Bruce Willis ermittelt in ungewöhnlichem Mordfall

Träumen Surrogate von Colgate?

Cover der blu-ray "Surrogates - Mein zweites Ich"Mit Hilfe künstlicher Nachbildungen ihres Selbst müssen die Menschen der nahen Zukunft ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Über eine Online-Fernsteuerung können sie die "Surrogate" genannten Replikate alles ausführen lassen, wozu sie im realen Leben keine Möglichkeit hätten. Ältere Menschen beispielsweise erschaffen sich ein junges, attraktives Beinahe-Ebenbild, das sie in der Welt vor ihrer Haustüre repräsentiert.

 

In dieser Hochglanzwelt sind Verbrechen eine Seltenheit, insbesondere Mord. Exakt einem solchen fällt Jarod (James Ginty), Sohn des Großindustriellen Lionel Canter (James Cromwell), der die Surrogate herstellt und vertreibt, zum Opfer. Ein Fall für die FBI-Agenten Tom Greer (Bruce Willis mit blondem Fifi!) und Peters (Radha Mitchell). Schon bald stoßen sie auf die Spur des vermutlichen Mörders Strickland (Jack Noseworthy), der sich in eine Randzone außerhalb der Stadt flüchtet, wo ausschließlich "echte" Menschen wohnen und Surrogate Hausverbot haben.

 

Bei der Jagd auf Strickland missachtet Greer dieses Verbot – prompt wird sein künstliches Ebenbild zerstört. Für den Agenten kein Grund, seine Ermittlungen einzustellen. Er entschließt sich zu einem drastischen Schritt, indem er erstmals seit Jahren wieder sein Apartment verlässt und auf eigene Faust Nachforschungen anstellt. Diese führen ihn auf die Fährte einer weltweiten Verschwörung, an deren Ende die Vernichtung der Menschheit stehen soll … 

Deutscher Trailer "Surrogates"

"Surrogates - Mein zweites Ich": Weit daneben ist auch vorbei

"Total Recall" reloaded

Was ist es, das den Menschen ausmacht? Und können Maschinen als Ersatz für menschliche Wärme dienen? Diese und ähnliche Fragen wurden und werden regelmäßig in diversen Science-Fiction-Filmen aufgeworfen und idealerweise auch beantwortet. In dieses Subgenre der philosophischen Genrestreifen wollte "Terminator 3 – Rebellion der Maschinen"-Regisseur John Mostow vorstoßen und präsentierte Ende 2009 "Surrogates - Mein zweites Ich". Das mit einem üppigen Budget von 80 Millionen Dollar ausgestattete Werk floppte in den USA gnadenlos.

 

Selbst die mehr als offensichtlichen Anleihen bei "Total Recall" oder "Blade Runner" retteten Mostows Film nicht davor, rasch wieder in der Versenkung zu verschwinden. Kurioserweise basiert der Plot auf einem Comic und liest sich zunächst durchaus interessant. Denn Hand aufs Herz: Wer würde sich nicht zumindest ab und an wünschen, eine perfekte Replikation seiner Selbst zur Arbeit oder auf eine Party schicken zu können, um Eindruck zu schinden?

 

"Surrogates - Mein zweites Ich": Potenziell spannend, faktisch langweilig

Die etwas surreale Einstiegssequenz weiß zu gefallen und verspricht weitaus mehr, als der Film letztendlich halten kann. Positiv zu vermerken ist der Verzicht auf überfrachtete Science-Fiction-Mätzchen der Marke fliegende Autos, putzige Roboter mit eigenem Bewusstsein oder Besuch von Außerirdischen. De facto bildet die Welt von "Surrogates - Mein zweites Ich" unsere Gegenwart ab, lediglich um einige Nuancen verfeinert und natürlich mit den technologisch fortgeschrittenen Avataren versehen.

 

Das größte Problem des Streifens ist die Aushöhlung des Plots. Immer wieder werden potenziell höchst interessante Gedankengänge beschritten oder Problembereiche angeschnitten, was aber schon wenig später komplett unter den Tisch fällt und nicht mehr erwähnt wird. Gerade angesichts der ungewöhnlich kurzen Laufzeit stellt sich der Verdacht ein, dass das Rohmaterial von "Surrogates - Mein zweites Ich" stark geschnitten wurde oder Regisseur John Mostow schlichtweg nicht in der Lage war, die Fülle eines komplexen Drehbuchs entsprechend umzusetzen.

 

Überhaupt wirkt sein bislang wohl schwächster Film reichlich überhastet und wie eine reine Routinearbeit. Ironischerweise passt die kalte Inszenierung zur präsentierten kalten Welt der Avatare und konterkariert das eigene Anliegen.

 

Trantütiger Bruce Willis

Selbst ein Bruce Willis in Hochform könnte bei diesem verschnarchten Science-Fiction-Film nichts mehr retten. Allerdings passt sich der "Die Hard"-Star dem Niveau der Comicverfilmung an und erweckt den verständlichen Eindruck, das Ganze nur möglichst rasch hinter sich zu bringen. Dem Rezipienten von "Surrogates - Mein zweites Ich" dürfte es ganz ähnlich gehen, was Bruce Willis immerhin zu einem Bruder im Geiste macht …

Originaltitel: "The Surrogates"

Regie: John Mostow

Produktionsland und -jahr: USA, 2009

Filmlänge: ca. 88 Minuten

Verleih: Walt Disney

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Deutscher Kinostart: 21.01.2010

Autor seit 7 Jahren
839 Seiten
Laden ...
Fehler!