Übergroße Streifen gebacken in Rindertalg waren die ersten Fritten

 

Pommes Pont Neuf sind wohl die ältesten Fritten der Geschichte. Dort in Paris, wo denn sonst, auf der ältesten Brücke über die Seine boten Straßenhändler gebackene Kartoffeln an. Pommes frites wurden also 1789 kurz vor der Französischen Revolution erfunden. Festkochende Kartoffeln wurden geschält, in Streifen geschnitten und in siedendem Rindertalg gebacken. Die Stäbchen sind größer und dicker als die heute bekannten. Weil das Geschäft gut lief, die dicken Pommes aber lange dauerten, wurden die Streifen dünner. Wie Streichhölzer. Sogenannte Pommes paille, Strohkartoffeln, garten schneller. Da Erdäpfel sehr wasserhaltig sind, wurden die vorgegart, um das Geschäft zu beschleunigen. Also blanchiert, bei 140 Grad etwa vorgebacken. Dann bei 160 grad goldgelb und knusprig fertig gegart. Zu meiner Jugend wurden die auch immer noch so hergestellt. Damals waren Pommes frites auch noch eine Delikatesse, und kein überteuerter Dickmacher.

Dicke und dünne Kartoffelstäbchen gebacken in Paris bereits vor 230 Jahren!

Nun behaupten aber auch die Belgier die Erfinder der gestreiften Grumbeere zu sein. Maas-Fischer, die gebackenen Fisch anboten, verkauften im tiefsten Winter frittierte potatos, da der Fluss zugefroren war, und somit Angeln unmöglich. Und dann sollen die auch noch Kartoffeln in fischform geschnitzt haben. Also wer das glaubt, wird selig. Erstens können Belgier gar nicht kochen. Zweitens trinken die viel, und erzählen noch mehr, wenn der Tag lang ist. Drittens, für uns Franzosen (teilweise) sind Belgier das, was für Deutsche ihre Ostfriesen sind. Über die machen wir unsere Witze. Wenn sich ein Franzose dümmlich anstellt, fragt man: "T`es Belge, ou quoi?" Also ne, lassen wir mal die Cuisine schön im Dorf! Erste Fritte gab es auf der alten Brücke in Paris 1789. Point!

Seit den 60ern gibt es Pommes frites im Straßenverkauf.

Nun haben sich Deutsche und Franzosen seit der Revolution ja regelmäßig besucht. Waren zwar nicht immer Freundschaftsbesuche, doch das ein oder andere ist dabei hängen geblieben. In den 50ern gab es in der sogenannten französischen Besatzungszone etliche Restaurantgründungen. Und dort, in der gehobenen Gastronomie wurden Pommes frites als Beilage serviert. Eine Delikatesse, aus frischen Kartoffeln. Im sogenannten Imbissbereich gab es die allerdings noch nicht. Auch war es verpönt, auf der Straße zu essen. 1955 begann der Siegeszug der Wienerwaldkette mit seinen goldbraunen Grillhendl als erschwingliches Alltagsgericht für jedermann. Friedrich Jahn zog von München hinaus in die Welt. 10 Jahre später gab es bereits 180 Filialen. "Heute bleibt die Küche kalt,...". In Köln kopierte ein Imbiss-Besitzer diese Idee. Der ehemalige Major Rolf Rodeck expandierte mit seiner Hähnchenbraterei-Kette RoRo zum Hähnchenkönig von Köln. Immer in direkter Konkurrenz zu Herrn Jahn suchte er diesen zu übertrumpfen. Gab es bis dato Wurst- oder Schaschlik-Buden, so führte er als ERSTER die Pommes frites im Straßenverkauf ein. Und das in den 60er Jahren. Gebackenen, goldgelbe Kartoffelstreifen in einer spitzen Tüte auf die Hand. Und es war ein Reinfall! Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Heute sind die aus den diversen Frittenbuden nicht mehr wegzudenken. Nur damals haben die noch geschmeckt. Kosteten 50 Pfennige und ein Klacks Mayo mit einem Löffel draufgepfeffert noch mal einen Groschen. Und der knusprige Rest unten in der Tüte war einfach himmlisch.    

 

 

 

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