"going, going, gone"

Der Streetart-Künstler Banksy

Niemand weiß, wer Banksy ist, denn er selbst sorgt akribisch dafür, daß seine Identität verborgen bleibt. Genau so aber sorgt er selbst dafür, daß seine Bilder und Werke mit politischen und provokanten Aktionen einhergehen und weltweit für Aufsehen sorgen. Banksy wird als anarchisch-kreativer Streetart-Künstler bezeichnet, der mit Schablonen arbeitet, um seine Werke immer unerkannt, über Nacht und sehr schnell herstellen zu können.

In der südenglischen Hafenstadt Dover, Englands "Tor nach Europa", kommentierte Banksy den Brexit an einer weithin sichtbaren Hauswand. Auf seinem über Nacht gemalten Bild ist eine mehrere Meter hohe EU-Flagge zu sehen, aus der ein Handwerker einen Stern herausmeißelt.

In Bethlehem eröffnete er ein 9-Zimmer-Hotel mit dem "hässlichsten Ausblick der Welt". Die Gäste schauen von ihren Zimmern auf eine Gasse, in der die hohe Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland steht.

Banksys gesellschaftskritische Einstellung dokumentiert sich besonders in einem seiner Bilder, das Menschen bei einer Kunstauktion zeigt. Versteigert werden die gerahmten Worte: "Ich kann nicht glauben, dass ihr Idioten diesen Mist tatsächlich kauft." Auch dieses Werk kam schließlich bei Sotheby's unter den Hammer.

Schon 2002 sprühte Banksy mit dem Titel Balloon Girl im Osten Londons mit Schablonen ein in schwarz gesprühtes Mädchen, das einen roten herzförmigen Luftballon davonfliegen lässt, dasselbe Motiv, das bei Sothebys geschreddert wurde. Das Balloon Girl wurde aus der Hauswand herausgetrennt und erzielte gerahmt bei einer Versteigerung einen Erlös von 500.000 Pfund.

Nach einer Umfrage unter 2000 Teilnehmern für Samsung TV wählten die Briten das Bild im Juli 2017 zu ihrem Lieblingsbild.

Wer ist Banksy?

Die Kunstwelt war sich schon einige Male (ziemlich) sicher, Banksy enttarnt und identifiziert zu haben. Es gibt sogar eine Dokumentation zu Baksys Einbau eines Schredders in den Bilderrahmen vom "Mädchen mit Luftballon". Doch selbst hier konnte Banksy wegen seines Kapuzenpullovers nicht enttarnt werden; Banksy war auch hier seinen Häschern wie auch beim Erstellen seiner immer einen Schritt voraus. Fast zu 100 Prozent sicher ist allein das Wissen, daß Banksy aus Bristol stammt.

Bereits mehrfach war man sich sicher, die Identität des mysteriösen Künstlers enthüllt zu haben, der es trotz einer gefilmten Dokumentation zu seiner Person immer wieder schafft, die ganze Welt an der Nase herumzuführen. 

Verdächtigt werden viele, die beiden wohl bekanntesten und aussichtsreichsten Anwärter sind jedoch Robert del Naja und Robin Gunningham.

 

Zwei Hauptverdächtige

Robert del Naja

Eigentlich schien 2017 Banksys Identität gelüftet, als der US-Musiker Goldie seinem Kollegen Scroobius Pip zuraunte "Ich möchte Robert gegenüber nicht respektlos sein – er ist ein brillanter Künstler. Er hat die Kunstwelt auf den Kopf gestellt."

Aber das allein ist kein Beweis; im Gegenteil, es könnte sogar der Versuch gewesen sein, die Tarnung weiter hoch zu ziehen. Goldie ist seit fast 40 Jahren in der Graffitiszene dabei; er könnte deshalb Banksy kennen.

Robert Del Naja ist Frontsänger der Band "Massive Attack", die sich 1988 in Bristol gründete. Ein Journalist meinte, nachgewiesen zu haben, daß immer, wenn "Massive Attack" aufgetreten war, kurz darauf ein neues Werk von Banksy zu sehen war. Zwar ist Robert Del Naja selbst Graffiti-Künstler, allerdings unter dem Namen 3D. Für sein Buch "3D" schrieb Banksy das Vorwort. Identität oder nur eine gute Freundschaft.....?

Robin Gunningham

Der zweite Verdächtige ist Robin Gunningham; sein Name fällt seit Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Banksy. Gunningham stammt wie Banksy aus Bristol und soll bereits vor dem Auftauchen von Banksy einen ähnlichen Malstil gehabt haben. 

Kriminologen der Londoner Queen Mary Universität haben das aus der Kriminologie bekannte Profiling angewendet und es "geographisches Profiling" genannt. Sie haben die Standorte von 140 Banksy-Werken in London und Bristol mit den gleichzeitigen Standorten der zehn am häufigsten im Zusammenhang mit Banksy genannten Namen verglichen und legten sich auf Robin Gunningham fest. Die Vermutung, Gunningham könnte hinter dem Namen "Banksy" stecken, hält sich hartnäckig. Allein der sichere Beweis fehlt.....

War Sotheby's in die Schredderaktion eingeweiht?

Vieles läßt darauf schließen, daß das weltberühmte Auktionshaus Sotheby's genau wusste, was oder mindestens dass etwas passieren würde.

  • Sotheby's prüft alle Gegenstände, die in eine Auktion kommen sollen, sehr genau. Der dicke schwülstige Rahmen und sein Inhalt wären aufgefallen.
  • "Ganz zufällig" war Banksys Bild das letzte Bild, das unter den Hammer kommen sollte. Bisher hatte die höchst erfolgreiche Auktion schon 90 Millionen Pfund eingebracht. Mitten in der Auktion hätte der Eklat um Banksys Bild den Erfolg der Auktion gefährden können.
  • Banksy Bild hing an der Wand; im Regelfall werden die Bilder nahe am Publikum auf einer Staffelei ausgestellt. Auf einer Staffelei hätte der Schredder aber nicht funktionieren können.

Auf Instagram schrieb Banksy nach seiner Aktion: "going, going, gone". Auf deutsch: "Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten -Verkauft".

Sothebys meinte, der Wert des Bildes müsse sich nach der Aktion mindestens verdoppelt haben.

Ob der Käufer bezahlen muss und wenn ja, welchen Preis, dürfte noch umfassend geregelt werden müssen. Schließlich ist das Bild auf Ewigkeit "kaputt".

p.s.: Inzwischen hat sich am 11.10. die Käuferin, eine Sammlerin und Kunstfreundin, gemeldet und mitgeteilt, sie werde den vereinbarten Preis bezahlen. Schließlich sei es das erste Kunstwerk, das bei einer Auktion entstanden sei.

War Banksy bei der Auktion anwesend?

Fieberhaft hat nach der Schredderaktion das gesamte Haus Sotheby's zusammen mit seiner Security und den bei der Auktion anwesenden Journalisten nach allen Fotos der Auktion geforscht, denn es war ja möglich, dass Banksy bei seiner neuesten Aktion höchstpersönlich anwesend war oder gar per Funk den Schreddermechanismus in Gang setzte. Vielleicht, so hofften alle, war auf irgendeinem Foto zufällig Banksy zu sehen, mit Bart oder Sonnenbrille, Kapuzenpullover oder Mütze. Ist gar ein filmender Besucher zu sehen, der das ganze Spektakel aufnimmt?

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein Künstler wie Banksy persönlich eine solche Auktion besuchen würde Schließlich weiß er doch genau, welch riesige Aufmerksamkeitswelle seine Aktion in aller Welt auf sich ziehen wird. Jahrzehntelang hat Banksy seine Identität geheimgehalten. Warum sollte er sie durch eine einmalige Aktion beenden?

 

Also forschen wir weiter nach seiner Identität und warten auf seine nächsten spektakulären Auftritte.

Autor seit 5 Jahren
359 Seiten
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