Alter Hanseglanz an der Weser

Schöne alte Renaissancegebäude

Bremen Marktplatz

 

 

 

 

 

 

Wenn es Grünkohlzeit ist im Herbst in Noddeutschland, dann ist das zum Beispiel eine wundervolle Zeit für einen Bremenbesuch. Doch braucht das Grünzeug, auch unschön Braunkohl genannt, den ersten Frost. Es ergibt dann ein deftiges Mahl, dessen Ursprung auf Nonnen im 14. Jahrhundert zurück gehen soll und typisch ist für Norddeutschland. In Bremen serviert man den Grünkohl mit Pinkel, einer Grützwurst, mit Bauchspeck und Kassler. Die Bremer behaupten, bei ihnen schmecke er am besten – wie die Oldenburger, die Tecklenburger, die Münsteraner, Osnabrücker undsoweiter! Ich selbst lernte als Bayerin diese Spezialität zum ersten Mal bei einer Einladung der Bremer Handwerkskammer in deren malerischen Gildehaus im Zentrum Bremens kennen. Allein das Ambiente war unübertroffen.

Berühmte Wahrzeichen wie Rolandsstatue und die Bremer Stadtmusikanten

Bei einem Stadtrundgang kommt man auf kürzester Strecke an einem schöneren gotischen und Renaisssancebau nach dem anderen vorbei. Wie man überhaupt nur staunen kann über die malerische Altstadt Bremens. Das vermutet der Erstbesucher kaum, wird doch die Hansestadt wenn, dann in den Medien erwähnt mit einer der höchsten Arbeitslosenzahlen der westlichen Bundesrepublik Deutschland von elf Prozent, (das dazugehörige Bremerhaven gar mit 15 Prozent) oder wenn mal wieder der Senat gewählt wurde. Der Senat ist wie in Hamburg das Kabinett, die Regierung der Freien Hansestadt Bremen, des winzigsten deutschen Bundeslandes. Er ist seit Mai 2011 rotgrün und nicht rot, wie die ganze jüngere Geschichte zuvor. Will man sich als Auswärtiger unbeliebt machen bei den stolzen Hansestädtern, dann gebe man seinem Unverständnis Ausdruck, warum Bremen mit seinen nur 860.000 Einwohnern ein eigenes Bundesland bildet mit eigenem Rundfunk-und Fernsehsender, der nur zwei Prozent des ARD-Programmes bestückt und dabei auch noch Finanzhilfeempfänger ist. Kommen Sie auch nicht auf die Idee, die Bremer zu den Friesen oder gar Ostfriesen (die erst westlich von Jever beginnen) zu rechnen!

Roland

Kaffeemühle

Ganz links: die Rolandsstatue vor dem Bremer Rathaus

Rechts: die Kaffee- mühle mitten in der Stadt.

 

Fotos ganz oben: In der Altstadt Bremens, rechts der Marktplatz, UNESCO Kulturerbe.

Kaffeestadt

Sie sind auch nicht nur eingefleischte Teetrinker, sondern stolz auf ihre Kaffee- und Kaffeeröstereitradition. Das erlebt man am besten bei einer Besichtigung und Verkostung in der Kaffeerösterei Münchhausen in der Innenstadt oder bei weniger Zeit zumindest in der auch so benannten Kaffeemühle am Wall, dem Wasser-Stadtgraben. Mitten in der Stadt sitzt man da plötzlich ruhig im Grünen bei Kaffee und Kuchen. Von dort ist es auch nicht weit zur Fußgängerzone und Altstadt mit dem 1.200 Jahre alten frühgotischen Dom, dem Marktplatz und Rathaus, das seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört zusammen mit der Rolandstatue. Sie steht für Freiheit, Marktrecht und Stolz der Bremer. Ums Eck des Rathauses, an seiner Westseite befindet sich auch gleich das nächste berühmte Wahrzeichen, die Bronzeplastik mit den vier Bremer Stadtmusikanten Esel, Hund, Katze, Hahn, ein umlagertes Fotomotiv.

Wenn man Glück hat, gerät man zugleich dort in ein kleines Markttreiben mit Ständen von heimischem Gemüse und Blumen über Blumen, obgleich der eigentliche große Wochenmarkt am Samstag mit Flohmarkt am Kajenmarkt stattfindet in der Nähe der Martinikirche. Ein lebendiger Markt mit waschechten Bremer Marktschreiern in Plattdeutsch. Damit ist man nach wenigen Schritten geradeaus vom Marktplatz an der Weser angekommen, die das Bild der Stadt mitbestimmt. Städte mit einem großen Fluss mittendurch haben immer ihren eigenen Reiz. Spaziert man an der Weserpromenade südostwärts kommt man zum Schnoorviertel, das unbedingt auf dem Sightseeingplan stehen sollte. Es ist Bremens ältestes Stadtviertel zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert, heute Künstlerviertel mit Goldschmieden, Galerien und guten Cafés und Restaurants. Hier wird man für originelle Souvenirs fündig wie alten Werbeschildern in der Schnoor Oase oder Blechspielzeug und Papiermodellen im Atelier Gag. Die Bremer Kluten nicht zu vergessen, die süße einheimische Spezialität mit Schokolade überzogener Pfefferminzstangen.

Rhododendron-Paradies

Die schönste Reisezeit für Bremen ist auf jeden Fall der Mai zur vollen Rhododendronblüte. Was für Holland die Tulpen, ist für Norddeutschland der Rhododendron. Die Gegend weist einen idealen Boden für diese Pflanzen auf. Deshalb ist ein Muss der Besuch des Rhododendronparkes mit botanischem Garten, auch "Grüne Schatzkammer Bremens" genannt. Dort kann man 550 Rhododendron-Arten und 2.500 verschiedene Sorten bestaunen.Rhododendron

Sollte man einen Regentag erwischen, so steht das Universum Bremen zur Verfügung. Errichtet anläßlich der EXPO 2000 in Hannover, vermittelt dieses futuristische Museum Wissenswelten unter auf und über der Erde. Empfehlenswert auch bei einem Ausflug mit Kindern. Für die zeigt Bremen Herz mit einer lebendigen Stadtführung extra für Kinder, die sich nennt: "Ich sehe was, was Du nicht siehst!".

 

Geheimtipps

Übernachtung: Es gibt natürlich die üblichen Fünf- und Vier-Sterne-Hotels, die romantischen Hideaways im Grüngürtel an der Weser oder auch die Privatzimmer für den kleineren Geldbeutel. Ich übernachte immer im Designhotel Prizotel Bremen-City in überaus praktisch ausgestatteten Zimmern mit modern-fröhlichem Design und nur fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Es gibt eine ruhige Hotelseite zur Bremen Arena hinaus, ein üppiges Frühstücksbuffet und 24-Stunde-Service mit zuvorkommenden Personal. Circa 70 Euro das Doppelzimmer pro Nacht. Das Hotel erhält fast durchgehend "fabelhaft"-Bewertungen, auch von mir.

Restaurants: "Admiral Nelson, das Pannekoekschip" am Anleger 1 der Schlachte mit über 100 Pfannkuchenkreationen aller Welt. Oder: Katzencafé, Promi- und Politikertreff im Herzen des Schnoorviertels, anspruchsvollere Küche. Traditionelle Küche ist empfehlenswert im Kleinen Ratskeller, Hinter dem Schütting 11. Hier erhält man etwa die berühmte Bremer Grützwurst auch außerhalb der Grünkohlzeit mit Bratkartoffeln und Apfelmus.

Anreise: Am besten mit der Bahn, dann kommt man im Herzen der Stadt in einem schönen Jugendstilbau an.

Informationen: Bremer Touristik-Zentrale, Service-Telefon 01805-101030

Städteführer zur Vorbereitung - 55 Städtetrips - Bremen ab Seite 49. Apa-Guide, 304 Seiten, 19,95 Euro

Städteführer

Arlequina, am 04.02.2012
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Bildquelle:
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)
Eigenwerk (Kann man im Sommer auf die Zugspitze?)

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