Mit dem actionreichen Survival-Horror-Game "The Last of Us" landete "Naughty Dog" nicht nur einen Megahit, sondern räumte zahlreiche Auszeichnungen ab. Völlig zu Recht, da die postapokalyptische Welt mit einer spannenden und emotional berührenden Story, wie auch sympathischen Protagonisten aufwartet. Was für manche Spieler ein Kritikpunkt war, sahen viele andere als Stärke an: Anders als viele ähnlich geartete Games legt "The Last of Us" den Fokus auf die Beziehung zwischen den Figuren und die glaubwürdige Schilderung einer völlig aus den Fugen geratenen Welt.

Kein Wunder also, dass begeisterte Fans des Spiels nach weiteren Ausflügen in diese schaurig-schöne Apokalypse verlangten. Verwunderlich ist hingegen "Naughty Dogs" Zurückhaltung dabei, die Cash Cow bis zur Erschöpfung zu melken. Weder wurde rasche eine Fortsetzung nachgeschoben, noch etliche Zusatzerweiterungen zu unverschämten Preisen angeboten. Im Gegenteil: Mit "The Last of Us: Left Behind" existiert lediglich eine einzige Erweiterung des Hauptspiels, die ursprünglich als DLC zum (kostenpflichtigen) Downloaden bzw. als Standalone angeboten wurde, inzwischen aber bei den aktuellen Vollversionen des Hauptspiels automatisch enthalten ist.

VIel Liebe zum grausigen Detail von den "Uncharted"-Machern

Wer das Hauptspiel gezockt hat, wird sich in der Erweiterung sofort zurechtfinden: Das Gameplay ist ebenso gleich geblieben, wie die vorhandenen Waffen, ausgenommen Ellies Messer, dessen Klinge niemals abbricht. Was Korinthenkackern natürlich die Frage abringen könnte, warum Joels Klingen im Hauptspiel ständig abbrechen, während Ellie ein quasi unzerstörbares Messer bei sich trägt. Apropos Joel: In "The Last of Us: Left Behind" kontrolliert man ausschließlich Ellie, an deren Seite anstatt Joel die etwa gleichaltrige Riley ums Überleben kämpft.

Über die Geschichte soll nur so viel verraten werden: Ellie muss eine ganz bestimmte Mission erfüllen, die zeitlich parallel zum Hauptspiel angesetzt ist. Im Gegensatz zu diesem gibt es nur einen einzigen Schauplatz, ein ehemaliges Einkaufszentrum, und die Spieldauer beträgt maximal wenige Stunden. Wer hinter der Einzelspieler-Erweiterung lustlos heruntergespulte Geldschneiderei vermutet, irrt: Das Team hinter der Abenteurer-Serie "Uncharted" hat erneut sehr viel Mühe für das Spiel aufgewendet, und das merkt man nicht nur an den vielen liebevoll gestalteten Details in den Shops, sondern auch an der Geschichte selbst.

Wie schon im Hauptspiel, wird auch in der Erweiterung viel Wert auf nachvollziehbare Handlungen, gut herausgearbeitete Figuren und ebenso düstere, wie auch leichtherzige Momente gelegt. Exakt diese Mischung aus interaktivem Film und Shooter ist es, die bereits 2013, damals noch auf der PS3, für Furore gesorgt hatte. Und dank "The Last of Us: Left Behind" kann der Fan abermals um Ellies Überleben bangen, aber auch an ihrer Seite lachen und Spaß haben. Spaß in einem Survival-Zombie-Game? Ja, denn einige Sequenzen lassen das Verstecken vor den erbarmungslosen Huntern oder blutrünstigen Infizierten zumindest kurzfristig vergessen. Fast wie ein ganz normaler Teenager benimmt sich Ellie albern oder hat einfach nur ein paar Minuten lang Spaß.

Köpfchen muss man haben ... wenn man einen Kopf kleiner als die anderen ist

Und genau das war und ist es, was "The Last of Us" von den meisten anderen Spielen unterscheidet: Der Spieler wird emotional in das Spiel eingebunden, ohne je das Ziel aus dem Auge zu verlieren, welches da wäre: Überlebe! Ob durch verstecken, geschicktes Umgehen von Gefahren, heimtückisches Platzieren kleiner Bomben oder offenes Konfrontieren der Gegner: Jeder neue Tag ist ein keineswegs selbstverständliches Geschenk.

Interessant an "The Last of Us: Left Behind" ist nicht zuletzt die Perspektive: Während Joel ein überaus bulliger Mann ist, der es auch mal im Nahkampf mit mehreren Gegnern aufnehmen kann, ist die kleine, zierliche Ellie ihren erwachsenen Gegnern körperlich weit unterlegen und muss durch Schläue und ihre Schießkünste überleben, mitunter auch mal wieselflink das Weite suchen. Das Gameplay fühlt sich aus der Sicht eines Mädchens, das einen Kopf kleiner als ihre Kontrahenten ist, völlig anders an und man gewinnt besagte Perspektive dafür was es heißt, sich in einer solchen Welt mit kaltblütig mordenden Überlebenden nicht auf Augenhöhe zu messen, sondern auf Grund der körperlichen Unterlegenheit stets auf der Hut sein zu müssen.

Eingedenk all der Gefahren darf Ellie zwischendurch auch immer wieder Kind sein, was die gespannte Atmosphäre auflöst und nach Spielende mit einem Wermutstropfen endet, wenn sämtliche "The Last of Us"-Inhalte durchgezockt wurden. Nun gibt es noch den Multiplayer, der zwar Spaß macht, aber tatsächlich ein reiner Shooter ist und die Geschichte nicht weitererzählt. Zusätzliche Erweiterungen sind leider offenbar nicht geplant.

Kommt "The Last of Us 2"?

Allerdings mehren sich die Gerüchte und Anzeichen dafür, dass "Naughty Dog" nach dem abschließenden Teil der "Nathan Drake"-Reihe eine Fortsetzung in Angriff nehmen könnte. Ob sich diese Geschichte erneut um Ellie und Joel drehen würde, ist fraglich, zeigt sich der zu Sony gehörende Spieleentwickler doch stets für eine Überraschung gut.

Und eine simple Fortsetzung wäre fast schon zu einfach für die guten Leute von "Naughty Dog", die gerade mit "The Last of Us" das völlig ausgelutscht scheinende Genre auf den Kopf stellten. Fans des Games dürfen gespannt sein … und in der Zwischenzeit die bei weitem nicht so berührenden und spannenden, aber unterhaltsamen Abenteuer Nathan Drakes nachspielen. Denn um Ellie zu zitieren: Das kann's doch nicht gewesen sein!

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