Tabu-Thema als Komödie - Ein Tabuthema, intelligent und gesellschaftsfähig aufbereitet

In "Secretary - Die Lust zu Dienen" wird mit BDSM ein heikles, nicht gesellschaftskonformes und mit starken Vorurteilen behafttes Thema aufgegriffen und mit einer wunderbaren humoristischen Leichtigkeit auch Menschen nahegebracht, die damit nichts zu tun haben.

Im steten Wechsel zwischen Drama und Komödie behandelt der Film ein gesellschaftliches Tabu-Thema und versucht dabei, Hintergründe und Ursachen zu beleuchten.

  • Darsteller: Maggie Gyllenhaal als Lee, James Spader als Edward
  • Regisseur: Steven Shainberg
  • Komponist: Angelo Badalamenti
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: SUNFILM Entertainment
  • Produktionsjahr: 2002
  • Spieldauer: 106 Minuten

 

 

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Borderlinerin Lee ritzt sich selbst - Lee leidet am Borderline-Syndrom und kompensiert seelische Leere durch Ritzen

Im ersten Teil des Filmes sollen die Hintergründe erklärt werden für das, was später passiert, basierend auf der Annahme, eine devote Neigung hätte etwas mit Selbstzerstörung und Borderlinersyndrom zu tun. Ob dem so ist, sei mal dahin gestellt. Dass dieser m.E. falsche Eindruck erweckt wird, ist mein einziger Kritikpunkt an dem Film.
Im ersten Teil wird also dargestellt, wie Protagonistin Lee sich selbst Wunden zufügt um den seelischen Schmerz durch alkoholkranken Vater und maskenhaft - emotionslose und psychisch gestörte Mutter zu kompensieren, also am typischen Borderliner-Syndrom leidet.

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Lee entdeckt ihre devote Ader

Im zweiten Teil dann bewirbt sie sich nach erfolgreichem Abschluß eines Schreibmaschinenkurses bei Anwalt Edward Grey. Als Edward ihre selbst zugefügten Verletzungen sieht, befiehlt er ihr, damit aufzuhören. Ebenso befiehlt er ihr, alleine nach Hause zu gehen und sich nicht wie bisher von ihrer Mutter abholen zu lassen. Sie leistet seinen Befehlen Folge und erklärt dazu, dass sie keine Angst mehr vor dem einsamen Heimweg hat, sondern sich durch seinen Befehl von ihm so beschützt fühlt, als wäre er bei ihr.

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Zwischen beiden entwickelt sich eine Art dominant-submissive Beziehung, eingebunden in den Arbeitsalltag, was sehr witzig dargestellt ist. Es gibt kein persönliches Wort zwischen den beiden, keine Treffen außerhalb der Arbeit. Die Beziehung äußert sich lediglich in dominant-sadistischen Strafen für begangene Fehler, und Befehle, wie zum Beispiel beim elterlichen Sonntagstisch exakt 4 Erbsen zu verzehren, keine mehr, keine weniger. Was beide sexuell enorm stimuliert, jedoch ohne dass sie je klassischen Sex miteinander haben. Beide reagieren ihr dadurch entstandenes Verlangen anderweitig ab.

Edward in der Sinnkrise - Jahrzehnte, bevor DS in wurde, hält Edward sich aufgrund seiner Dominanz für gestört.

Während sie durch diese Beziehung aufblüht und sich vom unscheinbaren Mauerblümchen in flachen Schuhen und trampeligem Gang zu einem schönen, perfekt geschminkten Schwan in HighHeels, engen, sexy Kleidern und einem traumhaften Hüftschwung, sich bei jedem Schritt ihrer Attraktivität und Weiblichkeit bewußt, entwickelt, ist er von Selbstzweifeln geplagt. Er ist entsetzt von seiner Neigung, verleugnet sie und gibt letztlich ihr die Schuld, dies bei sich geweckt zu haben. Der Film spielt in einer Zeit, in der BDSM noch nicht en Vogue ist wie heute, in der die Existenz solcher Neigungen auch noch nicht bekannt war. Daher hält er sich selbst für krank und gestört. Er behandelt sie fortan wie eine normale Sekretärin, unterlässt alle dominant-sadistischen Handlungen.
Sie ist verzweifelt, versucht mit viel Witz und Geschick, ihn wieder dazu zu bringen. Sie macht absichtlich Rechtschreibfehler - das, was früher stets der Anlaß für "Strafen" gewesen war, doch er reagiert nicht darauf. Verzweifelt versucht sie ihren faden Ersatzfreund zu dominanten Handlungen zu bringen, der überhaupt nicht versteht, was sie will und sucht sich über Zeitungsannouncen angeblich dominante Männer. Doch jeder dieser Männer hat andere spezielle Neigungen, keine davon ist mit ihrer kompatibel. Das findet sie nur bei Edward.

Völlig verzweifelt greift sie zu einem drastischen Mittel: Sie versucht, einen massiven, unüberseh- und nicht ignorierbaren Fehler zu machen und legt einen toten Regenwurm demonstrativ in einen Brief. Es funktioniert. Er bestellt sie zu sich und bestraft sie - die Beziehung lebt wieder auf, wird immer intensiver, jedoch weiterhin ohne ein persönliches Wort und ohne Sex im herkömmlichen Sinne. Sie weiß schon lange, dass sie ihn liebt, er jedoch verleugnet sowohl seine Gefühle als auch seine Neigung vor sich selbst. Als ihm das nicht mehr gelingt, feuert er sie als vermeintlichen Auslöser seiner Handlungen. Sie ist völlig am Ende. In ihrer Trauer, willigt sie ein, ihren faden Alibifreund zu heiraten.

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Lee setzt sich mit devoten Mitteln durch

Als sie das Brautkleid anprobiert, kommt ihr die ganze Furchtbarkeit eines Lebens ohne Liebe und Leidenschaft vor Augen, wo es doch jemanden gibt, bei dem sie all das findet. Im Brautkleid rennt sie zu Edward, dringt in sein Büro ein, dreht die Vorzeichen um. Sie setzt sich in seinen Stuhl -den Befehlsstuhl- und stellt ihn zur Rede. Er ist mit der Situation vollkommen überfordert und flüchtet- nachdem er ihr befohlen hat, die Hände auf dem Tisch liegen zu lassen.
Sie tut es. Egal, was passiert, befolgt sie seinen vielleicht letzten Befehl, notfalls bis in den Tod. Stunde um Stunde vergeht, Tag um Tag. Ihr Verlobter, ihr Vater, ihre Mutter, ihre verhinderten Schwiegereltern, Frauenrechtlerinnen, Erzkonservative, Reporter, das Fernsehen kommen vorbei (hier ist der Komödienanteil des Films wieder sehr ausgeprägt ) - sie bleibt sitzen, mit den Händen auf dem Tisch. Nicht einmal zur Toilette verlässt sie ihren Platz. Er beobachtet sie die ganze Zeit über heimlich vom Fenster aus. Als sie nach vielen Tagen völlig entkräftet zusammenbricht, kommt er, trägt sie auf Händen in sein Haus, badet sie, wäscht ihr die Haare, bettet sie liebevoll in sein Bett und schläft zum ersten mal richtig mit ihr. Und zum ersten mal sprechen sie Persönliches miteinander.
Obwohl scheinbar die Unterwürfige, dominiert sie ihn mit devoten Methoden und gewinnt letztlich- sogar gegen seine Selbstzweifel sich selbst gegenüber. Sie heilt ihn von seiner seelischen Zerrissenheit, so wie er dies zuvor bei ihr getan hatte. Sie heiraten und führen eine - fast - klassische Beziehung. Mit kleinen Ausnahmen.
Im letzten Bild läßt sie mit schelmischem Lächeln eine tote Kakerlake auf das frisch bezogene, weiße Bett fallen.

 

Secretary Trailer

Tipp: Kostenloser Download über OTR

Über den Online TV Recorder kann man den Film auch kostenlos downloaden, wenn er im Fernsehen kommt.

Was hältst du von "Secretary"?
Wizzard, am 12.03.2011
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 5 Jahren
6 Seiten
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