"Refill Bristol" wurde schnell erfolgreich

Schon während weniger Monate hatten sich in Bristol mehr als 200 "Nachfüllstationen" der Aktion "Refill" spontan angeschlossen. Als Nachfüllstationen stellten sich Cafes, Bars, Restaurants, Banken, Galerien, Museen und andere Unternehmen aus vielerlei Branchen spontan zur Verfügung. Alle beteiligten Betriebe hatten einen zur Verfügung gestellten Aufkleber mit einem Wassertropfen als Symbol geklebt. Der Aufkleber bedeutete, dass in den Betrieben kostenlos Leitungswasser in mitgebrachte Wasserflaschen abgefüllt wurde.

Die mitgebrachte Wasserflasche und deren Wiederbefüllung (Refill) war ein erster Schritt, Plastkmüll zu vermeiden.

Plastikmüll ist sehr resistent

Die Umweltbelastung in den Weltmeeren muss dringend und nachhaltig stark reduziert werden, denn über Bäche und Flüsse landet ein Großteil des weltweiten Plastikmülls in den Ozeanen und gefährdet damit auf Jahrhunderte Natur und Tiere. 

Rund 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Bis sich Plastik durch die Wellenbewegung und das UV-Licht völlig im Meer zersetzt hat, können 300 bis 400 Jahre vergehen, denn zuerst zerfällt Plastik in immer kleinere Partikel. Diese Mikropartikel sind kleiner als fünf Millimeter, gelangen in die Körper von Meerestieren und werden durch den menschlichen Verzehr auch vom Körper des Menschen aufgenommen.

Plastikmüll ist ein globales Problem

Bereits heute enthält jeder Quadratkilometer Ozean mehrere 100.000 Teile von Plastikmüll. Wahre "Plastikmülldeponien" sind in den Weltmeeren entstanden. Genauere Schätzungen des Plastikmülls in den Weltmeeren sind kaum möglich, da sich der Müll teilweise in einer Wassertiefe von bis zu 20 Metern

Am bekanntesten ist wohl der "Große Plastikmüllfleck" (Great Pacific Garbage Patch) im Pazifik, im dem zirka eine Million Plastikteilchen pro Quadratkilometer in einer Wassertiefe von bis zu 20 Metern vermutet werden. Diese Zusammenballung erfolgt durch einen riesengroßen Wirbel, der sich unter steter Veränderung seiner Position zwischen den USA und Asien bewegt.

In Deutschland gab es zuerst "Refill Hamburg"

Die erfolgreiche Idee aus Bristol griff als erste in Deutschland die Designerin Stephanie Wiermann aus dem Hamburger Stadtteil Groß-Flottbek au und rief im März 2017 "Refill Hamburg" ins Leben. Sie rief der Öffentlichkeit über die Tagespresse und sonstige Medien zu: "Sei dabei! Habe Deine Trinkflasche dabei! Schütze unsere Umwelt! Trinke genug Wasser! Lebe gesund! Spare Geld!" Wiermann lebt seit einigen Jahren plastikfrei.

Ein einfacher Plan

Im Vordergrund der Kampagne steht der Umweltschutz durch Müllvermeidung, denn Leitungswasser ist Trinkwasser, das in Betrieben in allen Orten in Betrieben mit dem Aufkleber an der Tür kostenlos abgegeben wird.

Refill wird ehrenamtlich betrieben; jeder kann sich beteiligen. Unternehmen, Vereine, Gruppen und Parteien können aufgrund von Eigeninteressen nicht die Organisation von Refill übernehmen. Unternehmen können als Sponsor auftreten. Merchandising ist aber untersagt, weil Refill eine soziale Bewegung ist. Vielmehr soll durch die Aktion das Zusammenleben innerhalb einer Kommune gestärkt und Gemeinsamkeit gefördert werden. Schließlich traut sich nicht jeder, einfach durch eine Tür zu treten und nach Wasser zu fragen. Leichter wird das durch ein Angebot und den Aufkleber.

Was ist zu beachten?

Refill Deutschland eröffnet allen Betrieben mit festen Öffnungszeiten - Apotheke, Buchladen, Café, Schuhladen usw., wenn eine Wasserhahn vorhanden ist – die Möglichkeit einer Teilnahme.

Auch Restaurants können als Refill-Station mitwirken. Dazu führen die Initiatoren aus:

"Weil wir aber auch den Service der Restaurants in Anspruch nehmen, wenn wir in einem Restaurant oder Café sitzen, finden wir es als Refill Deutschland sehr nett, wenn Leitungswasser kostenfrei ausgeschenkt wird. Wir verstehen aber auch, wenn eine kleine Glaspauschale erhoben wird. Wir begrüßen es, wenn Gastronomen Leitungswasser als regionale Alternative auf die Karte setzen. Das spart Ressourcen und Transportwege, und ist dazu noch gesund und günstig."

Das Wasser wird nicht geprüft, denn es kommt fließend aus dem Hahn. Leitungswasser hat in Deutschland hervorragende Qualität und wird von den zuständigen Wasserwerken und Behörden ständig überprüft.

Stolz ist Refill Deutschland darauf, dass nur ein Aufkleber verwendet wird, weil Ziel der Aktion die Müllvermeidung ist. Flyer aus Papier seien in der Herstellung genauso ressourcenintensiv wie Kunststoff und landeten hauptsächlich im Müll.

Aber nicht alle Restaurants und Hotels werden mitmachen. Da sein nur an Till Schweiger und die exorbitant hohen Wasserpreise in seinem neuen Hotel in Timmendorfer Strand erinnert.

 

Schon bald folgte "Refill Deutschland"

Stefanie Wiermann rief am 2. August 2017 das Netzwerk "Refill Deutschland" ins Leben. Dafür nutzte sie den Earth Overshoot Day, den Tag des Jahres, an dem die Nachfrage der weltweiten Menschheit nach natürlichen Ressourcen die Kapazität der Erde zur natürlichen Reproduktion dieser Ressourcen übersteigt. Er lag 2017 sechs Tage früher als 2016, weil die vorhandenen Energien für diese Jahr verbraucht waren. Refill Deutschland geht davon aus, dass im Jahr 2016 weltweit 480 Milliarden Plastikflaschen gekauft wurde. Wenn dieser Trend weitergehe, seien es 2021 bereits mehr als 583 Milliarden Plastikflaschen. Zur Zeit würden weltweit pro Minute 1 Million Plastikflaschen gekauft. Nach der Zeitung "The Guardian" sind die meisten Flaschen davon leicht zu recycelnde PET-Flaschen. Nur weniger als 50 Prozent von ihnen seien aber tatsächlich recycelt worden. Der Rest sei auf Mülldeponien oder im Meer gelandet.

Die Umweltorganisationen WWF, Greenpeace und Global 2000 gestehen ein, wenn sie betonen, "die Menschheit nimmt sich mehr von der Erde, als diese jährlich an natürlichen Ressourcen erneuern und an Treibhausgasen aufnehmen kann". Allerdings kritisiert Greenpeace die Zahlen, mit denen gearbeitet und argumentiert werde: "Die Methode hat Schwächen, und das Netzwerk arbeitet teilweise mit Daten, deren Herkunft unklar und auch nicht durch Rundungsfehler erklärbar ist".

Fakt ist aber, dass aus "Refill Bristol" und "Refill Hamburg" nun mit "Refill Deutschland" eine bundesweite Kampagne geworden ist. In dieser kurzen Zeit machen bereits 33 Städte in Deutschland mit. Das sind in alphabetischer Reihenfolge Aschaffenburg, Bayreuth, Berlin, Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Celle, Chemnitz, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Ettlingen, Freiburg, Freising, Greifswald, Hamburg, Hannover, Itzehoe, Jena, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Köln, Koblenz, Landau, Landsberg, Leipzig, Lüneburg, Magdeburg, Mainz, Montabaur, München, Münster, Nürnberg, Offenbach, Osnabrück, Paderborn, Regensburg, Rinteln, Rosenheim, Rottenburg, Saarbrücken, Schwäbisch Gmünd, Schwerin, Siegen, Steinfurt, Stralsund, Tübingen, Wiesbaden und Witten.

12 weitere Städte stehen kurz vor dem Sprung, mitzumachen. 

Autor seit 4 Jahren
298 Seiten
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