Vollmond - was passiert da eigentlich?

Natürlich weiß das jedes Kind: Der Mond ist immer da, aber nicht immer gleich zu sehen. Ungefähr alle 28 Tage hat sich der Trabant einmal um die Erde gedreht. Dabei wird er von der Sonne unterschiedlich angeleuchtet. Steht der Mond hinter der Sonne, strahlt sie ihn an und man sieht von der Erde aus den Vollmond. Befindet er sich zwischen Sonne und Erde, nennt man das Neumond. Der Mond ist nämlich dann nicht zu sehen, weil die Sonne die erdabgewandte Seite anstrahlt. In den Phasen dazwischen sehen die Menschen je nach Winkel den ab- und zunehmenden Mond.

Bei Vollmond jammert ein Teil der Menschheit plötzlich, dass er schlechter schlafen würden. Die andere Fraktion markiert den starken Maxen: Was ficht ihn der gelbe Trabant?

Schlafen für die Forschung

Aber raubt der Vollmond den Menschen auch den Schlaf? Die Fragestellung ließ einem Forscherteam der Uni in Basel keine Ruhe. Es wollte endlich genau wissen, ob schlechter Schlaf bei Vollmond nur ein Mythos ist. Vielleicht, so die These, bilden sich die Menschen ja nur ein, dass sie in dieser Phase nachts unruhiger sind. Eventuell deshalb, weil es draußen bei Vollmond heller ist und diese "Lichtquelle" den Schlaf stört.

Vollmond

Und falls Einbildung doch nicht die Ursache ist: Was dahinter steckt, dass die Menschen in dieser Mondphase nicht so gut schlafen?

Sie baten also 30 Probanden ins Schlaflabor, um herauszufinden, wie sich der Schlaf in den verschiedenen Mondphasen entwickelt.

Bei den Freiwilligen wurden Gehirnströme während des Schlafes untersucht. Aber auch die Augenbewegungen - ein Zeichen für die tiefe Erholungsphase beim Schlaf - wurden beim Forschungsprojekt berücksichtigt. Zudem maßen die Forscher den Hormonspiegel der Studienteilnehmer.

Jetzt ist es wissenschaftlich

Wenn der Mond sein Licht anknipst, wird's bei wolkenlosem Himmel nicht nur draußen heller. Auch im Gehirn gibt's mehr lichte Momente: Die Areale, die für den tiefen Schlaf zuständig sind, verringern ihre Aktivität: Laut Studie arbeiten sie um 30 Prozent weniger.

 

Dadurch sinkt der Melatoninspiegel, fanden die Schweizer Forscher heraus. Die Zirbeldrüse, die das Hormon ausschüttet, wird nämlich nur bei Dunkelheit aktiv. Melatonin ist der Botenstoff, der den Schlaf-Wach-Zyklus beim Menschen regelt und übers Blut wirklich in jede Zelle gelangt. Ist die Hormonkonzentration verringert, fühlt sich der Mensch weniger müde.

Inzwischen kann synthetisches Melatonin eingenommen werden, um beispielsweise Jetlag oder Schlafstörungen zu bekämpfen. In Deutschland ist es allerdings rezeptpflichtig.

Der Blick auf die Uhr offenbarte bei der Studie ebenfalls eindeutiges: die Schlafdauer und -intensität verändert sich messbar.

Bei Vollmond müssen die Menschen durchschnittlich fünf Minuten länger Schäfchen zählen, ehe sie einschlafen, haben die Schweizer herausgefunden.

Und dann werden sie auch noch in den Morgenstunden um erholsamen Schlaf geprellt: Rund 20 Minuten schläft man bei Vollmond kürzer als normalerweise.

Träumen bei Vollmond

Nicht berücksichtigt haben die Forscher bei ihrer Studie, ob die Menschen bei Vollmond mehr träumen. Allerdings ist davon auszugehen, dass nicht mehr geträumt wird. Es wird nur besser registriert: Durch den leichteren Schlaf kann man sich einfach nur besser an das erinnern, was man geträumt hat. Denn nur wenn man sich in einer Aufwachphase - und deren gibt es auch beim normalen Schlaf immer wieder mini-kurze - befindet, nimmt man den Traum wahr. Die fehlende Schlafenszeit und der leichtere Schlaf bedingen also, dass man beim Aufwachen von mehr Träumen weiß.

Wie kann man besser ein- und durchschlafen?

Einschlafprobleme können vorkommen, und sie sind durchaus nicht auf den Vollmond beschränkt. Zunächst einmal ist Ruhe das oberste Gebot und zwar im Sinne von Unaufgeregtheit, wenn man Schwierigkeiten beim Einschlafen hat. Wer sich schon kirre macht, wenn er den runden Mond am Himmel sieht, kommt bedeutend schlechter in den Schlaf als jemand, der das gelassen nimmt. Besser ist, sich einfach hinzulegen und auch bei Schlaflosigkeit entspannt zu bleiben.

Abends sollte man bei Einschlafproblemen keinesfalls aufputschende Mittel zu sich nehmen. Kaffee, Cola und Schwarztee sollten tabu sein. Und auch den Schlummertrunk mit Alkohol lässt man besser bleiben: Auch wenn viele behaupten, dass Alkohol müde mache - erholsam schlafen tut man erwiesenermaßen nicht, wenn man etwas - oder gar viel - intus hat.

Besser helfen da ein paar bewährte Hausmittelchen. Ein warmes Entspannungsbad beispielsweise macht schläfrig. Oder ein Glas warme Milch mit Honig. Das in der Milch vorhandene Tryptophan dient dem Körper für die Produktion von Seratonin - einem Hormon, das beruhigt. Auch die ätherischen Öle von Lavendel haben diesen Effekt. Man kann ein mit Lavendel gefülltes Kissen unter den Kopf legen oder auch einen Tee aus den Blüten aufgießen.

Wer zwischendurch aufwacht, sollte sich den permanenten Blick auf die Uhr ersparen. Bloß nicht alle Minute auf die Uhr schielen, raten Schlafforscher. Sonst steigt man in einen Teufelskreis ein: Wer Druck aufbaut und krampfhaft schlafen möchte, liegt bis frühmorgens wach. Falls man in der Nacht darauf nochmals erwacht, darf man keinesfalls Aufhebens darum machen. Gelassen bleiben heißt hier die Devise. Denn: Unser Gehirn lernt sehr schnell, vor allem, wenn etwas mit starken Emotionen verbunden ist. Wer sich also erschrickt oder panisch wird, hat schnell verloren.

Zwei durchwachte Nächte reichen nämlich schon aus, um dem Organismus ein unerwünschtes Verhalten anzutrainieren, nämlich Schlaflosigkeit. ACHTUNG: Wer über längere Zeit nachts nicht schlafen kann, sollte sich professionelle Hilfe holen.

Wenn Vollmond ist ...

Mehr Sein als Schein

Durch die neue Studie wird bestätigt, dass der Mond in Wahrheit die bestimmende Kraft bleibt. Wie emanzipiert sich der Homo Sapiens auch immer fühlen mag - vom Mond ist er es nicht. Ganz so wie damals vor Jahrmillionen, als die "Menschheit" noch in einem Vorstadium im Wasser dümpelte.

Mit dieser Entwicklungsgeschichte hängt es nämlich wohl zusammen, dass auch Menschen bei Vollmond schlechter oder gar nicht schlafen. Die Studienleiter vermuten folgenden Hintergrund: Das Mondlicht hat bei vielen Meereslebewesen einen großen Einfluss aufs Paarungsverhalten! Weniger Schlaf kommt dabei der Arterhaltung sehr entgegen, und Schritt für Schritt konnte sich aus den Wasserorganismen der Mensch entwickeln.

Das Fazit der aktuellen Studie: Obwohl der Mond von der Sonne abhängig ist und selbst nicht scheint - er ist ja kein Stern - bleibt er einflussreich, was den Schlaf der Menschen angeht.

Einerseits ernüchternd. Andererseits beruhigend. Schlaflose Nächte bereitet diese Tatsache aber erst wieder beim nächsten Vollmond...

Hier gibt es einen übersichtlichen Kalender, der verrät, wann es wieder Vollmond wird. Und hier kann man sogar eine Erinnerung an die bevorstehende Vollmondnacht via SMS abonnieren.

Myrtis, am 27.10.2013
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