Überzählige Tiere im Zoo

Als "überzählige" Tiere werden im Zoobereich Jungtiere bezeichnet, für die kein Platz innerhalb der Zoos gefunden werden kann. Das Töten "überzähliger" Tiere ist ein sehr emotionsbeladenes Thema, mit dem man sich aber auch befassen muss, sofern man der Realität ins Auge zu blicken bereit ist. Allerdings ist dies - den Schlagzeilen zum Trotz - nicht Alltag für die Zoos, sondern eine Ausnahmesituation.

"Lieber tot, als schlecht untergebracht"– ist hier der Grundsatz der Zoos. Emotional schwer zu vermitteln. Qualen und Leiden durch unsachgemäße Haltung sind allerdings auch keine Alternative.

 

Mäuse (Bild: Kapa65 / Pixabay)

Futtertiere, geplante Nachzucht - Tier ist nicht gleich Tier!

Was viele Menschen vergessen oder nicht wahrhaben wollen, ist, dass es im Zoo nicht nur die Tiere gibt, die wir beobachten können, sondern auch viele Tiere hinter den Kulissen. Ein Großteil dient nur dazu von den anderen verspeist zu werden. Ein emotionaler Unterschied von gigantischem Ausmaß. Wer leidet mit der kleinen Futtermaus?

  • Die Futtertiere. Gibt es eigentlich Unterschiede? Hat nicht jedes Tier als Individuum ein Recht auf Leben?
  • Einerseits ergötzen sich viele Besucher bei öffentlichen Fütterungen an der possierlichen Art in der etwa z.B. Nasenbären die toten Mäuse aus den Hosentaschen der Pfleger ziehen. Machen sich die Besucher Gedanken, woher die Mäuse kommen? Wie sie zu Tode kommen? Erschüttert sie der Anblick der toten Mäuse? Oder ist das einfach "nur" Futter?
  • Andererseits ruft die angekündigte oder vollzogene Tötung oder gar öffentliche Zerteilung einer Giraffe, die "überzählig" ist, heftigen Protest hervor. Ist die Giraffe mehr wert als die Maus?
  • Ist die Herangehensweise amerikanischer Zoos, die Raubtiere öffentlich nur mit Hackfleisch füttern, weil Kinder nicht erfahren sollen, dass Tiere andere Tiere fressen, die bessere Methode?

Ist die naturnahe Fütterung, Fleisch am Knochen, ganze Hühner, wie es die europäischen Zoos machen, nicht ehrlicher? Abgesehen davon, dass sie für die Raubtiere sicher auch gesünder ist. Ein Abbild der realen Welt - das auch mehr Verständnis für die biologischen Abläufe vermittelt.

Alpenzoo

Eingang zum Alpenzoo Innsbruck (Bild: https://pagewizz.com/was-is...)

Besucherumfrage "Töten von Futter- und Zootieren"

Der Alpenzoo geht ganz pragmatisch an dieses Thema heran. Erlaubt sogar dem Lokalfernsehen einen Blick in die Futtertierstation. Und wird dafür nicht gesteinigt. Vielleicht ist durch die, derzeit noch große Nähe zum Bauern in Tirol diese Handlungsweise möglich?

Vor einigen Jahren startete man im Zoo eine Besucherumfrage* zu diesem Themenbereich.

  • "Haben Sie eine Vorstellung, woher das Futter für fleischfressende Tiere herkommt?"

Zu 50% waren sich sowohl Männer als auch Frauen der Herkunft bewusst.

  • "Wissen Sie, dass ein Teil des tierischen Futters durch Zoomitarbeiter fachgerecht getötet werden muss?"

Auch das bejahten knapp über 50 %.

  • Auf die Frage: "Artgerechte Tierhaltung bedeutet also auch das Verfüttern von Tieren. Akzeptieren Sie das?", gab es folgende Antwortmöglichkeiten:
  • "Schockiert Sie das?
  • Haben Sie Mitleid?"

Wobei vorwiegend Kinder und die Jugend (bis 20 Jahre) mit Ablehnung reagierten, die Mehrheit der Frauen Mitleid mit den getöteten Tieren hatte. Aber die überwiegende Mehrheit vertrat die Ansicht, dass dies dem "natürlichen Kreislauf" entspräche und fleischfressende Tiere auch im Zoo ihre gewohnte Nahrung bekommen sollten.

  • Frage: "Überzählige Tiere, die keinen Platz in anderen Zoos gefunden haben, müssen eingeschläfert werden. Akzeptieren Sie das und kommen Sie wieder in den Zoo?" Auch das akzeptierte und bejahte eine deutliche Mehrheit.

Quelle: Rigi-Symposium 2003 (*200 Zoobesucher im Alpenzoo wurden dazu befragt)

Interessant ist unser eigenes zwiespältiges Verhalten. Denn kein fleischfressendes Haustier, ob Katze oder Hund, könnte ohne die notwendigen Futtertiere, allerdings versteckt und fein säuberlich in Dosen verpackt, überleben. Da nehmen wir den Tod eines anderen Tieres, ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Und wer aus lauter Mitleid mit den Futtertieren seine Katze zum Vegetarier umpolen will, macht sich erst recht der Tierquälerei an seinem eigenen geliebten Tier schuldig.

 

Der Tod von Zootieren ist für viele Menschen ein schockierender Gedanke, paradoxerweise sogar für Menschen, die Tierfleisch auf dem eigenen Teller nicht schockierend finden.

Aufgabe der Zoos ist es, unter Berücksichtigung des artgerechten Wohlbefindens die Zahl an überzähligen Tieren so gering wie möglich zu halten. Notwendige Tiertötungen sind nur das letzte Mittel. Man sollte aber den Zoos als "Sorgeberechtigten" für ihre Tiere Vertrauen entgegen bringen, dass sie die unmittelbaren Bedürfnisse der Lebewesen, für die sie verantwortlich sind, stets im Auge haben. Eine berechtigte Kontrolle spricht dem nicht entgegen.

Dass Organisationen, wie Peta, diese Tötungen hochgradig verteufeln, ist allerdings scheinheilig. Denn auch Peta (Virginia) selbst muss aus Platzgründen ihnen anvertraute Tiere ebenfalls töten lassen.

Und wenn Peta für sich in Anspruch nimmt: "Das ist nur eines der vielen Dinge, die wir tun um das Leiden der Tiere zu verringern", dann muss sie diese Folgerung auch einen Zoo fällen lassen.

Das Schaffen von alternativen Möglichkeiten inner- und außerhalb der Zoos

Es muss bei diesem Thema erlaubt sein, noch andere alternative Möglichkeiten für überzählige Tiere anzudenken.

  • Vielleicht kann man doch überregional Einrichtungen wie Junggesellenherden (wird bereits in einigen Zoos so gehandhabt), als zeitlich begrenzte Übergangsmöglichkeit schaffen.
  • Eine Art Gnadenhof für Tiere schaffen, die überzählig, nicht zur Zucht geeignet oder nicht mehr fortpflanzungsfähig sind, wo sie aber angemessen gehalten werden?
  • Neue Möglichkeiten der Unterbringung andenken; noch ist hier nicht alles zu Ende gedacht oder ausprobiert worden.
  • Hier ist möglicherweise noch einiger Spielraum gegeben. zum Thema Prof. Jörg Luy

Warum es so schwer ist, bedarfsgerecht Nachwuchs zu planen, wird in einem eigenen Artikel anhand eines Gesprächs mit Dr. Michael Martys, Direktor vom Alpenzoo in Innsbruck, erläutert.

Adele_Sansone, am 12.12.2014
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