50, 60, 70 Jahre - wenn alte Eltern sich verlieben

Erwachsene Kinder haben oft kein Verständnis mehr für die alten Eltern, sofern diese sich plötzlich für Dinge interessieren, die nicht "altersgerecht" sind. Sehr verständnislos reagieren Kinder, wenn ein Elternteil - nach dem Tod des Lebenspartners - sich plötzlich doch noch einmal in einen neuen Partner verliebt, wenngleich Mutter oder Vater schon weit über 50, 60 oder 70 Jahre alt ist.

Wenn die alten Eltern sich neu verlieben, ist der neue Partner / die neue Partnerin hin und wieder ein Anlass für "Querelen" innerhalb der Familie. Während die erwachsenen Kinder sich sonst kaum Zeit für die einsamen Elternteile genommen haben, als diese zu gerne ein wenig Nähe und Geborgenheit, Verständnis, Liebe und Herzenswärme benötigt hatten, sind die Kinder gerade dann wieder da, wenn für Mutti oder Vati endlich wieder die Sonne scheint.

Auch Eltern - ganz gleich, wie alt sie sind - haben ein Recht auf die Liebe, haben es verdient, einen liebenden Partner zu finden mit dem sie den Lebensabend verbringen können. Wenn die erwachsenen Kinder sich nicht von ihren Eltern in ihr Leben hineinreden lassen, sollten sie sich auch davor hüten, den Eltern das Leben auszureden, was sie sich ausgesucht haben. Zu eben diesen gehört auch eine neue Liebe. Ältere Menschen haben es bedingt durch ihr hohes Alter schon nicht so einfach, einen neuen Lebenspartner bzw. Partner für eine harmonische Beziehung zu finden.

Überdies tun sich ältere Menschen sehr schwer damit, sich wieder zu verlieben, viel zu groß ist oft die Trauer um den verstorbenen langjährigen Lebenspartner. Doch finden Sie dann das große Glück noch einmal, ganz gleich, ob über eine Senioren-Single-Börse im Internet oder während einer Veranstaltung für Senioren, im Kegelclub um die Ecke oder während des Single-Urlaubs - so dürfen sie es auch festhalten.

Es wäre sehr anmaßend, von den erwachsenen Kindern, den verwitweten Elternteil, der sein neues Liebesglück gefunden hat, diesbezüglich Vorhaltungen zu machen. Liebe kennt kein Alter!

Wenn alte Menschen zur Belastung werden

Die Kinder von heute, sind die Senioren von morgen. Jedoch sehen es die erwachsenen Kinder nicht, dass sie selbst einmal alt und grau werden, solange sie jung und gesund sind, die Unterstützung ihrer Eltern haben, ihre Liebe und Fürsorge spüren. Allerdings sind sie - die erwachsenen Kinder - oft auch überfordert, wenn die Eltern plötzlich älter werden, wenn die alten Eltern nicht mehr so agil wie vor ein paar Jahren sind, wenn die alten Menschen über Krankheiten klagen, sich ängstigen an manchen Tagen oder sich einsam fühlen. Ebensoo schwer ist es für die erwachsenen Kinder, wenn sie selbst einen großen Spagat zwischen Elternhaus und eigener Familie machen müssen. Denn einerseits möchten sie die alten Eltern nicht im Stich lassen und ihnen so oft es geht, unter die Arme greifen, andererseits fühlt sich die eigene  Familie dann mitunter vernachlässigt.

Besonders für Frauen - erwachsene Töchter - ist dies eine enorme Belastung, erst recht dann, wenn seitens des Partners das Verständnis nicht da ist. Es gibt durchaus auch egoistische Schwiegertöchter, die nicht in der Lage sind, den älter werdenden Schwiegereltern unterstützend zur Seite zu stehen. Oder sie bringen das Verständnis für den Partner nicht auf, der sich liebevoll um seine kranken alten Eltern kümmern möchte. Am Liebsten mag er sie sogar ins eigene Heim holen. Oftmals sind Konflikte innerhalb der Familie vorprogrammiert, wenn es darum geht, pflegebedürftige Senioren bzw. kranke alte Eltern ins Haus zu holen, um sich intensiv um sie zu kümmern.

Wohin mit den alten Eltern?

Ist es herzlos, egoistisch oder einfach unumgänglich und notwendig, die alten Eltern, sofern sie denn krank und gebrechlich sind, ins Heim zu geben?

Viele erwachsene Kinder scheuen sich davor, die eigenen Eltern in die Obhut fremder Hände zu geben, in ein Heim zu stecken, nur weil sie selbst sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr um die pflegebedürftigen alten Menschen kümmern können.

Auch die eigene Familiensituation - wie oben beschrieben - kann dazu führen, dass erwachsene Kinder sich mit den Gedanken tragen, die Eltern - sofern diese krank sind oder gar ein Pflegefall - lieber in einem Pflegeheim oder einem Altenheim unterzubringen. Manch einem erwachsenen Kind fällt es sehr schwer, auf den Rat anderer Personen zu hören, die das Seniorenheim als letzten Ausweg - als Endstation für die Alten - vorschlagen.

Sicherlich ist es eine harte Belastung, wenn die alten Eltern zum Pflegefall werden und die Kinder mit der Pflege überfordert sind. Dennoch müssen Senioren bzw. ältere Menschen, die krank und pflegebedürftig sind, nicht unbedingt in einem Altersheim, einem Senioren-Stift oder in einem Pflegeheim untergebracht werden.

Alte Menschen - egal wie krank sie sind - spüren, wenn sie "abgeschoben" werden sollen, wenn sie "unerwünscht" sind und "zur Last" werden. Daran sollten auch die erwachsenen Kinder denken, bevor sie voreilig Nägel mit Köpfen machen und die alten Eltern in ein Heim geben wollen.

Alte Bäume verpflanzt man nicht

Einen alten Baum verpflanzt man nicht, besagt ein Sprichwort. Senioren / Rentner, die ihr ganzes Leben lang in einer Umgebung verbracht haben, können eingehen wie eine Blume im Eisregen, sofern sie von heute auf morgen aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden.

Wenn die alten Eltern noch klar bei Verstand sind, sich auch selbst zu helfen wissen, auch wenn sie körperliche Gebrechen haben, müssen sie nicht unbedingt in ein Senioren- oder Pflegeheim.

Selbst wenn sich die erwachsenen Kinder nicht um die alten Eltern kümmern können oder wollen, gibt es andere Alternativen, den kranken Senioren das Leben noch so schön wie möglich zu gestalten, ohne dass sie aus ihrem Umfeld, ihrem Heim herausmüssen.

Die häusliche Pflege für Senioren macht es möglich. Ebenso könnte das "Betreutes Wohnen" in Wohnortnähe eine weitere Möglichkeit für die Unterbringung der kranken alten Eltern sein. Sowohl die alten Menschen als auch deren Kinder sollten sich, bevor sie eine Entscheidung treffen, im Klaren darüber sein, das alles zwei Seiten hat und sich daher genau informieren. Denn selbst die soziale Pflege kann ihre Tücken haben.

Wohin mit den alten kranken Eltern? Diese Frage sollte niemals im Raum stehen, sondern gemeinsam offen ausdiskutiert werden.

Veränderung kann durchaus etwas Positives sein, in jedem Alter. Allerdings können Veränderungen ebenso Angst machen, zur Bedrohung werden, wenn sie von heute auf morgen stattfinden.

Deswegen ist es sehr wichtig, mit den alten Eltern schon beizeiten darüber zu sprechen, wie sie sich ihren Ruhestand, ihren Lebensabend vorstellen, wenn sie tatsächlich einmal krank werden und sich nicht mehr alleine betun können.

Wenn nur noch das Pflegeheim bleibt

Manchmal führt kein Weg daran vorbei, die kranken, pflegebedürftigen Eltern in ein Pflegeheim oder ein Seniorenheim zu geben. Wenngleich dies auch kein leichter Schritt sein mag. Allerdings ist vor Ort, in der eigenen Wohnung, nicht immer die Möglichkeit gegeben, die schwerkranken Eltern zu pflegen oder pflegen zu lassen.

Wenn eine medizinische Rundumbetreuung notwendig ist, sind die pflegebedürftigen Eltern in einem guten Pflegeheim besser untergebracht. Wichtig ist jedoch, dass sich die Kinder das Seniorenpflegeheim genau ansehen, Erkundigungen einholen und sich ein Bild von den Räumlichkeiten machen.

Nicht immer lassen sich Mängel auf den ersten Blick erkennen. Sofern die kranken Eltern noch in der Lage sind, sich selbst zu äußern, sollten sie ein Mitspracherecht haben, wenn es um die Auswahl des Pflegeheims geht.

Denken Sie immer an ihre alten Eltern, solange diese noch da sind, gesund sind und mit Ihnen kommunizieren können. Genießen Sie jede gemeinsame Stunde mit ihnen. Irgendwann sind sie nicht mehr da!

KreativeSchreibfee, am 08.10.2011
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