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  • Orginaltitel: Le Grand Bleu
  • Darsteller: Rosanna Arquette, Jean-Marc Barr, Jean Reno
  • Regisseur: Luc Besson
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Concorde Video
  • Produktionsjahr: 1987
  • Spieldauer: 166 Minuten

The Big Blue - Eine Sinfonie aus Bild und Ton

Der französische Film ist über 20 Jahre alt, aber dennoch einer meiner absoluten All-Time-Favorites.
Er ist wie ein Traum, ein Märchen unter Wasser, tief berührend. The Big Blue ist unglaublich atmosphärisch, lebt von wunderschönen Bildern, der sphärischen Musik, dem Ungesagten. Oft wird minutenlang nicht gesprochen. Der Film ist ein Kunstwerk, eine Sinfonie aus Bild und Ton und absolut unzappbar. Zappt man rein, empfindet man ihn als langweilig, da die Einstellungen sich oft minutenlang nicht ändern. Das ist kein Actionfilm - der Film nimmt einen zu Anfang sanft an der Hand und führt einen durch die Geschichte. Nur auf großer Leinwand oder großem Bildschirm, ohne Druck, ohne Zappen und ohne Werbung kann sich die Wirkung entfalten.

Auszeichnungen: Zwei César, sechs Oscar-Nominierungen

Für die Filmmusik und den Ton erhielt der Film den César, den französischen Oscar. Für den Oscar war er in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Kamera, Bestes Filmposter nominiert. Dass er keinen davon bekam, lag sicherlich an der veränderten amerikanischen Fassung (siehe unten).

Screenshots aus The Big Blue - Im Rausch der Tiefe
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Unendliches Meer, ein Charakter jenseits der realen Welt, tiefe Freundschaft, unerfüllbare Liebe

Schon das Intro ist ein Kunstwerk: Anfangs in schwarzweiß gedreht, um die zeitliche Distanz zu später zu demonstrieren, wird man regelrecht erschlagen vom unsagbar tiefen Blau des Ozeans, wenn der Film in die Jetzt-Zeit umschaltet.

Es geht um den weltfremden, introvertierten, sanften Jaques, der sich in der Welt nicht zurechtfindet. Er ist auf einer griechischen Insel aufgewachsen, liebt das Meer und kommt mit Delfinen besser zurecht als mit Menschen. Menschen fürchtet und meidet er - Delfine liebt er und sie ihn, und diese bezeichnet er als seine Familie. Sein Jugendfreund Enzo ist Weltmeister im Freetauchen, dem Tieftauchen ohne Sauerstoffgerät, von Kindheit an Anführer einer riesigen, bewundernden Anhängerschaft, mitten im Leben stehend. Das Gegenteil von Jaques.
Enzo kommt nicht mit dem Wissen klar, dass es irgendwo auf der Wellt wen gibt, der vermutlich besser ist als er und fordert Jaques auf, ebenfalls an den Weltmeisterschaften teilzunehmen. Jaques gewinnt, was Enzo dazu bringt, über seine Grenzen zu gehen, um sich den Titel zurückzuholen. Denn je tiefer man taucht, desto stärker wird der Druck durch das Wasser. Enzo setzt sich gegen die eindringliche Warnung der Ärzte einer Kompression aus, der der menschliche Körper nicht mehr gewachsen ist.  Dabei stirbt er, wie einst schon Jaques Vater, der ebenfalls während eines Tauchgangs starb, als dieser klein war. Jaques Kindheitstrauma wird reaktiviert und verstärkt, er hat Depressionen, Albträume, Wahnvorstellungen und hält die Welt "oben" nicht mehr für erträglich. Er will in seine Welt, unter Wasser, zu seinen Delfinen, zu Enzo und zu seinem Vater. In die einzige Welt, in der er sich zu Hause fühlt - dem Meer.

In einem zweiten Erzählstrang wird von der Liebe Johanas zu Jaques erzählt, die gegen seine Weltfremdheit und Einsiedelei kämpft und versucht, sich gegen seine Liebe zum Meer und seinen Delfinen durchzusetzen. So verbringt er zum Beispiel, nachdem sie sich körperlich zum ersten Mal näher kamen, den Rest der Nacht tauchend in den Fluten des Meeres.

Gebeutelt von Wahnvorstellungen nach Enzos Tod fährt Jaques mitten in der Nacht aufs Meer und will sich mit dem Freetauchergerät in die Tiefen des Meeres ziehen lassen. Johana verfolgt ihn, versucht ihn abzuhalten, sagt ihm, dass sie ihn liebt und schwanger ist, dass er dabei ist, eine reale Welt für eine Traumwelt zu opfern. Er gibt ihr die Reissleine in die Hand, übergibt ihr die Entscheidung über Leben und Tod.
Sie zieht - in einem Akt vollkommen selbstloser Liebe.
Er wird in die Tiefe gezogen, unten von Delfinen abgeholt, das Ende ist offen.

Der Film "Im Rausch der Tiefe" als Vorbote der Realität


Die Freetaucher-Weltmeister Jaques und Enzo gab es wirklich, nur lebten beide zum Zeitpunkt des Drehs noch. Der echte Jaques Mayol stand als technischer Berater dem Filmteam beiseite.

15 Jahre später nahm er sich das Leben - ganz so, wie Luc Besson diesen Charakter Jahre zuvor beschrieben hatte.

In Europa ein Hit, in USA ein Flop durch anderes Ende

The Big Blue, in Europa ein absoluter Kassenschlager, floppte in den Amerika. Und das liegt nicht an einer möglichen anderen Mentalität, sondern an einem anderen Film.

Die zauberhafte, sphärische Musik wurde für die US-Version ersetzt, der Fim massiv gekürzt und -das Schlimmste-: Das offene Ende wurde neu als Happy End verfilmt. Damit ist der gesamte Effekt des Filmes dahin. Geht man beim offenen Ende tief berührt aus dem Kino, so hat man die Happy-End-Version nach fünf Minuten vergessen.

Tipp: Europäische Extended Version ansehen

Auch bei der deutschen Fassung ist im Vergleich zur orginalen französischen Version über eine halbe Stunde gekürzt, was dem Verständnis für Jaques und dem Einfühlungsvermögen in den Film erheblich schadet.

Tipp: Unbedingt die Extended Version ansehen und keinesfalls die amerikanische Version mit verändertem Ende!

Über den Online TV Recorder kann man den Film auch kostenlos downloaden, wenn er im Fernsehen kommt. Allerdings läuft er meist erheblich geschnitten, daher ist der Kauf der DVD oder Blu-Ray sehr zu empfehlen.

Wizzard, am 13.03.2011
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 5 Jahren
6 Seiten
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