellungen bieten, aber Sie können nicht Tag und Nacht verfügbar sein. Wenn alle Stränge reißen und Sie sich der Situation nicht mehr gewachsen fühlen, dann ist leider oft der einzig richtige Weg, sich zu distanzieren, bevor Sie selbst fallen.

AlphaBeta, am 24.10.2012
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Liebeskummer: Wie kann man jemanden vergessen?)
Kerstin Schuster (Wozu braucht man Freunde?)

Autor seit 4 Jahren
182 Seiten
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