Keimlinge (Bild: karstenkneese / Flickr)

Das simple Aussaat- und Pflanz-ABC

  • A) Man braucht gutes Samenmaterial.
  • B) Eine gute Aussaaterde ist unbedingt nötig.
  • C) Wässern, aber mit Sinn und Verstand.
  • D) Luft und mäßig Sonne - der ideale Platz auf der Fensterbank.
  • E) Beschriften nicht vergessen!

Dann kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen.

Anzucht auf der Fensterbank

Tonscherben über die Abzuglöcher der Saatschalen legen. Erde einfüllen und glätten; Samen mit Abstand (wie auf den Päckchen angegeben) ausstreuen und fein mit Erde übersieben (Ausnahme: Lichtkeimer). Fein gießen (Brause oder Sprühflasche). Anfangs mit durchlöcherter Folie zudecken. Täglich lüften. Auf geeigneten Platz stellen. Nie die Pflanzen ersäufen!

Die gekeimten Jungpflanzen bei Bedarf in Töpfe pikieren. Gut durchwurzelte Jungpflanzen dann zur richtigen Zeit ins Freie oder in passende Balkon- oder Terrassengefäße aussetzen.
Klingt alles ganz simpel. Wo also liegen die Probleme?

 

Wann soll man mit der Anzucht beginnen?

Auch wenn es noch so in den Fingern juckt; der beste Zeitpunkt ist erst ab Anfang/Mitte März (je nach Region, siehe Phänologischer Kalender).
Wenn nämlich die Jungpflanzen gut im Haus gedeihen, aber nicht zur richtigen Zeit ins Freie gesetzt werden können, werden sie zu schwach (lange schwache Triebe, Läuse, ....) und wurzeln nur recht und schlecht an.
Die knackigen Jungpflanzen allmählich ans Freie gewöhnen und anschließend aussetzen.

Samen

Gutes Samenmaterial, ob gekauft oder getauscht oder auch selbst geerntet, vermeidet spätere Enttäuschung. Mit diesen kleinen Tricks gehen die Samen besser auf.

  • Weichen Sie hartschalige Samen vor dem Einsäen immer erst ein.
  • (Kleiner Trick bei Tomatensamen: eine Beize aus 2-3 Knoblauchzehen mit heißem Wasser zubereiten. Mit diesem abgekühlten Sud die Samen übergießen. Einige Stunden weichen lassen. Die Samen über ein Sieb ausgießen und trocknen lassen.)
  • Dunkelkeimer müssen nach der Aussaat immer bedeckt sein. 1 - 1,5 -fach der Größe der Samen.
  • Lichtkeimer nur ganz leicht in die Aussaaterde anpressen. Lichtkeimer sind z.B. Basilikum, Oregano, Kresse, Bohnenkraut oder Thymian.

 

Erde ist nicht gleich Erde

Bitte bei der Aussaat keine normale Erde aus dem Beet (außer Sie haben Erfahrung beim Abmischen) oder Blumenerde verwenden. Diese enthält zu viel Düngematerial. Ideal ist nährstoffarmes, wasserdurchlässiges und feines Erdsubstrat wie eine spezielle Anzuchterde. Die jungen Wurzeln holen sich die nötige Kraft aus dem Samen.

Anfänger bedienen sich am besten an bestehenden Aussaatgefäßen, wie Schalen, Quelltöpfchen etc. Die gerne angebotenen Quelltöpfe sind ideal für Gärtner, die wenig Erfahrung mit dem Umtopfen oder Pikieren von Jungpflanzen haben. Denn man kann dann die gesamte Jungpflanze an ihren endgültigen Standort verpflanzen.

Kisten, Töpfe oder Schalen locker mit deer Erde bis zum Rand befüllen, anschließend festdrücken. Es bleibt meist ein 1-2 cm hoher Rand. Nun die Samen aussäen/stecken, bedecken und nochmals festdrücken. Etwas Platz für das Gießwasser muss bleiben.

 

Wasser, Temperatur, Licht

  • Bewässerung: Man muss das Aussaatgefäß gleichmäßig feucht halten und nicht austrocknen lassen.
  • Temperatur: Sorgen Sie für gleichmäßige und wenn erforderlich hohe Keimtemperaturen (22° bis 28° Celsius).
  • Licht: Auf einer Fensterbank mit Morgensonne steht das Anzuchtgefäß gut; direkte Sonne mittags vertragen die Jungpflanzen nicht. Zu dunkel ist auch nicht ideal. Gucken die ersten Blätter und Stängel hervor, drehen clevere Gärtner die Töpfe jeden Tag eine Viertel- oder halbe Drehung weiter. Damit alle Pflanzen aufrecht wachsen können.

 

Clevere Aussaatgefäße zum Selbermachen

Bereits etwas geübtere Gärtner können auch auf preiswerte Aussaatgefäße umsteigen.

1) Eierkartons: Verwende ich für einjährige Sommerblumen. Können dann samt auseinander geschnittenen Töpfchen ins Freie gesetzt werden. Wer mag, stanzt vorher noch je ein Abzugloch hinein. Auch zum Vorkeimen der Kartoffeln sind sie gut geeignet.

2) Obst/Gemüseplastikschalen: Anleitung hier. Hier besteht allerdings Staunässegefahr. Gut lüften nicht vergessen.

Papier-Anzuchttöpfe

Papier-Anzuchttopf auf Untersetzer (Bild: a.sansone)

3) Selfmade-Papiertöpfe aus Zeitungspapier

Anleitung:

1-Zeitungspapier mehrfach falten und um ein Glas wickeln. Auf der offenen Seite gut überstehen lassen.

2-Mit Papierklebeband seitlich fixieren.

 

3-Nun den Überstand dicht über das Gefäß einklappen, damit man einen festen Boden herstellt. Auch den Boden mit Klebeband festigen.

4-Die Dose/Glas herausziehen, den Papiertopf mit Aussaaterde befüllen und den Samen einsetzen.

 

Diese Papiertöpfe halten erstaunlich lange. Die Wurzeln haben die Möglichkeit das Papier leicht zu durchwachsen und verrotten optimal an der endgültigen Stelle im Beet oder in Pflanztopf.

 

Enrichment - Spielzeug für die Katze

Eine Nebenverwertungsmöglichkeit für die Papiertöpfe hat sich zufällig ergeben. Wer von euch kennt das nicht, Mieze will beschäftigt sein und liebt Leckerlis?

Meine Katze sitzt neben mir und sieht beim Basteln zu. Was macht ein braves Frauchen?
Richtig. Es füllt zwei, drei Leckerlis in den Papiertopf, schüttelt ihn ein paarmal und legt ihn dann auf den Fußboden.


Frau Mieze war gut eine Viertelstunde lang beschäftigt mit Herumschubsen, Angeln mit der Pfote, Herumtragen. Könnte ja sein, dass es sich wundersam nochmals befüllt.
Übrigens:der Papiertopf hat die Behandlung locker ausgehalten.

Alte Aussaatgefäße verwenden

Wenn Sie Töpfe, Schalen oder andere Gefäße aus dem Vorjahr verwenden, müssen sie nur dafür sorgen, dass sie sauber sind. Am besten mit heißem Essigwasser ausschrubben und gut nachspülen.

Tipp für Anfänger:

Wer gezielt nur wenige Samen in geeignete (auch preiswerte) Töpfchen setzt, erspart sich das Pikieren und Umtopfen.

Clevere Produzenten haben bereits ein passendes Hilfsgerät entwickelt: den Pflanzstempel/Paperpotter.

 



Welche Anzucht-Fehler kommen oft vor?

Hier heißt es einfach achtsam sein:

  • Die Erde trocknet aus. Die Keimlinge sterben ab. - Regelmäßig Gießen!
  • Die Erde ist viel zu nass, Staunässe während der Keimzeit, führt dazu, dass die Keimlinge umfallen. Auch Schimmelbildung ist oft die Folge. - Mäßig Gießen.
  • Der Samen wird nicht mit Erde bedeckt (außer bei Lichtkeimern - siehe oben). Dunkelkeimer keimen dann nicht.- Samen anpressen, leicht mit Erde bedecken, wieder anpressen. Beim ersten Gießen nicht die Samen freischwemmen.
  • Nach dem Pikieren gehen die Jungpflanzen ein. .. siehe nächster Abschnitt.

So soll eine gesunde Pflanze (Chili) aussehen (Bild: a.sansone)

Setzlinge pikieren, umtopfen, aussetzen

Pikieren (Umpflanzen):

  • Mindestend zwei Keimblätter und ein etwa zwei cm langer Stängel sind Bedingung.
  • Vorsichtig die einzelnen Pflänzchen mit Hilfe eines Pikierstabs herausheben und in den nächsten Topf umsetzen. Die Erde gut andrücken. Wässern. Zum Umpflanzen sollte spezielle Pikiererde verwendet werden, die schwach gedüngt ist und so die Wurzeln anregt, sich stärker zu verzweigen.
  • Pikierte Pflänzchen nicht zu tief setzen, es besteht die Gefahr, dass sie verfaulen.
  • Pikierte Pflanzen zu hoch gesetzt, fallen und knicken die zarten Stängelchen um.
  • Schimmel heißt, dass es vor allem zu feucht und zu wenig belüftet ist. Dem kann man mit etwas Kiessubstrat rund um die Setzlinge abhelfen.

Wichtig: Wässern Sie die Pflänzchen nach dem Pikieren gut an und schützen Sie sie vor direkter Sonne und Zugluft.

 

Was kann man Aussäen?

Hier finden Sie einige Inspirationen, was sie alles an interessanten Pflanzen, ob Gemüse oder Sommerblumen, selbst für den Garten vorziehen können.
Wer sich das nicht zutraut, wartet einfach auf die wärmeren Tage und besorgt sich in Gärtnereien geeignete Jungpflanzen.

Adele_Sansone, am 19.02.2017
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Bildquelle:
a.sansone (Paprika, Pfefferoni und Chili - Verteidigungskünstler im Gemüseregal)

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