Ziesel

Ziesel (Bild: Ben_Kerckx / Pixabay)

Ein Ziesel, saß auf einem Kiesel ....

inmitten von Bachgeriesel ... so beginnt ein köstlich albernes Gedicht von Christian Morgenstern. Leider richtete es sich aber an das viel bekanntere Wiesel. Nennt sich auch "Das ästethische Wiesel".

Darum gehen wir besser zurück zum Ziesel, das in Deutschland männlich tituliert ist "der Ziesel", in Österreich jedoch sächlich "das Ziesel". "Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache.", meinte schon einst der Wiener Kabarettist Karl Farkas.

Systematik

  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Hörnchen (Sciuridae)
  • Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
  • Gattung: Ziesel (Spermophilus/Citellus)
  • Sieben Arten gibt es noch in Europa, 14 Arten in Nordamerika.

Ein kurzer Blick zu den Nagetieren und der Familie Hörnchen

Die Nagetiere sind die erfolgreichste Säugetiergruppe mit mehr als 2.000 Nagetierarten. "Sciurus", das griechische Wort für Hörnchen, bedeutet: "der mit dem Schwanz sich Schattende", eine treffende Bezeichnung.

Zu den ältesten Arten gehören die Hörnchenverwandten (Sciuromorpha). Sie lassen sich bis ins Eozän (etwa 55 Millionen Jahre) zurückverfolgen. Ihre Ursprünglichkeit zeigt sich noch im Gebiss und im Körperbau. Ein "lebendes Fossil" ist dabei das Stummelschwanzhörnchen (Aplodontia rufa).

Die Hörnchenverwandten haben erfolgreich sämtliche Lebensräume erobert.

  • Die Gleithörnchen die Luft,
  • Baumhörnchen den Lebensraum Wald,
  • die Erdhörnchen den Boden.

Murmeltier, Ziesel, Präriehunde und Eichhörnchen sind also nahe Verwandte.

 

Ziesel, Murmeltier oder Präriehund?

Ziesel (Bild: skeeze / Pixabay)

Die Erdhörnchen oder Bodenhörnchen (Xerinae)

Erdhörnchen und die Baumhörnchen haben sich, wie ihr Name schon andeutet, auf zwei ganz unterschiedliche Lebensräume spezialisiert: Die einen leben in unterirdischen Gangsystemen von teilweise großer Ausdehnung, etwa die Präriehunde, die anderen führen ein Leben in den Baumkronen.

Zu den Erdhörnchen gehören 128 Arten, so etwa das Murmeltier, der Präriehund und der Ziesel. Allen gemeinsam ist der walzenförmige Körper und der buschige Schwanz. An den Füßen haben sie starke Krallen, die zum Graben dienen und zwei lange Schneidezähne im Oberkiefer und zwei im Unterkiefer.

Diese Nagezähne müssen ein ganzes Leben lang durch unablässiges Knabbern abgeschliffen werden. Ihre Sinne sind gut ausgebildet, besonders das Auge und das Gehör. Einige besitzen Backentaschen zum Transport der Samen. Alle Hörnchen können Laute von sich geben. Am bekanntesten sind die Warnpfiffe der Murmeltiere, aber auch das "Bellen" der Präriehunde, das für deren Namen verantwortlich ist, ist markant.

Das machen alle Hörnchen: Alle Hörnchen machen "Männchen", auch das "senkrechte Schwanzzucken" ist allen gemeinsam.

Ziesel

Ziesel (Bild: Herbalizer / Flickr)

Der Europäische Ziesel oder Schlichtziesel (Citellus citellus/Spermophilus citellus)

In Gestalt an ein kleines schlankes gelbbraunes Murmeltier erinnernd, lebt er als Bodenbewohner in Steppengebieten, Graslandschaften. In manchen Gegenden wird er auch als Steppen-Eichhörnchen bezeichnet. Ziesel werden etwa 18 bis 23 cm lang, mit Schwanz noch bis zu 7 cm länger. Ein ausgewachsener Ziesel wiegt knapp 400 g. (Ein Murmeltier hingegen wird etwa 60 cm lang und maximal 8 kg schwer.)

Wir bauen uns die Wohnung unterirdisch

Wie alle Bodenhörnchen leben die Ziesel in unterirdischen weit verzweigten Bauten in einer Form Großkolonie mit verschiedenen Nestkammern und Kotstellen. Für seine Bauten braucht er tiefgründigen, gut entwässerten Boden. Zum Unterschied von ihren nahen Verwandten, den Murmeltieren, bewohnt aber jedes Tier eine eigene Kammer. Auch die Mutter verbleibt mit ihren Kindern nur etwa zehn Tage in einer gemeinsamen Kinderstube, dann zieht sie in eine Kammer nebenan und kommt nur zum Säugen zurück. Meist wird die Kammer der Mütter an ihre Töchter weiter gegeben.

Wie sieht das Leben von den Zieseln aus?

Wie leben die Ziesel?

  • Ziesel sind tagaktiv und ernähren sich von Samen, Wurzeln, Knollen, Gräser, auch kleine Insekten werden nicht verschmäht.
  • Zwischen Juni und August erfolgt ein markanter Haarwechsel.
  • Im Sommer wird eifrig Nahrung in den Bau getragen.
  • Der Ziesel hält ab September bis etwa März seinen Winterschlaf, aus dem er jedoch von Zeit zu Zeit aufwacht. Ob dies das Immunsystem anregen soll, oder aus anderen Gründen geschieht, ist noch nicht ausreichend erforscht.
  • Erst bei den ersten Aktivitäten (Paarungsspiele) im Frühjahr wird der angesammelte Wintervorrat an Samen verzehrt.
  • Das Zieselweibchen bringt seine meistens fünf bis acht Jungen nach einer Tragzeit von etwa 25 Tagen zur Welt.

Die putzigen Zieselkinder

  • Die Zieselbabys (Nesthocker) sind anfänglich nackt, blind und taub und wiegen lediglich sechs Gramm.
  • Sie wachsen aber rasch heran, und schon im Alter von vier bis fünf Wochen werden sie von ihrer Mutter entwöhnt.
  • Neugierig stellen sich die Kleinen auf ihre Hinterbeine, um die Umgebung zu überblicken, knabbern an Grashalmen oder verstecken sich in der Futterschüssel, aus der sie bereits wie die erwachsenen Ziesel Gemüse, Körner sowie gelegentlich Insekten fressen, das kann man etwa im Tiergarten Schönbrunn schön beobachten.
  • Junge Ziesel sind neugierig und treiben sich gerne verspielt in der Nähe des Baus herum. Aber ein einziger Pfiff genügt und sie verschwinden blitzschnell in einer der Röhren.
  • Nach wenigen Wochen verlassen sie den mütterlichen Bau und machen sich innerhalb der Kolonie selbständig.
  • In menschlicher Obhut werden Ziesel bis elf Jahre, im Freiland etwa acht Jahre alt.
Neugierige Zieselkinder

Zieserl (Bild: ColorfulFoxes / Flickr)

Sind Ziesel eine gefährdete Art?

In Deutschland ist die letzte Zieselkolonie bei Oelsen-Bretenau im Erzgebirge 1961 ausgestorben. Eine Wiederansiedlung im sächsischen Osterzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, erfolgte 2006 in einem überdachten Gehege. Diese Aktion wurde vom BUND Landesverband Sachsen durchgeführt.

Der Europäische Ziesel kommt natürlich noch in Österreich, Westpolen und Tschechien, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Moldawien, Rumänien, Serbien, Slowakei, Türkei, Ukraine und Ungarn vor. Er steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Grund für die Bedrohung ist vor allem die Lebensraumzerstörung durch Acker- und Siedlungsbau.

Deshalb gibt es auch in Österreich verschiedene Zieselschutzprojekte, bei denen sich engagierte Naturschützer auch aktiv beteiligen können.

 

Abb: Verbreitung des Ziesels (Spermophilus citellus). Blau: autochthone Vorkommen; Rot; Wiederansiedlung

In Deutschland ist die letzte Zieselkolonie bei Oelsen-Bretenau im Erzgebirge 1961 ausgestorben. Eine Wiederansiedlung im sächsischen Osterzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, erfolgte 2006 in einem überdachten Gehege. Diese Aktion wurde vom BUND Landesverband Sachsen durchgeführt.

Die Ziesel in Österreich -  leben auch in verwilderten Stadtbereichen, so etwa in Wien selbst, aber auch im Nahbereich der Stadt. Vom östlichen Waldviertel, Weinviertel, über das Tullner Feld und das Wiener Becken zeigen noch die Orts- oder Flurnamen vom einstigen Vorhandensein der Ziesel:

  • Zeiselmauer, Zeisel-Au oder Zeiserlberg.

Ziesel in der Schweiz - hier gibt es kein natürliches Vorkommen. Aber der Tierpark Dählhölzli half mit bei Wiederansiedelungen und lieferte der federführenden Naturschutzorganisation mehrere Nachzuchttiere zur Auswilderung.

Schutzmassnahmen für die Ziesel sind auch Hilfe für zahlreiche gefährdete Arten, die in der Nahrungskette weiter oben stehen (Umbrella-Art). So nüchtern es klingt, aber der Ziesel ist für eine Reihe von Steppenbewohnern, wie Kaiseradler, Sakerfalke oder Steppeniltis, ein wichtiges Beutetier. Mit dem großflächigen Rückgang der Zieselbestände ist für diese Arten ein zusätzliches Gefährdungsmoment entstanden.

Quellen: Bertelsmann Tierlexikon; Spektrum Akademischer Verlag; Wissenschaft-online.de; Markus Kappeller WWF Conservation Stamp Collection; Uniprotokolle.de

In diesen Zoos finden Sie Ziesel

Haltung von Ziesel Spermophilus citellus/Citellus citellus gibt es in

  • Bern Dahlhölzli,
  • Dresden,
  • Nürnberg,
  • Schmiding,
  • Wien.

Und wo bleiben die Erdmännchen?

Schade, so niedlich sie auch aussehen mögen, Erdmännchen sind keine Nagetiere. Sie sind Raubtiere (Carnivora), wenn auch der putzigen Art und bei einer Begegnung Erdmännchen - Ziesel würden die harmlosen Ziesel zwar ihre Grabeklauen einsetzen, aber doch den Kürzeren ziehen.

Adele_Sansone, am 28.09.2015
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie sehen Tierfamilien aus?)
https://pagewizz.com/was-geschieht-mit-u (Was geschieht mit überzähligen Tierkindern im Zoo?)

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