Psychopathen, Soziopathen (Antisoziale)

Die Begriffe Psychopathen, Soziopathen oder Antisoziale oder auch Dissoziale werden in den Medien oft inflationär gebraucht. Es gibt allerdings eine Klassifikation, die diese Begriffe näher bestimmt und somit fassbarer macht. Die WHO hat eine Einteilung erstellt den sogenannten ICD, was bedeutet: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme. Diese Klassifikation wird ständig aktualisiert und liefert für dissoziale bzw. antisoziale Persönlichkeiten folgende Merkmale:

  • fehlendes Mitgefühl gegenüber Mitmenschen (Gefühlskälte), die man als "Normaler" auch wahrnimmt, das heißt zum Beispiel keinerlei Mitleid empfinden
  • allgemeine selbstverständliche Regeln des menschlichen Zusammenlebens gelten für Antisoziale nicht. Hierunter fallen Regeln wie man soll nicht töten, verletzen, stehlen
  • feste Beziehungen fallen Dissozialen, aufgrund mangelnden Mitgefühls schwer
  • Dissoziale sind leicht verärgert und reagieren schnell unangemessen heftig, vor allem mit psychischer und körperlicher Gewalt
  • Schuldgefühle für Fehlverhalten bleibt aus. Schuld sind immer die Anderen. Es besteht eine Unfähigkeit, durch Bestrafung für Fehlverhalten dazuzulernen
  • meistens sind diese Leute gereizt und angespannt

Falls drei dieser sechs Verhaltensweisen zutreffen, kann man von einer dissozialen Persönlichkeitsstörung sprechen.
Ein weiteres diagnostisches Instrument ist das amerikanische DSM: Diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen. Im DSM werden ähnliche Merkmale beschrieben.
Als Ergänzung zu den bereits genannten Merkmalen sind im DSM noch folgende Punkte aufgeführt:

- lügen, betrügen und ein Mangel an planender Vorausschau
- Verantwortungslosigkeit und die Unfähigkeit einer regelmäßigen Tätigkeit nachzugehen

In den erwähnten Handbüchern ICD und DSM ist Psychopathie nicht gesondert aufgeführt.

Allerdings hat der amerikanische Psychologe Robert Hare eine Checkliste von Merkmalen für Psychopathen erarbeitet.
Psychopathen lassen sich wie im Folgenden angeführt beschreiben.
Bildlich gesehen ist der Psychopath so etwas wie der Wolf im Schafspelz. Grundsätzlich sind Psychopathen zu Allem bereit, um dass zu bekommen, was sie wollen. Im Gegensatz zu Antisozialen oder Soziopathen sind sie im Allgemeinen aber keine Mörder. Psychopathen streben nach Macht, Anerkennung, Abwechslung, Bewunderung. Sie suchen nach dem Kick, den Adrenalinstoß, da sie sich schnell langweilen. Ein weiteres Merkmal ist ihr überzogenes, unrealistisches positives Selbstbild von sich. Psychopathen können so überzeugend lügen dass sich, wie der Volksmund so treffend sagt: "die Balken biegen". Sie können einen gewinnenden Charme entwickeln, um andere zu beeinflussen und zu manipulieren, damit sie ihre Ziele zu erreichen. Dabei ist es ihnen völlig egal ob sie andere damit schädigen, ausnutzen oder psychisch, seelisch und körperlich verletzen. Wie Antisoziale können Psychopathen kein Mitleid empfinden und die Gefühle anderer Menschen sind ihnen egal. Um die unstillbare Gier nach Macht, Anerkennung und Bewunderung zu befriedigen, kämpfen sie sich beruflich meist in Führungspositionen hoch, oder sie sind skrupellose Geschäftsleute. Gut angepasste Psychopathen können unauffällig über Jahrzehnte ein für sie "glückliches Leben" in der Gesellschaft führen. Er ist ein geschickter, fast unmerklicher Manipulierer, da er sich oberflächlich gut gesellschaftlichen Konventionen anpassen kann. Das unterscheidet Psychopathen von den Antisozialen. Antisoziale können sich kaum gesellschaftlichen Pegeln anpassen! 

Serienmörder - Killer auf zwei Beinen

Menschen, die aus Lust töten, foltern, verstümmeln werden in den Medien oft als verwirrte geistesgestörte "Bestien" dargestellt. Sicher nicht ganz zu Unrecht. Tatsächlich werden von Profilern (in Deutschland nennt man Profiling operative Fallanalyse!) Differenzierungen bei den Tätertypen gemacht. Man unterscheidet zwischen methodisch planvollen Tätern und planlos (chaotisch) vorgehenden Tätern. Zwischen einen Mix aus beiden Verhaltensweisen wird ebenfalls klassifiziert.
Planvoll und systematisch vorgehende Täter verstecken ihre Opfer und versuchen Spuren zu verwischen. Meistens werden Fremde überfallen, die allerdings vorher ausspioniert werden. Sie haben bestimmte Kriterien für die Auswahl ihrer Opfer. Das kann zum Beispiel Aussehen, Beruf, Lebensstil sein. Oft nehmen sie auch persönliche Gegenstände von ihren Opfern an sich, um ihre kranken Fantasien später noch neu beleben zu können.
Der planlos vorgehenden Serienmörder geht bei seinem Verbrechen ohne nachvollziehbare Logik vor. Sie haben eine eigene Version der Wirklichkeit, die einem Außenstehenden fremd ist. Diese Täter gehen meistens zu Fuß oder benutzen öffentliche Verkehrsmittel. Konkrete Vorstellungen oder ein bestimmtes Interesse an seinen Opfern hat dieser Tätertyp nicht. Er möchte seinen Opfer "die Persönlichkeit rauben", indem er sie schnell ausschaltet und verstümmelt. Planvolles Vorgehen ist für diesen Tätertyp, aufgrund seiner niedrigen Intelligenz auch gar nicht möglich. Nur ihre krankhafte Fantasiewelt scheint Motivation für die Taten dieser (Un)- Menschen zu sein.
Statusbewusstsein scheint eine starke Triebfeder für Serienmörder zu sein. Die Erfolgreichen unter ihnen bringen es tatsächlich, aufgrund des starken Medieninteresses, zu (zweifelhafter) Berühmtheit. Fantasievorstellungen sind der Nährboden von Serienmördern. Meist haben diese Fantasien über Jahre hinweg in ihnen gebrodelt und sind schließlich zum Ausbruch gekommen. Die meisten Serienmörder sind Einzelgänger und haben somit keine Mittäter. Kontrolle und Macht über ihre Opfer spielen bei der Tat eine große Rolle. 
Serienmorde machen ein bis zwei Prozent der entdeckten Morde aus. Entdeckte Morde deshalb, weil es auch bei Mord eine Dunkelziffer gibt. Viele Morde werden gar nicht als solche erkannt. Mediziner, die den Totenschein ausstellen, können unmöglich alle auf mögliche Anzeichen von Mord geschult sein. So kann es durchaus vorkommen, das gezielte Vergiftungen bei der Leichenschau "durchgehen" können. Todesursache ist dann vielleicht normales Herzversagen.
Serienmord ist kein Phänomen der Neuzeit und leider auch ein expandierendes Verbrechen. Nicht nur Serienmord, sondern auch Serienverbrechen im Allgemeinen, zum Beispiel im Bereich Wirtschaft (Betrug, Geldwäsche etc.), nimmt immer mehr zu.
Durch die Abscheulichkeit der Taten stammt wahrscheinlich auch der Mythos vom Werwolf. Da man sich im Mittelalter die Grausamkeit nicht erklären konnte, kam es zum Mythos von grausamen Werwölfen. Dieser Mythos wird bis heute von der Filmindustrie erfolgreich genährt.

Nekrophilie - Lustgewinn an Toten

Die Nekrophilie ist tatsächlich ein sehr seltenes Phänomen. Unter diesem Begriff versteht man die sexuelle Lust an Leichen oder das Lustempfinden beim Zerteilen von Toten. Diese Form der sadistischen Nekrophilie ist aber tatsächlich extrem selten. Im europäischen deutschsprachigen Raum sind in den letzten 50 Jahren zehn Fälle dieser Art bekannt geworden. Natürlich ist auch hier jeder Fall, ein Fall zu viel. Man mag es kaum glauben, aber die meisten Menschen mit nekrophilen Neigungen würden niemals töten! Auch kommt es in der Realität niemals zum Ausleben ihrer Fantasien. Sie sind potenziell harmlos und werden nie zu Straftätern. Ihnen reicht ihre abnorme Fantasie, unter der viele auch leiden. Manche Menschen mit nekrophiler Abweichung besuchen Friedhöfe und Bestattungsunternehmen, die ihren Fantasien Nahrung geben. Einige haben auch beruflich Zugang zu Leichen und finden es "anregend". Es gibt nur wenig wissenschaftliches Material zur Nekrophilie und die Forschung steht noch ganz am Anfang. Für Betroffene, die unter ihren Fantasien leiden, gibt es deshalb kaum professionelle Hilfe und Anlaufstellen.
Umfassend hochgepuscht werden Fälle von sadistischer Nekrophilie nur in den Medien. Öffentlichkeit ist natürlich wichtig, man muss diese abnormen Leute aber nicht unbedingt zu Berühmtheiten machen.

Pädophilie - Kinder als Opfer

In der bereits angesprochenen internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) wird Pädophilie als Störung der Sexualpräferenz angegeben. Pädophile fühlen sich sexuell zu Kindern hingezogen, die noch nicht die Pubertät erreicht haben. Die Neigung zu pubertierenden Jungen und Mädchen zwischen zwölf und sechszehn Jahren wird als Hebephilie bezeichnet. Die Täter haben Fantasien und müssen diese auch in die Tat umsetzen.
Nicht nur Männer können pädophile Neigungen haben, sondern auch Frauen. Die Dunkelziffer bei weiblichen Tätern ist hoch, da diese Fälle seltener angezeigt werden. Teils aus Scham der Betroffenen, als auch aus der Befürchtung das man auf Unglauben stößt. Meist werden die betroffen Jungen, wenn sie sich an eine Person des Vertrauens werden, als "Glückspilz" bezeichnet. Man wird von einer erwachsenen Frau praktisch aufgeklärt. Welcher "Mann" träumt da nicht von.........(!?). Für die Betroffenen sind solche Erfahrungen natürlich verwirrend und traumatisch. Pädophilie Frauen bevorzugen meist auch sehr junge Opfer. Die halten ihre Erinnerungen im späteren Leben oft für Albträume.
Pädophile wenden meistens keine körperliche Gewalt an. Sie suchen sich ihre Opfer in den schwächeren sozialen Schichten. Diesen Kindern schenken sie Aufmerksamkeit, "Zuwendung (?)" und Zeit. Sie "kümmern" sich um die Kinder und machen sie so emotional abhängig. Man sollte sich immer vor Augen halten, das Erwachsene, Kindern mental hoch überlegen sind. Nicht selten suchen sich männliche Pädophile alleinstehende Partnerinnen mit Kindern. Die Kinder passen dann in das persönliche Opferschema der Täter. Besonders beliebt bei Pädokriminellen (also Pädophilie und Hebephilie) sind Chatrooms und soziale Netzwerke im Internet. Hier wird die Anonymität im Internet und die vertrauensvolle Offenheit von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt, um sich einzuschmeicheln. Ein mittlerweile oft genutzter Weg der Täter zur Opfersuche. Das Internet erleichtert das Verbreiten von Filmen und Bildern. Nicht zuletzt dadurch ist Pädokriminalität ein riesiges Geschäft geworden. Die Konsumenten dieses Materials sind oftmals überdurchschnittlich intelligent, haben eine Universitätsausbildung und leben meistens in festen Beziehungen. Es sind also nicht unbedingt immer die Milieugeschädigten die Täter. Globale Vernetzung bringt eben nicht nur Vorteile, sondern auch Gefahren mit sich. 
Wer sich filmisch an das Thema heranwagen möchte, dem empfehle ich den ARD-Krimi Tatort: Manila. Es handelt sich natürlich um eine fiktive Handlung. Trotzdem sensibilisiert der Film für die Problematik. Nach meiner Meinung eines der am besten gemachten Tatort-Krimis überhaupt.
Eine Anmerkung zum Schluss dieses Abschnitts. Um keine Unruhe, vor allem bei Eltern mit Kindern, aufkommen zu lassen. Nicht Jede(r), der am Rande eines Spielplatzes sitzt und gerne Kindern beim Spielen zuschaut, hat jetzt pädophile Neigungen und Absichten!  

Das Böse - Was sind die Ursachen? / Erklärungsversuche

Durchgängig scheinen bei schweren Gewaltverbrechen traumatische Belastungen und Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend die größte Rolle zu spielen. Diese frühen Erfahrungen prägen dann das gesamte weitere Leben eines Menschen. Die Erfahrungen reichen nach neueren Forschungen bis in die vorgeburtliche Phase eines Menschen hinein. Bei Müttern, die während ihrer Schwangerschaft traumatisiert werden, sind Entwicklungsstörungen schon beim ungeborenen Kind nachweisbar. Wichtige Entwicklungsprozesse im Gehirn des Kindes bleiben aus. 
Genetische Einflüsse werden von Wissenschaftlern ebenso als Ursache favorisiert. Zurzeit wird davon ausgegangen, dass kriminelles Verhalten zu einem Drittel genetisch und zwei Dritteln zulasten der Umwelt gewichtet sind. Dadurch wird deutlich, welchen enormen Einfluss die Erziehung bzw. die Sozialisation beim menschlichen Verhalten spielt. Die Genetik spielt also eine kleinere Rolle, als man vielleicht annimmt. Man wird also nicht als Verbrecher geboren, wenn man von hirnorganischen Erkrankungen absieht. Interessanterweise haben neuere Untersuchungen festgestellt, dass traumatische und Gewalterfahrungen (mit den vorgeburtlichen Erfahrungen) bis zum siebten Lebensjahr, das Gehirn so verformen, als wäre das Böse genetisch bedingt! 
Hierdurch wird deutlich, wie wichtig stabile soziale und gesellschaftliche Verhältnisse sind. Nur das sind die Rahmenbedingungen, in der sich gesunde Familienverhältnisse entwickeln können. Weiter müssen genügend professionelle Anlaufstellen für Hilfen vorhanden sein, um bei Problemen rechtzeitig eingreifen zu können. Prävention, die heute unterlassen wird, trifft uns morgen um so härter und teurer!
Ich glaube, dass jeder von uns abrutschen kann, wenn nur die Umstände passend und widrig genug sind. Eine "normale" Entwicklung hinter sich zu haben und ein "intaktes" Mitglied der Gesellschaft zu sein, ist nur eine mögliche Entwicklung von vielen Wegen.
Auch als "Normaler" kann man schnell vom rechten Weg abkommen. Als Beispiel möchte ich das Milgram Experiment anführen. Es zeigt in eindrucksvoller Weise, wie schnell aus tugendhaften Bürgern Menschenschinder werden können.Aufklärung, Prävention und gesunder Menschenverstand sind wahrscheinlich die wirksamsten Waffen im Kampf gegen das Böse beim Menschen.

 

Fotos: © Kuscheltier 2012

Informationsquellen - Bücher

Mark Benecke, Lydia Benecke: Aus der Dunkelkammer des Bösen; Bastei Lübbe GmbH

Robert Ressler, Tom Shachtman: Ich jagte Hannibal Lecter; Wilhelm Heyne Verlag GmbH

Informationsquellen im Internet

Der Artikel beschreibt ein Experiment zur Reaktion auf Autorität
Interessantes Experiment mit sogenannten "Normalbürgern". Wie hätten Sie gehandelt?

Innocence in Danger
Innocence in Danger wurde 1999 in Paris von Homayra Sellier gegründet und kämpft gegen sexuellen Missbrauch mittels Internet und digitaler Medien – insbesondere gegen die Verbreitung von Kinderpornografie.

Evolution, eigentlich nichts für schwache Nerven
David M. Bus stellt uns in seinem Buch, aufgrund Darwins Theorie, die erschreckende Frage: Sind wir alle Mörder?

Kuscheltier, am 21.07.2012
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Bildquelle:
johannes flörsch (Wie finde ich die Sternschnuppen der Perseiden 2016?)
Karin Scherbart (Wie macht man einen Regenbogen selbst?)

Autor seit 5 Jahren
22 Seiten
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