Die Simson-Baureihe S51

Das S51 kam 1980 auf den Markt und wurde bis 1991 produziert, insgesamt rund 1,6 Millionen mal. Viele optisch relevante Teile wurden dabei vom Vorgänger übernommen. In den letzten Produktionsjahren erfolgte allerdings eine Umstellung der Bordelektrik auf 12 Volt.

Der neuentwickelte Motor kam auf knapp 50 ccm Hubraum, so wie beim Vorgängermodell S50 auch. Dieser Einzylinder-Zweitakter war luftgekühlt und benötigte auf 100 Kilometer rechnerisch 2,5 Liter eines Öl-Benzin-Gemischs im Verhältnis 1:50. Der Tank fasste mehr als acht Liter. Rund 10% davon waren der Reservestellung des Benzinhahns vorbehalten.

Dieses Zweirad war streng genommen kein Moped, denn der Motor wurde nicht durch Pedaldrehung, sondern durch einen Kickstarter in Gang gesetzt. Die offizielle Klassifizierung lautete daher auch "Mokick". Im Allgemeinen wurde das zweisitzige Fahrzeug dennoch weiter als Moped bezeichnet. Der Volksmund sprach mit liebevollem Besitzerstolz bisweilen auch von der "Simme", während herablassende Zeitgenossen beim Klang der Fahrzeuge spöttisch den Begriff "Zwiebacksäge" fallen ließen.

Das S51 galt zu seiner Zeit als ein modernes und sportliches Fabrikat. Es ließ sich aber auch je nach Bedarf als Lastenesel oder alltägliches Nutzfahrzeug modifizieren, beispielsweise mit einem Anhänger, Knieblechen, einer anknüpfbaren Knieschutzdecke, Seitengepäckträgern und -koffern. Der bei den meisten Ausführungen nicht serienmäßige rechte Spiegel ließ sich problemlos ergänzen. Größere (eigentlich für Motorräder vorgesehene) Spiegel konnten dank gleicher Gewindegrößen ebenfalls montiert werden. Doch auch ohne die Vielzahl der Anbauteile unterschieden sich die S51-Modelle bisweilen recht deutlich, denn das Fahrzeug wurde in mehreren Ausführungen angeboten:

Eine Baureihe – viele Varianten

Die verschiedenen Versionen des S51 charakterisierten sich neben kleineren optischen Erkennungsmerkmalen vor allem durch Abstufungen in Komfort und Technik, in wenigen Fällen auch durch die exklusive Farbgebung. Die jeweilige Ausstattungslinie wurde durch einen Großbuchstaben zusätzlich zum Schriftzug "S51" gekennzeichnet. Der sich daraus ergebende Typenname befand sich als stilisiertes Logo auf dem linken Seitendeckel.

  • Das S51 N war das Einsteigermodell der Baureihe und leistete wenig mehr als eben den reinen Fortbewegungsvorgang. Blinker und Zündschloss fehlten. Die Produktion wurde jedoch 1988 eingestellt, weil ab diesem Zeitpunkt auch in der DDR alle Kraftfahrzeuge über Blinkanlagen verfügen mussten. Die N-Ausführung war ausschließlich als Dreigang-Fahrzeug erhältlich und hatte als Alleinstellungsmerkmal eine dunkelblaue Farbgebung der Seitendeckel und des Tanks. Wie bei allen anderen Modellen waren der Rahmen in Schwarz und die Schutzbleche (außer Modell C) in Silbergrau gehalten. Gedacht war diese Ausführung für eher robuste Einsatzzwecke, beispielsweise auf landwirtschaftlichen Wegen und Flächen.

 

  • Das Modell B galt quasi als Standardausführung des S51. Es war am häufigsten anzutreffen, was aufgrund einer umfangreichen Farbauswahl allerdings nicht gleich auffiel: Erhältlich (wenn auch häufig nicht frei wählbar) waren zwei Rotvarianten, zwei Ausführungen in Grün sowie ein gelblich-oranger Lack. Im Laufe der Jahre erfuhr das Modell B einige technische Verbesserungen an Beleuchtung, Fahrwerk und Getriebe. Die Zündanlage (nicht der Startvorgang an sich) war auch als "electronic" erhältlich. In den letzten drei Produktionsjahren verfügten die B-Modelle standardmäßig über Tagfahrlicht. Der Grundpreis lag bei ungefähr 1900 Mark.

 

  • Der Buchstabe E stand für die sportlichen Enduro-Modelle, welche auf den ersten Blick durch einen hochgezogenen Auspuff mit Hitzeschild auffielen. Die Farbauswahl entsprach dem der B-Modelle. In der Regel punkteten Enduro-Modelle aber mit besserer Ausstattung: Ein Klappkickstarter wurde ab Werk verbaut, die hinteren Stoßdämpfer waren verstellbar. Der Gepäckträger, die Lage der Fußrasten und diverse Rahmenteile wichen konstruktionsbedingt leicht vom Baukastensystem der übrigen Modelle ab. Häufig waren Enduros mit einer strukturierten Sitzbank versehen. Frühe Vertreter der Enduro-Ausführung hingegen gab es auch im minimalistischen Stil der N-Typen. Diese wurden silbergrau lackiert.

 

  • Das Spitzenmodell der Baureihe S51 stellte die Ausführung C (für Comfort) dar. Optisch unterschied es sich von anderen Modellen durch eine weiße Lackierung, welche auch die Schutzbleche mit einbezog. Motorgehäuse und Getriebedeckel erhielten eine schwarze Farbgebung. Serienmäßig war das S51 Comfort mit Drehzahlmesser, Klappkickstarter, zweitem Spiegel und einer strukturierten Sitzbank versehen. Die bessere Ausstattung und das deutlich hochwertigere Erscheinungsbild hoben den Grundpreis wie bei einigen Enduros auf gut 2400 Mark an.

Die Baureihe Simson S51 heute

Obwohl der Hersteller Simson das bewährte Konzept mit behutsamen Modernisierungen fortführte, blieb der wirtschaftliche Erfolg nach der deutschen Wiedervereinigung aus. 2002 war der Hersteller endgültig Geschichte. Die plötzliche Verfügbarkeit von Autos für jedermann sowie die Notwendigkeit längerer Arbeitswege ließen den heimischen Markt wegbrechen, während diese Fahrzeugsparte im westlichen Teil Deutschlands nie eine solche Bedeutung erlangt hatte wie in der DDR.

 Umso paradoxer mutet es an, dass sich Simson-Zweiräder, neben der berühmten Vogelserie vor allem das S51, seit den 1990er Jahren auch im Westen einer großen Fangemeinde erfreuen. Neben der bereits erwähnten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h speist sich diese Attraktivität auch aus der wartungsarmen und überwiegend einfach reparierbaren Technik.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Ersatzteilsituation. Nahezu alle Bauteile werden heute noch hergestellt, allerdings nicht in Suhl. Genau da scheiden sich bisweilen auch die Geister, denn nicht alle Nachbauteile können qualitativ mit den Originalen aus DDR-Zeiten mithalten. Ein Beispiel, welches der Autor dieses Textes selbst erlebt hat: Der originale Gepäckriemen aus Suhl tat rund 20 Jahre lang seinen Dienst. Mehrere optisch gleiche Nachbauten hingegen hielten jeweils nur ein Jahr… Es ist daher nicht verwunderlich, dass bei Oldtimertreffen und auf Teilebörsen visuell wenig ansprechende Simson-Originalteile, häufig bereits gebraucht, stark nachgefragt werden, obwohl sie doch auch als nachproduzierte Neuware verfügbar wären.

Neben dem eigentlichen Ersatzteilhandel hat sich auch für das individuelle Tuning ein großer Markt entwickelt. Bereits zu DDR-Zeiten konnte man durch mühevolle Handarbeit oder über "Vitamin B" Griffschützer, Kanzeln und hochgestellte Vorderschutzbleche erlangen. Heute hingegen sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt: Individuell geformte Lenker gibt es ebenso wie Griffe, Fußrasten, Hebel und Verkabelung in knalligen Leuchtfarben oder edlem Design. Sitzbezüge und Tankdeckel sind je nach Geschmack gestaltbar, und selbst den primitiven Zündschlüssel gibt es statt in standardisiertem Schwarz als farbenfrohen Hingucker von strahlendem Weiß bis hin zu knalligem Violett.

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