Park Güell (Bild: Costa Kreuzfahrten)Kein Wunder, ist es doch selbst hier im Winter oft lausig kalt. Dennoch, die Platanen wollen einfach die grünen Blätter nicht hergeben. Es fehlt der Nachtfrost, um herunterzuholen, was die Bruthitze des Sommers überdauert hat. Und die Mimosen blühen schon wieder gelb. Barcelona im Sommer, das ist ein Menschengewimmel in überfüllten Straßen, Hotels und Restaurants, heiß und laut bei Tag und Nacht. Barcelona findet im Winter wieder zu sich, als hätte es die reisenden Heerscharen nie gegeben. In diesen Wochen wird sichtbar, dass der Reichtum aus anderen Quellen kommt: Die zweitgrößte Stadt Spaniens ist das Wirtschaftszentrum des Landes, ihr Hafen einer der bedeutendsten am Mittelmeer. Nicht nur für Mittelmeer Kreuzfahrten.

Die Altstadt von Barcelona, das Barreo Gotico, ist eine Stadt für sich, steinern, mit engen Gassen und grauen Palästen voller Pracht im Innern, mit Katzen und Kneipen, Museen und mächtigen Kirchen. Aber mit dem Leben eines südlichen Hafenplatzes und seinen Verlockungen. Der Taxifahrer weiß sie zu preisen: Hübsche Mädchen gibt es hier. - Oh, ja! - Machen Sie eine Kreuzfahrt? - Nein. - Ah, Sie haben Urlaub vom Schiff? - Nein. - Ah, aber die Mädchen... ich kenne einige, Sie würden Augen machen... Nun ja. Doch der Ruhm der Stadt rührt von anderen sinnverwirrenden Genüssen her, von Reizen, deren Versuchungen man eher nachgehen sollte. Was Augenfreuden und Behaglichkeiten der Tafel betrifft, wird man kaum eine ähnlich große Stadt finden, die so zu stimulieren vermag.

Zweierlei gibt es stets frisch in Barcelona: Fisch vom Meer und zartes Lammfleisch. Für Lämmerliebhaber ist Barcelona eine Metropole aus gebratenen Keulen und Rücken, mit Türmen aus Knoblauchzwiebeln, verziert mit Wachteln und Tauben - nichts für Waage-Menschen, die mit ihren Pfunden nicht wuchern dürfen. Jenen bleiben die Fischrestaurants, in denen sich Muscheln, Austern, Fische und jede Sorte Meerestiere häufen. Vorsicht vor Fisch und Verwandtem ist lediglich montags geboten: Vielleicht ist dann noch was vom Freitagsfang übriggeblieben...

Nicht minder wichtig als die Tafelfreuden sind den Iberern die optischen Reize. Der wohl bekannteste Spanier, Don Quichotte, weiß Barcelona da besonders zu rühmen: "Und obgleich das, was mir dort begegnet ist, nicht zu den angenehmsten Erinnerungen gehört... so trage ich es doch ohne Murren einzig und allein, weil es mich freut, die Stadt gesehen zu haben..." Der literarische Recke lobt zu Recht, ein Gang durch das Barrio Gotico beweist es. Gerade jetzt im touristenarmen Winter kann man entdeckend staunen, wie lebendig dieses Viertel die Zeiten überstanden hat. Am Meer beginnen die engen Gassen mit Hafenspelunken und ziehen sich über schöne Plätze, vorbei an romantischen und gotischen Kirchen bis hin zur Kathedrale Santa Eulalia, einem prunkenden gotischen Bau. Sakrale Gotik hat auch in Frankreich und Deutschland isoliert überdauert, hier jedoch verwundert das konservierte Gefüge profaner Häuser und Paläste. Inmitten all dessen die Plaza del Rey, nicht weit von der Kathedrale entfernt, mit einer wirklichen Rarität: einem gotischen Hochhaus, dem erhaltenen Hauptturm des Königspalastes.

Und weil wir schon bei einzigartigen Bauten sind, sollten wir Gaudi nicht vergessen, jenen verrückten Architekten und Tausendsassa, dessen Werke überall in der Stadt verstreut stehen. Nicht sein berühmtestes Bizarr-Stück, die Kirche Sagrada Familia, scheint mir sein schönstes zu sein; ich liebe seine springenden Wasser, die Fabeltiere aus Keramikscherben, die Häuser wie Tropf Steinpilze, die Säulen, den Palmen nachempfunden, oder die steinernen Storchennester im Güell-Park - Spielplatz. Machen Sie eine Mittelmeer Kreuzfahrt mal im Winter. Sie werden es nicht bereuen. Alle Informationen finden Sie hier.

Hafenportrait von Barcelona
Autor seit 6 Jahren
33 Seiten
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